Der praktizierte Gegensatz zu der uns angeborenen Matrifokalität…

 …in unserer patriarchösen Vergangenheit war seit den ersten (Stadt)Staatenbildungen und Reichsgründungen sowie deren Vervollkommnung in der Antike, die patrilokale Großfamilie bzw. die Hausgemeinschaft unter dem Dach eines Herren Gang und Gäbe, von der Hofhaltung der Herrscher und der Tempelwirtschaft der Priesterfürsten noch mal ganz abgesehen.

Die uns eher vertraute Kleinversion die Kern- oder Kleinfamilie, bestehend aus Vater-Mutter-Kind, als gesellschaftlicher Standard, ist als Form des Zusammenlebens allerdings erst ein paar Jahrzehnte alt. Die fast schon explosionsartige Ausbreitung der funktionellen Kleinfamilie ist, nach der bereits bürgerlichen Familienstruktur, u.a. ein Nebenprodukt der Industrialisierung sowie der modernen Wirtschaft.

Allerdings geht die Zergliederung der, nur scheinbar kompakten und einheitlich agierenden Gesellschaft, immer noch weiter. Auch die Kleinfamilie scheint nämlich letztlich für die Anforderungen der Wirtschaft nicht flexibel genug. Die zu einer Gesellschaft dazu gehörigen Kinder hemmen die Flexibilität der Erwachsenen. Sie wachsen in den Kleinfamilien und verschiedenen aushäusigen Einrichtungen auf und brauchen bis zum Erwachsensein ein Mindestmaß an verlässlichen Strukturen. Obwohl auch hier immer wieder hemmungslos dagegen gesteuert wird (was das unbedingt per Gesetz forcierte Wechselmodell als aktuelles Beispiel zeigt), sind die zuständigen, aber meist auch berufstätigen, Eltern für nicht wenige Kinder, die einzigen Bezugspersonen und Stabilisatoren im Alltag. Die Kleinfamilie (bestehend aus zwei erwachsenen Personen) muss daher das fast Unmögliche möglich machen – sie soll den Beteiligten (also sich selbst und dem Partner) Geborgenheit und Zuwendung geben, um sich physisch und psychisch gesund zu erhalten, ihnen Raum und Gelegenheit bieten um die Arbeits- bzw. die Lebenskraft regenerieren zu können, die vorhandenen Kinder fürsorglich aufziehen und in Alter oder Krankheit sich gegenseitig versorgen und sie sollen (müssen) erwerbstätig sein.

Der Inselcharakter, den die Kleinfamilie in der Gesellschaft inzwischen angenommen hat, erschwert diese still vorausgesetzten Fürsorgeleistungen bzw. bürdet sie wie eh und je der Frau und Mutter auf.

Die Kleinfamilienbetreiber, die mit dem Organisieren ihres Alltags, in die totale Privatheit verwiesen werden und mit ihrem Lebenserhalt mehr als voll ausgelastet sind, sind gleichzeitig für eine ständig expandierende Wirtschaft nicht flexibel genug. Kein Wunder, dass sich das ausgedehnte Singledasein, als eine Art Subkultur parallel entwickelt. Der Singlehaushalt ist verbreitet wie nie zuvor. Und von unserer Gesellschaftsstruktur her ist jede/r Erwachsene ohnehin eine (vor dem Gesetz) voll anerkannte “Lebensgemeinschaft“. Die einzelne (von ihrer Herkunftsfamilie abgenabelte) Erwachsene kann heutzutage allein leben, einer (möglichst lukrativen) Erwerbstätigkeit nachgehen, wird entsprechend versteuert und ist, nicht zuletzt deshalb, durchweg anerkannt. Ein beliebter Lebensstil – manche bleiben inzwischen ein Leben lang Single.

Zwar wird nach wie vor eine über die Einzel-Lebensgemeinschaft hinausgehende Mehrfach-LG angestrebt, aber immer nur im Vorstellungsrahmen der Kleinfamilie. Eine Besonderheit und Ausnahme stellt hier Wohngemeinschaft dar, seit Jahrzehnten beliebt. Hier wohnen temporär und relativ sozial unverbindlich, verschiedene Personen zusammen, die vor allen der gemeinsame Wohnort verbindet. Für Studenten das ideale Wohnen, also für die überwiegend jungen Leute, die dem Ruf der heutigen Zeit folgend, die “Teenie bei Eltern”-Phase hinter sich lassen und jedwede Familienanbindung sukzessive lockern oder gleich lösen.Die uns angeborene Matrifokalität in Form einer nachhaltigen Sippenbindung, ist schon seit langem keiner einen Gedanken wert und den meisten ohnehin unbekannt.In einer Übergangslösung wie in der WG, werden verschiedene zukünftig erwartete und nützliche Fertigkeiten und Sozialkompetenzen eingeübt. Gleichzeitig partizipieren die Wohnlinge von der latenten Aufmerksamkeit und Anwesenheit der Mitbewohner. Denn die Mensch (auch ihre männliche Variante), als ein einer Nähegemeinschaft bedürfendes Lebewesen, lebt in einer absoluten Einsamkeitsblase weder artgerecht noch besonders gesund – mag der Hauch von Freiheit, der das Autark-sein umweht, auch noch so angesagt sein. Allerdings relativiert die gut ausgebaute Infrastruktur unserer Gesellschaft das Alleinleben und so übt das ungebundene Singledasein für viele einen unwiderstehlichen Reiz aus, besonders wenn man sich mal zwischendurch verpärchen kann. Denn noch ist der gesellschaftliche Standard des mit Mitmenschen Zusammenlebens immer noch das Paar (unbedingt bestehend aus zwei Fremden, sprich Nichtverwandten). Die Zweierbeziehung bildet das Fundament einer zukünftigen (ebenfalls gesellschaftlich gewünschten) neuen, kleinen Familie. Das Elternpaar, die Basis der patriarchalen Paarungsfamilie zieht Kinder auf, die wiederum so früh wie möglich, manchmal noch vor der kulturell und gesetzlich angesetzten Erwachsenenreife, die kurze Episode der elterlichen Herkunft hinter sich lassen.

Der flüggen Kinder, manchmal unwiederbringlich, beraubt zu sein, ertragen moderne Mütter tapfer und in vorauseilendem Gehorsam. Wir Mütter sind darauf trainiert diesen Verlust wegzustecken und den Kindern ihr eigenes Leben und eine eigene Kleinfamilie zu gönnen. Die romantisierte Kernfamilie wurde medial und in allen Genres als erstrebenswertes Ideal aufgebaut. Wir können uns kaum etwas anderes vorstellen.

Aber wir wissen auch, unter dem Dach der ostentativen Familienidylle finden wir die als Familiendrama verniedlichte Gewalt und in allen patriarchalen Familienstrukturen herrscht in der Regel ein eklatanter Mangel an Geborgenheit, intimer Vertrautheit, Zugewandtheit und notwendiger Fürsorge für jede/n.

Aber im Laufe der letzten Jahrzehnte bildete sich noch eine weitere, interessante Spielart des Zusammenlebens heraus. Zwischen der tradierten Kleinfamilie und dem Singlestatus kam es zu der naheliegenden Praxis, dass Mütter nur mit ihren Kindern ihr Leben verbringen und den gemeinsamen Alltag gestalten. Es sind die sogenannten Alleinerziehenden. (Und ja, es gibt auch Väter, die diesem Lebensstil folgen!)

Die vielen Alleinsorgenden Mütter, die es in unserer Gesellschaft gibt, sind inzwischen ein nicht zu übersehender Faktor – aber im patriarchalen Verständnis eben auch eine Sünde wider die Väterideologie. Entsprechend werden sie in der Gesellschaft schlecht behandelt, von der Politik vernachlässigt und vom Mainstream mehr geächtet, als für ihre Pionierarbeit und Lebensleistung bewundert. Eine Frau ohne Mann ist zwar möglich, aber im Patriarchat nicht dauerhaft vorgesehen. Daher gilt selbst eine Frau, ihres Zeichens Mutter von mehreren Kindern, als alleinstehend. Der Staat brachte/bringt es daher auch fertig, sie steuerlich einer Singlefrau gleichzustellen. Sie und ihre Kinder fallen zwar unter den Familienbegriff, aber irgendwie auch nicht. Zumal per Gesetz der Vater (manchmal sind es auch Väter) immer mindestens einen Fuß in ihrem Alltag hat. Liebe Frauen, schön, wenn ihr euer Geburtsrecht wahrnehmt und eurer Female Choice folgt, trotzdem gibt das Patriarchat dem Vater das letzte Wort. Um ein Vater (Premiummitglied des Patriarchats) zu sein, braucht es ein Kind und seit ein paar Jahrtausenden ist der Mann gewohnt der Besitzer des Kindes zu sein … so einen Gewohnheitsanspruch legt mann nicht in ein paar Jahrzehnten ab. Wie wir wissen, beschreibt der Familienbegriff von seinem Ursprung her, die Familie als Hoheitsgebiet eines Mannes/Vaters – hier ist er Besitzer, Regent und Ideologe. Eine Fürsorgerolle hat er für sich selbst darin nicht vorgesehen. Der sozial engagierte Vater, ja der Vater gar als (alleiniger) Fürsorger seiner Kinder, ist ein sehr neuartiger Anspruch. Und dieser Anspruch ist noch kürzer, als die Akzeptanz des Gebildes, das wir als Kleinfamilie so sehr verinnerlicht haben, dass diese bedenkenlos von Wissenschaft und Mainsream in die Steinzeit projiziert wird.

In der guten alten Ur- und Steinzeit lebte die Mensch jedoch noch ganzartgerecht in der Matrifokalität…

Stephanie Ursula Gogolin

 

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