Vom Postpatriarchat zur matrifokalen Gemeinschaft?

Der Begriff Postpatriarchat ist derzeit recht gebräuchlich und deutet an, wenn ich es richtig verstehe, dass die unmittelbare Zeit nach dem Patriarchat bereits angebrochen ist. Uns wird mit diesem Begriff suggeriert, dass bereits ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat bzw. in Gange gesetzt wurde. Dergleichen kann ich nicht feststellen. Zudem hat für mich der Ausdruck Postpatriarchat so ein Flair von postapokalyptisch.

Dieser Begriff bezeichnet auch keine konkrete Gesellschaftsform, sondern bringt nur die Hoffnung zum Ausdruck: das Ende des Patriarchat ist nah. Und einige tun so als hätte sie bereits begonnen, die erleichternde Zeit danach – nach der Patriarchose, nach der fatalen Väterherrschaft, nach den gewaltverbrämten Androzentrismus. Dass wir also mit einem Bein bereits in einer, allerdings noch nicht definierten hoffungsvollen Zukunft unserer globalen Gesellschaft stünden.

Wir sollten uns eingestehen – derzeit ist (noch) gar nichts „post“. Und weder der Beginn noch das Gefüge, des zu erwartenden gesellschaftlichen Öko- und Wertesystems einer zukünftigen Weltgesellschaft, ist bisher umrissen. Was folgt also nach dem Patriarchat und wie könnten sich tatsächlich die ernsthaften Schritte des Übergangs gestalten? Welche Art eines Gesellschaftsgefüges wird sich aus der immer noch waltenden, für alle so erdrückenden, Patriarchose entwickeln und wie schnell wird es gehen? Und was, wenn die Nutznießer der derzeitigen patriarchalen Hochkultur ihre Macht doch nicht einfach aus den Händen geben wollen?

Ich weiß, dass hier Hoffen und Wunschdenken eine Vision entstehen ließ: Mann und Frau als autarke, also vollkommen unabhängige (auch wirtschaftlich) Individuen, welche sich aus Liebe und nach Bedarf zusammen tun und innerhalb gewisser, biologisch vorgegebenen Lebensabschnitte für einen Fortbestand der Art sorgen, ohne auch nur den Anflug eines (Mutter)Sippengefüges aufkommen zu lassen. Die reine Form einer Zweier-Partnerschaft (auf Augenhöhe), eine Art Fortführung des Eheideals auf höchstem Niveau (ohne das strenge Reglement des christlichen Ehegedankens) und gleichzeitig unter Vernachlässigung der relevanten elementaren Kindheitsphase und möglichst ohne Wahrnehmung des biologischen Alterungsprozesses.
Der immer noch und nahezu naiv vorgegebene, gesellschaftliche LeitSinn zielt auf das (unnatürliche) Ideal eines mehr oder weniger dauerhaften Zweier-Bündnis, welches in temporären Elternphasen Nachwuchs produziert, jedoch nicht verpflichtet ist eine individuelle (aber kollektiv relevante) Altersabsicherung zu gewähren.

Ich kenne noch zu gut diese futuristischen Trugbilder aus der Zeit meiner Jugend, die ich im DDR eigenen, sozialistischen Sozio-Top der staatlichen Indoktrination und dem dazu passendem Schulsystem erlebte. Utopien sprudelten nur so und nichts davon hat bis heute je wirklich funktioniert. Und wird es auch nie, nicht solange von den Brüdern die Schwester im gesellschaftlichen Alltag vergessen, missachtet und unterdrückt wird. Daher fällt es mir auch außerordentlich schwer, mir das Postpatriarchat als eine funktionierende Partnerschaftsgesellschaft (ohne menschenartgerechte, ursprüngliche Sippenbindung) vorzustellen. Das ist für mich genauso unrealistisch, wie einst die kommunistischen Gesellschaftsmodelle einer marxistisch – leninistischen Ära, die ähnliche utopische Ideen pflegten, dabei auf jede Art von technischem Fortschritt setzten und in den sozialen Bereichen diffus eine allgemeine Verbrüderung als tragendes Element annahmen. Und wie im Patriarchat üblich wurden nicht nur die Schwestern verdrängt, noch wurde der Mütter und Töchter gedacht.

Der Mann als Träger des Postpatriarchats?
Wie wird sich also, wenn es soweit ist, die postpatriarchale Gesellschaft entwickeln? Aus welchen, heute bereits wirksamen Impulsen geht denn das neue Paradigma hervor?

Wird der Mann, die ihm bisher (durch göttliche Fügung) beigegebene Gehilfin „Frau“, zu seiner gleichberechtigten Nenn-Partnerin machen und auf jede Form weiblicher Ausbeutung und Diskriminierung verzichten?

Oder strampelt sich der Großteil der Frauen frei? Findet nach langem vergeblichem, individuellen jetzt ein kollektives Bemühen der Frauen statt, den Mann überhaupt erst grundsätzlich menschenfreundlich und partnerschaftstauglich auszubilden um damit für jede/n ein ersprießliches, Nähe garantierendes, Zusammenleben zu gewährleisten?

Findet im Postpatriarchat nach der Sozialisierung des MachoManns dann weiterhin eine Art permanenter Singlebörse als einziger Sinn der Lebensgestaltung neben der Erwerbstätigkeit statt? Und wo finden wir den Ort der Sozialisierung, um einen postpatriarchaltauglichen Mann zu kreieren? In der tradierten Kleinfamilie wohl nicht, das hat bisher auch nicht geklappt! Oder durch all die alleinerziehenden Mütter bzw. Väter? Oder gar in dem Gewirr der modernen Patchworkfamilien-Landschaft oder in einem, der matrifokalen Sippe nachgebildeten, Wahlclan, in dem aber nach wie vor die Mutter-Tochter-Bindung fraglich bleibt?

Um weiterhin weit weg von mütterlichen oder blutsverwandten Verbandelungen, das erwachsene, bindungsarme, autarke Individuums zu formen und auf die Suche nach einzelnen Partnern zu schicken, die ebenso unter den Defiziten leiden, die so eine moderne Vereinzelung mit sich bringt? Denn der Dreh- und Angelpunkt scheint für den Mainstream auch in der Zukunft immer noch in einer differenzierten Neuordnung des Geschlechterverhältnis außerhalb einer naturgemäßen Bindungsgemeinschaft zu liegen.

Es wird ihn (hoffentlich) nicht geben, den Gender-Norm-Menschen der Zukunft – für den prinzipiell keine Geborgenheit in einer (menschenartgerechten) fürsorgenden Herkunftsgemeinschaft vorgesehen ist und der durch den postapokalyptischen Mainstream zum beziehungsbereiten, doch bindungsarmen, flexiblen Partner für jedefrau bzw. jedermann geformt wird. Woher kommt er also dann, der gewaltfreie, partnerschaftliche, sozial eingestellte und fürsorgende Mann?

Unsere (biologische) Natur können wir nicht abschütteln und so wird der Mensch auch weiterhin als ein von mütterlicher, menschlicher Fürsorge abhängiges Wesen zur Welt kommen. Da unsere moderne Gesellschaft in allen ihren patriarchösen Ausprägungen leider bereits vorhanden ist und gefühlt aus nur fertigen erwachsenen Menschen im besten Erwachsenalter besteht (alle anderen werden weitgehend outgesourct) gibt es keinen Ort für menschliche Sozalisation.

Diese festgelegte erwachsene Welt kreist als Ego-Karussell durch unser Leben. In dieser Welt haben es all die kleinen hineingeborenen Menschlein nicht einfach, das zu bekommen, was sie eigentlich für ihren Start ins Leben brauchen und um auch später ihre individuellen Lebensaufgaben zu erfüllen. Das per Erbanlage erwartete Matrifokal ist jedenfalls schon mal nicht in unserem Alltag präsent. Wir kommen auf die Welt und müssen als Individuen erst einmal lernen im jeweiligen (patri)kulturellen Kontext zu interagieren und uns nach und nach die Anforderungen des späteren erwachsenen Lebens erarbeiten. Die urzeitlichen Menschen (deren Muster bei uns noch wirksam sind) wuchsen (über Jahrtausende) unmittelbar in einem Sippengefüge unter Geschwistern und direkten Angehörigen auf und verblieben in der Regel bis ans Ende ihrer Tage in diesen Gemeinschaften. So erlebte die/der Mensch permanent jede menschliche Alters- und Entwicklungsphase bei den Anderen mit und an sich selbst. Die natürlich aufgewachsene Frau wird auch daher ohne weiteres den weiblichen Gesamtzyklus verinnerlicht haben.

Die eigenen ineinander fließenden Lebensabschnitte waren (sind) komplex mit denen der Nähemenschen (Sippenangehörige und Alltagsgefährten) verwoben. Das menschliche Dasein fand/findet in unmittelbaren Bindungsfeldern statt, die zyklisch und generativ verschränkt sind bzw. sein sollten. Dass ihre Lebensabläufe heutzutage von vielen Mitfrauen oft wie eine Einbahnstraße gelebt werden, ist der männlichen Dominanz geschuldet, welche alle unsere Alters- und Lebensphasen beherrscht. Die Frau lebt von Natur aus eigentlich einen anderen Rhythmus als der Mann und würde es jederzeit wieder tun, sobald sie ihrer Female Choice und ihrem matrifokalem Erbe folgen kann.

Das Patriarchat baut sich vor allem auf die vitale (und damit aggressive) Lebensperiode des Mannes auf. In dieser Phase eines Männerlebens wurden die heute noch wirksamen hierarchischen Machtpotentiale geschaffen. Hier ist der Mann kein von der Mutter abhängiges Kind mehr und (noch) kein von der Sozial-Gemeinschaft abhängiger alter Mann, sondern scheinbar immer der starke (je nach Sub-Kultur auch gewaltbereite) und im Kreis seiner Verbündeten lebende, Mann mittleren Alters.

Der wettbewerbende Mann im mittleren Alter ist der Taktgeber in unserer patriarchösen und androzentrierten Gesellschaftsstruktur. Ein Postpatriarchat würde erst einmal weiterhin unter der Dominanz des Mannes stehen, da das weiterhin wirksame Ideal des Vaters vermutlich nicht relativiert würde. Der individuelle Vater ist ein kulturelles Konstrukt, das parallel mit der gewaltsam eingeführten Herrschaftshierarchie platziert wurde. Das ursprünglichen Gefüge unserer artgerechten matrifokalen Gemeinschaft wurde dadurch nach und nach fast vollständig global zerstört.

Der Vater und das Postpatriarchat
Die Berufung auf die Wichtigkeit der Vaterschaft halte ich für die wirksame männliche  Kampftaktik schlechthin und weniger als die Vorstellung, dass der Mann einst seine Bedeutung bei der Entstehung des Nachwuchses erkannte und bereit war in diesem Sinne Verantwortung zu übernehmen. Der Sohn hatte für den Vater im beginnenden Patriarchat einen bedeutenden Stellenwert, als wahrscheinlich verlässlicher Verbündeter und als sein Erbe, als eine Verlängerung der eigenen Person über den Tod hinaus.

Dass die Vater-Sohn-Konstellation auch immer wieder Konflikte barg und heute noch problematisch ein kann, ist allerdings auch zu bekannt. Heute hat der Sohn im Sinne von Status für den in der westlichen Kultur lebenden Mann keine so mächtige Bedeutung mehr, wie zu Zeiten der beginnenden patriarchalen Androkratien. Da heißt es eher: mein Haus, mein Auto, meine Yacht – aber weniger mein Sohn oder gar meine Tochter. Auch wenn es den Anschein hat ich tue hier einer Menge Männer unrecht, läuft, wenn wir genau hinsehen und uns nicht von den neuen Idealen blenden lassen, das volle Patriopathieprogramm immer und überall im Hintergrund mit. ‚Pater‘ bedeutet nun mal, wie wir eigentlich wissen sollten, nicht Vater (im biologischen Sinn), sondern Herr. Sehr schön ist hier in dem Zusammenhang das Beispiel des Papstes, der ja nun im heutigen Verständnis so gar kein (sorgender) Vater ist, jedoch von seinen Millionen Gläubigen und auch von der atheistischen Welt als (Heiliger) Vater bezeichnet wird.

Nichts finde ich derzeit schwieriger einzuordnen als den Vaterbegriff, obwohl er allen mit dem allergrößten Selbstverständnis über die Lippen geht. Egal ob leiblich, sozial oder im übertragenen Sinne, Vater ist der Begriff, welcher mit dem Patriarchat unmittelbar verknüpft ist und ihn nicht nur sprachlich prägte. Ich persönlich kann mir die Zeit nach dem Patriarchat eigentlich nur als mütterlich-egalitäre Gesellschaft, als eine matrifokal-basierte Welt vorstellen. Eine Welt in der die Geschwisterlichkeit wieder ihren Platz hat und das generationsübergreifende Selbstverständnis zu unserem Bewusstsein gehört.

Der heutige populäre Partnerschaftsgedanke – alle, auch einander fremde, Männer und Frauen sind sich menschlich zugetan und spüren immer und überall ein partnerschaftliches Verständnis – wird sich bei aller Anstrengung höchstens als eine Art Übergangslösung entpuppen, da diese Art Partnerschaft auf (anonymer) Nichtverwandtschaft basiert und ein rein ideologisches (bzw. politisches) Konstrukt ist. Und daher sage ich es gern immer wieder: es wird nicht funktionieren. Denn dem Individuum, gleich welchem Geschlechts, wird weiterhin bei dem Gesellschaftsmodell der Partnerschaft, also dem Paarkonzept ohne Angehörigenbindung, die erforderliche Geborgenheit und kollektive Fürsorge und Nähe entzogen.

Als unser menschenartgerechtes Sein sollten wir endlich die geschwisterliche und durch allgegenwärtige Mütterlichkeit geprägte Gemeinschaft anerkennen, denn hier wird, wahrscheinlich schon immer, in angemessener Form den Geschlechtern (egal wie vielen) Gerechtigkeit zuteil.

Nun ist ja Patriarchatsrecht nicht automatisch Männerrecht. Es gibt reichlich Anzeichen dafür, besonders im Hinblick auf das Wirtschaftssystem, dass die uns umgebende Patriarchose hin zu einer maligen Phallokratie fortschreitet. Nicht der, ohnehin fragwürdige, väterliche Anspruch konditioniert die Gesellschaft, sondern ungezügelte, männliche Hybris der wenigen Privilegierten, die sich wie Geiselnehmer der Gesellschaft verhalten oder sich wie Drahtzieher im Hintergrund halten. Auch das Patriarchat war und ist bisher kein Maßanzug für JederMann. Immer wieder müssen wir Frauen mitansehen, dass die wahren Privilegien im Patriarchat auch den Männern nicht in den Schoß fallen und nicht ein jeder automatisch ein Gewinner ist. Um zu einem Gewinner aufzusteigen, gilt es erst einmal sich dem allgemeinen Wettbewerb zu stellen und diverse reale und virtuelle Kämpfe auszutragen. In den Anfängen des Patriarchats war das wörtlich zu verstehen. Eine entsprechende Herkunft hat zwar schon immer diese Form des Anerkennungskampfes erleichtert, aber am Ende sind Triumphzüge trotzdem selten genug. So mancher Knabe fängt zwar bereits durch „patrilinear“ verstandene Geburt recht weit oben auf der Hierarchieleiter an, doch das ist keine Garantie am Ende zu den Gewinnern der Patri-Gesellschaft zu gehören. Das Zeitalter der Väter war/ist geprägt durch die Macht gewohnten Patriarchen und das schließt so manchen Machtwechsel mit ein, die manchemal den Eindruck erwecken, dass sich tatsächlich Veränderungen anbahnen. Gewisse egalitäre Tendenzen, die aber dann doch nicht so weit gehen gleichberechtigt Müttern (Frauen) ihren Platz in der Gesellschaft einzuräumen. Bei allem humanem und aufklärendem Fortschritt, der nächste Backlash kommt bestimmt und gerade eben trifft bereits wieder einer in der Gegenwart auf und wie Gabriele Uhlmann sagt, haben wir jetzt das Patriarchat 3.0 …

Die Frau und das Postpatriarchat
Dieser Tage sind die patriarchalen Strukturen immer noch eine Art Konfektion für den Mann mittleren Alters (bevorzugter Typus: Einsamer Jäger). ein Maßanzug, der natürlich nicht jedem passt. Da sich derzeit die ethisch/ideologische Kleiderordnung von ausschließlich ‚Mann‘ auch hin zu ‚Mensch‘ erweiterte, dürfen auch Frauen mehr denn je in diese Kostümierung schlüpfen. Unter bestimmten Umständen können sie sich zeitweise auch gut darin bewegen, doch vom Grundansatz her ist es immer noch eine maskuline Uniform.

Wirkliches weibliches Sein und weibliche Werte finden nur schwer Einlass in die patriarchalen Männerbünde (und ehrlich gesagt, haben sie auch dort nichts zu suchen). Der Kampf, manchmal um jeden Preis, der auf die Niederlage der Gegner und den eigenen Sieg zielt, ist auch nicht wirklich ein Frauen- und Mütter-Ding. Obwohl auch da unser Schulsystem so früh wie möglich Mädchen und Jungen in einen ungesunden Wettbewerb zwingt und Konsens, Miteinander und jegliche Kooperation vergessen lässt. Dass Frauen immer noch nicht die Chefetagen stürmen, liegt nicht nur an der sogenannten gläsernen Decke, sondern auch daran, dass Frauen dem System hilflos (…was soll das Ganze?), kritisch (…wozu soll das Gerangel nützen?) oder unwillig (…ach nee lass mal, ich will das nicht!) gegenüberstehen. Sich im Wettbewerb unter Einhaltung der Hierarchieregeln nach oben zu kämpfen ist für so manche Frau einfach keine Option, sondern nur eine verdammte Zeitverschwendung. Denn als Mütter haben wir eigentlich doch was anderes, etwas Besseres, zu tun.

Bleibt also nach wie vor die Frage: können wir das Patriarchat überwinden und uns als Gesellschaft heilen? Werden wir statt der Patriarchose und deren postumen Erscheinungen eine (globale) Gesellschaft schaffen, die nahtlos an das naturgemäße Konzept der matrifokalen Urgemeinschaft anknüpft?

Bisher wollen ja die meisten auf keinen Fall zurück in die Steinzeit. Und selbst wenn sich auch gerade an der Stelle neue Einsichten bilden, hat trotzdem fast eine Jede Angst die bequeme Moderne zu verlieren. Übersehen wird dabei ständig, dass wir nicht das steinzeitliche Know-how zurückholen wollen, sondern die (menschen)artgerechten, sozialen und damit matrilokalen Bedingungen unter denen unsere Ahninnen lebten. Dass wir den Geist des Kontinuum wieder entstehen lassen, in dem einst die Mensch die Grundlage zum humanen Menschen legte. Wir sind das Ergebnis unseres naturgemäßen und artgerechten (biologischen) Seins. Diese Basis wieder als Alltagssituation zu küren und einzuführen wäre schon allen Kindern zuliebe wünschenswert.

Hier begegnet mir leider immer wieder eine sehr geringe Vorstellungskraft, die gerade unter Frauen in den bangen Fragen gipfelt: „Wie soll das denn gehen?“ oder „Wo bleiben da die Männer?“. Und die Feststellung, dass wir ja ‚vieles nicht wissen können‘, weil niemand von uns in der Vergangenheit dabei war, ist ebenfalls sehr beliebt.

Da die (anerkannten) Wissenschaft, wie die bisherige Archäologie, oder ähnliche Disziplinen manches so darstellt, als hätte es die patriarchösen Strukturen schon immer gegeben, traut frau zu selten ihrer eigenen Vorstellungskraft, die doch eigentlich unsere kollektive Erinnerung ist. Ich bin der Meinung, dass wir menschliche Individuen viel mehr wissen, als nur die von Schulweisheit sparsam servierten Faktenhäppchen, die uns in männlich/ patriarchaler Manier auch noch vor-interpretiert werden. Frauen sollten endlich damit beginnen die Welt zu erklären. Und vergessen wir nicht: Kommunikation ist weiblich!

Die Mutter und die artgerechte Fürsorgegemeinschaft – die postpatriarchale Alternative!

Als soziales Lebewesen haben wir uns als frühe Menschenform Regeln des Zusammenlebens geschaffen. Der grundlegende Automatismus war und ist die matrifokale Nähegemeinschaft bestehend aus konsanguinen* Angehörigen (in matrilinearer Bindung in matrilokalem Zusammenhalt). Damit ist die optimale Sicherung des Lebenserhaltes des Nachwuchs unserer Spezies als Individuum in einem dynamischen Habitat garantiert.

Vergessen wir die angebliche Bedeutung von Unterrichtsstunden oder Lehrbüchern, sie sind nur ein (kleiner) aufgesetzter Teil der gesamten Lernerfahrung unseres Daseins. Entscheidend ist dagegen immer die innige, die intensive und wohlwollende Nähe der Fürsorgegemeinschaft, in die einst das Menschenkind hineingeboren wurden und auch heute noch wird. Die aus (bevorzugt konsanguinen*) Angehörigen bestehende Fürsorgegemeinschaft ist der Lebensschlüssel unseres Menschseins seit der Zeit, da sich die Spezies Mensch zu formen begann.

(*konsanguin – durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie)

Was ist die Nähe-Gemeinschaft, der unmittelbare Nähekreis? Was können wir uns darunter vorstellen. Die klassische (Klein)Familie ist es nicht und nur bedingt opportun für ein Kind. Denn was ist schon für ein Kreis der lediglich aus zwei (erwachsenen) Personen besteht: Vater und Mutter? Noch dazu wenn das Kind sie oft über mehrere Stunden am Tag kaum zu Gesicht bekommt. Selbst wenn zusätzlich Geschwister da sind, bleibt dem Kind in der Regel die Erfahrung verwehrt, von verschiedenen angehörigen Nähepersonen betreut zu werden, ihnen am Tag immer wieder zu begegnen bzw. mit ihnen nach Bedarf zu interagieren.

Trotzdem ist der Kern eines jeden Menschenbeginns die Mutter-Kind-Einheit und das was ich als Nähekreis bezeichne, die matrifokale Fürsorgemeinschaft, ein Umkreis von nahestehenden und vor allem (konsanguin) verwandten Menschen im Alltag, die permanent zu uns gehören und in dem die Einbettung der Mütter und ihre Kinder als Selbstverständnis daher kommt.

Leider ist es heute, besonders in der westlichen Kultur, mit einer beständigen, fürsorgenden Nähegemeinschaft nicht weit her. Die Kleinfamilie (bzw. zunehmend das alleinerziehende Elternteil) ist ein mangelhaftes Surrogat. Dieser Nähekreis, der aus einem maximal zwei erwachsenen Menschen zusammensetzt ist und nur dauerhaft funktionieren kann, weil er unterstützt wird durch ein Heer anonymer Dienstleister, die zum Teil als fragwürdige Miterzieher der Kinder fungieren. Konsanguine und weitere Verwandte sind eine Mangelerscheinung, während jedwede Fremdbetreuung zum Standard gehört.

Sollten wir als Gesellschaft die Vernunft aufbringen und (wieder) anfangen von der Mutter her zu denken und damit an das natürliche soziale Gefüge unserer Ahninnen – die Matrifokalität – anzuknüpfen, bliebe auf alle Fälle unseren Kindern die immer dramatischer werdende Vereinzelung für den Rest ihres Lebens erspart.

Die Mütter und ihre Schwestern und Brüder, die ab jetzt das Postpatriarchat aufräumen werden, müssen sich auf eine Menge Arbeit gefasst machen. Eine gründliche Trennung von all den patriarchösen und somit schädlichen Konditionierungen und hin zu den naturgemäßen und somit humanen Werte, dürfte für eine Jede(n) eine Lebensaufgabe werden.

Stephanie Ursula Gogolin

 

dieser Text entstand aus verschiedenen meiner Kommentare und Statements nachbearbeitet: Oktober 2019

Veröffentlicht unter Uncategorized | 5 Kommentare

Gibt es den matrifokalen Vater?

Wahrscheinkontrolle

Von den seltenen Fällen einer Kindsvertauschung in der Klinik abgesehen, ist sich eine Mutter sicher, dass ihr Kind wirklich von ihr abstammt. Ein Vater kann das nicht behaupten, denn er ist an der Schwangerschaft nicht beteiligt. Wenn eine Mutter ihr Kind stillt, wird ihr Körper mit Oxytocin geflutet und es bildet sich das heraus, was wir als Mutterinstinkt bezeichnen (Blaffer Hrdy 2010). Davon zu unterscheiden ist die Mutterliebe, die sich auch herausbildet, wenn sie nicht stillt. So oder so, schon in der Schwangerschaft knüpfen Mutter und Kind ein fast schon magisches zu bezeichnendes Band, durch das sich beide wortlos verstehen und das lebenslang hält. Ein Kind kennt seine Mutter von Beginn an und durchlebt mit ihr alle Gefühle, was in der Stillzeit noch hormonell bedingt ist und später noch lange nachwirkt, weil der wachsende Verstand diese Gefühle auch einzuordnen lernt.

In unserer Welt leben die meisten Väter mit ihren leiblichen…

Ursprünglichen Post anzeigen 2.382 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Die natürliche Matrifokalität – Besonderheit der menschlichen Spezies

Betrachtung (und These) von Stephanie Ursula Gogolin

… wir übergehen hier an dieser Stelle den immer noch beliebten Begriff Matriarchat und kommen gleich zum evolutionären Kontext der Muttergeborenen Lebewesen.

Die Mensch ist eine Spezies der Säugetiere und damit ist die Mutter und die Mütter-Gemeinschaft der wesentliche Überlebensfaktor. Das Leben wird in der Mutterlinie weitergegeben. Jede Großmutter trägt mit ihrer ungeborenen Tochter bereits die Eizellen ihrer zukünftigen Enkelkinder in sich. Matrilinearität ist ein Effekt unserer Evolution.

Als Menschen, als Säugetierspezies, haben wir in einer Ur-Matrifokalität überlebt. Sie ist die selektierte Überlebensstrategie unseres menschlichen Seins – wirksam in unserem menschlichen Kontinuum, dem organisch gewachsenen Gemeinwesen. Matrifokalität ist auch für sehr viele andere Spezies die naturgemäße Ordnung, wie Elefanten (und schon die Mammuts) oder Delfine, auch die meisten in Herden lebenden Tiere besitzen diese naturgemäße Strukturen; Mütterzentriert und Nachwuchsorientiert .

Die menschliche Matrifokalität beruht auf Matrilinearität, gelebt in Matrilokalität – eine ganz natürliche Lebensart, welche die Mensch später kulturell verschiedentlich ausformte. Wir finden die im Naturgeschehen gelebten Grundkulturen auch heute noch in manchen indigenen Gemeinschaften als überlieferte Lebensweise. Dass heißt: Das überaus durchsetzungsfähige Phänomen Leben, das sich mit allen Bedingungen des Planeten Erde immer wieder arrangiert und eine gigantische Vielfalt an Lebewesen hervorbringt, hat eine Spezies selektiert, die sich selbst als Mensch bezeichnet. Die Spezies Mensch, deren Individuen einzeln und besonders in ihrerm Jugendstadium, relativ hilflos sind, entwickelte sich über viele Jahrtausende zu einem der anpassungsfähigsten Teilnehmer der verschiedenen Varianten des Ökosystems Erde. Die speziellen Fähigkeiten sind vor allem geschickte Überlebensstrategien mit denen sich unsere Spezies an alle Klimazonen dieser Welt anpasste. Überall gelang es Menschen in ihren Fürsorgegemeinschaften ihre Kinder aufzuziehen.

Die besondere Langzeit-Pflege des menschlichen Nachwuchses wurde einzigartig mit der Grundform einer spezifischen Alltagskultur verknüpft. Wir können davon ausgehen, dass ursprünglich jede Kulturtätigkeit der Menschenfrau ein Nebeneffekt des Arterhalts ist und sich in gegenseitiger Fürsorgearbeit niederschlug. Dass heißt, jede Erfindung einer neuen Kulturtätigkeit sowie deren Weiterentwicklung (optimierte kollektive Nahrungsbeschaffung bzw. -konservierung, vielfältige Bearbeitung von Naturmaterialien, Heilwissen oder die erste Kunst), die zu einer Verbesserung der Alltagsbedingungen führten, kam vor allem dem Nachwuchs und der gesamten Angehörigengruppe zu Gute.

Die vor etwa neuntausend Jahren auftretenden patriarchösen bzw. androzentrierten Strukturen, haben dagegen nicht das geringste mit einer natürlichen oder „besseren“ Entwicklung zu tun. An dieser Stelle könnten wir jetzt polemisch fragen: Wenn all die patriarchalen (Vater bezogenen) und damit androzentrierten Verhältnisse, welche nach wie vor fast weltweit die menschliche Kultur beherrschen, ein evolutionärer Effekt wären, müssten da nicht andere Säugetierarten oder sonstige Spezies auch schon längst nachgezogen und ihre speziellen, bisher gut funktionierenden Überlebenstechniken einer ‚maskulinen Anleitung‘ unterworfen haben?

Sollten wir denn überhaupt arteigene Überlebensstrategien und Anpassungsfähigkeit an eine bestehende Umwelt einer Spezies in eine Bewertungsskala von ‚besser‘ bis ’schlechter‘ einordnen?

Sind sie doch evolutionär betrachtet das gerade bestehende Optimum.

Die leider stabil etablierte Gesellschaftsform der Patriopathie steht unermüdlich gegen das Naturgeschehen der urtümlichen Matrifokalität. Mag auch Das Patriarchat mehr als nur eine Ursache haben, letztendlich sind die Grundlagen dieser Gesellschaftsform vor allem durch Waffengewalt und mit zunehmender Verrohung des Menschenmannes installiert worden. Die einst gewaltsam durch Herrschermacht eingeführte und durchgesetzte (scheinbar omnipotente) Vaterdominanz, per Inanspruchnahme von Privilegien und exekutiv erzwungener Gesetzestreue weniger Männer, ist keine naturgemäße Entwicklung, sondern ein grausames, ideologisiertes Kulturprodukt.

Den artgerechten Urzustand unserer Spezies finden wir in der matrifokalen Gemeinschaftsform – der (konsanguinen*) Fürsogegemeinschaft – dem Matrifokal!

Die menschlichen matrilinearen Basisgruppierungen lebten matrilokal – als Bindungsgemeinschaften in mütterlicher Linie – also in matrilinearen Sippen, selbstverständlich auch in ihrer weniger sesshaften Zeit als Wildbeuterinnen. Selbstverständlich bestanden die Gruppen aus Kindern, Frauen und Männer und zwar als geschwisterbasierte, generationsübergreifende Alltagsgemeinschaft. Diese bildete die effektive Schutzsphäre für die Mutter-Kind-Einheit(en). Sie stellte ein Optimum an Überlebenschancen sicher und lieferte die alltägliche Geborgenheit eines jeden Individuums im generationsübergreifenden Fürsorge-Habitat.

Diese Theorie wirft auch heutzutage immer noch die Frage nach dem Liebes- bzw. Elternpaar auf. Wir können getrost davon aus gehen, dass es die Konstellation ‚Elternpaar‘ und „Ehepaar“ nicht gab, also nicht im heutigen Verständnis. Weder im ursprünglichen Naturgeschehen und langen Zeit nicht im anfänglichen Kulturgeschehen. Die jeweiligen Liebes(bzw. Sexual)partner der Erwachsen gehörten nicht wirklich zu dem alltäglichen gemeinschaftlichen Nähe- und Wirtschaftsablauf eines Matrifokals, sondern kamen nur im persönlichen Bezugsfeld einer Frau vor. Die naturgemäßen Female Choice der Frau sicherte über Jahrtausende das menschliche Leben in den geschwisterbasierten Fürsorgegemeinschaften. An stattfindene erotische Begegnungen waren wohl kaum Bedingungen geknüpft, die das sonstige persönliche Leben von Frau und Mann nachdrücklich verändert hätte (wie es leider bei uns immer noch Usus ist). Auch jedwede Art Beziehungen außerhalb der Heterosexualität würde ich als selbstverständlich annehmen.

Auf Grund einer erotisch/sexuellen (Hetero)Beziehung wurden daher logischerweise in den Sippen keine neuen Wirtschaftskonstellationen bzw. -koalitionen geschaffen und in der Regel verließ das Individuum auch sicher nicht dauerhaft die Herkunftsbindungen. Kinder wuchsen naturgemäß in ihren Matrifokalen und Muttersippen auf, in welche sie hineingeboren wurden. Der Mann, repräsentiert durchseinen Status als Sohn und Bruder, trat als männliche Bezugsperson auf und übte eine Fürsorgefunktion als Mutterbruder in einem generationsübergreifenden Selbstverständnis aus. Das bedeutete für den Mann in der Regel von der Geburt bis zum Tod Teil der mütterlichen Bindungs- und Fürsorgegruppe zu sein.

Wir sind heute in unseren patriarchös zersetzten Kulturen an andere Formen des Zusammenlebens gewöhnt worden. Der Standard ist derzeit die Paarungs(Klein)Familie, die sich den (literarisch und medial gestützten) Mythen der romantischen Liebe unterwirft. Unter dem (patriarchös induzierten) gängigen Label Liebe findet sich Begehren, gegenseitiges Wohlwollen und innige Zuneigung ebenso wie unerträgliche Tyrannei und Gewalt. Zu unserer konditionierten kulturell-ethischen Haltung gehört auch, dass sich niemand wirklich wundert, wenn aus sogenannter Liebe sogar Morde begangen werden. Das heutige (in der Regel von seinen Herkunftsangehörigen separierte) Paar vertritt den allgemein geforderten dauerhaften (möglichst lebenslangen) Treueanspruch (was in der Regel höchst selten funktioniert) und praktiziert eine gemeinsame Mini-Wirtschaftsgemeinschaft, die Kleinfamilie (in der immer noch erwartet wird, dass der Mann/Vater die Rolle des Ernährers inne hat).

Diese Art der zwei-getakteten Lebensgestaltung baut auf dem Irrtum der traditionell verbreiteten Idee auf, dass das Paar, bestehend aus zwei fremden (nicht verwandten) Menschen, dauerhaft Lebenszeit mit einander verbringt und diese Konstellation ein Urkonzept der menschlichen Spezies sei. Die geforderte lebenslange ‚romantische‘, sich gegenseitig treu ergebene und auf Sexualität gerichtete Liebe, ist jedoch tatsächlich ein Konstrukt der jüngeren (patriarchalen) Geschichte. Patriarchale Strukturen, wie sie uns heute geläufig sind, wurden von herrschaftausübenden Männern um die, von ihnen kreierte Idee der Vaterdominanz herum gebaut.

Eine völlige Gewissheit der Vaterschaft ist kein natürlicher (biologischer) Effekt und nur durch totale Kontrolle der weiblichen Sexualität zu erreichen – also dem Konzept des gesellschaftlichen Ausschluss der Frau, ihrer Unfreiheit und ihrer Unterdrückung. Das Ausüben einer solchen mütter- und lebensfeindlichen Kontrolle durch den Mann (und den angenommenen Vater der Kinder) ist kein naturgemäßes Prozedere.

Die aus ihrer Unfreiheit entstehende Verfügbarkeit der Frau und die hochstilisierte Fruchtbarkeitsfixierung (durch patriarchöse Ideologie), haben für die rechtlose Frau durch die letzten Jahrtausende einen tragischen Verlauf genommen. Bis in unsere Zeit ist die Idee den Vater als Ausgangspunkt allen Seins zu erklären, in ungezählten grausam erlittenen Frauenschicksalen wirksam. Ob es um die heute noch stattfindende genitale Beschneidung kleiner Mädchen geht oder das scheinbar immer beliebter werdende Töten weiblicher Föten oder „nur“ um die Abwertung der Mutterarbeit und die rechtliche (und damit einhergehende wirtschaftliche) „Bestrafung“ eines alleinerziehenden Elternteils durch unsere Gesetzeslage.
Die einst eingeführte ‚väterliche Gewalt‘ beherrscht inzwischen immer noch das Handeln und damit auch das Denken und Fühlen der meisten Patri-Kultur-Gesellschaften unserer Welt.

Die inzwischen (fast) weltweit etablierte Praxis einer grundsätzlichen Separierung aller jungen Erwachsenen zum Zwecke der flexiblen Eingliederung in einen anonymen Wirtschaftskreislauf schreitet derzeit weiter munter voran. Da „der Mensch“ aus zwei Gründen nicht komplett auf eine totale Separierung konditioniert werden kann, wird ihm das Paargebilde als selbstverständliche Lebenshaltung angeboten (allerdings weniger um Frau und Kinder abzusichern, sondern um die Rundum-Versorgung des Mannes sicherzustellen). Die heute als Kleinfamilie bekannte kleinst mögliche Einheit einer menschlichen Gemeinschaft ging aus dem Ehekonzept und der patrilokalen Familie hervor. Während der Entstehung des Patriarchats wurden die naturgemäßen matrifokalen Basisgemeinschaften zurückgedrängt und aufgerieben und dafür die pseudo-patrilineare Dynastie- und Familienstruktur der privlegierten Männer als Surrogat für die verlorene Mutter-Sippe installiert und allmählich für fast jeden Mann nutzbar in die anonyme Großgesellschaft gestellt.

Die ‚Paarbeziehung in serieller Monogamie‘ ist heute im westlichen Kulturkreis fast ein Selbstläufer und setzt den bislang tradierten Wert der ‚Familie‘ außer Kraft. Um die Illusion der ‚klassischen Familie‘, bestehend aus Vater-Mutter-Kinder, am Leben zu erhalten, bürgerte sich der Begriff der sogenannte Patchwork-Familie ein. Darunter verstehen wir ein u.U. weitverzweigtes Gebilde aus verschiedenen Versatzstücken fluktuierender Beziehungen ehemaliger Paare, deren Bindeglieder die betroffenen Kinder sind – solange sie Kinder sind. Diese Kinder fungieren als Angelpunkte, welche die Illusion der Zugehörigkeit (zu einer Mutter-Sippe) gerade für Männer erhält. Leider wachsen unsere Kinder mit reichlich Falschinterpretationen von Verwandtschaft auf. Die aktuellen Partnerschaften ihrer Eltern sind eigentlich nur Wahlverwandtschaften, denn die gepuschte Zugehörigkeit von Mann und Frau wird nur über ein ideelles Bündnis geknüpft, dass keine Bindung darstellt. Das (Lippen)Bekenntnis zweier bis dato fremden, also nicht verwandten Menschen, zur gegenseitigen Verbundenheit (möglichst lebenslang) ist keine natürliche Verwandtschaft.

Aber die naturgemäße (konsanguine) Verwandtschaft, als die angeborene und geborgene Zugehörigkeit zu einer Fürsorgegemeinschaft, bedeutet auch dem modernen Menschen durchaus noch etwas. Nach der Trennung eines Elternpaares bleibt (für beide) nur die bestehende („Bluts“)Verwandtschaft zum Kind (die neuerdings als fünfzig zu fünfzig Prozent-Regel durchgesetzt werden muss). Da Vater und Mutter nur durch Heirat verwandt waren, sind diese nach der Trennung rein rechtlich nun wieder „Fremde“ – also nicht mehr miteinander verwandt. Niemand (nicht einmal die Bedürftigkeit des Kind) kann und darf sie zwingen diese Beziehung wieder gegen ihren Willen aufleben zu lassen. Allerdings gilt es in der Regel als zivilisiertes Verhalten solche getrennten Verbindungen nicht völlig unter den Tisch fallen zu lassen; die moderne Gesetzeslage verpflichtet beide Elternteile zur Sorge am „gemeinsamen“ Kind. Was ein weiterer unerschöpflicher Quell für noch mehr Probleme ist. Trennungen gehen in der Regel bereits aus internen Konflikten hervor und führen damit das zum Dogma aufgestiegene moderne Paarideal immer wieder ad absurdum.

Zitat aus http://www.stephanieursula.blogspot.de/2014/02/das-warum-und-das-wie.html : „Der modere patriarchale Mensch verhält sich wie eine Art Patient 0, bei dem alles beginnt und der seine Zugehörigkeit nur über seine Person und seine Nachkommen definiert. Und auch Frauen fällt es schwer, sich in eine Ahninnenreihe zu stellen bzw. sich als Teil der pragmatischen Evolution zu sehen.

Was sind nun die beiden Gründe, die dagegen stehen, dass der moderne Mensch solitär durch die Welt wandelt?
Die Mensch ist erstens von Natur aus ein Bezugs- und Bindungswesen in ihrer angehörigen Bindungsgruppe und zweitens prägt der evolvierte angeborene Drang zur Zugehörigkeit (eine Überlebensstrategie) unsere Identität als Persönlichkeit.
Das gegenseitige interaktive und unbedingt generationsübergreifende Fürsorgebedürfnis, kann daher nur in alltäglicher, unmittelbarer Nähe von vertrauten Bindungspersonen stattfinden. Das bedeutet: naturgemäß wurde/wird die Mensch in ihre (Mutter)Sippe hineingeboren und somit könnte sie auch heute noch in einer solchen verbleiben oder sich wenigsten (und artgerechterweise) bis zu ihrem Tod zugehörig fühlen.

Die natürliche Matrifokalität stellt die Besonderheit der menschlichen Spezies dar.

In der menschlichen (Ur)Gruppe sind in der Praxis des Alltags die permanent tragenden Elemente, das interaktive, empathische und kooperative Verhalten der konsanguinen* Angehörigen und das heißt, beide Geschlechter sind selbstverständlich lebenslang in die geschwisterbasierte, generationsübergreifende Fürsorgegemeinschaft einbezogen.

Die menschenartgerechte (überschaubare) Fürsorgegruppe, von mir Matrifokal genannt, bildeten die Schutzsphäre für den lange erst einmal recht hilflosen Nachwuchs unserer Spezies. Die Mensch ist als Individuum relativ gefährdet und schützte sich daher durch die verlässliche (Angehörigen)Gruppe. Überlebt hat (aus evolutionärer Sicht) in der Regel wohl der Sippenverband, in dem alle matrilinearen Angehörigen für einander einstanden.

In diesen Bindungsgemeinschaften wurde ein Jedes gebraucht, um dem Nachwuchs ein gesichertes Aufwachsen zu ermöglichen. Die matrilineare Gruppe (bestehend aus den durch Geburt verwandten Angehörigen), war ein bewährter Entwicklungsraum und die effektivste Schutzsphäre für den menschlichen Nachwuchs.

Nun existieren reine Strukturen einer matrilinearen Sippe unter den uns umgebenden patriarchalen Gesellschaftsverhältnissen schon längst nicht mehr. Das für Menschen typische, angeborene Bedürfnis sich in vertrauten sozialen Zusammenhängen aufzuhalten und mit ihren Bindungsangehörigen permanent in einen wohltuenden interaktiven Austausch zu treten, verschwindet ja nicht einfach, nur weil unsere Gesellschaftskultur ein System hervorgebracht hat, dass die Menschen aus ihren Herkunftsbindungen herauslöst und sie quasi zwingt gegen ihre Natur zu leben.

Wie vielleicht schon bemerkt, schreibe ich fast ausschließlich die Mensch‘ … was jedoch nicht bedeutet, dass der Mann als solches außen vor war/ist, denn erstens ist er immer herzlich mitgemeint und zweitens war/ist er als Sohn und Bruder ein unverzichtbarer Teil der matrifokalen Fürsorgegemeinschaft. Die Mensch ist meine Bezeichnung für unsere Spezies.

Das Problem des überwiegend fremdbestimmte Dasein der Frau in der Patriarchose ist auch für den Mann ein größeres Fiasko. Sein Status als Sohn oder Bruder einer Mutter besitzt kaum noch eine gesellschaftliche Wertigkeit. Der patriarchale Mann distanziert sich von allem Weiblichen und definiert sich fast ausschließlich über die ihm in Aussicht gestellte Vaterrolle, sein Konkurrenzgebaren und seine Sexualität.

Schon längst sind alle „zivilisiert“ lebenden Menschen permanent in die patriarchalen Muster verstrickt, auch wenn sie ursächlich immer nur durch den privilegierten Teil der Alphamännern initiiert und erhalten werden. Nun schaffen diese Machtmänner das nicht etwa, weil sie so eine überlegene humane Kompetenz oder ein umfassendes (logisches sowie emotionales) Wissen besitzen, wie immer gern verbreitet wird, sondern weil ein immer noch stetig steigendes Potential an sichtbarer und nicht immer offensichtlicher (Waffen)Gewalt die Welt im Griff hält und schon längst als stete unaufhörliche Bedrohung in unser aller Unterbewusstsein eingesickert ist.

Hemmungslose Skrupellosigkeit gegenüber Mensch und Tier und dem gesamten Ökosystem der Erde, hat zu einer Situation geführt, die mit einer Geiselnahme vergleichbar ist. Viele Millionen Menschen  (inzwischen Milliarden) waren/sind davon beeinträchtigt. Damit stecken wir alle als Geiseln des Patriarchats in einem kollektiven Stockholmsyndrom. Die allgegenwärtige patriarchale Gehirnwäsche verlangt, dass wir nicht nur eine vorauseilende Gehorsamshaltung einnehmen, sondern darüber hinaus die Täter lieben und ihnen vertrauen.

Daher nehmen wir die latenten Gewaltsituationen, die unsere Gesellschaftskultur prägt und steuert, oft nur noch dort wahr wo sie gerade wieder in einem Krieg oder einer politischen Krise offen tobt. In der ideologischen Verquickung der patriarchalen Lehren mit der androzentrierten Alltagskultur lernen wir die patriarchale gesellschaftliche Geiselnahme als gottgegebene Fügung oder gar als „Naturerscheinung“ hin zu nehmen. Dass die „erfolgreiche“ menschliche Spezies trotz der verschärften Bedingung der patriarchösen Annektion, nicht unterging, bedeutet nicht, dass das patriarchale System das evolutionär fortschrittlichere ist.

Eigentlich beweist es uns nur, dass die noch vorhandenen kläglichen Reste der einstigen praktizierenden Müttergemeinschaften und selbst die vereinzelte Mutter unter mangelhaften und inhuman grausamen Bedingungen fähig sind, die menschliche Art zu erhalten. Denn das Matrifokal respektive die Matrifokalität steckt in unseren „Genen“ und ist immer noch die aktuelle evolutionäre Stufe des Menschseins!

Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg 12.12.18

 

* konsanguin – verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie

… das Original dieses Textes (10.05.2014) steht in meinem Blog Alltag und wurde hier von mir überarbeitet … siehe: (http://stephanieursula.blogspot.de/) unter dem Titel „Möge der Bessere gewinnen…

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Steinzeit. Nein, Brigitte Röder, so war sie eben auch nicht!

Wahrscheinkontrolle

Dies ist meine Antwort auf den Artikel „Die Steinzeit war gar nicht so. Männer jagten, Frauen kochten? Die Urgeschichte dient oft dazu, Geschlechterrollen zu begründen. Bloss: Es stimmt nicht.“ von Hubert Filser im Tagesanzeiger.ch vom 27.03.2018, https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/die-steinzeit-war-gar-nicht-so/story/23918288.

Schon der Untertitel dieses Artikels kam mir bekannt vor, er stammt von der Archäologin Linda Owen, die einst im Katalog zur Stuttgarter Ausstellung „Eiszeit – Kunst und Kultur“ 2009 einen Artikel schrieb, der den Titel „Männer jagen, Frauen kochen? Die Geschlechterrollen im Jungpaläolithikum“ trägt. Einen darin befindlichen Satz musste ich bereits kritisieren, ist er doch beispielhaft für die Kopfstände der Gender Studies. Ich schrieb:

„‚Obwohl bei Sammler-Jäger-Gruppen die Männer kochen konnten und sich auf Reisen selbstversorgt haben, waren es die Frauen, die für die Familie gekocht haben.‘ (Owen 1998, S. 175). Diese überraschende Aussage korreliert nicht mit der Negation von Geschlechterrollen in der Altsteinzeit und zeichnet zudem das Bild der patriarchalen Kleinfamilie…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.281 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Matriklan oder Matrifokal

Von der Idee die Muttersippe wieder aufleben zu lassen
ein Kommentar von Stephanie Ursula Gogolin (vom 30.04.2013, überarbeitet)

… vor einigen Monaten dümpelte im Netz die Testpedition: Gesetzliche Einführung eines alternativen Familienmodells zur Ehe (wahlweise)* vor sich hin. Die Petition blieb bei 52 Stimmen stecken, was mich zu diesem Kommentar inspirierte, denn seit Jahren ist das mein Thema. Ich fasse also dazu hier meine Gedanken zusammen:

Im Gegensatz zu herkömmlichen, mir begegneden Meinungen, gibt es imho keine alternativen Familienmodelle, sondern nur verschiedene Spielarten des Klassikers „Familie“. Die Grundlage der Familie ist immer das Paarkonstrukt auf der Grundlage von Sexualität und (romantischer) Liebe und, heute mehr denn je, unter Ausschluss der Herkunftsangehörigen – sprich unseren Blutsverwandten. Zwischen der Intention einer Familie und der wie neu daher kommenden Idee eines sogenannten Matriclan, der auf der konsanguinen**, der natürlichen Müttergemeinschaft fußt, liegen daher Welten.
Denken wir doch bitte daran, was die „Familie“ einst eigentlich war – der Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Mag sich auch in unserer derzeitigen Kultur inzwischen diese Bedeutung verwischt haben und der modern daher kommende Trend hin zum partnerschaftlichen Paar gehen, es bleibt doch ein bestimmter Effekt bestehend: Zwei Fremde (Nicht-Verwandte) verbinden sich per Bereitschaftserklärung zu einem Paar mit der Absicht ab sofort in allen Bereichen ein gemeinsames Leben führen zu wollen.
Das muss heutzutage nicht mehr unbedingt in einer bindenden Eheschließung enden, denn die unverbindlich-verbindliche Beziehung ist schon länger gesellschaftsfähig. Manche probieren dabei ihr ganzes Leben lang aus, ob der jeweils Andere der „Richtige“ ist und manchmal ist es ein ständiges Kommen und Gehen. Die meisten der Paare leben dabei in einer seriellen Monogamie und betreiben eine Kleinfamilie. Unsere Gesellschaft ist daher heute zunehmend von der Familienspielart „Patchworkfamilie“ durchsetzt, in der die Kinder bereits die, von ihnen zukünftig erwartete, Flexibilität üben können, die das Wirtschaftsleben ausmacht.
Die Beinahe-Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft lässt uns immer wieder gern übersehen, dass die bestehende Gesetzeslage vor allem die eheliche Verbindung, sprich das heteronormative Paar, schützt und fördert. Das Ehepaar gilt als klassische Grundlage der Familie und unsere etablierte Kleinfamilie schließt inzwischen außer den Kindern, alle anderen Mitglieder beider Herkunftsfamilien direkt oder latent aus. Ein Gemeinschaftsleben im matrilinear-matrilokalen Verständnis ist derzeit weder im Mainstream noch in den Gesetzen des Staates vorgesehen. Das gilt es zu ändern.
Der hier als Alternative aufgezeigte Matriclan hat als Grundlage die Struktur einer Muttersippe, matrilinear und matrilokal, also so wie sich ursprünglich die Basis des menschlichen Zusammenlebens gestaltete. Dass eine matrifokale Lebensmeinschaft, bestehnd aus konsanguinen Angehörigen, nicht nur eine wirkliche Alternative zur etablierten Kleinfamilie wäre, sondern bestimmt die bessere Variante, wurde in dem avaaz – Vorschlag klar benannt. Natürlich ist dieses Projekt noch lange nicht zu Ende gedacht. Vielleicht ist es in manchen Punkten noch zu futuristisch, aber es besitzt das Potential zur Bewegung anzuwachsen – ähnlich der nicht mehr tot zu kriegenden Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen. Zudem bin ich überzeugt, dass die beiden Ideen vielleicht sogar einander bedingen und eines Tages in der Praxis zusammenwachsen werden.
Es geht bei dem Gedanken die Muttersippe rechtlich zu konstituieren, auch nicht um eine Erlaubnis für Frauen matrilinear leben dürfen, wie bereits vermutet wurde, sondern um die Forderung nach kollektiver Anerkennung und der selbstverständlichen Unterstützung dieser Lebensweise durch die Gesellschaft, auch in Form einer gesetzlichen Absicherung, wie bei der Ehe.
Ein matrilineares Gemeinschaftsleben kommt gegenwärtig jedenfalls sehr wenigen Frauen in den Sinn und wird eher als gestriges Gebaren angesehen. Das derzeitige Familienverständnis endet bei Vater-Mutter-Kind und die frühzeitig abgenabelten Teile der Herkunftsfamilien werden nur noch latent zum eigenen Leben dazugerechnet. In der klassischen (Klein)Familie erfolgt im Erwachsenenalter nicht nur eine körperliche Distanzierung von den Angehörigen, sondern es entsteht dabei auch eine, manchmal irreversible, Trennung im Geiste. Das ist der bestehende entscheidende Unterschied zu einer konsanguinen, fürsorgenden Matrigemeinschaft, die sich auf die dauerhafte Zugehörigkeit zu den konsanguinen Verwandten stützt.
Die ohnehin vom patriarchösen System nicht gern gesehene Mutter-Kind-Bindung löst sich also unter dem modernem Abnablungsdogma auf und hinterlässt bei Tochter und Sohn ein diffus vermerktes Vakuum, das Sehnen nach Geborgenheit, das im modernen Mainstream als nicht gerechtfertigt gebrandmarkt wird.

Um die uns umgebende soziale Leere mit Geborgenheit und Verbindlichkeit aufzufüllen, wird uns in unserer Kultur lediglich die Paarbeziehung mit einem, uns bis dahin unbekannten, Menschen empfohlen.
Wenn wir die Idee einer ‚Lebensgemeinschaft in Mütterlicher Linie‘ etablieren wollen, ist die gesellschaftliche Anerkennung auch innerhalb der Gesetzgebung eine zwingende Voraussetzung. Die Grundlage bisheriger Gemeinschaften und Gesellschaften sind und waren immer die natürlichen, die innigen und tragenden, Bindungsgeflechte der konsanguinen Angehörigen. Diese evolutionäre Strategie des Menschen in einer natürlichen (biologisch terminierten), mutterbezogenen Ordnung zu leben, wird seit Jahrhunderten durch das patriarchöse System gründlich ausgehebelt.
Einer der entscheidenden Eckpunkte des angedachten Matriclans ist, dass keine sexuell bezogenen Verhältnisse den Zusammenhalt einer solchen Lebensgemeinschaft bestimmen.
Dem gegenüber ist heute mehr denn je das erotische (sexualisierte) Liebesverhältnis sowohl für die Ehe (und für andere Paarbeziehungen) eine selbstverständliche, ja zwingende Voraussetzung. Diese Ausgangsposition würde im Matriclan bzw. der Muttersippe entfallen. Die natürliche, matrilineare Verwandtschaft zwischen Angehörigen bildet die einzige Grundlage dieser neu zu etablierenden Lebens-, Fürsorge- und Wirtschaftsgemeinschaft, welche gesetzlich zu schützen wäre.
Wenn ich also z.B. mit meiner Tochter und ihren Kindern eine solche Sippenstruktur praktizieren möchte, steht doch erst ein mal folgendes fest: (genetisch) verwandt sind wir bereits, also noch mehr an Zugehörigkeit geht gar nicht. Hier findet tatsächlich eine Bindungsgemeinschaft statt. In unserem derzeitigen Verständnis jedoch sind Erwachsene autonom und werden solange als ungebunden angesehen, bis sie sich zu einem (nichtverwandten) Partner zugehörig erklären. Diese Art Partnerschaft ist derzeit die einzige legitime und als förderungswürdig angesehene Lebensgemeinschaft – wobei der Ehe immer noch die höchsten Weihen zugesprochen werden. Auch eine eingetragene Lebenspartnerschaft reicht rechtlich noch nicht völlig an den (von den Kirchen geheiligten) Ehestatus heran. (Inzwischen haben wir die Ehe für alle…)
Die Muttersippe würde also im persönlichen Zusammenleben und der gemeinsamen Haushaltsführung genauso anerkannt sein wie ein Ehe/Familie. Es wäre weder der Segen einer Kirche noch die Trauung vor einem Standesbeamten erforderlich, um die Angehörigen der Muttersippe für zusammengehörig zu erklären, denn das sind sie ja bereits von Geburt an. Wenn diese konsanguine** Lebensgemeinschaft arriviert und eingeführt wird, würde daher lediglich der Urzustand des (evolutionär selektierten) menschlichen Zusammenlebens wieder hergestellt und damit die generationsübergreifende Fürsorge für alle Angehörige ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Bisher hat die tradierte patriarchale Praxis verhindert, dass starke Weiber- und Mutterbande erhalten blieben. Trotzdem gab es, wir können es zwischen den Zeilen der Märchen oder in den eigenen Herzen lesen, einen Ort, den die Menschen in ihrer Seele, als Haus der Mutter abspeichern – es ist der natürliche, aber derzeit unterdrückte Drang nach der Rückbindung an das mütterliche Energiefeld und somit an die Herkunftssippe. Die stete Suche nach der verlorenen Geborgenheit ist eine Grundstimmung in unserer Gesellschaftskultur. Ich bin überzeugt dass bei vielen, wenn auch vielleicht nur diffus, diese dauernde Sehnsucht vorhanden ist.
Da sich Töchter schon lange nicht mehr im natürlich-mütterlichen Geist bewegen und sie auf eine (lebenslange) PseudoBindung zu einem Mann geprägt werden, wird versucht diese latente Sehnsucht in der romantisch verbrämten Liebe auf Lebenszeit zu stillen.
Die weiblichen Energiefelder einer mütterlichen Sippenstruktur sind als Kraftquell längst vergessen. Inzwischen gelten maskuline Werte und eine Herkunftsbindung wird im patriarchalen Verständnis, über die (ungewisse) Vaterlinie festgeschrieben – die Bedeutung der Mutter verblasste immer mehr.
Es geht hier also nicht um einen sogenannten Wahlclan oder um eine „Ehe“ unter Frauen oder um die Erweiterung der Eingetragenen Lebensgemeinschaften zwischen Fremden, sondern um nichts weniger als die Legalisierung der Sippenzugehörigkeit in der mütterlicher Linie. Also um die Akzeptanz der urtümlichen, natürlichen und artgerechten Lebensgemeinschaft, bestehend aus weiblichen Blutsverwandten als Gründerinnen sowie den angehörigen Söhnen und Brüdern. Noch mehr verwandt als Mutter – Tochter / Sohn – Tochterskinder ist nicht möglich.
Das erotische Begehren bzw. eine sexuelle, auf einen Partner gerichtete, Betätigung fände außerhalb bzw. im Privaten dieser matrifokalen Lebensgemeinschaft statt. Daher wäre es auch angesagt, die nun mehr veralteten Inzestgesetze zu reformieren.
Die klassische Ehe, als patriarchal verordnete Institution, wurde im christlich geprägten Abendland, als einziger Ort der legitimierten Sexualität bestimmt und die Ehe wiederum gilt immer noch als die Basis der (Klein)Familie. Der Geist der Institution Familie besteht nach wie vor darin den Mann als den Herr des Hauses vorauszusetzen, selbst wenn er nicht anwesend ist. Wenn beispielsweise drei erwachsene und konsanguin** mit einander verwandte Frauen eine Lebensgemeinschaft bilden, gelten sie trotzdem vor dem Gesetz als alleinstehend, da sie keinen Mann (nichtverwandten Partner) haben und ihr Zusammenleben bekommt in den Augen der Öffentlichkeit eine Art WG-Charakter.
Es gilt also eine echte Alternative zur Ehe/Familie anzustreben und die bereits bestehenden konsanguinen Verwandtschaftsverhältnisse offiziell (gesetzlich) als Lebensgemeinschaft anzuerkennen. Und diese müssten in unserer Gesellschaft genauso gefördert werden, wie die klassische Ehe mit Familienstatus, da hier vor allem auch die Kinder aufgezogen würden und sich die unangemessene Bezeichnung „Alleinerziehend“ damit auch erledigt.
Der Hauptaspekt, der hier angedachten Lebensgemeinschaft Matriclan bzw. Muttersippe oder auch Matrifokal, ist der generationsübergreifende und geschwisterliche Effekt des Zusammenlebens und somit Voraussetzung für das geborgene Eingebettetsein der Kinder in eine verlässliche Sippengemeinschaft.
Bisher läuft es im gesellschaftlichen Verständnis und in der Gesetzeslage so ab – wenn ein älteres Ehepaar oder auch nur eine Mutter oder ein Vater mit seinen bereits erwachsenen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt oder unter einen Dach zusammenlebt, so ist das zwar möglich, wird jedoch bei aller natürlichen Bindung nicht als Lebensgemeinschaft offiziell anerkannt. Jeder Erwachsene, außer den Eheleuten zählt einzeln (und wird auch entsprechend versteuert). Auch wenn (kleine) Kinder zu einer Person gehören, bilden sie mit ihrer derzeit ungebunden Mutter (oder auch Vater) eine eigene Lebensgemeinschaft und diese fallen dann unter den modernen Begriff der Alleinerziehenden, was wiederum auch nur eine Spielart der (Mangel)Familie ist. Wie gesagt, ich empfinde es als absurd, dass sowohl vor dem Gesetz sowie durch den Mainstream jeder Erwachsene grundsätzlich ab der Volljährigkeit als autonome „Lebensgemeinschaft“ gehandelt wird und erst eine erfolgte Paarbildung mit einem Nichtverwandten gilt als legitim – es ist der ordentliche Schritt zur Familiengründung – man heiratet oder tut sich in einer Beziehung zusammen. Damit beginnt auch die gegenseitige Fürsorgepflicht (in guten wie in schlechten Tagen usw.), die der (modernen) Paarbeziehung zugeordnet wird.
Alle anderen (nach wie vor bestehenden) Verwandtschaftsbeziehungen rücken endgültig in die zweite Reihe. Demnach ist in unserem modernen Verständnis die sogenannte Blutsverwandtschaft nur im Kindesalter wirklich relevant. Natürlich bleibt eine gewisse moralische (und bedingt gesetzliche) Pflicht sich bspw. um pflegebedürftige Eltern zu kümmern, schließlich bleibt das Verwandtschaftsverhältnis bestehen, aber wie bekannt genießt der (amtierende bzw. angeheiratete) Partner immer die Vorrangstellung.
Der noch vor Jahrzehnten in der patriarchalen Familienstruktur beschworene Zusammenhalt hat sich in den heutigen Tagen sehr gelockert. Die zu einem Berufsalltag gehörende Verhinderung von Nähe stört auch ein kontinuierliches Festigen der Familienbande. Daher ist Fürsorge und Pflege innerhalb der Herkunftsfamilien zwar immer noch durchaus üblich, gesellschaftlich gesehen jedoch weder eine anerkannte noch geschätzte Arbeit. Diese Zuwendung wird im Alltag neben der Familienarbeit und der honorierten Erwerbstätigkeiten irgendwie verquetscht. In der Regel betrifft diese dreifache Belastung dann die Frau – die Familienmutter.
Ich bin daher sehr wohl dafür, den „Matriclan“ – Vorschlag mit aller Kraft zu unterstützen, denn seine Ziele erscheinen mir förderungswürdig, obwohl der letzte Punkt mir noch sehr als Zukunftsmusik erscheint:

  • Verstärkter Schutz von Müttern und Kindern
  • Lückenlose Betreuung von Kindern, Alten und Pflegebedürftigen
  • Gewaltfreies Zusammenleben in einem intakten sozialen Verbund
  • Perspektivisch ökologischer Landbau und Subsistenzwirtschaft als Lebensgrundlage

(* https://secure.avaaz.org/de/petition/Gesetzliche_Einfuhrung_eines_alternativen_Familienmodells_zur_Ehe_wahlweise

(** verwandt durch Geburt in mütterlichen Linie

.

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Der Beginn des Patriarchats

Der Beginn des Patriarchats setzte dem gemeinsamen (matrifokalen) Leben der Menschin mit ihres Gleichen ein dramatisches Ende und die Ideologen der Patriarchose arbeiten bis heute an der Vernichtung der Mutter

Oberflächlich betrachtet lebt auch heute die Mensch in aufeinander bezogenen (Klein)Gemeinschaften und zwar in Familienformationen, also überwiegend nicht Menschenartgerecht. Die matrifokale Bindungsgruppe, in der die Menschheit einst entstand, wurde vor über acht Jahrtausenden sukzessive durch eine pseudolineare* Patrilokalität ersetzt. Über diesen langen Zeitraum hinweg bis heute tradierte man(n) die sogenannte Großfamilie (patrilokale Kultur-Habitate). Jeder halbwegs privilegierte Mann strebte nun nach den dynastischen Vorbildern der Herrschaftsmachtvertreter ein eigenes kleines Imperium an. Der Schritt vom Klassiker der ländlichen und nur teilweise urbanen ‚Großfamilie‘ hin zur heutigen separierten Kleinfamilie in unserer anonymen Großgesellschaft wurde jedoch erst im Industriezeitalter der heutigen Epoche vollzogen.

Die Vorstellung, dass im Paläolithikum bereits ‚Vater, Mutter, Kind‘ gespielt wurde, ist Nonsens und naturwissenschaftlich immer weniger haltbar. Die (durch den Menschen kulturell geschaffene) Vorform einer Gesellschaft ging bereits mit den Anfängen der Patriarchose einher. Der Beginn der frühen patriarchalen Gesellschaftsform** steigert sich relativ schnell durch massive Gewaltspitzen, wie diverse Eroberungskriege oder die ersten Staatsinternen Regulierungsmaßnahmen zum Machterhalt der frühen Dynastien. Die im Neolithikum und der Bronzezeit entstandenen Hochkulturen wurden politische, durchorganisierte Systeme, die wir als sklavenhaltend, androzentriert und patri-ideologisiert beschreiben können. Diese Grundzüge sind bis heute wirksam.
Die Übergangsphase vom naturgemäßen, menschenartgerechtem (also evolvierten) matrifokalen Kontinuum hin zum ideologisch überformten und durch die antiken und erste monotheistische Religionen gestütztem Hoch-Patriarchat, dauert quasi immer noch an. Einige indigene, teilweise oder ganz matrifokal lebende Menschengemeinschaften existieren über die Welt verteilt zwar nach wie vor, fanden aber bis vor kurzem kaum Beachtung.

(* pseudo weil nie ein Mann sich seiner Vaterschaft wirklich sicher sein konnte, auch mit den heutigen technologischen Mitteln kann man immer noch keine hundert Prozent annehmen…

(** die K. Marx als Sklavenhaltertum klassifizierte…

 

Die drei Säulen des Patriarchats sind

Das Gewaltpotential

Das Patriarchat entstand u.a. durch das Gewaltpotential, dass ein ‚einzelner Mann mit einer Waffe in der Hand‘ darstellt bzw. das sich deutlich bis in die Gegenwart im Bündnis diverser maskuliner Interessenverbände zeigt. Darüber hinaus in den (kulturell kreierten) organisierten Formen der Gewalt, die durch (patriarchale) Herrschaft legitimiert wurden/werden. Hier findet sich die innere Exekutive eines Herrschaftsbereiches sowie die nach außen wirkende, stehende oder abrufbereite, Militärmacht eines Herrschenden oder des Herrschaftssystem. Auch der Ursprung unserer heutigen Familie ist in diesen Herrschaftskonzepten zu verorten – Familie als Hausgemeinschaft unter dem Dach, also dem Einflussbereich, eines privilegierten Mannes. Da das patriarchöse Gesamt- bzw. interne Gewaltkonzept auf nachhaltig kultivierter maskuliner Wettkampfsmentalität und gepflegtem Konkurrenzgebaren beruht, ist in einem solchen Gefüge immer mit einem automatisch vorhandenem Gewaltpotential oppositioneller Gegner zu rechnen. Dazu zählen nicht nur von außen kommende politische Aggressoren, innerpolitische bzw. ideologische Dissidenten, sondern auch die, durch Unterdrückung entstandenen, kriminellen Subkulturen.

Der ideologische Mythos

Jeder weltweit überlieferte ideologische Mythos* baut sich auf der Erfindung dreier männlicher Figuren auf, die es bis dahin im Naturgeschehen des menschlichen Kontinuums nicht gab: der Heros, der Vater, der Gott!
Diese drei Komponenten, einschließlich ihrer Synonymitäten, definieren die bis heute gültige Darstellung des patriarchalen Mannes in den meisten Kulturen. Als Einzelinstallationen und als Steigerung ihre Verschmelzung miteinander, bilden sie das androzentrierten Gerüst der nun durchgängigen Patriarchose. Der ideologische Mythos ist die Basis der pan- und monotheistischen Religionen sowie diverser politischer Staatsideologien und dem des dadurch indoktrinierten jeweiligen Mainstream.
Scheint sich auch das Heldentum und die Gottesverehrung in unseren derzeitigen Kulturpraktiken etwas relativiert zu haben, nimmt doch die Idee der Vaterschaft als Dreh- und Angelpunkt unter Männern als Identifizierung (im persönlichen sowie auch kollektiv) eine vorherrschende Rolle ein. Einmal da die biologische Tatsache einer genetischen Beteiligung des Männlichem an neuem Lebens in der Moderne eine schwindelerregende Überhöhung erfahren hat und zum anderen die Heros- und Gottes- Ideologie mit der Vaterinstallation verschmolz.
Waren die anfänglich Vaterinteressen im Sinne von Besitzdenken und die ‚eigenen‘ Söhne als gezielt aufgezogene Verbündete zu verstehen, ist im Info-Zeitalter die reine Ideologie des Vaterideals (als umfassende Gehirnwäsche) zu einer in der Gesellschaft vorherrschenden Kraft geworden. Der Heros-Vater-Gott – Komplex ist die ideelle und damit emotionale Basis der Patriarchose.

Das Wirtschaftssystem

Bisher jede Art von patriarchalem Wirtschaftskonzept baut auf dem Besitzdenken einzelner, machtorientierter Privilegierter auf und zwar mit der einfachen Formel: Besitz gleich Erhöhung des eigenen Selbst. Diese ego-bezogene männliche Intention, ging m.E. aus einem narzisstisch übersteuerten Selbsterhalt hervor, was dazu führte, dass sich der Mann jedes, auch bisher gleichberechtigtes Leben unterwarf. Besitz oder Eigentum ist eine vergegenständlichte kulturelle Absprache, die von den sozialen Gruppierungen anerkannt oder akzeptiert wird. Das begründete sich zum einen darauf, dass Gewaltanwendung zum Tagesgeschäft wurde und zum anderen auf der Neuerung, dass es zu einer anerkannten Umgangsart wurde, Lebewesen zu besitzen und zu benutzen, einschließlich anderer Menschen. Des weiteren schufen Besitzende durch Zweckbündnisse, bei denen die Mitglieder am Besitz partizipieren oder selbst einen Anteil davon erwerben konnten, die ersten stabilen Wirtschaftssysteme außerhalb der bisherigen egalitär genutzten Subsistenz. Das so willkürlich geschaffene soziale Gefälle baut sich auf der Unterwerfung und der nun systemimmanenten Unfreiheit und grundsätzlichen Ausbeutung der Frau sowie der Gruppe der unterdrückten, unterprivilegierten Männer, den Sklaven und Besitzlosen auf. Das alles bildete bereits vor Jahrtausenden die Steilvorlage für unseren heutigen Kapitalismus und Imperialismus.

(* siehe auch http://www.doriswolf.com/wp/aus-dem-4-kapitel-die-verheimlichte-tragodie-einer-invasion-aus-vorderasien/das-patriarchat-entstehung/neu-die-total-verruckten-mythen-des-patriarchats/)

Das Patriarchat, oder auch Patriarchose, ist die Gesellschaftsform in der wir uns derzeit fast weltweit bewegen…

Wenn wir es genau nehmen, ist es sogar die einzige Gesellschaftsform, die es bisher gab und die den bis dahin existierenden Menschengemeinschaften als übergeordnetes Zugehörigkeitsmuster übergestülpt wurde. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass im heutigem Verständnissinn von Patriarchat, kein Matriarchat je existierte und wir für die vorpatriarchale Phase eine andere Bezeichnung finden müssten. Selbst mit bereits hohem kulturellen Anteilen können wir immer noch von einem naturgemäßen Agieren der Spezies Mensch ausgehen. Das vorpatriarchale Leben der Menschin, das den überwiegenden Teil des Menschseins ausmachte, können wir im Sinne des Lebenserhalts als ein sich selbstregulierendes Naturgeschehen ansehen (wie bei allen Lebewesen). In den menschlichen Gruppierungen wirkten zwar gewisse innere Regelungen eines sozialen Miteinanders (unsere menschenspezifische Strategie des Art- und Selbsterhalt) und diese Gepflogenheiten verbreiteten sich, quasi osmotisch, nach außen in die nahen Angehörigengruppen und flossen wieder zurück.

Es gab zu der Zeit jedoch bestimmt keine durch eine festgelegte Leitkultur gesteuerte Überorganisation. War das frühe Menschsein wie gesagt einfach ein Naturgeschehen, das in seinen anfänglichen und später bereits bestehenden Kulturformen bis noch weit ins Neolithikum reichte, begann mit dem Gewaltzuwachs einiger, sich vielfältige Privilegien anmaßender Androkraten, der Siegeszug eines verhängnisvollen Gedankens, dem des alles bestimmenden Vaters, der per se als Heros geehrt und als Gott verehrt wurde. Der Vater „als Beginn allen Lebens“ war jedoch nicht etwa die gute Nachricht, die sich auf Grund ihres Wahrheitsgehaltes verbreitete und etablierte, sondern eine, erschreckend gewaltsam durchgesetzte Idee, die sich zu einem Jahrtausendelang wirkenden Schlüssel der männlichen Macht erwies.

Das reine Wissen um die (vermutete) Vaterschaft reichte jedoch längst nicht aus, um einfach so eine Vormachtstellung über Frauen und Kinder einzunehmen. Warum auch sollte ich als Frau, die in ihrer Muttersippe geborgen und gut aufgehoben lebt, mich den Vorgaben eines Mannes unterwerfen, nur weil er der Mitzeugende meines Kindes ist? Warum sollte ich ihn suchen und fragen, wie ich mit meinem Kind umgehen darf? Warum sollte er überhaupt in einem Kulturgeschehen, dass noch einer natürlichen Matrix folgt, „seinen“ (ungewissen) Nachwuchs für sich beanspruchen, wo doch die (durch Geburt verwandten) Kinder seiner Schwestern neben ihm in dem gemeinsamen Matrifokal aufwuchsen?

Zwar ist die Zeugung eines Lebewesen ein evolutionäres Konzept, dass sich (bereits lange vor den Menschen) im Sinne des Arterhalts als Hetero-Kombination bewährte, also natürlich selektiert wurde, der Reflex jedoch, der die Geschlechter zwecks Arterhalt zusammenführt, ist keine permanente willentliche Entscheidung, auch nicht beim Männchen der Menschenarten. Das biologische Geschehen hat auch für den (Menschen)Mann, so wie für jeden männlichen Part, kein Bewusstsein für seinen Nachwuchs (an dessen Zeugung er beteiligt war) vorgesehen.

Anmerkung: Wie wir wissen, weder denkt ‚die Evolution‘ noch handelt sie bewusst! Evolution ist die Entwicklung, die geschieht.

Ein Mann, der nicht ahnt, dass durch die Ausübung seiner Sexualität ein Kind entstand, weiß einfach nicht um „seine Vaterschaft“. Und Millionen Jahre bis heute war der männliche Part bei der Zeugung kein willentlicher Akt eines männlichen Individuum, sondern ein unwillkürlich biologischer Effekt. Auch wenn der Mensch (und auch hier vor allem der Mann) inzwischen manipulierend eingreifen kann, bleibt es ein natürlicher Prozess. Der Vater, wie wir ihn inzwischen verstehen, weil sein Status sozial festgelegt (abgesprochen) wurde, ist ein kulturelles Konzept.

Das artgerechteste Moment im menschlichen Dasein ist das fürsorgende Aufziehen des Nachwuchses … und dieses soziale, empathische und kooperierende Verhalten begründet sich auf der selektierten weiblichen Kompetenz des Lebenserhaltes!

Als die Cluster matrifokaler Gemeinschaften durch die Gewaltkonzepte des beginnenden Patriarchat zerstört wurde, blieben selbstverständlich alle biologischen Voraussetzungen nach wie vor erhalten. Noch immer wirkt die angehörige Nähebindung als tragendes Moment im menschlichen Arterhalt – sie ist das spezifischste Überlebenskonzept der Spezies Mensch.

Mit der Ausbreitung des patriarchalen Gedanken gesellten sich nun die ideologischen Regelwerke (Meme – hier gewaltsam installiert und durch Furcht gespeist) in dem Maße hinzu, wie die patriarchalen Strukturen zu wachsen begannen. Die Furcht vor der Gewalt durch Mitmenschen musste von den frühen Menschen erst verinnerlicht werden und damit ergab sich für den matrifokal lebenden Mann die Option auf der Seite der Sieger zu agieren oder zu den Unterworfenen zu gehören. Für Frauen galten ab der unnatürlichen Vaterherrschaft nie die gleichen Bedingungen wie per se für den Mann. Maskuliner (Alltags)Terror war eine neu entstandene Entwicklung im menschlichen Kontinuum und überschrieb nach und nach die natürlichen Überlieferungen im Bewusstsein und Handeln der (weiblichen) Menschen .

Die gesellschaftsideologisch immer ausgefeilteren Herrschaftssysteme verdrängten mehr und mehr das naturgemäße menschliche Kontinuum. Das größte Desaster, dass durch die Patriarchose angezettelt wurde, war daher das Verändern des Kontinuums „Naturgeschehen“ in eine, durch Vater-Herrschaftsmacht kontrollierte, ideologisch geschaffene Zivilisation, die mehr und mehr in der uns bekannten anonymen Großgesellschaft aufging.

Durch das (gewaltsame) Herauslösen der Töchter, also der zukünftigen Mütter und weiblichen Überlebensgarantinnen, aus ihren artgerechtem Matrifokalen, bluteten diese im wahrsten Sinn des Wortes aus. Diese Metapher des Ausblutens macht deutlich, dass es sich hier um einen grausamen Eingriff und einen Akt der Gewalt handelte und keine natürliche (Langzeit)Entwicklung darstellt. Die freie Tochter der Muttersippe wurde durch männliche Gewalt geraubt, versklavt bzw. verheiratet und zur Vatertochter umetikettiert. Dabei verlor sie und ihre zukünftigen Töchter als Unterworfene des Mannes die Ausübung ihres naturgemäßen weiblichen Geburtsrecht der Female Choice.

Wenn ich mir diese nachhaltigen Eingriffe der martialischen und zivilisierenden Männermacht und ihre Auswirkung auf das Naturgeschehen vor Augen führe, muss ich immer an eine Sequenz in dem Film „Jurassikpark“ denken – während der Vorführung eines Werbefilms für den Park, wird erklärt, wie die fehlerhaften Gensequenzen aus den Saurierrelikten durch Frosch-DNA ergänzt wurden um ein Saurierbaby zu erschaffen, wie es formuliert wurde. Was im Film gelang – die gezielte Manipulation von Lebewesen – nahm seinen Ursprung vor langer Zeit, als aus der unbewussten Zeugungsbeteiligung des Männlichen, sich der Menschenmann eine gezielte Züchtungsabsicht und -kontrolle erschloss. Die nunmehr im beginnenden Patriarchat eingeführte Male Choice war auch das anlaufende Zuchtprogramm auf Menschenbasis. Der xbeliebige Mann sucht sich nach persönlichen, egoistischen Kriterien eine  Sexualpartnerin (oder mehrere), die durch die oft radikale Abtrennung von ihrer matrifokalen Herkunft in eine tragische Abhängigkeit von diesem einen Mann (und seiner Patri-Family) geriet. Hier liegt die Ursache eines ganzen Bündels noch heutiger Probleme.
Der Vater Heros – Gott – Kult kürte also ein männliches Idol zum Mittelpunkt eines jeden Alltagsgeschehens. Bis heute gilt der Prototyp ‚Mann‘ als eine Art Selfmademan, welcher der menschlich-mütterlichen Bindungsgemeinschaft scheinbar nicht bedarf. Natürlich trügt auch hier der Schein … denn nach wie vor bedarf der Mann eines gut funktionierenden sozialen Background, der ihm möglichst weiterhin bis ans Ende seiner Tage reichlich Fürsorge angedeihen lässt. Er schuf für sich inzwischen gut vernetzte Zivilisationsorte und ausgeklügelte Infrastrukturen, die ihn sein Dasein in relativer Sicherheit verbringen lassen und die er kontrollieren kann. Wenn es sich dabei auch nicht mehr um fürsorgende Bindungsangehörige handelt, sorgen doch diese Voraussetzungen dafür, dass den privilegierten Männer-Cliquen und ihrem Anhang ein flächendeckendes Versorgungspotential zur Verfügung stand/steht. Das ist das, was wir „Gesellschaft“ nennen und die ist weitgehend anonym und bindungslos. Heute überlebt ein Individuum (fast problemlos) in der anonymen Großgesellschaft, da es darauf konditioniert wird, mit einem Minimum an Nähe und dem permanenten Mangel an Geborgenheit zurechtzukomme.

„Der Mann ist im Grunde das Verlangen Gott zu sein“ (J.P. Sartre)

Mann und Gott – ist die unheilige Allianz, mit der das Männliche um seiner selbst willen alle Gipfel besteigt, alle Lande erobert, alles Leben unterwirft.
Fortsetzung folgt…
.
Veröffentlicht unter Uncategorized | 9 Kommentare

Der Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre

Betrachtung von Stephanie Ursula Gogolin zum Androzentrismus im Patriarchat…

Der Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre ist wie ein Aggregatzustand, in dem wir uns bewegen, ohne die anderen Möglichkeiten zu kennen und als wäre er das einzige lebenserhaltende Elixier…

Der allgegenwärtige Androzentrismus trägt eine jede Frau im patriarchalen Taufkleidchen zu den ersten Weihen der Gesellschaft und begleitet sie durch jede Station ihrer gesellschaftlichen Existenz bis hin zu ihrem einsamen Sterben – einsam im Sinne einer im Alltag nicht präsenten Weiblichkeit.

Wir Frauen sind so auf maskuline Werte geprägt, dass es fast nicht möglich ist, das eigene Frausein tatsächlich, wie es normal wäre, stets zu fühlen oder um uns herum als schwesterliche Präsenz wahrzunehmen. Bei vielen blitzt wahrscheinlich nur gelegentlich die Ahnung auf, dass wir um das weibliche Miteinander betrogen werden. Die weibliche Seele der Menschenwelt in ihrer mütterlichen Offenbarung ist weder individuell noch im kollektiven Kontext spürbar. Jede psychische, soziale und kulturelle oder auch körperliche Prägung* formt inzwischen ein jedes weibliche Menschenwesen zu eine Art Android. Ein lebendes Kunstwesen, das mit einer komplexen maskulinen Programmierung versehen, die Welt der Androzyten am Laufen hält. Der innere und äußerliche Kodex dieser unanimen Prägung wird seit Jahrtausenden angewandt und ist nur auf ein Ziel gerichtet: die Hingabe einer jeden Frau an den Mann.

Die vom Mann geschaffene komplexe Idee der Versklavung (vor allem weiblicher Menschen) ließ u.a. eine abstrus einseitige Weltidee entstehen, die es schaffte, dass bis heute beide Geschlechter des denkenden Durchschnittsbürgers jede ihrer Wahrnehmung durch androzentrierte Filter fließen lassen.

Erst in jüngerer Zeit greift auch noch die wahrhaft absurde Spielart um sich, als heranwachsende Frau einem Ideal nachzueifern, in dessen Mittelpunkt der privilegierte Mann steht. Alles was Männer können und machen, machen und können heutzutage Frauen auch. Sie sind motiviert zu beweisen, dass sie „das“ auch können. Dabei wird geflissendlich übersehen, dass sie es vor allem deshalb können, weil ihnen, vielleicht zum ersten Mal in der patriarchalen Konstellation, der Freiraum zugestanden wird, ihre ohnehin vorhandenen Anlagen und Begabungen auszuleben. Denn der Punkt dabei ist, dass die Frau, das konkrete Weibliche, schon immer die Matrix dazu, beiden, sowohl der Tochter wie auch dem Sohn, vererbt und damit bereitstellt. Das heißt, alle Begabungen und veranlagten Fähigkeiten werden Männern von ihren Müttern vererbt bzw. durch fürsorgende Mütterlichkeit mitgegeben.

Solange (artgerechte) Mütter- und Geschwistergemeinschaften die Vorlage des sozialen Miteinander für einen jeden Mann war (ist), gab es (vermutlich) auch keine nennenswerten Probleme mit dem Zusammenleben. Der erforderliche Einsatz für ein ausgewogenes Miteinander war lediglich der Einsatz der individuellen (besonderen) Fähigkeiten aller Gruppenmitglieder. Es ist also gar keine Frage, ob die Durchschnittsfrau zu gleichen Leistungen fähig ist wie ein Durchschnittsmann, sie ist es von Anbeginn! Die Fragestellung sollte vielmehr genau anders herum lauten.

Die punktuellen Ausnahmeleistungen** die der Mann in seiner für ihn gestalteten Kultur- und Technikwelt zelebrierte und die als Argument für seine intellektuelle Überlegenheit dient, sind überwiegend Leistungen, die wahrscheinlich die meisten Frauen kaum als erstrebenswert ansehen. Ein Hinweis darauf, dass Frauen bis heute, obwohl es für die Durchschnittsfrau von ihren physischen und intellektuellen Voraussetzungen durchaus möglich wäre all die Vorgaben und Karriereziele erreichen könnten, die Ideale der Männerwelt eben nicht die ihren sind.

Eigentlich haben sie Besseres zu tun. Ihre Kinder aufziehen beispielsweise oder im menschlichen Fürsorgekontinuum sich gegenseitig erhalten. Dem Druck nachzugeben als Frau dem (patriarchalen) Mann nachzueifern, ist nur ein Ableger davon, sich selbst und ihre Kinder wirtschaftlich erhalten zu müssen. Als moderne Frau sind wir auch hier dem androzentrierten Gesellschaftskatalog unterworfen.

Trotzdem herrscht vor der Kulisse des Selbstverständnisses, die Welt habe eine männliche zu sein, die seltsame Furcht vor der ‚übermächtigen Frau‘. Dieser Popanz wird uns ständig medial gespiegelt. Alle sollen sie fürchten, die ebenfalls gewaltbereite und darüber hinaus intrigante Frau, die skrupellos die Welt erobern und sich untertan machen will. Diese Phobie ist und bleibt eine Männerphantasie und immer noch die Lieblingsausrede für das Ausbremsen der Frau auf allen Gebieten. Eine im patriarchal-politischem Sinne ‚mächtige Frau‘ ist daher auch nur eine patriarchal sozialisierte Frau.

Der patriarchale Mann ist über die naturgemäße evolutionäre Selektion hinaus so was wie sein eigenes Züchtungsprodukt. So entstand die stets abrufbare Kampfmaschine – der verfügbare Krieger, der gehorsame Soldat oder der opferbereite Held. Seit durch Generationen von diversen Machthaber die „freiwillige“ Wettbewerbs- und Kampfbereitschaft beim (Durchschnitts)Mann gefordert, gefördert und erzwungen wurde, erwies sich der hierarchisch integrierte Untertan zum Selbstläufer. Dabei griff als wesentliche Zutat des Über-Vater-Konzepts jede Form von patriarchaler Ideologie und die auf reinen Androzentrismus umgestellten Religionen.

Ein Menschenmann ist per se nicht gewalttätig, sondern dieser Effekt wurde quasi gezüchtet, also gezielt (von ihm selbst) selektiert. Heute ist in der derzeitigen abendländischen bzw. europäischen Kultur der gewalttätige Mann, obwohl es ihn auch gibt, eigentlich kaum eine Alltagserscheinung. Aber er ist prinzipiell als diffus geduldete Option vorhanden. Der schlagkräftige und körperlich in jeder Hinsicht potente Mann wird uns nach wie vor über alle Medien als Ideal präsentiert. Wir können davon ausgehen, dass viele Generationen die Erfahrung traumatischer Sinneseindrücke und körperlich erlebter Gewalterfahrung (epigenetisch) weitergaben. Zum Überleben in und mit der Natur kam die kulturell geschaffene Notwendigkeit eines Überlebens innerhalb der eigenen Spezies.

Aber es setzten sich im menschlichen Mutationsuniversum auch andere Attribute durch. Die nerdige ‚Züchtungsvariante Mann‘ ist ein besonders schönes Beispiel, wie sehr epigenetische Effekte immer wieder neue Spielarten ‚Mann‘ hervorbringen. Und so können wir uns hier fragen: ist der heutige Nerd ein reines Kulturprodukt oder eine unter dem Eindruck von Kultur passierte evolvierte Selektion? Wie oft gab es einen steinzeitlichen Nerd, mit dem typisch autistischen Couleur? Oder ist der sozialphobische Nerd eine reine Kreation der Neuzeit? Und wieviel Nerd steckt in den Müttern dieser Kinder? Oder wie sehr ist auch die Frau grundsätzlich „degeneriert“ worden? Ich meine damit, wie sehr hat der inzwischen dramatische Mangel an artgerechtem Naturbezug der menschlichen Weiblichkeit geschadet?

Die Androzentierung unserer Welt ist ja nicht eben mal so passiert weil grundsätzlich alle Männer eines Tages so viel empathischer, klüger, vorausschauender, weiser oder humaner als die Frauen wurden, sondern im Gegenteil, weil sich durch einige Initialzündungen soziopathischer (oder psychopathischer) Art, im männlichen Kollektivkörper Eigenschaften wie unsoziales Verhalten, Gier nach Besitz und Macht, Hartherzigkeit, Skrupellosigkeit und eine nicht enden wollende Affinität zur Gewalt potenzierten. Der dadurch entstandene Androzentrismus ist bis heute das Fundament und der Motor der patriarchalen Gesellschaft (Patriarchose).

 

* die schlimmsten sind Verstümmelungen aller Art, aber auch das derzeitige Schlankheitsideal fällt in diese Kategorie

** wie Eroberungsbestreben, strategische Kriegsführung, (unnötige) pyramidale Bauwerke, technische Erfindungen, Forschungsarbeit zur Profitmaximierung, als Fortschritt deklarierter Raubbau an Ressourcen usw. …
.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 3 Kommentare