Das Matrifokal … mehr als nur eine Theorie

Das bislang nicht definierte Matrifokal

Neulich sprach ich mit einer lieben Freundin, die leicht genervt meinte, sie hätte jetzt beschlossen wieder den Begriff Matriarchat zu benutzen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Nun wir sollten grundsätzlich derlei Begriffe immer ohne schlechtes Gewissen anwenden. Definitionsarbeit ist ohnehin nicht ohne, was also brauchen wir da auch noch ein schlechtes Gewissen. Wozu dient eine Selbst- oder Fremdzensur? Noch sind all die Begriffe um patriarchale und matriarchale Gesellschaftssicht so gut wie kein allgemeiner Sprachgebrauch. Wenn ich mir zum Beispiel das Wort Feminismus so ansehe, dass immer noch unpassend und manchmal sogar absichtlich falsch benutzt wird, werden wir es noch eine Weile aushalten müssen, Worte wie Matrifokalität, Matriarchy oder eben auch Matriarchat immer und immer wieder erklären zu müssen.

Trotzdem ist es nicht ganz so simpel. Matrifokalität als Ausweichwort für Matriarchat zu benutzen ist hierbei auf gar keinen Fall die Lösung. Denn diese beiden Worte sind in ihrer Bedeutung, also als Begriff, nicht deckungsgleich. Sie bewegen sich sozusagen auf völlig verschiedenen Ebenen.

Die menschliche, evolutionär entstandene Matrifokalität ist als Naturgeschehen eine,  Zustandsbeschreibung, während es sich beim Matriarchat eher um einen theoretischen Wunschbegriff handelt. Zu diesem Zweck habe ich zusammengetragen, wie ich den Unterschied zwischen matrifokal und matriarchal, zwischen dem sogenannten Matriarchat und der, im allgemeinen und vor allem weiblichen Sprachgebrauch noch längst nicht angekommenen Matrifokalität sehe.

matriarchal versus matrifokal

… seit von einigen forschenden Denkerinnen gegen den Begriff Matriarchat Sturm gelaufen wird, lassen manche den Ausdruck lieber ganz weg und setzen als Gesellschaftsbezeichnung beinahe unkritisch das Wort Matrifokalität ein. Und für flüchtige LeserInnen ist es vielleicht eh ein und dasselbe.

Aber die beiden Begrifflichkeiten sind nicht kongruent. Ich bin der Ansicht, dass der Unterschied zwischen den Begriffen Matrifokalität und Matriarchat größer ist, als frau im ersten Moment denkt. Und ohne weiter auf die Definitionsdifferenzen um das Wort Matriarchat einzugehen, untersuchte auch ich die beiden Wortgebilde, die sich eben auch ähnlich sehen.

Wenn der Begriff Matriarchat oder matriarchal mit dem mütterlichen Ursprung oder „Am Anfang die Mutter“ übersetzt wird, scheint das den meisten in vieler Hinsicht schlüssig. Jedoch ist diese Überlegung eher eine philosophische, eben theoretische Definition, die als abstrakte Gesellschaftsbeschreibung daherkommt. „Am Anfang die Mutter“ ist zwar auch, wie wir heute darauf bestehen könnten, eine biologische und daher logische Definition. Hier würde ich aber immer mit einem gewissen Vorbehalt vorgehen. Diese Definition sagt nämlich im Detail nichts darüber aus, wie sich der innere soziale Kontext der frühen Menschengruppen am Beginn des Menschseins gestaltete und auswirkte.

Der Begriff Matriarchat betrachtet eine früh bestehende Menschen-Großgruppierung bereits als größere, kulturell interagierende Population und sieht darin somit bereits ein gesellschaftliches Phänomen mit einer Art kulturpolitischen Ausrichtung. Es gab jedoch davor auch schon ein bedeutsames Geschehen in der Zeit des sehr frühen Paläolithikum und davor und die waren/sind ein naturgemäßes Agieren der Lebewesen, auch der Sepezies der Menschen.

Matriarchat können wir eigentlich nur als gesellschaftstheoretische Definition verstehen. Sie bezieht sich zwar auf die biologische Tatsache einer immanent zentralen, tragenden Mütterlichkeit, beschreibt aber nicht per se die Parameter des sozialen und sich kulturell entwickelnden Zusammenlebens, sondern stellt sich bereits eine in sich organisierte (Groß)Gesellschaft vor.

Anders der Begriff matrifokal. Er setzt sich auch aus matri – das Mütterliche und focus – das Zentrum, die Bündelung, aber auch ‚der Herd‘, zusammen und basiert auf den beiden Voraussetzungen matrilinear und matrilokal.

Matrifokalität ist das naturgemäße menschenartgerechte Kontinuum – entstanden durch das selektive Überlebensprozedere der Säugetierarten bis hin zu den frühesten Fürsorgegruppen- und Sippengemeinschaften der Spezies Mensch. Hier von einer bestehenden oder gar organisierten Gesellschaft zu sprechen, finde ich unzutreffend. Diese evolutionär entstandenen innersozialen Strukturen sind ein Naturkonzept und funktionieren auf Grund ihrer mütterzentrierten, generationsübergreifenden und geschwisterbasierten Attribute.

matrifokal versus patriarchal

Logischer Weise deute ich auch das Wort matriarchal als gesellschaftstheoretische Begrifflichkeit wenn auch nicht als inhaltliches Pendant zu patriarchal. Im heutigen gesellschaftlichen Deutungskontext findet hier eine unzulässige Umkehrung statt – eine Art Herrschaftstausch. Im Matrifokalen Urkonzept sind jedoch Herrschaftsstrukturen nicht vorhanden und die Geschlechter nehmen am Fürsorgegeschehen mit ihren (persönlichen) Affekten und biologisch determinierten Intentionen teil.

Da die Mutter bzw. die Mütter das naturgemäße Zentrum der konsanguinen* Fürsorgegemeinschaften sind und somit vom matrifokalen Anbeginn an die offensichtliche Drehscheibe des menschengemeinschaftlichen Evolutionsgeschehen waren, sollten wir die, auf weiblichem Agieren aufgebaute Selbst- und Arterhaltsfähigkeit, die mütterliche Gemeinschaftskompetenz, auch als die soziokulturelle Grundlage der frühen Menschengruppen ansehen. Wenn schon der Begriff matriarchal benutzt wird, dann eben auch nur im Sinne von „auf die Mutter bezogen“ ohne eine Zuschreibungen wie „Herrschaft“ mitzudenken.

Und wir sollten beachten, dass patriarchal, im Sinne von „auf den Vater bezogen“, einen ganz anderen Bedeutungsinhalt hat. Der „Vater“ ist eine kulturelle Kreation und als sozialer Taktgeber keine naturgemäße (biologische) Entwicklung innerhalb der Matrifokalität. Da männliches Dominanzverhalten immer mit einem (nicht nur die eigene Art) schädigenden Gewaltverhalten einher ging bzw. geht, wurde die menschen-artgerecht bestehende brüderliche Sozialkompetenz zu Gunsten der machtbezogenen Vaterinstallation ausgetauscht – erst kollektiv und dann grundsätzlich auch auf das (maskuline) Individuum bezogen.

Der (Mutter)Bruder, der von Anbeginn als Fürsorgebegleiter seiner Schwestern innerhalb eines Matrifokal agierte, bekam so sukzessive eine ideologisch umgerüstete Bedeutung. Im Sinne von Bruderschaft zu anderen nicht angehörigen Männern, wandelte sich verwandtschaftliche Ebenbürtigkeit in androzentrierte Rangfolgen. Und während sich die nun im (Mutter)Sippengefüge platzierten Väter miteinander verbrüderten, wurde die (nicht menschenartgerechte) Trennung von Müttern, Töchtern und Schwestern durchgesetzt und zwar gewaltsam. Der durch Machterwerb privilegierte Mann stieg parallel zu dem jeweils bestehenden Herrscherideal zum Vateridol auf. Die allegorische Vaterfigur etablierte sich als omnipotent erscheinendes, subjektiviertes Objekt (zum Beispiel als monotheistischer Gott), dessen mythisch verbrämte Ideologien bis heute die patriarchale Gesellschaft fest im Griff hat.

Mal abgesehen davon, dass es bis in unsere Zeit hinein nicht wirklich feststellbar war, ob ein Mann tatsächlich der „leibliche Vater“ eines Kindes war, ist der Vaterbegriff in zwei Bedeutungen aufgespalten. Einmal als biologischer Mit-Zeugender eines neuen Lebens (er stellt ein Spermium zu Verfügung, das seine Gene an die Eizelle abgibt) und zum anderen als (gewaltsam eingeführter) Beherrscher aller sozialen Klein- oder Großstrukturen. Die recht junge Entwicklung der gesellschaftlich performten und etablierten Rolle als temporärer Fürsorger einer Kleinfamilie (ein Status der heute hingebungsvoll zelebriert wird) bzw. als unmittelbarer Verantwortungsträger für den eigenen Nachwuchs, ändert nichts daran, dass ‚Der Vater‘, genauer gesagt: die patriarchöse Vateridee, eine rein männlich inszenierte Schöpfung ist. Stabilisiert wurde und wird die mythologisch aufbereitete Vateridee durch diverse Religionen, patriarchalpolitische Ideologien und die durchgängige strukturelle Gewalt.

Das relativ schnelle Umsichgreifen hierarchischer Herrschaftsstrukturen könnten wir auch als erforderliche Konsequenz ansehen, das Vakuum zu füllen, dass die Zerstörung der naturgemäßen Muttergemeinschaft nach sich zog. Die verkaufte und versklavte Frau hinterließ zwangsweise ein verwaistes Matrifokal. Die weitergereichte Tochter, verheiratet oder als politische Geisel, heraus genommen aus ihrer Muttersippe oder später Vaterfamilie, stand als zukünftige Trägerin der menschenartgerechten, Mutter bezogenen Fürsorgegemeinschaft nicht mehr zur Verfügung. Innerhalb kürzester Übergangszeiten übernahmen (einstmalige Mutter-)Brüder die Rolle (und hier handelt es sich tatsächlich nur um eine Rolle) des reputierlichen Vaters, des geachteten Häuptlings (bis hin zur Königswürde) oder des gefürchteten Anführers der Krieger (als Vorstufe der Imperatoren).

Der durch legislative und exekutive Macht aufgestiegene privilegierte Mann veränderte dramatisch und nachhaltig die einstigen matrifokalen Sozialgemeinschaften. Die neuen patrigeprägten Kollektivformen bauten mehr und mehr auf Normen auf, die sich als naturfeindlich und inhuman erwiesen (siehe das Halten und Züchten von Großvieh).

Das Matrifokal ist ein von mir speziell für diesen Zusammenhang kreierter Begriff, welcher die naturgemäße, also menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft bezeichnet!

Die matrifokale Gemeinschaftsform ist die naturgemäß artgerechte Seinsform der Spezies Menschen. Auf der Basis der Female Choice** gründete sich hier der biotische, also evolutionär durchgesetzte, optimale Lebenserhalt der menschlichen Spezies. Die dem Menschen artgerechte Matrifokalität bleibt daher nach wie vor, einem Organismus ähnlich, unsere evolvierte Lebensbasis – selbst unter den Bedingungen der nicht naturgemäßen Patriarchose.

Das Leben im Matrifokal war und ist unser ur-natürliches Dasein – das organisch entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als natürlich entstandenes, dynamisches Habitat, das als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs (auch den bereits erwachsenen) fungierte. In der Regel bestehend aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend lebenden Menschengruppierungen. Das bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, geschwisterbasierten sich gegenseitig versorgenden Angehörigen-Gruppen. Ein Jedes wurde in die bestehende Gemeinschaft ihrer (konsanguinen) Angehörigen hineingeboren und verblieb in diesem Kontinuum in der Regel bis zum Tod.

Die hundert bis zweihundert, als heute noch bestehenden Matriarchate bezeichneten indigenen (Klein)Gesellschaften auf unserer Welt sind Gemeinschaftsorganismen bzw. -organisationen auf Angehörigenbasis, welche überwiegend die menschengerechte Matrifokalität (also matrilinear und matrilokal) im überlieferten Sinn praktizieren.

Das Matrifokal (als Basis des menschlichen Kontinuum) ist daher keine vergängliche Episode in einer Abfolge von Gesellschaften zu verstehen. Als naturgemäße Grundlage des Menschseins ist es auch im bestehenden Patriarchat stets gegenwärtig, wenn auch durch das Diktum der religiös/ideologischen Herrschaftsstrategien aus dem Bewusstsein des kullturell tradiertem Mainstreams weitgehend getilgt.

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen der menschlichen (Nähe)Gemeinschaft und einer (anonym agierenden) Gesellschaft. Die (Sippen)Gemeinschaft des Menschen (bei anderen Säugetieren von uns Menschen bezeichnet als: Herde, Rudel, Horde) im naturgemäßen Sinne, besteht aus einer Ansammlung überwiegend konsanguiner* Angehöriger, die ihr Zusammenleben miteinander gestalten, im Sinne des naturgemäßen Selbst- und Arterhaltes.

Im Matrifokal verbringen in einer überschaubaren Gruppierung auf einander bezogene, doch in ihrer Persönlichkeit frei agierende Individuen ihren Alltag miteinander. Es ist das gelebte Kernmuster der menschlichen Angehörigen-Bindungsgruppe – die matrilineare Sippe, die eine artgerechte (natürliche) Ordnung nach einem mütterzentrierten Prinzip lebt. Hier finden wir einen interagierenden Personenkreis, der in individueller Entscheidungsfreiheit*** sich in der förderlichen Nähebindung von konsanguinen Angehörigen bewegt.

Dagegen ist eine ‚Gesellschaft‘ ein größerer, bereits als organisiert zu verstehender Zusammenschluss an menschlichen Gemeinschaftsgebilden und Individuen, die einer bereits tradierten Leitideologie unterworfen wurden und die auf das Individuum bezogen weitgehend anonym interagieren. Die allgegenwärtige Anonymität, das Hauptmerkmal einer (Groß)Gesellschaft, fördert spürbar die zunehmende Separierung des Individuums. Statt einen gewachsenden sozialen Zusammenhalt in einem integrierten Kontext zu leben, separieren sich die Mitglieder der patriarchalen Gesellschaft zunehmend und zwar unter dem Eindruck einer relativen Sicherheit in der anonymen Gesellschaft, welche jedoch die spürbare Nähe einer fürsorgenden Gemeinschaft vermissen lässt. Die trügerische Sicherheit patriarchaler Gesellschaften wird durch eine größtmögliche Anpassung des Individuums an die verschiedenen Leitideologien der jeweiligen Kultur- und Polit-Systeme erkauft.

Unsere persönlichen Mittelpunkte sind zwar heutzutage nach wie vor temporär an eine natürliche Angehörigenbindung angeschlossen, aber die Kernstruktur hat sich in kulturell geschaffene Kleinorganisationen verlagert. Unser Alltag findet von der (Klein)Familie ausgehend in Bildungseinrichtungen, in aktuellen Arbeitsstellen und gesellschaftlichen Organisationen statt. Diesen Aktionstätten werden wir, mit oder ohne unsere Bereitschaftserklärung, temporär einverleibt und fühlen uns per Konditionierung früher oder später zugehörig. Gesellschaften werden in ihren inneren Abläufen von den Vertretern der jeweiligen Machtkonzepte gesteuert (und nur in der heutigen Demokratie besteht für jedes einzelne Mitglied die Illusion des Mitbestimmungsrechtes). Das soziokulturelle Ideologiekonzept der heutigen patriarchalen Gesellschaft variiert nach Kulturkreis, ist aber immer noch durchweg androzentriert.

Das soziale, hier das zwischenmenschliche Miteinander in der matrifokalen Grundgemeinschaften, dem Matrifokal, bezog sich urtümlich auf den unmittelbar erlebten, alltäglichen Nähekontakt. Dieser war für die Menschwerdung essentiell und ist in unseren menschlichen Erbanlagen als unwillkürlicher Drang zur Zugehörigkeit und in Form von Bindungsemotionen zu unseren Angehörigen vorhanden. Die Basis aller Bindung ist die Arterhaltende Mutter-Kind-Einheit.

Bei nicht Vorhandensein einer natürlichen Bindungsgruppe übertragen wir das Zugehörigkeitsverlangen im Zuge der Überlebensanpassung auf andere, uns sozial nahestehende und möglichst wohlwollenden, vertraute Mitmenschen. Hierin liegt mE auch die ungebrochene Willigkeit begründet, sich in Peergroups und Paarbeziehungen zu arrangieren und sich diese, manchmal auch über jede Vernunft hinaus, erhalten zu wollen. Auch das von mir so gern angeführte Stockholmsyndrom hat hier seine Wurzeln. Das Verlangen, auch unter widrigen Umständen zu überleben, bringt ein Individuum dazu dauerstressige, extreme oder schädliche Situationen in stark fremdbestimmten Abhängigkeitsverhältnissen auszuhalten.

Das Zugehörigkeitsverlangen des Individuums und die lebenswichtige soziale Interaktion mit (möglichst angehörigen) Mitmenschen kann so durch Repression oder Gewaltexesse beherrscht werden. Patriarchale Strukturen bauen auf dieser Form der Unterdrückung auf. Insbesonders auf der Vereinzelung und ihrer Bedürftigkeit, die auch über das Kindesalter bestehen bleibt.

Soziales, zugewandtes Interagieren auf Basis der matrilinearen Bindungsgemeinschaft regulierte urtümlich den Alltag der matrifokalen Sippengruppierungen. Der gegenseitig zur Anwendung kommende Drang zur Angehörigkeit (basierend auf der Mutterbindung) sowie die individuelle Empathie verknüpft mit notwendiger kollektiver Kooperation, bildete eine Überlebensgrundlage mit der sich die frühen Menschengemeinschaften offenbar erfolgreich erhielten und vermehrten. Das naturgemäß matrifokale Menschsein (in einem aktiv gelebten Matrifokal) ist das Fundament auf dessen Grundlage es das soziale Miteinanders in Balance einst gab, immer noch gibt und das wir uns für die Zukunft wieder als Gemeinschaftsbasis erschließen sollten…

 

* konsanguin – verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie (umgangssprachlich auch ‚blutsverwandt‘)

** siehe hierzu: http://www.gabriele-uhlmann.de/pdf/female-choice.PDF

*** siehe ‚The Continuum Concept‘ von Jane Liedloff

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Über Stephanie Gogolin

Tochter - Mutter - Großmutter - Ahnin
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5 Antworten zu Das Matrifokal … mehr als nur eine Theorie

  1. Pingback: Der Begriff ‚Familie‘ – eine dringende Korrektur | Matrifokale Gegenwart

  2. Marcus Breitmeyer schreibt:

    „Die allgegenwärtige Anonymität, das Hauptmerkmal einer (Groß)Gesellschaft, fördert spürbar die zunehmende Separierung des Individuums.“

    Hier sind Ursache und Folge meiner Ansicht nach vertauscht. Die allgegenwärtige Anonymität folgt aus der zunehmenden Separierung, nicht umgekehrt. Die Tendenz zur Separierung hat natürlich auch ihre Ursachen. Meines Erachtens liegen jene in der Ideologie des Patriarchats begründet. Der Kern dieser Ideologie bzw. die Basis, auf der das gesamte Patriarchat ideologisch aufbaut, ist das sogenannte „Recht des Stärkeren“. Hier handelt es sich um kein Recht im engeren, moralischen Sinne, sondern um den Einsatz von Gewalt als Ultima Ratio in Abwesenheit von Moral. Die stete Androhung und nahtlose Anwendung von Gewalt erscheint notwendig, weil den Beteiligten keine Moral bekannt ist, die sie anwenden könnten. In ihrer Einfältigkeit gehen sie soweit, den Moral-Begriff ins diametrale Gegenteil seiner originären Bedeutung zu verwenden und jene Menschen als demoralisiert zu brandmarken, die den allgegenwärtigen Wahnsinn nicht mehr aushalten und sich aus reinem Selbstschutz aus der moralbefreiten Gesellschaft der Asozialen zurückziehen. Jedes Individuum hat ein Recht auf Autonomie (Selbstbestimmung). Dieses Recht wird im Patriarchat systematisch negiert, weil seine Anerkennung das Recht des Stärkeren unmöglich machen würde. Es ist unmöglich, sich durchzusetzen und gleichzeitig das Recht auf Autonomie desjenigen zu respektieren, gegen den man sich durchsetzen will. Was die Pat-Twats dabei regelmäßig unbeachtet lassen, ist die simple Tatsache, dass es beim nächsten Mal sie selbst treffen kann. Niemand gewinnt jeden Kampf. Am Ende des Tages wird in diesem Spiel jeder zum Verlierer.

    • Stephanie Gogolin schreibt:

      … vielleicht habe ich das nicht deutlich genug formuliert: die Separierung und die Anonymität bedingen hier einander …deshalb schrieb ich auch: „fördert spürbar die zunehmende Separierung“ … da ich immer im historischen Kontext denke und argumentiere, war imho der erste Schritt in die Etablierung der patriarchalen Strukturen das Aufbrechen der matrifokalen Fürsorgehabitate und damit die Zerstörung der Vertrautheit und Sicherheit durch anwesende Angehörige. Die verschleppte, der Freiheit beraubte Mensch, die versklavte oder verheiratete Frau, sah sich Separierung und Anonymität gleichermaßen gegenüber und da das Selbsterhaltungsprogramm der Lebewesen ein hohes Maß an Anpassung bereitstellt, richtet sich das der matrilokalen Grundgeborgenheit entrissene Individuum auch in unzuträgliche und unerträgliche Bedingungen ein.
      Die heute allgegenwärtige Anonymität in der Gesellschaft des modernen Hochpatriarchats, erfolgt nicht aus der heute auf die Spitze getriebene Separierung, sondern ist bereits ein Marker der Massengesellschaft besonders der frühen urbanen Kulturen. Eine Durchmischung von den realen bereits großflächig vorhandenen Familienstrukturen nach dynastischem Vorbild, mit noch vorhandenen Resten der Matrifokalität und dem zunehmenden Heer der versklavten und damit bindungslosen Individuen bildet die Grundlage der Anonymität und setzt die Transformation von Gemeinschaft in (Groß)Gesellschaft um.
      Die nahezu hemmungslose Separierung der Gesellschaftsmitglieder der Moderne ist wie gesagt eine ständige Begleiterscheinung der Anonymität. Diese beiden Komponenten lassen sich natürlich aufrecht erhalten durch eine immer mehr verbesserte Infrastruktur, die das Individuum von einer artgerechten und naturgemäßen (Fürsorge)Gemeinschaft unabhängig macht.
      … und hier kann ich dich nur bestätigen: „Was die Pat-Twats dabei regelmäßig unbeachtet lassen, ist die simple Tatsache, dass es beim nächsten Mal sie selbst treffen kann. Niemand gewinnt jeden Kampf. Am Ende des Tages wird in diesem Spiel jeder zum Verlierer.“
      aber ich denke auch, dass die das etwa nicht wissen oder nicht beachten … denn genau dieses Wissen um die Bedrohung des eigenen Selbst in einer androzentrierten Machtgesellschaft setzt den Mechanismus in Gang dem anderen zuvor zu kommen und sich so auf den steten Kampf um die Vorrechte (der Stärkeren) einzulassen. Natürlich gibt es zu guter Letzt nur Verlierer … das beweisen die Bedingungen und Vorgänge in der Atmosphäre der Patriarchalität tagtäglich …

  3. Marcus Breitmeyer schreibt:

    „Das Matrifokal ist ein von mir speziell für diesen Zusammenhang kreierter Begriff, welcher die naturgemäße, also menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft bezeichnet!“

    Der Begriff „Matrifokal“ bedeutet Mutter-zentriert und beschreibt damit all jene Volksstämme und Volksgruppen zutreffend, die in dieser Weise organisiert sind. Mir gefällt der Begriff ausgezeichnet! Mir stellt sich jedoch die folgende Frage: Inwieweit lässt sich dieser Begriff auf analog organisierte Wahlgemeinschaften anwenden, an denen (zunächst) hauptsächlich Erwachsene beteiligt sind?

    Ein entsprechendes Wertesystem und entsprechende Regeln vorausgesetzt, sollte es meines Erachtens möglich sein, diese Organisationsform auf beliebige Wahlgemeinschaften zu übertragen, also auch ohne dass die Beteiligten jeweils untereinander blutsverwandt sein müssen, und auch ohne dass einer solchen Gemeinschaft zwingend Mütter und deren Kinder angehören müssen. Mir geht es darum, jene Voraussetzungen zu ermitteln und zu beschreiben, die für die Gründung und für den Erhalt einer solchen Organisation im Hier & Jetzt notwendig erfüllt sein müssen. Dass nun alle weiblichen Beteiligten umgehend geschwängert werden müssten, halte ich nicht für notwendig. Zumal sich eine „menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft“ nicht auf die Fürsorge gegenüber den Kindern reduzieren lässt und eine Fürsorge der Erwachsenen untereinander mit einschließt. Letzteres kann auch innerhalb einer Wahlgemeinschaft von Erwachsenen umgesetzt werden.

    Wie würdest Du diese Frage beurteilen?

    • Stephanie Gogolin schreibt:

      „Frage: Inwieweit lässt sich dieser Begriff auf analog organisierte Wahlgemeinschaften anwenden, an denen (zunächst) hauptsächlich Erwachsene beteiligt sind?“

      ich würde mal sagen, die analog organisierte Wahlgemeinschaft ist die moderne Variante der ‚familia‘ … (siehe auch: https://marthastochter.wordpress.com/2017/10/25/der-begriff-familie-eine-dringende-korrektur/)

      eigentlich lässt sich dieser naturgemäße Zustand, der sich hinter dem Begriff ‚Matrifokal‘ verbirgt, nicht auf die diversen Spielarten der patriarchal entstandenen ‚Familie‘ anwenden … denn „analog organisierte Wahlgemeinschaften“ unterliegen in der Regel dem Unverbindlichkeitssyndrom der Patriarchose, heißt, es werden eigentlich x-beliebige Nichtverwandte zu einer Gemeinschaft zusammengeführt, die dann aus den Tiefen ihres Überlebensprogramms die nötigen Elemente aktivieren müssen, die benötigt werden, um ein dauerhaftes wohlwollendes Zusammenleben mit ‚Fremden‘ zu führen. Im Grunde wie in allen patriarchalen Institutionen wie Bildungsstätten, Vereinen, Arbeitsstellen…
      Es ist ja schon für den durchschnittlichen Menschen (unabhängig von seinem Geschlecht und unter Einbeziehung seiner individuellen Sozialisation) im Zustand des Verliebtseins nicht wirklich möglich eine längere (Wirtschafts- und Sozialverträgliche)Beziehung zu meistern. Der von den meisten sogar positiv konnotierte Begriff ‚Beziehungsarbeit‘ zeigt, dass das ohne ein ständiges Nachregulieren und einem sich wiederholendem Schließen von Kompromissen in einem Beziehungsalltag kaum geht. Im Alltag eines Paares gibt es i.d.R. reichlich zu tun, mann/frau lebt nicht einfach so vor sich hin.
      Eine allen wohltuende Balance zu halten um allen Beteiligten einer größeren Gemeinschaft die Möglichkeit zu geben ihr individuelles Sein zu leben und als Fürsorgeperson für und mit den Anderen zu interagieren, ist weitaus selbstverständlicher und weniger aufwändig für Menschen, die in diese vorhandene Ingroup hineingeboren wurden und in ihr (quasi bis zum Tod) verbleiben. Sich ständig einer Anpassung an (und permanenten Fluktuation von) Fremden gegenüberzusehen ist dagegen nicht artgerecht.
      Mit der entsprechenden Anstrengung und dem Einhalten bestimmter (ausgehandelter) Regeln lässt sich ein Zusammenleben organisieren, aber um wirklich etwas zu bringen, müsste quasi garantiert sein, dass für jedes Mitglied eine Anzahl unmittelbarer Bindungspersonen vorhanden ist, um die Geborgenheit für jedes Individuum zu gewährleisten.

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