Der Beginn des Patriarchats

Der Beginn des Patriarchats setzte dem gemeinsamen (matrifokalen) Leben der Menschin mit ihres Gleichen ein dramatisches Ende und die Ideologen der Patriarchose arbeiten bis heute an der Vernichtung ‚der Mutter’…

Oberflächlich betrachtet lebt auch heute die Mensch in bezogenen Gemeinschaften, meist als (Klein)Familie, also überwiegend nicht ‚menschenartgerecht‘.
Die matrifokale Bindungsgruppe, in der die Menschheit einst entstand, wurde vor etwa 8 Jahrtausenden sukzessive durch eine pseudolinerare* Patrilokalität ersetzt. Über diesen langen Zeitraum hinweg bis heute tradierte man(n) die sogenannte Großfamilie (patrilokale Kultur-Habitate). Jeder halbwegs privilegierte Mann strebte nun nach den dynastischen Vorbildern der Herrschaftsmachtvertreter ein eigenes kleines Imperium an. Der Schritt vom Klassiker der ländlichen und nur teilweise urbanen ‚Großfamilie‘ hin zur separierten Kleinfamilie in einer anonymen Großgesellschaft wurde jedoch erst im Industriezeitalter der heutigen Epoche vollzogen.

Die Vorstellung, dass im Paläolithikum bereits ‚Vater, Mutter, Kind‘ gespielt wurde, ist wissenschaftlich immer weniger haltbar. Die (durch „den Menschen“ kulturell geschaffene) Vorform einer ‚Gesellschaft‘ ging bereits mit den Anfängen der Patriarchose einher. Der Beginn der frühen patriarchalen Gesellschaftsform** steigert sich relativ schnell durch massive Gewaltspitzen, wie diverse Eroberungskriege oder internen Regulierungsmaßnahmen zum Machterhalt. In den sogenannten Hochkulturen (ab Neolithikum und Bronzezeit) wurden sie zu durchorganisierten politischen Systemen, die wir als androzentriert und patri-ideologisiert beschreiben können. Diese Grundzüge sind bis heute wirksam. Die Übergangsphase vom naturgemäßen menschengerechtem (also dem evolutionierten matrifokalen) Kontinuum hin zum ideologisch geformten und durch die antiken und erste monotheistische Religionen gestütztem Hoch-Patriarchat dauert quasi immer noch an. Verschiedene indigene, noch teilweise oder ganz matrifokal lebende, Menschengemeinschaften existieren nach wie vor – über die Welt verteilt und mehr oder weniger im Verborgenen.

(* pseudo weil nie ein Mann sich seiner Vaterschaft sicher sein konnte, auch mit heutigen Mitteln sind es immer noch keine hundert Prozent anzunehmen…
(** die K. Marx als Sklavenhaltertum klassifizierte…

Die drei Säulen des Patriarchats sind

Das Gewaltpotential

Das Patriarchat entstand u.a. durch das Gewaltpotential, das ein einzelner Mann mit einer Waffe in der Hand darstellt bzw. das sich im Bündnis diverser maskuliner Interessenverbände zeigt. Darüber hinaus die (nicht naturgemäßen) Formen der Gewalt, die durch Herrschaft legitimiert wurden. Hier finden wir die innere Exekutive eines Herrschaftsbereiches (hier ist auch der Ursprung unserer heutigen Familie zu verorten, die aus der von einem privilegierten Mann beherrschten Hausgemeinschaft entstand) sowie die nach außen wirkende, stehende oder abrufbereite Militärmacht eines Herrschenden oder des Herrschaftssystem. Da das patriarchöse Gesamt- bzw. interne Gewaltkonzept auf nachhaltig kultivierter maskuliner Wettkampfsmentalität und gepflegtem Konkurrenzgebaren beruht, ist immer auch mit einem automatisch vorhandenem Gewaltpotential oppositioneller Gegner zu rechnen. Dazu zählen nicht nur von außen kommende politische Aggressoren, innerpolitische bzw. ideologische Dissidenten, sondern auch die, durch Unterdrückung entstandenen, kriminellen Subkulturen.

Der ideologische Mythos
… der ideologische Mythos* baut sich auf der Erfindung dreier männlicher Figuren auf, die es bis dahin im Naturgeschehen des menschlichen Kontinuums nicht gab: der Heros, der Vater, der Gott
Diese Einzelinstallationen und als Steigerung ihre Verschmelzung miteinander, bilden das androzentrierten Gerüst der nun durchgängigen Patriarchose.
Diese drei Komponenten, einschließlich ihrer Synonymitäten, definieren die bis heute gültige Darstellung des patriarchalen Mannes in den meisten Kulturen.
Der ideologische Mythos ist die Basis der pan- und monotheistischen Religionen sowie politischer Staatsideologien und dem des dadurch indoktrinierten jeweiligen Mainstream.
Scheint sich auch das Heldentum und die Gottesverehrung in unseren derzeitigen Kulturpraktiken etwas relativiert zu haben, nimmt doch die Idee der Vaterschaft als Dreh- und Angelpunkt als (persönliche) männliche Identifizierung eine vorherrschende Rolle ein. Einmal da die biologische Tatsache einer genetischen Beteiligung des Männlichem an neuem Lebens in der Moderne eine schwindelerregende Überhöhung erfahren hat und zum anderen die Heros– und Gottesideologie mit der Vaterinstallation verschmolz.
Waren die anfänglich Vaterinteressen im Sinne von Besitzdenken und die ‚eigenen‘ Söhne als gezielt aufgezogene Verbündete zu verstehen, ist im Info-Zeitalter die reine Ideologie des Vaterideals (als umfassende Gehirnwäsche) zu einer in der Gesellschaft vorherrschenden Kraft geworden. Der Heros-Vater-Gott – Komplex ist die ideelle und damit emotionale Basis der Patriarchose.

Das Wirtschaftssystem
Bisher jede Art von patriarchalem Wirtschaftskonzept baut auf dem Besitzdenken einzelner, machtorientierter Privilegierter auf, mit der einfachen Formel: Besitz gleich Erhöhung des eigenen Selbst. Diese ego-bezogene männliche Intention, ging m.E. aus einem narzisstisch übersteuerten Selbsterhalt hervor, die dazu führte sich jedes auch bisher gleichberechtigtes Leben zu unterwerfen.
Besitz oder Eigentum ist eine vergegenständlichte kulturelle Absprache, die von den sozialen Gruppierungen anerkannt oder akzeptiert wird. Das begründete sich zum einen darauf, dass Gewaltanwendung zum Tagesgeschäft wurde und zum anderen auf der Neuerung, dass es anerkannt wurde Lebewesen zu besitzen und zu benutzen, einschließlich anderer Menschen.
Des weiteren schufen Besitzende durch Zweckbündnisse, bei denen die Mitglieder am Besitz partizipieren oder selbst einen Anteil davon erwerben konnten, die ersten stabilen Wirtschaftssysteme außerhalb der bisherigen Subsistenz. Das so geschaffene soziale Gefälle baut sich auf der Unterwerfung und der nun systemimmanenten Unfreiheit und grundsätzlichen Ausbeutung der Frau sowie der Gruppe der unterdrückten, unterprivilegierten Männer, den Sklaven und Besitzlosen auf. Das alles bildete bereits vor Jahrtausenden die Steilvorlage für unseren heutigen Kapitalismus und Imperialismus.

Das Patriarchat, oder auch Patriarchose, ist die Gesellschaftsform in der wir uns derzeit fast weltweit bewegen…

Wenn wir es genau nehmen, ist es sogar die einzige Gesellschaftsform, die es bisher gab und die den existierenden Menschengemeinschaften als übergeordnetes Zugehörigkeitsmuster übergestülpt wurde. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass im Verständnissinn von Patriarchat kein Matriarchat existierte und wir für die vorpatriarchale Phase eine andere Bezeichnung finden müssten. Selbst mit kulturellen Anteilen können wir immer noch von einem naturgemäßen Agieren der Spezies Mensch ausgehen.

Das vorpatriarchale Leben der Menschin, das den überwiegenden Teil des Menschseins ausmachte, können wir im Sinne des Lebenserhalts als ein ‚sich selbstregulierendes Naturgeschehen‚ ansehen. In den menschlichen Gruppierungen wirkten zwar gewisse innere Regelungen des Miteinander (unsere menschenspezifische Strategie des Art- und Selbsterhalt) und diese Gepflogenheiten verbreiteten sich, quasi osmotisch, nach außen in die nahen Angehörigengruppen und flossen wieder zurück.

Es gab zu der Zeit jedoch bestimmt keine durch eine festgelegte Leitkultur gesteuerte Überorganisation. War das frühe Menschsein wie gesagt einfach ein Naturgeschehen, das in seinen anfänglichen und später bereits bestehenden Kulturformen bis noch weit ins Neolithikum reichte, begann mit dem Gewaltzuwachs einiger Androkraten der Siegeszug eines verhängnisvollen Gedankens, dem des alles bestimmenden Vaters, der per se als Heros geehrt und als Gott verehrt wurde. Der Vater „als Beginn allen Lebens“ war jedoch nicht etwa die gute Nachricht, die sich auf Grund ihres Wahrheitsgehaltes verbreitete und etablierte, sondern eine erschreckend gewaltsam durchgesetzte Idee, die sich zu einem Jahrtausende lang wirkendem Schlüssel der männlichen Macht erwies.

Das reine Wissen um die Vaterschaft reichte längst nicht aus, um eine Vormachtstellung über Frauen und Kinder einzunehmen. Warum sollte ich als Frau, die in ihrer Muttersippe geborgen und gut aufgehoben lebt, mich den Vorgaben eines Mannes unterwerfen, nur weil er der Mitzeugende meines Kindes ist? Warum sollte ich ihn suchen und fragen, wie ich mit dem Kind umgehen darf? Warum sollte er überhaupt in einem Kulturgeschehen, dass noch seiner natürlichen Matrix folgt, „seinen“ (ungewissen) Nachwuchs für sich beanspruchen, wo doch die (durch Geburt verwandten) Kinder seiner Schwestern neben ihm in dem gemeinsamen Matrifokal naturgemäß aufwuchsen?

Zwar ist die Zeugung eines Lebewesen ein evolutionäres Konzept, dass sich (bereits lange vor den Menschen) im Sinne des Arterhalts als eine Hetero-Kombination bewährte, also selektiert wurde, der Reflex jedoch, der die Geschlechter zwecks Arterhalt zusammenführt, ist keine permanente willentliche Entscheidung, auch nicht beim Männchen der Menschenarten. Das biologische Geschehen hat für den (Menschen)Mann kein Bewusstsein für seinen Nachwuchs, an dessen Zeugung er beteiligt war, vorgesehen. Denn wie wir wissen: weder denkt ‚die Evolution‘ noch handelt sie bewusst!

Ein Mann, der nicht ahnt, dass durch die Ausübung seiner Sexualität ein Kind entstanden ist, weiß einfach nicht um seine Vaterschaft. Und Millionen Jahre bis heute ist der männliche Part bei der Zeugung kein willentlicher Akt eines männlichen Individuum, sondern ein unwillkürlich biologischer und auch wenn der Mensch diesen inzwischen manipulieren kann, bleibt es ein natürlicher Prozess. Der Vater, wie wir ihn inzwischen verstehen, weil sozial festgelegt (abgesprochen), ist ein kulturelles Konzept.

Das artgerechteste Moment im menschlichen Dasein ist das fürsorgende Aufziehen des Nachwuchses…

Als die Cluster matrifokaler Gemeinschaften, in denen sich die angehörige Nähebindung als das spezielle Überlebenskonzept der Mensch erwies, durch das Gewaltkonzept des beginnenden Patriarchat zerstört wurde, blieben natürlich trotzdem alle biologischen Voraussetzungen nach wie vor erhalten. Es gesellten sich nur die ideologischen Regelwerke (Meme – hier auch gewaltsam installiert und durch Furcht gespeist) in dem Maße hinzu, wie die patriarchalen Strukturen zu wachsen begannen. Die Furcht vor der Gewalt des neuen maskulinen Terrors überschrieb nach und nach die natürlichen Überlieferungen im Bewusstsein und Handeln des (weiblichen) Menschen .

Die gesellschaftsideologisch immer ausgefeilteren Herrschaftssysteme verdrängten mehr und mehr das naturgemäße menschliche Kontinuum. Das größte Desaster, dass die Patriarchose anzettelte, war daher das Verändern des Naturgeschehen in dem die Menschen lebten, in eine durch Vater-Herrschaftsmacht kontrollierte Zivilisation.

Durch das gewaltsame Herauslösen der Töchter, also der zukünftigen Mütter und weiblichen Überlebensgarantinnen, aus ihren artgerechtem Matrifokalen, bluteten diese aus, im wahrsten Sinn des Wortes. Diese Metapher des Ausblutens macht deutlich, dass es sich hier um einen grausamen Eingriff und einen Akt der Gewalt handelte und keine natürliche (Langzeit)Entwicklung darstellt. Die freie Tochter der Muttersippe wurde durch männliche Gewalt geraubt, versklavt bzw. verheiratet und zur Vatertochter umetikettiert. Dabei verlor sie und ihre zukünftigen Töchter als Unterworfene des Mannes die Ausübung ihres naturgemäßen weiblichen Geburtsrecht: die Female Choice.

Wenn ich mir diese nachhaltigen Eingriffe der martialischen und zivilisierenden Männermacht und ihre Auswirkung auf das Naturgeschehen vor Augen führe, muss ich immer an eine Sequenz in dem Film „Jurassikpark“ denken. Während der Vorführung eines Werbefilms für den Park, wird erklärt, wie die fehlerhaften Gensequenzen aus den Saurierrelikten durch Frosch-DNA ergänzt wurden um ein Saurierbaby zu erschaffen. Was im Film gelang – die gezielte Manipulation von Lebewesen – nahm seinen Ursprung vor langer Zeit, als aus der unbewussten Zeugungsbeteiligung des Männlichen sich der Menschenmann eine gezielte Züchtungsabsicht und -kontrolle erschloss.
Die nunmehr im beginnenden Patriarchat eingeführte Male Choice ist eine Art anlaufendes Zuchtprogramm auf Menschenbasis. Der Mann sucht sich nach persönlichen egoistischen, Kriterien eine  Sexualpartnerin (oder mehrere), die durch die oft radikale Abtrennung von ihrer matrifokalen Herkunft in eine tragische Abhängigkeit von diesem einen Mann (und seiner Patri-Family) geriet. Hier liegt die Ursache eines ganzen Bündels noch heutiger Probleme.
Der Heros – Vater – Gott – Kult kürte also ein männliches Idol als Mittelpunkt des Alltagsgeschehens. Und bis heute wurde daraus als Prototyp eine Art Selfmademan, welcher der menschlich-mütterlichen Bindungsgemeinschaft scheinbar nicht bedarf. Natürlich trügt auch hier der Schein … denn nach wie vor bedarf der Mann eines gut funktionierenden Background, der ihm auch weiterhin bis ans Ende seiner Tage reichende Fürsorge angedeihen lässt.
Wenn es sich dabei auch nicht mehr um fürsorgende Bindungsangehörige handelt, sorgten doch die privilegierten Männer-Cliquen dafür, dass für sie und ihren Anhang ein flächendeckendes Versorgungspotential zur Verfügung stand/steht, das in seiner Ausweitung die „Gesellschaft“ bildete, anonym und bindungslos. Heute überlebt ein Individuum (fast problemlos) in der anonymen Gesellschaft, darauf trainiert mit einem Minimum an Nähe und dem permanenten Mangel an Geborgenheit zurecht zukomme.

„Der Mann ist im Grunde das Verlangen Gott zu sein“ (J.P. Sartre)

Mann und Gott – ist die unheilige Allianz, mit der das Männliche um seiner selbst willen alle Gipfel besteigt, alle Lande erobert, alles Leben unterwirft.

Fortsetzung folgt…
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Der Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre

Betrachtung von Stephanie Ursula Gogolin zum Androzentrismus im Patriarchat…

Der Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre ist wie ein Aggregatzustand, in dem wir uns bewegen, ohne die anderen Möglichkeiten zu kennen und als wäre er das einzige lebenserhaltende Elixier…

Der allgegenwärtige Androzentrismus trägt eine jede Frau im patriarchalen Taufkleidchen zu den ersten Weihen der Gesellschaft und begleitet sie durch jede Station ihrer gesellschaftlichen Existenz bis hin zu ihrem einsamen Sterben – einsam im Sinne einer im Alltag nicht präsenten Weiblichkeit.

Wir Frauen sind so auf maskuline Werte geprägt, dass es fast nicht möglich ist, das eigene Frausein tatsächlich, wie es normal wäre, stets zu fühlen oder als schwesterliche Präsenz um uns wahrzunehmen. Bei vielen blitzt wahrscheinlich nur gelegentlich die Ahnung auf, dass wir um das weibliche Miteinander betrogen werden. Die weibliche Seele der Menschenwelt in ihrer mütterlichen Offenbarung ist weder individuell noch im kollektiven Kontext spürbar. Jede psychische, soziale und kulturelle oder auch körperliche Prägung* formt inzwischen ein jedes weibliche Wesen zu eine Art Android. Ein lebendes Kunstwesen, das mit einer maskulinen Programmierung versehen, die Welt der Androzyten erhalten soll. Der innere und äußerliche Kodex dieser unanimen Prägung wird seit Jahrtausenden angewandt und ist nur auf ein Ziel gerichtet: die Hingabe einer jeden Frau an den Mann.

Die vom Mann geschaffene komplexe Idee der Versklavung (vor allem weiblicher Menschen) ließ u.a. eine abstrus einseitige Weltidee entstehen, die es schaffte, dass bis heute beide Geschlechter des denkenden Durchschnittsbürgers jede ihrer Wahrnehmung durch androzentrierte Filter fließen lassen.

Erst in jüngerer Zeit greift auch noch die wahrhaft absurde Spielart um sich, als heranwachsende Frau einem Ideal nachzueifern, in dessen Mittelpunkt der privilegierte Mann steht. Alles was Männer können und machen, können und machen heutzutage Frauen auch. Sie sind motiviert zu beweisen, dass sie „es“ auch können. Dabei wird geflissendlich übersehen, dass sie es vor allem können, weil ihnen, vielleicht zu ersten Mal in der patriarchalen Konstellation, der Freiraum dazu gestattet wird ihre ohnehin vorhandenen Anlagen und Begabungen auszuleben. Denn der Punkt dabei ist, dass die Frau, das konkrete Weibliche, die Matrix dazu beiden, schon immer sowohl der Tochter wie auch dem Sohn, bereitstellte. Das heißt, alles was Männer können, zu dem sie fähig sind, wurde ihnen von ihren Müttern vererbt bzw. wurde ihnen mitgegeben.

Solange (artgerechte) Mütter- und Geschwistergemeinschaften die Vorlage des sozialen Miteinander für einen jeden Mann war (ist), gab es (vermutlich) auch keine nennenswerten Probleme mit dem Zusammenleben. Der erforderliche Einsatz für ein ausgewogenes Miteinander war lediglich der Einsatz der individuellen (besonderen) Fähigkeiten aller Gruppenmitglieder. Es ist also gar keine Frage, ob die Durchschnittsfrau zu gleichen Leistungen fähig ist wie ein Durchschnittsmann, sondern die Fragestellung sollte vielmehr genau anders herum lauten.

Die punktuellen Ausnahmeleistungen** die der Mann in seiner für ihn gestalteten Kultur- und Technikwelt zelebrierte und die als Argument für seine intellektuelle Überlegenheit dient, sind überwiegend Leistungen, die wahrscheinlich die meisten Frauen kaum als erstrebenswert ansehen. Ein Hinweis darauf, dass Frauen bis heute, obwohl es für die Durchschnittsfrau von ihren physischen und intellektuellen Voraussetzungen durchaus möglich wäre, all die Vorgaben und Karriereziele erreichen können, die Ideale der Männerwelt eben nicht die ihren sind. Eigentlich haben sie Besseres zu tun. Ihre Kinder aufziehen beispielsweise oder im menschlichen Fürsorgekontinuum sich gegenseitig erhalten. Dem Druck nachzugeben als Frau dem (patriarchalen) Mann nachzueifern, ist nur ein Ableger davon, sich selbst und ihre Kinder wirtschaftlich erhalten zu müssen. Als moderne Frau sind wird auch hier dem androzentrierten Gesellschaftskatalog unterworfen.

Trotzdem herrscht vor der Kulisse des Selbstverständnisses, die Welt habe eine männliche zu sein, die seltsame Furcht vor der ‚übermächtigen Frau‘. Dieser Popanz wird uns ständig medial gespiegelt. Alle sollen die ebenfalls gewaltbereite und darüber hinaus intrigante Frau, die skrupellos die Welt erobern und sich untertan machen will, fürchten. Diese Phobie ist und bleibt eine Männerphantasie und immer noch die Lieblingsausrede für das Ausbremsen der Frau auf allen Gebieten. Eine im patriarchalen Sinne ‚mächtige Frau‘ ist eben auch nur eine patriarchal sozialisierte Frau.

Der patriarchale Mann ist über die naturgemäße evolutionäre Selektion hinaus so was wie sein eigenes Züchtungsprodukt. So entstand die stets abrufbare Kampfmaschine – der verfügbare Krieger, der gehorsame Soldat oder der opferbereite Held. Seit durch Generationen von diversen Machthaber die „freiwillige“ Wettbewerbs- und Kampfbereitschaft beim (Durchschnitts)Mann gefordert, gefördert und erzwungen wurde, erwies sich der hierarchisch integrierte Untertan zum Selbstläufer. Dabei griff als wesentliche Zutat des Über-Vater-Konzepts jede Form von patriarchaler Ideologie und die auf reinen Androzentrismus umgestellten Religionen.

Ein Menschenmann ist per se nicht gewalttätig, sondern dieser Effekt wurde m.E. gezielt selektiert. Heute ist in unserer derzeitigen abendländischen bzw. europäischen Kultur der gewalttätige Mann, obwohl es ihn auch gibt, eigentlich keine Alltagserscheinung. Aber er ist prinzipiell als geduldete Option vorhanden. Der schlagkräftige und körperlich in jeder Hinsicht potente Mann wird uns nach wie vor über alle Medien als Ideal präsentiert. Wir können davon ausgehen, dass viele Generationen die Erfahrung traumatischer Sinneseindrücke und körperlich erlebter Gewalterfahrung (epigenetisch) weitergaben. Zum Überleben in und mit der Natur kam die kulturell geschaffene Notwendigkeit eines Überlebens innerhalb der eigenen Spezies.

Aber es setzten sich im menschlichen Mutationsuniversum auch andere Attribute durch. Die nerdige ‚Züchtungsvariante Mann‘ ist ein besonders schönes Beispiel, wie sehr epigenetische Effekte immer wieder neue Spielarten ‚Mann‘ hervorbringen. Und so können wir uns hier fragen: ist der heutige Nerd ein reines Kulturprodukt oder eine unter dem Eindruck von Kultur passierte evolvierte Selektion? Wie oft gab es einen steinzeitlichen Nerd, mit dem typisch autistischen Couleur? Oder ist der sozialphobische Nerd eine reine Kreation der Neuzeit? Und wieviel Nerd steckt in den Müttern dieser Kinder? Oder wie sehr ist auch die Frau grundsätzlich „degeneriert“ worden? Ich meine damit, wie sehr hat der inzwischen dramatische Mangel an artgerechtem Naturbezug der menschlichen Weiblichkeit geschadet?

Die Androzentierung unserer Welt ist ja nicht eben mal so passiert weil grundsätzlich alle Männer eines Tages so viel empathischer, klüger, vorausschauender, weiser oder humaner als die Frauen wurden, sondern weil sich durch einige Initialzündungen soziopathischer (oder psychopathischer) Art im männlichen Kollektivkörper Eigenschaften wie unsoziales Verhalten, Gier nach Besitz und Macht, Hartherzigkeit, Skrupellosigkeit und eine nicht enden wollende Affinität zur Gewalt potenzierten. Der Androzentrismus ist das Fundament und der Motor der patriarchalen Gesellschaft (Patriarchose).

 

* die schlimmsten sind Verstümmelungen aller Art, aber auch das derzeitige Schlankheitsideal fällt in diese Kategorie
** wie Eroberungsbestreben, strategische Kriegsführung, (unnötige) pyramidale Bauwerke, technische Erfindungen, Forschungsarbeit zur Profitmaximierung, als Fortschritt deklarierter Raubbau an Ressourcen usw. …
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Der Begriff ‚Familie‘ – eine dringende Korrektur

…neulich stolperte ich wieder einmal über das Wort „matriarchale Großfamilie“. Das ist für mich nun doch der Anlass auf das, fast schon gedankelose Selbstverständnis hinzuweisen, mit dem leider allerorten mit dem Begriff „Familie“ umgegangen wird. ‚Familie‘ ist nicht nur das patriarchöse Verständnis von patrilinearen und patrilokalem Zusammenleben, es ist darüber hinaus ein aktiv gelebtes Bekenntnis gegen den naturgemäßen matrifokalen Sippenzusammenhang. (siehe unten: ‚Das Matrifokal… mehr als nur eine Theorie‘)

Das hochgehaltene Familienideal ist ein Denkgebot bzw. Glaubenssatz im Patriarchat. Auch wenn es manch einer schwer fällt zu akzeptieren, aber „Familie“ (und „Ehe“) gab es nun mal von Anfang an nicht im sozialen Miteinander der Spezies Mensch. Die Familie ist eine patriarchale „Errungenschaft“ und diese ist, wie alle patriarchösen Meriten, keine natürliche Entwicklung. Schauen wir also was Familie ist bzw. wo die Bezeichnung herkommt. Semantisch leitet sich das Wort ‚Familie‚ von lat. ‚familia‘ – der römischen Hausgemeinschaft und hier von ‚famulus‘ – dem Haussklaven, ab.  

Familie bezeichnet(e) den Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Zu diesem Herrschafts- und Einflussbereich gehör(t)en Frau(en) und deren Kinder aber auch die damals reichlich vorhandenen Sklaven, Gesinde sowie „Bluts“- oder andere Verwandte, die mit unter dem Dach des ‚pater familias‘ lebten (siehe auch Wikipedia). Dieser männliche Herrschaftsaspekt, der dem Familienbegriff immanent ist, ist global betrachtet bis in unsere Zeit hochwirksam, auch wenn das heutzutage in unserer relativ freiheitlichen westlichen Kultur nicht mehr ganz so offensichtlich ist.

In den matrifokal (manchmal wird es ungenau als matriarchal bezeichnet) lebenden Gemeinschaften wirken Sippen-Strukturen. Das sind menschenartgerechte, natürlich gewachsene Bindungsgemeinschaften, die sich in der Regel aus den konsanguinen Angehörigen zusammensetzen. Als ‚konsanguin‘ bezeichnen wir Angehörige, die durch Geburt in mütterlicher Linie miteinander verwandt sind.

Eine Familie ist dagegen ein künstliches Konstrukt. Das heutige Verständnis von Familie basiert auf dem anerkannten Phänomen der Paarbildung als Voraussetzung, die wiederum vor allem auf der sexuellen Komponente der Beziehung beruht (wobei wir inzwischen nicht mehr nur auf das Hetero-Paar bestehen). Hier können wir nicht von Bindung sprechen, da es sich um ein ideelles Bündnis handelt, dass je weiter wir in die Vergangenheit der Patriarchose zurückgehen immer seltener für die Frau eine freiwillige Option gewesen sein dürfte. Die (direkte oder subtile) gewaltsame weibliche Unterwerfung fand ursächlich in der Sklaverei und in dem auf vielfältiger Unfreiheit der Frau beruhenden Familiensystem statt.

Es ist daher zu bedenken, ob wir tatsächlich die Lebenskonstellation indigen/matrifokal lebender Gemeinschaften als „Großfamilie“ bezeichnen sollten. Auch wenn mit „Groß…“ der generationsübergreifende Charakter beschrieben werden soll, sind Matrifokale doch keine ‚Familien‘.

Derzeit finden wir unter dem Begriff der ‚Familie‘ verschiedene Auffassungen und Ableitungen (auch hier siehe z.B. Wikipedia). So ist es üblich die Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilie als Kernfamilie zu bezeichnen. ‚Die Familie‘ ist inzwischen ein eher fiktives Gebilde, da ihr ein schwammiges Verständnis von Verwandtschaft zugrunde liegt. Jede Variante möglicher Lebensgestaltung wird heute als Familie bezeichnet – zusammenlebende Freunde fühlen sich ebenso als Familie wie der Klassiker Kleinfamilie auf der Grundlage des gesetzlich verheirateten Ehepaares. Aber auch ein kinderloses Paar oder die alleinerziehende Mutter mit Kindern gilt hier und heute als ‚Familie‘.
Eine andere Spielart der anerkannten Familienidee ist die sogenannte „Bonusfamilie“ bestehend aus den fluktuierenden Fragmenten moderner Patchwork-Familien. Wir haben hier verschränkte Gebilde verschiedener Paar-Gemeinschaften, deren Bindeglieder die Kinder sind.

Die (patrilineare und patrilokale) Großfamilie von früher (in den Jahrhunderten/tausenden der Patriarchose) besaß noch eine gewisse generationsübergreifende Qualität, wie wir sie von der Muttersippe her kennen (sollten).
Der heutige Gebrauch des Ausdrucks ‚Großfamilie‘ bezieht sich eher auf das patriarchale Elternpaar und eine erkleckliche Anzahl Kinder, welche also in der Regel mit auch nur zwei Erwachsenen (unter)versorgt sind. Im (ursprünglichen) ‚Mutterland‘ gibt es keine „Familie“, die als Gründungsmitglieder zwei Fremde, also Nicht-Verwandte, zusammenbringt, welche sich per (freiwilliger) Bereitschaftserklärung zu einer gemeinsamen Lebensführung verpflichten und in der es nahezu ein Dogma ist, die eigenen Herkunftszusammenhänge dabei hinter sich zu lassen. Eine Paargemeinschaft einzugehen, die aus Überzeugung auf einer moderne Partnerschaft beruht und/oder eine „eigene kleine Familie“ zu gründen, ist heute der gesellschaftlich anerkannte Lebenssinn.

Die uneingeschränkte Freiwilligkeit, die uns hierbei suggeriert wird und die in unserer Kultur die Beziehung exklusiv stellt, ist allerdings weltweit immer noch nicht selbstverständlich (zum Teil noch nicht einmal in unserem Land).

Statt also im matriorientierten Denken mit Begriffen wie Großfamilie zu operieren wäre ein Begriff wie ‚Das Matrifokal‘ angebracht. Das Matrifokal war und ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend, matrilinear und matrilokal lebenden Menschengruppierungen. Was bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge-Gruppen, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.
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Der ‚Vater‘ braucht das Kind!

Unsere „Urnatur“ kommt immer dann zum Vorschein, wenn die Repression der patriarchalen ideologischen und konkret gewaltsamen Zwangsverordnungen an Wucht und Bedeutung in der Gesellschaft verliert.

„… erkennen wir unsere wahre Natur. In unserer etwas freieren westlichen Welt kommt sie langsam wieder an die Oberfläche.“ schreibt Gabriele Uhlmann.

Danke, liebe Gabriele, dass du auf diese entscheidenden Punkt hingewiesen hast.

Die Female Choice hatte sich, wie du schon nachgewiesen hast, ohnehin nie völlig unterdrücken lassen, was die Patriarchose einerseits unterlief, andererseits unendlichen vielen Frauen (und auch Kindern) das Leben kostete und heute immer noch als die Sünde schlechthin wider des Vatersystems gewertet wird. Das hat sich seit seinem Beginn bis heute zu der allgemeinen Androzentriertheit ausgewachsen, die sich immer noch in der Gesetzgebung, der Denkungsart des Mainstreams und den kulturellen Dogmen und Tabus der anonymen Großgesellschaft niederschlägt. Dazu gehört auch die sich hartnäckig haltende Behauptung „ein Kind braucht seinen Vater“.

Hier setze ich an und behaupte, dass es in innerhalb der patriarchalen Strukturen schon immer (und nicht nur heutzutage) umgekehrt ist: Der ‚Vater‘ braucht das Kind! Schließlich ist so ein kleines Menschenwesen oft genug seine einzige Anbindung in puncto Zugehörigkeit und Identifikation mit verwandten Angehörigen.

Auch Väter sind letztlich verlorene Kinder der nicht mehr existierenden Mutter-Sippenzugehörigkeit. Es ist zwar ein hausgemachtes Problem der patriarchalen Strukturen, aber das Kind zu besitzen ist ein Schlüsselmoment des Patriarchats.

Der moderne kinderliebe und fürsorgende Vater agiert in der Beziehung zu „seinen Kindern“ einen (evolutionär berechtigten) immanenten Drang zur Teilhabe an der Geborgenheit einer Bindungsgemeinschaft aus. Heute steht ihm dazu nur eine (wohlwollende) Klein-Gemeinschaft zur Verfügung. Das Patriarchat bietet nun mal seinen Männern neben den privilegierten Machtoption für wenige (Alpha)Männer, nur noch das Kerngeschäft der Paarungsfamilie.

(siehe auch: http://stephanieursula.blogspot.de/2015/11/das-in-die-pflicht-genommene-elternpaar.html

Nicht nur in diversen Diskussionen auch in der Forschung oder in populärwissenschaftlicher Betrachtung wird sich meiner Meinung nach zu sehr auf Vererbung und den (männlichen) Gen-Anteil kapriziert. Die patriarchale Denke zwingt uns ein unwürdiges Geschacher um das Kind auf. Dabei ist ein jedes unserer Kinder einfach nur ein berechtigtes Mitglied der Menschengemeinschaft, sowohl als Winzling wie auch ein paar Jahre später als Erwachsener.

Das Gerangel wer den größten (pseudo-)berechtigten Anteil an einem Kind und damit (Verfügungs)Rechte über das Kind hat, sind Relikte der Patriarchose. Es sind nur ein paar Jahrzehnte her, da die Zeit zu Ende ging in der dem Vater per Gesetz das ganze Kind „gehörte“ oder er es bei Nichtgefallen einfach nicht anerkannte bzw. aus Angst um seine individuelle Freiheit ignorierte. Im Patriarchat ging es nie darum dem Kinde durch den Vater (aktive) Fürsorge angedeihen zu lassen. Das ist ein sehr neuer, moderner Anspruch, der dem Vater nach seiner Entthronung als ‚Herrn der Familie‘ von der Gesellschaft sozusagen als Ausgleich angeboten wird.

Die patriarchal determinierte Vaterschaft wurde/wird als eine Art Verursacherprinzip angesetzt, dem zu Grunde lag/ liegt, aus „dem Schwängern einer Frau“ das Recht abzuleiten über diese beiden Menschen, Mutter und Kind, verfügen zu können – auch das ist eine der Säulen des Patriarchats. Der ‚Vater‘, also der an der Zeugung per Spermium beteiligte Mann, sah einst einen Vorteil für sich darin sein Kind und hier vor allem die Söhne, für seinen Clan, seinen Einflussbereich und bei entsprechendem politischen Rang für seine Wehrhaftigkeit zu rekrutieren. Das setzte voraus, dass die Frau und ihre Sexualität und Gebärfähigkeit, unter eine rigide Kontrolle gebracht werden musste, da derlei Maßnahmen(bis heute) die einzige Möglichkeit war, der „eigenen“ Söhne (und Töchter) einigermaßen gewiss zu sein. Der dabei entstandene Ehrbegriff mit dem heute noch kleine Jungs aufgezogen werden, wurde daher überall geltend gemacht und die unbedingt zu erhaltende Jungfräulichkeit der Tochter und die Verpflichtung zur lebenslange Treue und Keuschheit der Ehefrau, auch über die innere Privatheit hinaus, wurde zum grundsätzlichen Politikum erhoben. Nicht der prinzipielle (evo-biologische) Wert eines einzigartigen Lebewesens, wie auch das des menschlichen Kindes, ist im patriarchalen Universum von Bedeutung, sondern die bloße quantitative Anwesenheit, seine Kampfkraft, seine Arbeitskraft oder sonstige Nutzbarkeit …

Leben ist ein unwillkürliches, sich selbst erhaltendes System und nur weil wir Menschen ein paar der möglichen Mechanismen erkannten oder glaubten durchschaut zu haben, stellen wir immer wieder Theorien auf, die direkt oder latent den Menschen in den Mittelpunkt der Evolution stellen. Als wäre „der“ Mensch tatsächlich die so gern zitierte Krone der „Schöpfung“. Es wird auf hohem ideellen Niveau philosophiert und leicht dabei vergessen, dass wir als Teil des Natursystems ein abhängiges Individuum sind, das im Falle ‚Mensch‘ einer sozial eingestellten, also fürsorgenden Gemeinschaft bedarf.

Das (menschliche) Individuum wurde einst in seine Bindungsgruppe hineingeboren und verblieb in der Regel in diesen Lebenszusammenhängen bis zu seinem Tod. Diese Grundeinheit einer naturgemäßen und damit artgerechten Fürsorgegemeinschaft ist eine Spezialität der Spezies Mensch und seines Lebenskontinuums … ich nenne sie ‚Das Matrifokal‘ …

Das Grundmuster des menschlichen Arterhaltes (in dem der notwendige Selbsterhalt integriert ist) finden wir nun mal in der Matrifokalität, welche auf einem Naturgeschehen, der Female Choice beruht. Matrifokalität bedeutet Matrilinearität und Matrilokalität als Basis vereint und diese beiden Begriffe sind hier nicht gesellschaftstheoretisch zu verstehen, sondern als Ausdruck des konkreten evolutionsbiologischen Daseins. Wir können es noch in den wenigen Gemeinschaften finden, die salopp „Matriarchate“ genannt werden. Das sind aber keine politisch konzipierten Kleingesellschaften (so sie wie heute klassifiziert werden), sondern sie gingen aus den artgemäß homogen gewachsene Bindungs- und Fürsorgegemeinschaften hervor – mit einem Wort, es sind Muttersippen. Hier gab es keine Väter, sondern Söhne und Brüder.

 

Die heutige flüchtige Art mit Theorien umzugehen veranlasst mich noch zu einem Nachtrag – ich denke, wir sollten uns abgewöhnen „Mutter Natur“ Absichten und Ziele zu unterstellen oder in unseren Formulierung ‚die Evolution‘ wie ein handelndes und denkendes Phänomen zu postulieren, das womöglich noch eigene Interessen verfolgt.

Als ‚Evolution‘ bezeichnen wir u.a. die unwillkürliche Entwicklung des sich selbsterhaltenden Systems organischen ‚Lebens‘, das zwischen den vorhandenen energetischen, chemischen und physikalischen (anorganischen) Parameter (die ebenfalls als Natur bezeichnet werden), stattfindet und sich ununterbrochen im Lebewesen-Universum unseres Planeten gegenseitig beeinflusst. Das Prinzip der Evolution ist das was auch die Chaostheorie thematisiert, dass sich innerhalb dieser Komplexität mit jedem „Flügelschlag eines Schmetterlings“ ständig das Gesamtsystem graduell abwandelt und sich somit in einer ständigen durch nichts zu kontrollierenden, absichtslosen Veränderung befindet.

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Das Matrifokal … mehr als nur eine Theorie

Das bislang nicht definierte Matrifokal

Neulich sprach ich mit einer lieben Freundin, die leicht genervt meinte, sie hätte jetzt beschlossen wieder den Begriff Matriarchat zu benutzen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Nun wir sollten grundsätzlich derlei Begriffe immer ohne schlechtes Gewissen anwenden. Definitionsarbeit ist ohnehin nicht ohne, was also brauchen wir da auch noch ein schlechtes Gewissen. Wozu dient eine Selbst- oder Fremdzensur? Noch sind all die Begriffe um patriarchale und matriarchale Gesellschaftssicht so gut wie kein allgemeiner Sprachgebrauch. Wenn ich mir zum Beispiel das Wort Feminismus so ansehe, dass immer noch unpassend und manchmal sogar absichtlich falsch benutzt wird, werden wir es noch eine Weile aushalten müssen, Worte wie Matrifokalität, Matriarchy oder eben auch Matriarchat immer und immer wieder zu erklären zu müssen.

Trotzdem ist es nicht ganz so simpel. Matrifokalität als Ausweichwort für Matriarchat zu benutzen ist hierbei auf gar keinen Fall die Lösung. Denn diese beiden Worte sind in ihrer Bedeutung, also als Begriff, nicht deckungsgleich. Sie bewegen sich sozusagen auf völlig verschiedenen Ebenen.

Die menschliche, evolutionär entstandene Matrifokalität ist als Naturgeschehen eine,  Zustandsbeschreibung, während es sich beim Matriarchat eher um einen theoretischen Wunschbegriff handelt. Zu diesem Zweck habe ich zusammengetragen, wie ich den Unterschied zwischen matrifokal und matriarchal, zwischen dem sogenannten Matriarchat und der, im allgemeinen und vor allem weiblichen Sprachgebrauch noch längst nicht angekommenen Matrifokalität sehe.

matriarchal versus matrifokal

… seit von einigen forschenden Denkerinnen gegen den Begriff Matriarchat Sturm gelaufen wird, lassen manche den Ausdruck lieber ganz weg und setzen als Gesellschaftsbezeichnung beinahe unkritisch das Wort Matrifokalität ein. Und für flüchtige LeserInnen ist es vielleicht eh ein und dasselbe.

Aber die beiden Begrifflichkeiten sind nicht kongruent. Ich bin der Ansicht, dass der Unterschied zwischen den Begriffen Matrifokalität und Matriarchat größer ist, als frau im ersten Moment denkt. Und ohne weiter auf die Definitionsdifferenzen um das Wort Matriarchat einzugehen, untersuchte auch ich die beiden Wortgebilde, die sich eben auch ähnlich sehen.

Wenn der Begriff Matriarchat oder matriarchal mit dem mütterlichen Ursprung oder „Am Anfang die Mutter“ übersetzt wird, scheint das den meisten in vieler Hinsicht schlüssig. Jedoch ist diese Überlegung eher eine philosophische, eben theoretische Definition, die als abstrakte Gesellschaftsbeschreibung daherkommt. „Am Anfang die Mutter“ ist zwar auch, wie wir heute darauf bestehen könnten, eine biologische und daher logische Definition. Hier würde ich aber immer mit einem gewissen Vorbehalt vorgehen. Diese Definition sagt nämlich im Detail nichts darüber aus, wie sich der innere soziale Kontext der frühen Menschengruppen am Beginn des Menschseins gestaltete und auswirkte.

Der Begriff Matriarchat betrachtet eine früh bestehende Menschen-Großgruppierung bereits als größere, kulturell interagierende Population und sieht darin somit bereits ein gesellschaftliches Phänomen mit einer Art kulturpolitischen Ausrichtung. Es gab jedoch davor auch schon ein bedeutsames Geschehen in der Zeit des sehr frühen Paläolithikum.

Matriarchat können wir eigentlich nur als gesellschaftstheoretische Definition verstehen. Sie bezieht sich zwar auf die biologische Tatsache einer immanent zentralen, tragenden Mütterlichkeit, beschreibt aber nicht per se die Parameter des sozialen und sich kulturell entwickelnden Zusammenlebens, sondern stellt sich bereits den Beginn der in sich organisierten (Groß)Gesellschaft vor.

Anders der Begriff matrifokal. Er setzt sich auch aus matri – das Mütterliche und focus – das Zentrum, die Bündelung, aber auch ‚der Herd‘, zusammen und basiert auf den beiden Voraussetzungen matrilinear und matrilokal.

Matrifokalität ist das naturgemäße menschenartgerechte Kontinuum – entstanden durch das selektive Überlebensprozedere bis hin zu den frühesten Fürsorgegruppen- und Sippengemeinschaften der Spezies Mensch. Hier von einer bestehenden oder gar organisierten Gesellschaft zu sprechen, finde ich unzutreffend. Diese evolutionär entstandenen innersozialen Strukturen sind ein Naturkonzept und funktionieren auf Grund ihrer mütterzentrierten, generationsübergreifenden und geschwisterbasierten Attribute.

matrifokal versus patriarchal

Logischer Weise deute ich auch das Wort matriarchal als gesellschaftstheoretische Begrifflichkeit wenn auch nicht als inhaltliches Pendant zu patriarchal. Im heutigen gesellschaftlichen Deutungskontext findet hier eine unzulässige Umkehrung statt – eine Art Herrschaftstausch. Im Matrifokalen Urkonzept sind jedoch Herrschaftsstrukturen nicht vorhanden und die Geschlechter nehmen am Fürsorgegeschehen mit ihren (persönlichen) Affekten und biologisch determinierten Intentionen teil.

Da die Mutter bzw. die Mütter das naturgemäße Zentrum der konsanguinen* Fürsorgegemeinschaften sind und somit vom matrifokalen Anbeginn an die offensichtliche Drehscheibe des menschengemeinschaftlichen Evolutionsgeschehen waren, sollten wir die, auf weiblichem Agieren aufgebaute Selbst- und Arterhaltsfähigkeit, die mütterliche Gemeinschaftskompetenz, auch als die soziokulturelle Grundlage der frühen Menschengruppen ansehen. Wenn schon der Begriff matriarchal benutzt wird, dann eben auch nur im Sinne von „auf die Mutter bezogen“ ohne eine Zuschreibungen wie „Herrschaft“ mitzudenken.

Und wir sollten beachten, dass patriarchal, im Sinne von „auf den Vater bezogen“, einen ganz anderen Bedeutungsinhalt hat. Der „Vater“ ist eine kulturelle Kreation und als sozialer Taktgeber keine naturgemäße (biologische) Entwicklung innerhalb der Matrifokalität. Da männliches Dominanzverhalten immer mit einem (nicht nur die eigene Art) schädigenden Gewaltverhalten einher ging bzw. geht, wurde die menschen-artgerecht bestehende brüderliche Sozialkompetenz zu Gunsten der machtbezogenen Vaterinstallation ausgetauscht – erst kollektiv und dann grundsätzlich auch auf das (maskuline) Individuum bezogen.

Der (Mutter)Bruder, der von Anbeginn als Fürsorgebegleiter seiner Schwestern innerhalb eines Matrifokal agierte, bekam so sukzessive eine ideologisch umgerüstete Bedeutung. Im Sinne von Bruderschaft zu anderen nicht angehörigen Männern, wandelte sich verwandtschaftliche Ebenbürtigkeit in androzentrierte Rangfolgen. Und während sich die nun im (Mutter)Sippengefüge platzierten Väter miteinander verbrüderten, wurde die (nicht menschenartgerechte) Trennung von Müttern, Töchtern und Schwestern durchgesetzt und zwar gewaltsam. Der durch Machterwerb privilegierte Mann stieg parallel zu dem jeweils bestehenden Herrscherideal zum Vateridol auf. Die allegorische Vaterfigur etablierte sich als omnipotent erscheinendes, subjektiviertes Objekt (zum Beispiel als monotheistischer Gott), dessen mythisch verbrämte Ideologien bis heute die patriarchale Gesellschaft fest im Griff hat.

Mal abgesehen davon, dass es bis in unsere Zeit hinein nicht wirklich feststellbar war, ob ein Mann tatsächlich der „leibliche Vater“ eines Kindes war, ist der Vaterbegriff in zwei Bedeutungen aufgespalten. Einmal als biologischer Mit-Zeugender eines neuen Lebens (er stellt ein Spermium zu Verfügung, das seine Gene an die Eizelle abgibt) und zum anderen als (gewaltsam eingeführter) Beherrscher aller sozialen Klein- oder Großstrukturen. Die recht junge Entwicklung der gesellschaftlich performten und etablierten Rolle als temporärer Fürsorger einer Kleinfamilie (ein Status der heute hingebungsvoll zelebriert wird) bzw. als unmittelbarer Verantwortungsträger für den eigenen Nachwuchs, ändert nichts daran, dass ‚Der Vater‘, genauer gesagt: die patriarchöse Vateridee, eine rein männlich inszenierte Schöpfung ist. Stabilisiert wurde und wird die mythologisch aufbereitete Vateridee durch diverse Religionen, patriarchalpolitische Ideologien und die durchgängige strukturelle Gewalt.

Das relativ schnelle Umsichgreifen hierarchischer Herrschaftsstrukturen könnten wir auch als erforderliche Konsequenz ansehen, das Vakuum zu füllen, dass die Zerstörung der naturgemäßen Muttergemeinschaft nach sich zog. Die verkaufte und versklavte Frau hinterließ zwangsweise ein verwaistes Matrifokal. Die weitergereichte Tochter, verheiratet oder als politische Geisel, heraus genommen aus ihrer Muttersippe oder später Vaterfamilie, stand als zukünftige Trägerin der menschenartgerechten, Mutter bezogenen Fürsorgegemeinschaft nicht mehr zur Verfügung. Innerhalb kürzester Übergangszeiten übernahmen (einstmalige Mutter-)Brüder die Rolle (und hier handelt es sich tatsächlich nur um eine Rolle) des reputierlichen Vaters, des geachteten Häuptlings (bis hin zur Königswürde) oder des gefürchteten Anführers der Krieger (als Vorstufe der Imperatoren).

Der durch legislative und exekutive Macht aufgestiegene privilegierte Mann veränderte dramatisch und nachhaltig die einstigen matrifokalen Sozialgemeinschaften. Die neuen patrigeprägten Kollektivformen bauten mehr und mehr auf Normen auf, die sich als naturfeindlich und inhuman erwiesen (siehe das Halten und Züchten von Großvieh).

Das Matrifokal ist ein von mir speziell für diesen Zusammenhang kreierter Begriff, welcher die naturgemäße, also menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft bezeichnet!

Die matrifokale Gemeinschaftsform ist die naturgemäß artgerechte Seinsform der Spezies Menschen. Auf der Basis der Female Choice** gründete sich hier der biotische, also evolutionär durchgesetzte, optimale Lebenserhalt der menschlichen Spezies. Die dem Menschen artgerechte Matrifokalität bleibt daher nach wie vor, einem Organismus ähnlich, unsere evolvierte Lebensbasis – selbst unter den Bedingungen der nicht naturgemäßen Patriarchose.

Das Leben im Matrifokal war und ist unser ur-natürliches Dasein – das organisch entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als natürlich entstandenes, dynamisches Habitat, das als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs (auch den bereits erwachsenen) fungierte. In der Regel bestehend aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend lebenden Menschengruppierungen. Das bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, geschwisterbasierten sich gegenseitig versorgenden Angehörigen-Gruppen. Ein Jedes wurde in die bestehende Gemeinschaft ihrer (konsanguinen) Angehörigen hineingeboren und verblieb in diesem Kontinuum in der Regel bis zum Tod.

Die hundert bis zweihundert, als heute noch bestehenden Matriarchate bezeichneten indigenen (Klein)Gesellschaften auf unserer Welt sind Gemeinschaftsorganismen bzw. -organisationen auf Angehörigenbasis, welche überwiegend die menschengerechte Matrifokalität (also matrilinear und matrilokal) im überlieferten Sinn praktizieren.

Das Matrifokal (als Basis des menschlichen Kontinuum) ist daher keine vergängliche Episode in einer Abfolge von Gesellschaften zu verstehen. Als naturgemäße Grundlage des Menschseins ist es auch im bestehenden Patriarchat stets gegenwärtig, wenn auch durch das Diktum der religiös/ideologischen Herrschaftsstrategien aus dem Bewusstsein des kullturell tradiertem Mainstreams weitgehend getilgt.

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen der menschlichen (Nähe)Gemeinschaft und einer (anonym agierenden) Gesellschaft. Die (Sippen)Gemeinschaft des Menschen (bei anderen Säugetieren von uns Menschen bezeichnet als: Herde, Rudel, Horde) im naturgemäßen Sinne, besteht aus einer Ansammlung überwiegend konsanguiner* Angehöriger, die ihr Zusammenleben miteinander gestalten, im Sinne des naturgemäßen Selbst- und Arterhaltes.

Im Matrifokal verbringen in einer überschaubaren Gruppierung auf einander bezogene, doch in ihrer Persönlichkeit frei agierende Individuen ihren Alltag miteinander. Es ist das gelebte Kernmuster der menschlichen Angehörigen-Bindungsgruppe – die matrilineare Sippe, die eine artgerechte (natürliche) Ordnung nach einem mütterzentrierten Prinzip lebt. Hier finden wir einen interagierenden Personenkreis, der in individueller Entscheidungsfreiheit*** sich in der förderlichen Nähebindung von konsanguinen Angehörigen bewegt.

Dagegen ist eine ‚Gesellschaft‘ ein größerer, bereits als organisiert zu verstehender Zusammenschluss an menschlichen Gemeinschaftsgebilden und Individuen, die einer bereits tradierten Leitideologie unterworfen wurden und die auf das Individuum bezogen weitgehend anonym interagieren. Die allgegenwärtige Anonymität, das Hauptmerkmal einer (Groß)Gesellschaft, fördert spürbar die zunehmende Separierung des Individuums. Statt einen gewachsenden sozialen Zusammenhalt in einem integrierten Kontext zu leben, separieren sich die Mitglieder der patriarchalen Gesellschaft zunehmend und zwar unter dem Eindruck einer relativen Sicherheit in der anonymen Gesellschaft, welche jedoch die spürbare Nähe einer fürsorgenden Gemeinschaft vermissen lässt. Die trügerische Sicherheit patriarchaler Gesellschaften wird durch eine größtmögliche Anpassung des Individuums an die verschiedenen Leitideologien der jeweiligen Kultur- und Polit-Systeme erkauft.

Unsere persönlichen Mittelpunkte sind zwar heutzutage nach wie vor temporär an eine natürliche Angehörigenbindung angeschlossen, aber die Kernstruktur hat sich in kulturell geschaffene Kleinorganisationen verlagert. Unser Alltag findet von der (Klein)Familie ausgehend in Bildungseinrichtungen, in aktuellen Arbeitsstellen und gesellschaftlichen Organisationen statt. Diesen Aktionstätten werden wir, mit oder ohne unsere Bereitschaftserklärung, temporär einverleibt und fühlen uns per Konditionierung früher oder später zugehörig. Gesellschaften werden in ihren inneren Abläufen von den Vertretern der jeweiligen Machtkonzepte gesteuert (und nur in der heutigen Demokratie besteht für jedes einzelne Mitglied die Illusion des Mitbestimmungsrechtes). Das soziokulturelle Ideologiekonzept der heutigen patriarchalen Gesellschaft variiert nach Kulturkreis, ist aber immer noch durchweg androzentriert.

Das soziale, hier das zwischenmenschliche Miteinander in der matrifokalen Grundgemeinschaften, dem Matrifokal, bezog sich urtümlich auf den unmittelbar erlebten, alltäglichen Nähekontakt. Dieser war für die Menschwerdung essentiell und ist in unseren menschlichen Erbanlagen als unwillkürlicher Drang zur Zugehörigkeit und in Form von Bindungsemotionen zu unseren Angehörigen vorhanden. Die Basis aller Bindung ist die Arterhaltende Mutter-Kind-Einheit.

Bei nicht Vorhandensein einer natürlichen Bindungsgruppe übertragen wir das Zugehörigkeitsverlangen im Zuge der Überlebensanpassung auf andere, uns sozial nahestehende und möglichst wohlwollenden, vertraute Mitmenschen. Hierin liegt mE auch die ungebrochene Willigkeit begründet, sich in Peergroups und Paarbeziehungen zu arrangieren und sich diese, manchmal auch über jede Vernunft hinaus, erhalten zu wollen. Auch das von mir so gern angeführte Stockholmsyndrom hat hier seine Wurzeln. Das Verlangen, auch unter widrigen Umständen zu überleben, bringt ein Individuum dazu dauerstressige, extreme oder schädliche Situationen in stark fremdbestimmten Abhängigkeitsverhältnissen auszuhalten.

Das Zugehörigkeitsverlangen des Individuums und die lebenswichtige soziale Interaktion mit (möglichst angehörigen) Mitmenschen kann so durch Repression oder Gewaltexesse beherrscht werden. Patriarchale Strukturen bauen auf dieser Form der Unterdrückung auf. Insbesonders auf der Vereinzelung und ihrer Bedürftigkeit, die auch über das Kindesalter bestehen bleibt.

Soziales, zugewandtes Interagieren auf Basis der matrilinearen Bindungsgemeinschaft regulierte urtümlich den Alltag der matrifokalen Sippengruppierungen. Der gegenseitig zur Anwendung kommende Drang zur Angehörigkeit (basierend auf der Mutterbindung) sowie die individuelle Empathie verknüpft mit notwendiger kollektiver Kooperation, bildete eine Überlebensgrundlage mit der sich die frühen Menschengemeinschaften offenbar erfolgreich erhielten und vermehrten. Das naturgemäß matrifokale Menschsein (in einem aktiv gelebten Matrifokal) ist das Fundament auf dessen Grundlage es das soziale Miteinanders in Balance einst gab, immer noch gibt und das wir uns für die Zukunft wieder als Gemeinschaftsbasis erschließen sollten…

 

* konsanguin – verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie (umgangssprachlich auch ‚blutsverwandt‘)

** siehe hierzu: http://www.gabriele-uhlmann.de/pdf/female-choice.PDF

*** siehe ‚The Continuum Concept‘ von Jane Liedloff

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Hinweis

… derzeit werden meine Themen in meinem Blog Alltag vorrangig bearbeitet:

http://www.stephanieursula.blogspot.de/

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Schaltjahr

Alle vier Jahre bekommen wir einen Tag um die Zeit auszugleichen, um Kalender und Empfinden zu synchronisieren, um nicht hinter der kosmischen Uhr hinterher zu stolpern.

Diejenigen, die an diesem Schalttag Geburtstag haben, sind etwas Besonderes oder sie fühlen sich vielleicht ein wenig von der Zeit betrogen. Denn nur alle vier Jahre taucht eine vierundzwanzig Stundenspanne aus einem parallelen Zeituniversum auf, um danach wieder unbetrauert zu entschwinden. Der Ausgleich für das unvollkommen festgelegte Raster, in dem natürliche Verläufe bemüht zerregelt werden. Und nie stimmt der Jahresablauf so ganz. Eine kleine unkorrigierte Verschiebung ist immer noch vorhanden, die sich geheimnisvoll summiert und von der allgemeinen Wahrnehmung ignoriert wird.

Wir unterwerfen uns, gut abgerichtet, dem seit langem festgelegten Takt und füllen mit unserem Leben Stunden, Tage, Wochen nach vorgeschriebenen Muster aus. Die allen auferlegte Tyrannei des Kalenders ist nicht nur an diesem Schalttag spürbar.

Dabei ist die Zeit ein so wunderbarer und individueller Zustand, ein vollkommenes, eigenes Empfindungsmedium. Kaum etwas ist mit den Gefühlen Anderer weniger im Gleichklang als das Zeitgefühl.

Heute, in diesem Moment, befinde ich mich gerade auf einer dieser, gefühlt arkadischen, Insel, die unbeachtet von der Welt, durch Zeit und Raum treibt und auf der es Weile und Muße im Überfluss gibt….

… ich sehe zur Uhr und stelle fest der Vormittag ist zerflossen in hochkonzentrierten Gedanken, dem Schnüren kleiner Wortpakete und träumenden Blicken aus dem Fenster, hinter dem ein trüber Tag liegt … gleichmäßig grau und terminlos ruhig…

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