Oxytocinmangel – ein Beschleuniger des Patriarchats

Der Entwurf einer Betrachtung zu der Frage und Dauerbrenner: Wie entstand das Patriarchat?

Hierbei handelt es sich um hypothetische Überlegungen zu möglichen Zusammenhänge im Entstehen der, seit mindestens achttausend Jahren, expandierenden Patriarchose.
Wir gehen ja heute von Klimaveränderungen aus, die als eines der Triggerereignisse der patriarchalen Strukturen gewesen sein können und eine Entwicklung in Gang setzte, die das reine Naturgeschehen in dem die Mensch lebte, in eine androzentrierte Herrschaftsgesellschaft umwandelte. Und parallel dazu gilt als logischer Initialfunke das Halten und Züchten von Großtieren, die damit zu Nutzvieh wurden. Damit nahm der soziale Pardigmenwechsel, der sich kulturell implementierten Menschheit, seinen Lauf. Das bisherige subsistente Ökoleben wurde, über einen langen Zeitraum zwar, diversen Androkratien und damit ökologischen Veränderungen unterworfen Sukzessive nahmen von da an vielfältige Formen von Privateigentum zu, das nun bereits in männlicher Hand lag. Die gravierendste Veränderung – die vom matrifokalen (friedfertigen) Mann zum patriarchalen Aggressor – ging mit einer sich immer mehr ausbreitenden Gewaltkultur einher. Der Mann als solcher, der kaum noch in matrifokalen Zusammenhängen seinen Alltag verbrachte, verrohte in besonderer Weise – durch die tägliche Gewaltanwendung im Bereich des Viehzüchtens. Das Fernbleiben vom matrifokalen fürsorgenden Alltag tat sein Übriges. Der Mann als solches ließ seine natürliche Kompetenz als Fürsorge-Geber (Mutterbruder) vermutlich mehr und mehr hinter sich und wechselte in die egoistische Position des Fürsorge-Nehmers. Das alles war nicht ohne eine sich kulturell entwickelnde, permanente Gewaltbereitschaft möglich. Der Mann als potentieller Täter? Warum?

Die androautarken Strukturen, die zum Patriarchat führten, gingen mit einem empfindlichen Oxytocinmangel einher…
Oxytocin – wie wichtig sind die Auslöser im Sozialleben unserer Spezies, die zur Oxytocinausschüttung führen? Das eigentliche Problem ist wahrscheinlich nicht, dass der, für das Patriarchat aggressivtypische Mann lediglich einem Zuviel (warum auch immer) an Testosteron ausgesetzt ist, sondern als (patri-zivilisierter) Mensch an einem Mangel an (natürlicher) Oxytocinausschüttung leidet. Oxytocinmangel kann auch für Frauen ein Problem sein, aber in der Regel wirkt sich der (vielleicht auf Grund ihres sehr viel weniger vorhandenem Testosteron im Körper) anscheinend anders aus. Um (das gemeinschaftsfördernde und bindungsrelevante) Oxytocin auszuschütten, bedarf es bestimmter Trigger und die sind, das behaupte ich jetzt mal einfach, im männerlastigen (androzentrierten), patriarchösen Alltag wie wir bis heute erleben, unterrepräsentiert.
Das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin bewirkt mehr als nur gute Gefühle in einem permanent wohlwollenden, zugewandten Austausch unter Menschen, die sich direkt oder latent nahe sind. Es steht für viele alltägliche, aber um so komplexere Prozesse, die im unmittelbaren (matrifokalen) zwischenmenschlichen Lebensbereich zu immer neuen Effekten führen, die wiederum das O ankurbeln.
Matrifokal basiert lebende (indigene) Menschengemeinschaften haben in der Regel keine Probleme mit überwiegend grundaggressiven oder gewaltbereiten Männern. Sie besitzen nicht, die uns heute so geläufige Gewaltkultur, die im Patriarchat dazu gehört bzw. es ausmacht. Gewaltausübungen sind uns selbstverständlich und werden durch eine stete kulturelle, mediale und ideologische Gehirnwäsche befeuert. Wir alle verinnerlichen diesen direkten oder latenten Zustand der kontinuierlich vorhandenen Gewalt.
Matrifokale Sozialstruktur ist auf stete Nähe mit ihren weiblichen Angehörigen und deren Nachwuchs ausgelegt. Wo Kinder sind gibt es vor allem Mütter. Diese Mütter sind im Alltag des matrifokalem Kontext (für das männliche Individuum) die eigenen Mütter und Schwestern. Sie sind für die Söhne und Brüder eines Matrifokals die schier unerschöpfliche Quelle weiblicher Energie.
Um diesen, für einige schwammig scheinenden, Begriff zu konkretisieren – die von mir benannte weibliche Energie ist das erhaltende Mutter-Energie-Feld, das durch die unmittelbar vorhandenen, in permanenter Reichweite befindlichen, vertrauten, wohlwollenden weiblichen Menschen stetig generiert wird. Was sich bei Frauen auf Grund ihrer eigenen potentiellen Mütterlichkeit als überlebens- und arterhaltend auch in ihrem (immer noch nicht ausreichend erforschten) Hormonhaushalt manifestiert. Und das wirkt sich im aktiven konsanguinen Gruppenleben aus, denn solange konsanguin verwandte Frauen, Kinder und Männer in wohlmeinender Manier einen unmittelbaren Alltag teilen, ist auch der Oxytocinhaushalt des (einzelnen) Mannes auf der sicheren Seite.
Anders der inzwischen von jeglichen menschenartgerechtem (matrifokalem) Dasein losgelöste Mann. Der (patriopathische) Mann, der die, uns nur zu gut bekannten lebensfeindlichen Strukturen schuf, welche wir heute patriarchal/patriarchös nennen, musste allerdings erst einmal entstehen. Jeder Mann der sich einst gewaltbereit und Gewalt ausübend benahm, trug dazu bei.
Männergenerationen erschufen seit der unbekannten Stunde Null zu dem natürlich selektierten, weiblich zentrierten, evo-bio-kulturellen Alltagsgeschehen eine androzentrierte Parallelwelt, die heute fast den gesamten Globus überzieht und die androzentrierte, anonyme Großgesellschaft ausmacht.

Die fehlende Mutter(energie) und der Mangel an Menschenkind-Kontakten (besonders mit den ganz Kleinen) als nicht mehr vorhandene Auslöser des Oxytocin-Nachschub.
Nehmen wir ein Jagd-, Hirten-, Militär- oder anderes Lager in dem sich über längere Zeiträume fast nur Männer aufhalten, die mit ihrem immer mehr sinkendem Oxytocin und dafür steigendem Testosteron über lange Zeit unter sich sind – was passiert auf Dauer mit ihnen? Wie wirkt sich der permanente Mangel an Oxytocin und das steigende Testosteron in einem längeren Zeitraum auf ihr Verhalten, ihr Denken, ihr Fühlen aus? Frustrationen verschiedener Art schlagen in handfeste Aggressionen um. Sind diese, als Frustabbaustrategie kollektiv anerkannt, sinkt die Hemmschwelle weiter und friedfertige Lösungen werden nicht mehr gesucht. Rohes und unkontrolliertes Verhalten geht mit Anerkennung und Wertschätzung der Gewaltausübung einher.
Zwei latente Größen können wir annehmen, die von Männern für Männer gezielt eingesetzt wurden und nachhaltig wirkten:
Erstens – der (von einem Matrifokal isolierte) Mann braucht einen hierarchischen Druck oder eine gut etablierte Ideologie/ Philosophie um sich diesem unnatürlichem Gebaren anzupassen bzw. zu unterwerfen, um das Verlangen nach der konstanten Nähe zu (konsanguin) angehörigen Frauen, Kindern und Männern zu unterdrücken…
Zweitens – das männliche Individuum muss seine natürliche Sehnsucht nach menschenartgerechtem Beisammensein und einer unmittelbaren Nähe zu seinen konsanguinen Angehörigen, nach der tragenden weiblichen Energie, dem vorhandenen mütterlichen Element (das natürliche brüderliche Bündnis mit anwesenden Mutter-Kind-Einheiten) umleiten und ideologisch umdeuten (wahrscheinlicher Beginn Ideologiereligiösität um die Hirten-Gottheiten).
Die Abwertung des weiblich-mütterlichen als ethischer Wert, ging (und geht auch heute noch) soweit, dass das Mütterliche bzw. das Weibliche verunglimpft, konkret unterdrückt und bekämpft wird. Wir finden diesbezügliche Hinweise in allen patriarchal induzierten Religionen/Politideologien bis in die Verhaltensmustern des modernen Mannes.

Das Verteufeln der Frau und auch der Mutter als solchen, ist eine inzwischen gut etablierte Strategie des Patriarchats um der Lage Herr zu werden, den Mann seinen eigenen, für ihn schädlichen, Rückzug aus dem naturgemäßen Matrifokal vergessen zu lassen. Und inzwischen haben es ja auch bis heute scheinbar so gut wie alle gründlich vergessen.
Ich empfehle allen, einmal zu beobachten, wie sich (gut erzogene) Männer in der Nähe ihres neugeborenen Kindes dauerverhalten und was dann später passiert, wenn das Kind drei oder vier Jahre wird und kein neues Geschwister die allgemeine O-Lage der Klein-Familie wieder aufpolstert. Das heranwachsende Kind können wir als einen immer geringer werdenden unmittelbaren Ocytocin-Auslöser ansehen, je älter es wird, desto weniger triggert es die O-Ausschüttung seiner (patriarchösen) Umwelt.
Das komplexe Kindchenschema, die sichtbar wirkende Niedlichkeit, die sich auf uns beim Anblick unseres Nachwuchses auswirkt (bei anderen Tieren als Brutpflegeverhalten bezeichnet) ist einer der permanenten Auslöser für das O-Hormon und ist imho ganz sicher wirksamer als Erotik oder Sex. Ständig vorhandene Kinder, Kleinkinder und Babys, wären/sind Bestandteil eines naturgemäßen Alltagsleben und somit ein überaus wichtiger Bestandteil um die nötige Balance des gegenseitigen Wohlwollens und Zugeneigtsein einer konsanguinen Gruppe zu erhalten.
Der irgendwann spürbare Mangel an O lässt den sozial-kulturelle Vater, als hinzugetretenen Mann, sich früher oder später wieder aus der Beziehung lösen. Nicht grundsätzlich, aber häufig genug (da er Mitglied einer anderen Muttersippe ist – also ein fremder/nichtverwandter Mann). Wie bekannt, ist es daher nicht ungewöhnlich, dass jetzt die Ehe- oder Beziehungskrise erfolgt (nach 3, 4 Jahren, später nochmal nach 7).
Eine biologisch determinierte Bindung zum Kind gibt es beim (nichtverwandten) Mann nicht (auch nicht wenn er der genetische Vater ist). Anders bei der Frau und Mutter – als unmittelbarer Nähe- und Nahrungsquelle für ihr Kind – bleibt die Bindung zum Kind nicht nur über einen längeren Zeitraum erhalten, sondern erhält sich als eine lebenslange Grundbindungeine Spezialität unserer Spezies. Die (matrilineare) Großmutter-Mutter-Tochter-Bindung ist biologische Basis.
Die Mutter, als Bindungsgeberin für das Kind, bleibt im Erlebensfall bis zur (biologischen) Erwachsenenreife des Kindes essentiell, auch dann, wenn während der verschiedenen Altersphasen des Kindes, die typischen Ablösephasen auftreten (drei bis vier, sechs bis sieben, elf bis vierzehn Jahre). Hier wirken andere, noch weitgehend unerforschte Hormonlagen bis zu dem Zeitpunkt, dass das Kind (die Tochter) erwachsen ist und die lose scheinende Bindungslage festigt sich mit dem ersten Enkelkind.
Die Hormonlage der Mutter, die mit dem Bindungsstatus zu ihrem letzten Kind verknüpft ist, pegelt sich ab dem Teenageralter ihres jüngsten Kindes auf einem Zwischenstadium ein, um dann in das Dasein als Großmutter überzugehen – aber das ist eine andere Theorie, die von mir an anderer Stelle thematisiert wird.
Über diesen, besonders für den (fremden) Mann, kritischen Zeitpunkt der Mutter-Kind-Bindung hinaus, bricht das Nassauern an diesem frei Haus gelieferten O-Austausch, für den Mann weg. Jedoch in seiner anwesenden Eigenschaft als (naturgemäß vorhandener) Mutterbruder partizipierte er immer von der Anwesenheit all der Kinder von Schwestern und Kusinen und zeitlich fließenden weiteren Nachkommen der Fürsorgegruppe.

Die essentielle Ausschüttung von Oxytocin setzt eine unmittelbare Nähe voraus um die gedeihliche, heilende, aufbauende und menschenartgerechte Bindung als Überlebenseffekt in Endlosschleife zu wiederholen. Bindung ist biologisch vorgegeben!
Das sehen wir daran, dass entsprechende Hormone bereit stehen, die während oder unmittelbar nach der Geburt ausgeschüttet werden. Der Oxytocineffekt erfasst auch andere, sogar Nichtverwandte, die des Neugeborenen angesichtig werden und deren Bindungsverlangen getriggert wird (siehe auch Kindchenschema). Bei Männern wird nachweisbar gleichzeitig das Testosteron gedrosselt. Das ist aber kein anhaltender Effekt. Diese gewiss eintretende Reaktion ist auch ein selektierter Schutzmechanismus für den Nachwuchs.
Das (menscheneigene) Bindungsschema besitzt quasi nur im mütterlichen Kontext eine Dauerwirksamkeit. So wie wir von dem Kindchenschema sprechen, das visuell Signale zum Schutz des Nachwuchses auslöst, ist das Bindungsschema eine selektierte Sofortreaktion (sozusagen der eingebaute Mechanismus des Arterhaltes), der zunächst dem eben Geborenen ein unmittelbares Überleben sichert. Die Mutter-Kind-Einheit (MEK) ist der lebenserhaltende Kern. Als erweiterte Sicherung der MKE hat sich das Matrifokal herausgebildet – die verlässlich vorhandene Fürsorgegruppe bestehend aus Angehörigen der mütterlichen Linie.

Meine Annahme ist, dass u.a. eben auch ein eklatanter Oxytocinmangel für den/die zeitweise isolierten Hirten der Auslöser war (neben dem fehlenden sozialen, weiblichen Korrektiv), der zu den typischen unsozialen Verrohungsmechanismen führte. Für mich ist dadurch die Entstehung der patriarchalen Strukturens durch die züchtende Hirtenkrieger plausibel. Um andere Lebewesen (und ebenso Menschen), als Geisel zum eigenen Vorteil zu nehmen und massiv in deren natürliche Selbstbestimmung als biologisches Lebewesen einzugreifen, dürfte eine besondere Form der Empathielosigkeit erforderlich sein. Von jeglichem fehlendem Mitgefühl bis zur völligen Brutalisierung sind nur wenige Schritte nötig – eine Entwicklung, die begünstigt wird durch den unnatürlichen Zustand, dass sich Männer in einem (mutter)bindungslosen Alltag (isoliert von ihrer konsanguinen Gemeinschaft) längere Zeit aufhalten. Weniger Oxytocin, mehr Adrenalin, mehr Testosteron? Könnte es so einfach sein?
Vielleicht nur zum Teil, denn gleichzeitig, also zusätzlich, zum sinkenden bzw. kaum vorhandenen Oxytocinspiegel, fällt auch für den ungebundenen Mann, das in den bisherigen Sozialmodulen (den Matrifokalen) entstehende, wohlwollende Korrektiv der mütterlich/schwesterlich geprägten Fürsorgegemeinschaft weg.

Bindung ist eine evolvierte Programmierung, die jedoch ausschließlich in der Kompetenz der Mutter (bzw. der Müttergemeinschaft) liegt und in ihren Ausläufern als Fürsorge für alle Angehörigen spürbar ist. Die gegenseitige menschliche Fürsorge ist ebenso angeboren wie das Bindungsschema, der Drang zur Zugehörigkeit und die Female Choice.
Bindung hat sich als generelle Überlebensstrategie selektiert um den (in diesem Fall menschlichen) Nachwuchs zu erhalten. So wie die Female Choice ein selektiver Effekt ist, der lange vor der Mensch (bei Säugetieren) auftrat, ist die Mutter-Kind-Bindung ein wesentlicher Teil des Überlebens als Säuger.

Die patriarchöse Kultur verhindert das (artgerechte)Ausleben des Bindungseffekts. Das Erleben von Bindung zeigt sich beim Nachwuchs (Menschenkind) als die essentielle Wirkung und Erfahrung bzw. als Bestätigung der vorhandenen Anlagen. Das Kind, wenn es in die Welt hineingeboren wird, erwartet quasi versorgt und erhalten zu werden und reagiert darauf durch sein Gedeihen. Bindung ist also die evolvierte (bio) Programmierung, die jedoch ausschließlich in der Kompetenz der Mutter (bzw. ihrer Müttergemeinschaft) liegt. Diese Bindungskorrelation ist in den Ausläufern der Kompetenz zur Fürsorge aller Angehörigen spürbar. Daher – die (gegenseitige matrifokale) Fürsorge ist ebenso angeboren wie die Female Choice, der Bindungs– und der Zugehörigkeitsdrang.

Um das noch mal zu vertiefen: das mangelnde Oxytocin war kein einmaliger Zwischenfall bei einer Gruppe von männlichen Individuen, der dann alle Männer infizierte, ähnlich einer Mutation, die durch ein einzelnes Individuum weiter vererbt wird. Infiziert wurden sie durch das gegenseitige Gewaltverhalten und bis heute wirkt sich dieses toxische Männerverhalten aus.
Der im ungeborgenem Alltag der Patriarchaose statfindene O-Mangel, der sich bis heute bemerkbar macht und ständig wiederholt wird, ist die Folge einer sozialen Veränderung, die sich über lange Zeiträume mehr oder weniger wiederholte und vor allem die (sich selbst isolierenden) Männer betraf. Die Frau, die Mutter, blieb in ihrem Nähebezug zu Kindern und anderen Frauen und diese Geborgenheit bewirkende Nähe flutete sie weiterhin natürlicherweise beständig mit Oxytocin.
Etwas!?! hat Männer also immer wieder, über längere Zeiträume aus ihren Matrifokalen herausgeführt und (in Gruppen) isoliert – wahrscheinlich ist da ihre (bewaffnete) Hirtentätigkeit – einzeln oder in kleinen Gruppen. Später ergaben sich vielleicht Raubzüge, Überfälle die ersten kriegerischen Handlungen. In diesen Verbänden/Banden verhielten sie sich anders als vorher! Der Mann hatte sich im bisherigen Naturgeschehen eine triviale Parallelwelt errichtet und schmückte sie mit androzentrierten Mythen aus. Dieser Verhaltensmechanismus in Folge der Ablösung von der matrifokalen Geborgenheit, ist auch heute noch leicht nachvollziehbar. Dieses bisher nicht übliche Verhalten männlicher Personen im (nun bereits distanziertem) Zusammenleben, führte (auf Grund mangelndem Oxytocin?) zu einem emotionalen Ungleichgewicht und das wiederum senkte die Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft. Diese Phänomene initiierten einen neuen Kodex des Männerverhaltens und wurde als soziale Meme überliefert.
So wie wir es immer noch erleben, dass exponiertes, affektreiches Männerverhalten, besonders in Gruppen, mit einem Klima der latenten oder offenen Gewalt einher geht, so können wir auch beobachten, dass Frauen in der Regel ein anderes Gruppenverhalten an den Tag legen, im besonderen, wenn sie unter sich sind und in geschützten Räumen aufhalten.
Jeder Mann könnte auch heute von seinen biologischen Voraussetzungen her in einem fürsorgendem, gemeinschaftlichen Umfeld seine friedfertige Natur pflegen. Die kulturell installierten Mechanismen, die zu dem Gewalt unterlegten Patriarchat führten, sind in dem veränderten und um so eindringlicher in dem überliefertem asozialen Männer-Verhalten zu finden, das wiederum zu immer neuen Konstellationen führt, die eine im Alltag stattfindende, kontinuierliche Oxytocin-Ausschüttung blockieren bzw. verhindern. Die Vateridee gab zwar dem Patriarchat, dessen Ursprung viele so unbedingt erforschen möchten, seinen Namen.
Der inhumane Motor des Patriarchats ist und bleibt jedoch das (männlich) performte Gewaltverhalten – das Patriarchat ist eine androzentrierte Gewaltstruktur und nicht nur eine Ideologie. Gewaltbereitschaft sowie ausgeübte Gewalt ist unmittelbar mit einem Mangel an Oxytocin verknüpft – so weit meine Ansicht.
Übrigens, schon vor Jahren fand ich bei der Frage nach dem grundlegenden Unterschied von Frau und Mann eine einleuchtende Theorie für mich. Wenn ich bei allen Vergleichen wie bei einem Bruch alles Kulturelle wegkürze, blieb für die Frau, genaugenommen für die Mutter, als Lebensantrieb nur die biologischen Effekte übrig, die für den Arterhalt wichtig sind – durch evolutionäre Selektion entstanden! Und das setzt bei der Frau natürlich voraus, dass neben ihrem individuellen Selbsterhalt immer auch der Drang besteht, die Bindung zum Kind und ihrer unmittelbare Nähegruppe nicht aus ihrer permanenten Aufmerksamkeit zu verlieren. Der Mann als Sohn und Bruder partizipiert vollumfänglich davon auch jenseits des Kindesalters. Im Patriarchat ist dieses (so wie jedes andere) natürliche Gebaren vielfach verkrüppelt und verdrängt worden, übrig blieb die Teilhabe am weiblichen Fürsorgepotential als abgekoppeltes männliches Privileg und hier vor allem für den nichtverwandter Mann.
Der Mann, Sohn und Bruder, als Teil der Fürsorgegruppe, ist hier nur marginal am Arterhalt (dem direkten Erhalt und dem Aufziehen des Nachwuchses) beteiligt oder interessiert. Der Mann selbst partizipiert von der Nachwuchssorge der matrifokalen Fürsorgegemeinschaft und kann sich quasi als Lebenssinn auf seinen Selbsterhalt konzentrieren (und seiner Libido nachgehen). Der Mann ist so was wie eine biologische Ego-Nummer – jedoch im Alltag des Überlebens bedarf er ebenfalls der Fürsorge durch die Müttergemeinschaft und die Schwesternschaft. Aber auch das Verhalten des Mannes (des männlichen Tiers) bzw. alle seine Reaktionen sind selektierte Effekte. Und solange der Mann im Bannkreis seines Matrifokals blieb, war er als Individuum und auch kollektiv auf der sicheren Seite. Die menschliche Katastrophe bahnte sich für alle kommenden Generationen an, als Männer(Gruppen) begannen ihr eigenes Ding zu machen, die Fürsorgegruppe im Stich ließen und sich zu ihrem persönlichen Nutzen Vieh, Frauen und Sklaven hielten. Die fürsorgende Geborgenheit des matrifokalen Zusammenlebens verlor sich im Machtanspruch des Mannes.

Überarbeitung und Fortsetzung vorbehalten!

Stephanie Ursula Gogolin
Lüneburg, November 2020
.

3 Gedanken zu “Oxytocinmangel – ein Beschleuniger des Patriarchats

  1. Ich lese gerade Sahrah Blaffer Hrdy’s Buch „Mütter und Andere“. Dort wird ab S.233 ein ähnlicher Effekt beschrieben. Männer, die in der Nähe von schwangeren Frauen und Kleinkindern leben, haben einen einen höheren Prolaktinspiegel und sind fürsorglicher als andere Männer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s