Die natürliche Matrifokalität – Besonderheit der menschlichen Spezies

Eine Betrachtung von Stephanie Ursula Gogolin
zu der immer wieder gern genommenen Pseudo-Hypothese: „…das Patriarchat hat sich gegenüber dem Matriarchat als ‚bessere evolutionäre‘ Strategie durchgesetzt…“

Wir schenken uns vorab die Analyse, ob der Begriff ‚Matriarchat‘ zutreffend ist oder lieber doch nicht und stellen stattdessen fest, dass wir es mit einer Ur-Matrifokalität zu tun haben. Es ist die Überlebensstrategie der menschlichen Spezies – wirksam im menschlichen Kontinuum, dem evolutionär selektierten, organisch gewachsenen Gemeinwesen in Balance. Matrifokalität ist auch für andere Spezies die naturgemäße Ordnung, deutlich Mütterzentriert und Nachwuchsorientiert.

Die menschliche Matrifokalität beruht auf Matrilinearität, gelebt in Matrilokalität – eine natürliche Lebensart und kulturell verschiedentlich ausgeformt, wie wir sie noch heute in indigenen Gemeinschaften als überlieferte Lebensweise finden.

Um es einmal polemisch anzugehen, frage ich: Wenn patriarchale und damit androzentrierte Verhältnisse ein evolutionärer Effekt wären, müssten da andere Säugetierarten oder sonstige Spezies nicht auch schon längst nachgezogen und ihre speziellen, bisher gut funktionierenden Überlebenstechniken einer ‚maskulinen Anleitung‘ unterworfen haben?
Können wir denn überhaupt arteigene Überlebensstrategien und Anpassungsfähigkeit an eine bestehende Umwelt einer Spezies in eine Bewertungsskala von ‚besser‘ bis ’schlechter‘ einordnen?

Das überaus durchsetzungsfähige Phänomen Leben, das sich mit allen Bedingungen des Planeten Erde immer wieder arrangiert und eine gigantische Vielfalt hervorbringt, hat eine Spezies „kreiert“, die sich selbst als Mensch bezeichnet. Die Spezies Mensch, deren Individuen einzeln relativ hilflos sind, entwickelte sich über viele Jahrtausende zu einem der anpassungsfähigsten Teilnehmer der verschiedenen Varianten des Ökosystems Erde. Die speziellen Fähigkeiten sind vor allem geschickte Überlebensstrategien mit denen sich unsere Spezies an alle Klimazonen dieser Welt angepasst hat. Überall gelingt es Menschen ihre Kinder aufzuziehen. Die besondere Langzeit-Pflege des menschlichen Nachwuchses wurde einzigartig mit der Grundform spezieller Alltagskultur verknüpft. Wir können davon ausgehen, dass ursprünglich jede Kulturtätigkeit des Menschen ein Nebeneffekt des Arterhalts ist und sich in der gegenseitigen Fürsorgearbeit niederschlug. Dass heißt, jede Erfindung einer neuen Kulturtätigkeit (optimierte – kollektive – Nahrungsbeschaffung bzw. -konservierung, Bearbeitung von Naturmaterialien, Heilwissen oder die erste Kunst) sowie deren Weiterentwicklung, die zu einer Verbesserung der Alltagsbedingungen führten, kam dem Nachwuchs und somit der Angehörigengruppe zu Gute.

Die vor etwa neuntausend Jahren auftretenden patriarchösen bzw. androzentrierten Strukturen, haben dagegen nicht das geringste mit einer natürlichen oder „besseren“ Entwicklung zu tun. Das Patriarchat mag ja mehr als nur eine Ursache haben, letztendlich sind die Grundlagen dieser Gesellschaftsform vor allem durch Waffengewalt installiert worden. Die einst gewaltsam durch Herrschermacht, also per Inanspruchnahme von Privilegien und exekutiv erzwungener Gesetzestreue, eingeführte und durchgesetzte, scheinbar omnipotente, Vaterdominanz ist keine natürliche Entwicklung. Vermutlich wurde bei dessen ideologischer Einführung schon der Massenwirksame, gesellschaftliche Mainstream genutzt.

Den menschenartgerechten Urzustand finden wir in der matrifokalen Gemeinschaftsform – dem Matrifokal.

Die matrilinearen Basisgruppierungen lebte als Bindungsgemeinschaften in mütterlicher Linie, also in Sippen. Selbstverständlich bestanden die Gruppen aus Kindern, Frauen und Männer und zwar als geschwisterbasierte Alltagsgemeinschaft. Diese bildete die Schutzsphäre für die Mutter-Kind-Einheit und stellte die Geborgenheit eines jeden Individuums im generationsübergreifenden Fürsorge-Habitat sicher.

Diese Theorie wirft immer auch die Frage nach dem Liebes- bzw. Elternpaar auf. Wir können getrost davon aus gehen, dass es die Konstellation ‚Elternpaar‘ im heutigen Verständnis nicht gab. Die jeweiligen Liebespartner der Erwachsen gehörten weniger zu dem alltäglichen matrifokalen Gemeinschaftsablauf, sondern eher zu dem persönlichen Bezugsfeld einer Frau als unmittelbare Folge der naturgemäßen Female Coice. An die erotischen Begegnungen waren wahrscheinlich keine Bedingungen geknüpft, die das sonstige persönliche Leben von Frau und Mann nachdrücklich verändert hätte. Es wurden auf Grund einer erotisch/sexuellen Beziehung keine neuen Wirtschaftskonstellationen bzw. -koalitionen geschaffen und in der Regel auch nicht die Herkunftsbindungen dauerhaft verlassen. Kinder wuchsen naturgemäß in ihren Muttersippen auf, in welche sie hineingeboren wurden. Die männlichen Bezugspersonen waren als ‚Mutterbrüder‘ vorhanden und zwar im generationsübergreifenden Selbstverständnis … und in der Regel von der Geburt bis zum Tod Teil der Bindungsgruppe.

Wir sind heute in unserer patriarchös zersetzten Kultur andere Formen des Zusammenlebens gewohnt. Der Standard ist derzeit die Paarungs(Klein)Familie, die sich den literarisch gestützen Mythen der romantischen Liebe unterwirft. Unter dem gängigen Label Liebe findet sich gegenseitiges Wohlwollen genauso wie unerträgliche Tyrannei und zu unserer kulturell-ethischen Haltung gehört auch, dass sich niemand wirklich wundert, wenn aus sogenannter Liebe sogar Morde begangen werden. Das heutige (in der Regel von seinen Herkunftsangehörigen separierte) Paar vertritt allgemein einen geforderten dauerhaften (möglichst lebenslangen) Treueanspruch (was in der Regel nicht funktioniert) und praktiziert eine gemeinsame Mini-Wirtschaftsgemeinschaft, die Kleinfamilie. Diese Art der zwei-getakteten Lebensgestaltung baut auf dem Irrtum der nachhaltig verbreiteten Idee auf, dass das Paar, bestehend aus zwei fremden (nicht verwandten) Menschen, dauerhaft Lebenszeit mit einander verbringt und ein Urkonzept der menschlichen Spezies sei. Die geforderte lebenslange ‚romantische‘, sich gegenseitig treu ergebene, Liebe ist jedoch tatsächlich ein Konstrukt der jüngeren (patriarchalen) Geschichte. Patriarchale Strukturen, wie sie uns heute geläufig sind, wurden von herrschaftausübenden Männern um die, von ihnen kreierte Idee der Vaterdominanz herumgebaut.

Eine völlige Gewissheit der Vaterschaft ist aber kein natürlicher (biologischer) Effekt und nur über eine totale Kontrolle der weiblichen Sexualität zu erreichen – also dem gesellschaftlichen Ausschluss, der Unfreiheit und der Unterdrückung der Frau. Das Ausüben einer solchen mütter- und lebensfeindlichen Kontrolle ist kein naturgemäßes Prozedere. Die, aus ihrer Unfreiheit entstehende, Verfügbarkeit der Frau und die durch die patriarchösen Ideologien hochstilisierte Fruchtbarkeitsfixierung haben für die rechtlose Frau durch die letzten Jahrtausende einen tragischen Verlauf genommen. Bis in unsere Zeit ist die Idee den Vater als Ausgangspunkt allen Seins zu erklären, in ungezählten grausam erlittenen Frauenschicksalen wirksam. Ob es die heute noch stattfindende genitale Beschneidung kleiner Mädchen oder das scheinbar immer beliebter werdende Töten weiblicher Föten oder ob es „nur“ die Abwertung von Mutterarbeit und die rechtliche (finanzielle) „Bestrafung“ eines alleinerziehenden Elternteils durch unsere Gesetzeslage ist, die einst eingeführte ‚väterliche Gewalt‘ beherrscht inzwischen das Handeln und damit auch das Denken und sogar Fühlen der meisten Gesellschaften unserer Welt.

Die inzwischen (fast) weltweit etablierte Praxis einer grundsätzlichen Separierung aller jungen Erwachsenen zum Zwecke der flexiblen Eingliederung in einen anonymen Wirtschaftskreislauf schreitet derzeit weiter munter voran. Da ‚der Mensch‘ aus zwei Gründen nicht komplett auf eine totale Separierung konditioniert werden kann, wird ihm das Paargebilde als selbstverständliche Lebenshaltung angeboten. Diese kleinste Einheit einer menschlichen Gemeinschaft wird als Basissurrogat in die anonyme Großgesellschaft gestellt.

Die ‚Paarbeziehung in serieller Monogamie‘ ist heute im westlichen Kulturkreis fast ein Selbstläufer und setzt den bislang tradierten Wert der ‚Familie‘ außer Kraft. Um die Illusion der ‚klassischen Familie‘, bestehend aus Vater-Mutter-Kinder, am Leben zu erhalten, bürgerte sich die sogenannte Patchwork-Familie ein. Ein u.U. weitverzweigtes Gebilde aus verschiedenen Versatzstücken fluktuierender Beziehungen ehemaliger Paare, deren Bindeglieder die betroffenen Kinder sind – solange sie Kinder sind. Diese Kinder sind die Angelpunkte, welche die Illusion der Zugehörigkeit (zu einer Sippe) gerade für Männer erhält. Denn die aktuellen Partnerschaften ihrer Eltern sind nun mal keine natürliche Verwandtschaft, die auch dem modernen Menschen durchaus noch etwas bedeutet. Nach der Trennung eines Elternpaares bleibt nur die bestehende (Bluts)Verwandtschaft zum Kind. Da Vater und Mutter nur durch Heirat verwandt waren, sind diese rein rechtlich nun wieder ‚Fremde‘ – also nicht mehr miteinander verwandt. Niemand (nicht einmal das eigene Kind) kann und darf sie zwingen diese Beziehung wieder aufleben zu lassen. Allerdings gilt es in der Regel als zivilisiertes Verhalten solche getrennten Verbindungen nicht völlig unter den Tisch fallen zu lassen; die Gesetzeslage verpflichtet beide Elternteile zur Sorge am Kind. Ein unerschöpflicher Quell für weitere Probleme, da Trennungen in der Regel bereits aus interenen Konflikten hervorgingen und das Paarideal so immer wieder ad absurdum führen.

Zitat aus http://www.stephanieursula.blogspot.de/2014/02/das-warum-und-das-wie.html : „Der modere patriarchale Mensch verhält sich wie eine Art Patient 0, bei dem alles beginnt und der seine Zugehörigkeit nur über seine Person und seine Nachkommen definiert. Und auch Frauen fällt es schwer, sich in eine Ahninnenreihe zu stellen bzw sich als Teil der praktischen Evolution zu sehen.“

Was sind nun die beiden Gründe, die dagegen stehen, dass der moderne Mensch vollkommen solitär durch die Welt wandelt? Die Mensch ist erstens von Natur aus ein Bezugs- und Bindungswesen in ihrer angehörigen Bindungsgruppe und zweitens prägt der angeborene Drang zur Zugehörigkeit unsere Identität als Persönlichkeit.

Das interaktive gegenseitige und generationsübergreifende Fürsorgebedürfnis, kann daher nur in alltäglicher, unmittelbarer Nähe von vertrauten Bindungspersonen stattfinden. Das bedeutet: naturgemäß wurde / wird die Mensch in ihre (Mutter)Sippe hineingeboren und könnte dort artgerechterweise bis zu ihrem Tod verbleiben. Die natürliche Matrifokalität stellt die Besonderheit der menschlichen Spezies dar. In der menschlichen (Ur)Gruppe sind in der Praxis des Alltags die tragendenden Elemente permanent interaktives, empathisches und kooperatives Verhalten der (überwiegend konsanguinen) Angehörigen und selbstverständlich sind beide Geschlechter lebenslang in die geschwisterbasierte, generationsübergreifende Fürsorgegemeinschaft einbezogen.

Diese (überschaubaren) Fürsorgegruppen bildeten die Schutzsphäre für den, lange recht hilflosen, Nachwuchs der menschlichen Spezies. Die Mensch ist als Individuum relativ gefährdet und schützte sich daher durch die verlässliche Gruppe. Überlebt hat (aus evolutionärer Sicht) in der Regel wohl der Sippenverband, in dem alle Angehörigen für einander einstanden. In diesen Bindungsgemeinschaften wurde ein Jedes gebraucht, um dem Nachwuchs ein gesichertes Aufwachsen zu ermöglichen. Die matrilineare Gruppe, bestehend aus den, durch Geburt verwandte Angehörige, war der bewährte verlässliche Entwicklungsraum, die effektivste Schutzsphäre, für den menschlichen Nachwuchs.

Nun existieren die reinen Strukturen einer matrilinearen Sippe unter den patriarchalen Gesellschaftsverhältnissen schon längst nicht mehr. Das für Menschen typische, angeborene Bedürfnis sich in vertrauten sozialen Zusammenhängen aufzuhalten und mit ihren Bindungsangehörigen permanent in einen wohltuenden interaktiven Austausch zu treten, verschwindet ja nicht einfach, nur weil unsere Gesellschaftskultur ein System hervorgebracht hat, dass die Menschen aus ihren Herkunftsbindungen herauslöst und sie quasi zwingt gegen ihre Natur zu leben.

Wie vielleicht schon bemerkt, schreibe ich fast ausschließlich ‚die Mensch‘ … was jedoch nicht bedeutet, dass der Mann als solches außen vor war/ist, denn erstens ist er immer herzlich mitgemeint und zweitens war er als Sohn und Bruder ein unverzichtbarer Teil der matrifokalen Fürsorgegemeinschaft.

Das Problem des überwiegend fremdbestimmte Dasein der Frau in der Patriarchose ist auch für den Mann ein größeres Fiasko. Sein Status als Sohn und Bruder einer Mutter besitzt inzwischen kaum noch eine gesellschaftliche Wertigkeit. Der patriarchale Mann distanziert sich von allem Weiblichen und definiert sich fast ausschließlich über sein Konkurrenzgebaren, die Vaterrolle und seine Sexualität.

Schon längst sind alle „zivilisiert“ lebenden Menschen permanent in die patriarchalen Muster verstrickt, auch wenn sie ursächlich immer nur durch den privilegierten Teil der Alphamännern initiiert und erhalten werden. Nun schaffen diese Machtmänner das nicht etwa, weil sie so eine überlegene humane Kompetenz oder ein umfassendes (logisches sowie emotionales) Wissen besitzen, wie immer gern verbreitet wird, sondern weil ein immer noch stetig steigendes Potential an sichtbarer und nicht offensichtlicher (Waffen)Gewalt die Welt im Griff hält und schon längst als unaufhörliche Bedrohung in unser aller Unterbewusstsein eingesickert ist.

Hemmungslose Skrupellosigkeit gegenüber Mensch und Tier und dem gesamten Ökosystem der Erde, hat zu einer Situation geführt, die mit einer Geiselnahme vergleichbar ist. Viele Millionen Menschen waren (und inzwischen sind es Milliarden) davon beeinträchtigt. Und damit stecken wir alle, Geiseln ähnlich, in einer Art Stockholmsyndrom. Die allgegenwärtige patriarchale Gehirnwäsche verlangt, dass wir nicht nur eine vorauseilende Gehorsamshaltung einnehmen sondern darüber hinaus die „Täter lieben“ und ihnen vertrauen. Daher nehmen wir die latenten Gewaltsituationen, die unsere Gesellschaftskultur prägt und steuert, oft nur noch dort wahr wo sie gerade wieder in einem Krieg oder einer politischen Krise offen tobt. In der ideologischen Verquickung der patriarchalen Lehren mit der androzentrierten Alltagskultur lernen wir die patriarchale gesellschaftliche Geiselnahme als eine gottgegebene Fügung oder gar als eine Naturerscheinung zu betrachten. Dass die „erfolgreiche“ menschliche Spezies trotz der verschärften Bedingung der patriarchösen Annektion, nicht unterging, bedeutet nicht, dass das patriarchale System das evolutionär Fortschrittlichere ist. Eigentlich beweist es uns doch nur, dass die noch vorhandenen kläglichen Reste der einstigen Müttergemeinschaften selbst unter mangelhaften und inhuman grausamen Bedingungen fähig sind, die menschliche Art zu erhalten. Denn das Matrifokal steckt in unseren „Genen“ und ist immer noch die aktuelle evolutionäre Stufe des Menschseins!

Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg 10.05.2018

 

… das Original dieses Textes  steht in meinem Blog Alltag (http://stephanieursula.blogspot.de/) unter dem Titel „Möge der Bessere gewinnen…“ (Lüneburg 10.05.2014) und wurde von mir überarbeitet…

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Steinzeit. Nein, Brigitte Röder, so war sie eben auch nicht!

Wahrscheinkontrolle

Dies ist meine Antwort auf den Artikel „Die Steinzeit war gar nicht so. Männer jagten, Frauen kochten? Die Urgeschichte dient oft dazu, Geschlechterrollen zu begründen. Bloss: Es stimmt nicht.“ von Hubert Filser im Tagesanzeiger.ch vom 27.03.2018, https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/die-steinzeit-war-gar-nicht-so/story/23918288.

Schon der Untertitel dieses Artikels kam mir bekannt vor, er stammt von der Archäologin Linda Owen, die einst im Katalog zur Stuttgarter Ausstellung „Eiszeit – Kunst und Kultur“ 2009 einen Artikel schrieb, der den Titel „Männer jagen, Frauen kochen? Die Geschlechterrollen im Jungpaläolithikum“ trägt. Einen darin befindlichen Satz musste ich bereits kritisieren, ist er doch beispielhaft für die Kopfstände der Gender Studies. Ich schrieb:

„‚Obwohl bei Sammler-Jäger-Gruppen die Männer kochen konnten und sich auf Reisen selbstversorgt haben, waren es die Frauen, die für die Familie gekocht haben.‘ (Owen 1998, S. 175). Diese überraschende Aussage korreliert nicht mit der Negation von Geschlechterrollen in der Altsteinzeit und zeichnet zudem das Bild der patriarchalen Kleinfamilie…

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Matrifokal

Von der Idee die Muttersippe wieder aufleben zu lassen
ein Kommentar von Stephanie Ursula Gogolin

… vor einigen Monaten dümpelte im Netz die Testpedition: Gesetzliche Einführung eines alternativen Familienmodells zur Ehe (wahlweise)* vor sich hin. Die Petition blieb erst bei 52 Stimmen stecken, was mich zu diesem Kommentar inspirierte, denn seit Jahren ist das mein Thema. Ich fasse also dazu hier meine Gedanken zusammen:

Im Gegensatz zu herkömmlichen, mir begegneden Meinungen, gibt es imho keine alternativen Familienmodelle, sondern nur verschiedene Spielarten des Klassikers „Familie“. Die Grundlage der Familie ist immer das Paarkonstrukt auf der Grundlage von Sexualität und (romantischer) Liebe und, heute mehr denn je, unter Ausschluss der Herkunftsangehörigen – sprich unseren Blutsverwandten. Zwischen der Intention einer Familie und der wie neu daher kommenden Idee eines sogenannten Matriclan, der auf der konsanguinen**, der natürlichen Müttergemeinschaft fußt, liegen daher Welten.
Denken wir doch bitte daran, was die „Familie“ einst eigentlich war – der Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Mag sich auch in unserer derzeitigen Kultur inzwischen diese Bedeutung verwischt haben und der modern daher kommende Trend hin zum partnerschaftlichen Paar gehen, es bleibt doch ein bestimmter Effekt bestehend: Zwei Fremde (Nicht-Verwandte) verbinden sich per Bereitschaftserklärung zu einem Paar mit der Absicht ab sofort in allen Bereichen ein gemeinsames Leben führen zu wollen.
Das muss heutzutage nicht mehr unbedingt in einer bindenden Eheschließung enden, denn die unverbindlich-verbindliche Beziehung ist schon länger gesellschaftsfähig geworden. Manche probieren dabei ihr ganzes Leben lang aus, ob der jeweils Andere der „Richtige“ ist und manchmal ist es ein ständiges Kommen und Gehen. Die meisten der Paare leben dann in einer seriellen Monogamie und betreiben nebenbei eine Kleinfamilie. Unsere Gesellschaft ist daher heute zunehmend von der Familienspielart „Patchworkfamilie“ durchsetzt, in der die Kinder bereits die, von ihnen zukünftig erwartete, Flexibilität üben können, die das Wirtschaftsleben ausmacht.
Die Beinahe-Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft lässt uns immer wieder gern übersehen, dass die bestehende Gesetzeslage vor allem die eheliche Verbindung, sprich das heteronormative Paar, schützt und fördert. Das Ehepaar gilt als klassische Grundlage der Familie und schließt inzwischen außer den Kindern, alle anderen Mitglieder beider Herkunftsfamilien rechtlich aus. Ein Gemeinschaftsleben im matrilinear-matrilokalen Verständnis ist derzeit weder im Mainstream noch in den Gesetzen des Staates vorgesehen. Das gilt es zu ändern.
Der hier als Alternative aufgezeigte Matriclan hat als Grundlage die Struktur einer Muttersippe, matrilinear und matrilokal, also so wie sich ursprünglich die Basis des menschlichen Zusammenlebens gestaltete. Dass die konsanguine Matrigemeinschaft, hier Matriclan genannt, nicht nur wirklich eine Alternative zur etablierten Kleinfamilie wäre, sondern bestimmt die bessere Variante sein wird, wurde in dem avaaz – Vorschlag klar benannt. Natürlich ist dieses Projekt noch lange nicht zu Ende gedacht. Vielleicht ist es in manchen Punkten noch zu futuristisch, aber es besitzt das Potential zur Bewegung anzuwachsen – ähnlich der nicht mehr tot zu kriegenden Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen. Und ich bin überzeugt, die beiden Ideen bedingen einander und werden eines Tages in der Praxis zusammenwachsen.
Es geht bei dem Gedanken die Muttersippe rechtlich zu konstituieren, auch nicht um eine Erlaubnis für Frauen matrilinear leben dürfen, wie bereits vermutet wurde, sondern um die Forderung nach kollektiver Anerkennung und der selbstverständlichen Unterstützung dieser Lebensweise durch die Gesellschaft, auch in Form einer gesetzlichen Absicherung.
Ein matrilineares Gemeinschaftsleben kommt gegenwärtig jedenfalls sehr wenigen Frauen in den Sinn und wird eher als gestriges Gebaren angesehen. Das derzeitige Familienverständnis endet bei Vater-Mutter-Kind und die frühzeitig abgenabelten Teile der Herkunftsfamilien werden nur noch latent dazugerechnet. In der klassischen (Klein)Familie erfolgt im Erwachsenenalter nicht nur eine körperliche Distanzierung von den Angehörigen, sondern es entsteht dabei auch eine, manchmal irreversible, Trennung im Geiste. Das ist der bestehende entscheidende Unterschied zu einer konsanguinen, fürsorgenden Matrigemeinschaft, die sich auf die dauerhafte Zugehörigkeit zu den konsanguinen Verwandten stützt.
Die ohnehin vom patriarchösen System nicht gern gesehene Mutter-Kind-Bindung löst sich also unter dem modernem Abnablungsdogma auf und hinterlässt bei Tochter und Sohn ein diffus vermerktes Vakuum, das als nicht gerechtfertigt gebrandmarkt wird, wird es doch gefühlt.

Um die uns umgebende soziale Leere mit Geborgenheit und Verbindlichkeit aufzufüllen, wird uns in unserer Kultur lediglich die Paarbeziehung mit einem, uns bis dahin unbekannten, Menschen empfohlen.
Wenn wir die Idee einer ‚Lebensgemeinschaft in Mütterlicher Linie‘ etablieren wollen, ist die gesellschaftliche Anerkennung auch innerhalb der Gesetzgebung eine zwingende Voraussetzung. Die Grundlage bisheriger Gemeinschaften und Gesellschaften sind und waren immer die natürlichen, die innigen und tragenden, Bindungsgeflechte der konsanguinen Angehörigen. Diese evolutionäre Strategie des Menschen in einer natürlichen (biologisch terminierten), mutterbezogenen Ordnung zu leben, wird seit Jahrhunderten durch das patriarchöse System gründlich ausgehebelt.
Einer der entscheidenden Eckpunkte des angedachten Matriclans ist, dass keine sexuell bezogenen Verhältnisse den Zusammenhalt einer solchen Lebensgemeinschaft bestimmen.
Dem gegenüber ist heute mehr denn je das erotische (sexualisierte) Liebesverhältnis sowohl für die Ehe (und für andere Paarbeziehungen) eine selbstverständliche, ja zwingende Voraussetzung. Diese Ausgangsposition würde im Matriclan bzw. der Muttersippe entfallen. Die natürliche, matrilineare Verwandtschaft zwischen Angehörigen bildet die einzige Grundlage dieser neu zu etablierenden Lebens-, Fürsorge- und Wirtschaftsgemeinschaft, welche gesetzlich zu schützen wäre.
Wenn ich also z.B. mit meiner Tochter und ihren Kindern eine solche Sippenstruktur praktizieren möchte, steht doch erst ein mal folgendes fest: (genetisch) verwandt sind wir bereits, also noch mehr an Zugehörigkeit geht gar nicht. Hier findet tatsächlich eine Bindungsgemeinschaft statt. In unserem derzeitigen Verständnis jedoch sind Erwachsene autonom und werden solange als ungebunden angesehen, bis sie sich zu einem (nichtverwandten) Partner zugehörig erklären. Diese Art Partnerschaft ist derzeit die einzige legitime und als förderungswürdig angesehene Lebensgemeinschaft – wobei der Ehe immer noch die höchsten Weihen zugesprochen werden. Auch eine eingetragene Lebenspartnerschaft reicht rechtlich noch nicht völlig an den (von den Kirchen geheiligten) Ehestatus heran. (Inzwischen haben wir die Ehe für alle…)
Die Muttersippe würde also im persönlichen Zusammenleben und der gemeinsamen Haushaltsführung genauso anerkannt sein wie ein Ehe/Familie. Es wäre weder der Segen einer Kirche noch die Trauung vor einem Standesbeamten erforderlich, um die Angehörigen der Muttersippe für zusammengehörig zu erklären, denn das sind sie ja bereits von Geburt an. Wenn diese konsanguine** Lebensgemeinschaft arriviert und eingeführt wird, würde daher lediglich der Urzustand des (evolutionär selektierten) menschlichen Zusammenlebens wieder hergestellt und damit die generationsübergreifende Fürsorge für alle Angehörige ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Bisher hat die tradierte patriarchale Praxis verhindert, dass starke Weiber- und Mutterbande erhalten blieben. Trotzdem gab es, wir können es zwischen den Zeilen der Märchen oder in den eigenen Herzen lesen, einen Ort, den die Menschen in ihrer Seele, als Haus der Mutter abspeichern – es ist der natürliche, aber derzeit unterdrückte Drang nach der Rückbindung an das mütterliche Energiefeld und somit an die Herkunftssippe. Die stete Suche nach der verlorenen Geborgenheit ist eine Grundstimmung in unserer Gesellschaftskultur. Ich bin überzeugt dass bei vielen, wenn auch vielleicht nur diffus, diese dauernde Sehnsucht vorhanden ist.
Da sich Töchter schon lange nicht mehr im natürlich-mütterlichen Geist bewegen und sie auf eine (lebenslange) PseudoBindung zu einem Mann geprägt werden, wird versucht diese latente Sehnsucht in der romantisch verbrämten Liebe auf Lebenszeit zu stillen.
Die weiblichen Energiefelder einer mütterlichen Sippenstruktur sind als Kraftquell längst vergessen. Inzwischen gelten maskuline Werte und eine Herkunftsbindung wird im patriarchalen Verständnis, über die (ungewisse) Vaterlinie festgeschrieben – die Bedeutung der Mutter verblasste immer mehr.
Es geht hier also nicht um einen sogenannten Wahlclan oder um eine „Ehe“ unter Frauen oder um die Erweiterung der Eingetragenen Lebensgemeinschaften zwischen Fremden, sondern um nichts weniger als die Legalisierung der Sippenzugehörigkeit in der mütterlicher Linie. Also um die Akzeptanz der urtümlichen, natürlichen und artgerechten Lebensgemeinschaft, bestehend aus weiblichen Blutsverwandten als Gründerinnen sowie den angehörigen Söhnen und Brüdern. Noch mehr verwandt als Mutter – Tochter / Sohn – Tochterskinder ist nicht möglich.
Das erotische Begehren bzw. eine sexuelle, auf einen Partner gerichtete, Betätigung fände außerhalb bzw. im Privaten dieser matrifokalen Lebensgemeinschaft statt. Daher wäre es auch angesagt, die nun mehr veralteten Inzestgesetze zu reformieren.
Die klassische Ehe, als patriarchal verordnete Institution, wurde im christlich geprägten Abendland, als einziger Ort der legitimierten Sexualität bestimmt und die Ehe wiederum gilt immer noch als die Basis der (Klein)Familie. Der Geist der Institution Familie besteht nach wie vor darin den Mann als den Herr des Hauses vorauszusetzen, selbst wenn er nicht anwesend ist. Wenn beispielsweise drei erwachsene und konsanguin** mit einander verwandte Frauen eine Lebensgemeinschaft bilden, gelten sie trotzdem vor dem Gesetz als alleinstehend, da sie keinen Mann (nichtverwandten Partner) haben und ihr Zusammenleben bekommt in den Augen der Öffentlichkeit eine Art WG-Charakter.
Es gilt also eine echte Alternative zur Ehe/Familie anzustreben und die bereits bestehenden konsanguinen Verwandtschaftsverhältnisse offiziell (gesetzlich) als Lebensgemeinschaft anzuerkennen. Und diese müssten in unserer Gesellschaft genauso gefördert werden, wie die klassische Ehe mit Familienstatus, da hier vor allem auch die Kinder aufgezogen würden und sich die unangemessene Bezeichnung „Alleinerziehend“ damit auch erledigt.
Der Hauptaspekt, der hier angedachten Lebensgemeinschaft Matriclan bzw. Muttersippe oder auch Matrifokal, ist der generationsübergreifende und geschwisterliche Effekt des Zusammenlebens und somit Voraussetzung für das geborgene Eingebettetsein der Kinder in eine verlässliche Sippengemeinschaft.
Bisher läuft es im gesellschaftlichen Verständnis und in der Gesetzeslage so ab – wenn ein älteres Ehepaar oder auch nur eine Mutter oder ein Vater mit seinen bereits erwachsenen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt oder unter einen Dach zusammenlebt, so ist das zwar möglich, wird jedoch bei aller natürlichen Bindung nicht als Lebensgemeinschaft offiziell anerkannt. Jeder Erwachsene, außer den Eheleuten zählt einzeln (und wird auch entsprechend versteuert). Auch wenn (kleine) Kinder zu einer Person gehören, bilden sie mit ihrer derzeit ungebunden Mutter (oder auch Vater) eine eigene Lebensgemeinschaft und diese fallen dann unter den modernen Begriff der Alleinerziehenden, was wiederum auch nur eine Spielart der (Mangel)Familie ist. Wie gesagt, ich empfinde es als absurd, dass sowohl vor dem Gesetz sowie durch den Mainstream jeder Erwachsene grundsätzlich ab der Volljährigkeit als autonome „Lebensgemeinschaft“ gehandelt wird und erst eine erfolgte Paarbildung mit einem Nichtverwandten gilt legitim – es ist der ordentliche Schritt zur Familiengründung – man heiratet oder tut sich in einer Beziehung zusammen. Damit beginnt auch die gegenseitige Fürsorgepflicht (in guten wie in schlechten Tagen usw.), die der Paarbeziehung zugeordnet wird.
Alle anderen (nach wie vor bestehenden) Verwandtschaftsbeziehungen rücken endgültig in die zweite Reihe. Demnach ist in unserem modernen Verständnis die sogenannte Blutsverwandtschaft nur im Kindesalter wirklich relevant. Natürlich bleibt eine gewisse moralische (und bedingt gesetzliche) Pflicht sich bspw. um pflegebedürftige Eltern zu kümmern, schließlich bleibt das Verwandtschaftsverhältnis bestehen, aber wie bekannt genießt der (amtierende bzw. angeheiratete) Partner immer die Vorrangstellung.
Der noch vor Jahrzehnten in der patriarchalen Familienstruktur beschworene Zusammenhalt hat sich in den heutigen Tagen sehr gelockert. Die zu einem Berufsalltag gehörende Verhinderung von Nähe stört auch ein kontinuierliches Festigen der Familienbande. Daher ist Fürsorge und Pflege innerhalb der Herkunftsfamilien zwar immer noch durchaus üblich, gesellschaftlich gesehen jedoch weder eine anerkannte noch geschätzte Arbeit. Diese Zuwendung wird im Alltag neben der Familienarbeit und der honorierten Erwerbstätigkeiten irgendwie verquetscht. In der Regel betrifft diese dreifache Belastung dann die Frau – die Familienmutter.
Ich bin daher sehr wohl dafür, den „Matriclan“ – Vorschlag mit aller Kraft zu unterstützen, denn seine Ziele erscheinen mir förderungswürdig, obwohl der letzte Punkt mir noch sehr als Zukunftsmusik erscheint:

  • Verstärkter Schutz von Müttern und Kindern
  • Lückenlose Betreuung von Kindern, Alten und Pflegebedürftigen
  • Gewaltfreies Zusammenleben in einem intakten sozialen Verbund
  • Perspektivisch ökologischer Landbau und Subsistenzwirtschaft als Lebensgrundlage

(* https://secure.avaaz.org/de/petition/Gesetzliche_Einfuhrung_eines_alternativen_Familienmodells_zur_Ehe_wahlweise

(** verwandt durch Geburt in mütterlichen Linie
.

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Der Beginn des Patriarchats

Der Beginn des Patriarchats setzte dem gemeinsamen (matrifokalen) Leben der Menschin mit ihres Gleichen ein dramatisches Ende und die Ideologen der Patriarchose arbeiten bis heute an der Vernichtung der Mutter…

Oberflächlich betrachtet lebt auch heute die Mensch in aufeinander bezogenen (Klein)Gemeinschaften und zwar in Familienformationen, also überwiegend nicht Menschen – artgerecht. Die matrifokale Bindungsgruppe, in der die Menschheit einst entstand, wurde vor über acht Jahrtausenden sukzessive durch eine pseudolineare* Patrilokalität ersetzt. Über diesen langen Zeitraum hinweg bis heute tradierte man(n) die sogenannte Großfamilie (patrilokale Kultur-Habitate). Jeder halbwegs privilegierte Mann strebte nun nach den dynastischen Vorbildern der Herrschaftsmachtvertreter ein eigenes kleines Imperium an. Der Schritt vom Klassiker der ländlichen und nur teilweise urbanen ‚Großfamilie‘ hin zur separierten Kleinfamilie in einer anonymen Großgesellschaft wurde jedoch erst im Industriezeitalter der heutigen Epoche vollzogen.

Die Vorstellung, dass im Paläolithikum bereits ‚Vater, Mutter, Kind‘ gespielt wurde, ist wissenschaftlich immer weniger haltbar. Die (durch den Menschen kulturell geschaffene) Vorform einer Gesellschaft ging bereits mit den Anfängen der Patriarchose einher. Der Beginn der frühen patriarchalen Gesellschaftsform** steigert sich relativ schnell durch massive Gewaltspitzen, wie diverse Eroberungskriege oder internen Regulierungsmaßnahmen zum Machterhalt. In den sogenannten Hochkulturen (ab Neolithikum und Bronzezeit) wurden sie zu durchorganisierten politischen Systemen, die wir als androzentriert und patri-ideologisiert beschreiben können. Diese Grundzüge sind bis heute wirksam. Die Übergangsphase vom naturgemäßen menschengerechtem (also dem evolutionierten matrifokalen) Kontinuum hin zum ideologisch geformten und durch die antiken und erste monotheistische Religionen gestütztem Hoch-Patriarchat dauert quasi immer noch an. Verschiedene indigene, noch teilweise oder ganz matrifokal lebende, Menschengemeinschaften existieren nach wie vor – über die Welt verteilt und mehr oder weniger im Verborgenen.

(* pseudo weil nie ein Mann sich seiner Vaterschaft wirklich sicher sein konnte, auch mit den heutigen technologischen Mitteln kann man immer noch keine hundert Prozent annehmen…
(** die K. Marx als Sklavenhaltertum klassifizierte…

Die drei Säulen des Patriarchats sind

Das Gewaltpotential

Das Patriarchat entstand u.a. durch das Gewaltpotential, das ein ‚einzelner Mann mit einer Waffe in der Hand‘ darstellt bzw. das sich bis in die Gegenwart im Bündnis diverser maskuliner Interessenverbände zeigt. Darüber hinaus die organisiereten (nicht naturgemäßen) Formen der Gewalt, die durch Herrschaft legitimiert wurden/werden. Hier finden wir die innere Exekutive eines Herrschaftsbereiches sowie die nach außen wirkende, stehende oder abrufbereite, Militärmacht eines Herrschenden oder des Herrschaftssystem (In diesen Herrschaftskonzepten ist auch der Ursprung unserer heutigen Familie zu verorten – die als Hausgemeinschaft unter dem Dach (Einflussbereich) eines privilegierten Mann begann). Da das patriarchöse Gesamt- bzw. interne Gewaltkonzept auf nachhaltig kultivierter maskuliner Wettkampfsmentalität und gepflegtem Konkurrenzgebaren beruht, ist in einem solchen Gefüge immer mit einem automatisch vorhandenem Gewaltpotential oppositioneller Gegner zu rechnen. Dazu zählen nicht nur von außen kommende politische Aggressoren, innerpolitische bzw. ideologische Dissidenten, sondern auch die, durch Unterdrückung entstandenen, kriminellen Subkulturen.
Der ideologische Mythos

Der weltweit überlieferte ideologische Mythos* baut sich auf der Erfindung dreier männlicher Figuren auf, die es bis dahin im Naturgeschehen des menschlichen Kontinuums nicht gab: der Heros, der Vater, der Gott
Diese drei Komponenten, einschließlich ihrer Synonymitäten, definieren die bis heute gültige Darstellung des patriarchalen Mannes in den meisten Kulturen. Als Einzelinstallationen und als Steigerung ihre Verschmelzung miteinander, bilden das androzentrierten Gerüst der nun durchgängigen Patriarchose. Der ideologische Mythos ist die Basis der pan- und monotheistischen Religionen sowie politischer Staatsideologien und dem des dadurch indoktrinierten jeweiligen Mainstream.
Scheint sich auch das Heldentum und die Gottesverehrung in unseren derzeitigen Kulturpraktiken etwas relativiert zu haben, nimmt doch die Idee der Vaterschaft als Dreh- und Angelpunkt unter Männern als Identifizierung (im persönlichen sowie kollektiv) eine vorherrschende Rolle ein. Einmal da die biologische Tatsache einer genetischen Beteiligung des Männlichem an neuem Lebens in der Moderne eine schwindelerregende Überhöhung erfahren hat und zum anderen die Heros– und Gottes- Ideologie mit der Vaterinstallation verschmolz.
Waren die anfänglich Vaterinteressen im Sinne von Besitzdenken und die ‚eigenen‘ Söhne als gezielt aufgezogene Verbündete zu verstehen, ist im Info-Zeitalter die reine Ideologie des Vaterideals (als umfassende Gehirnwäsche) zu einer in der Gesellschaft vorherrschenden Kraft geworden. Der Heros-Vater-Gott – Komplex ist die ideelle und damit emotionale Basis der Patriarchose.

Das Wirtschaftssystem
Bisher jede Art von patriarchalem Wirtschaftskonzept baut auf dem Besitzdenken einzelner, machtorientierter Privilegierter auf, mit der einfachen Formel: Besitz gleich Erhöhung des eigenen Selbst. Diese ego-bezogene männliche Intention, ging m.E. aus einem narzisstisch übersteuerten Selbsterhalt hervor, die dazu führte, dass sich der Mann jedes, auch bisher gleichberechtigte Leben unterwarf.

Besitz oder Eigentum ist eine vergegenständlichte kulturelle Absprache, die von den sozialen Gruppierungen anerkannt oder akzeptiert wird. Das begründete sich zum einen darauf, dass Gewaltanwendung zum Tagesgeschäft wurde und zum anderen auf der Neuerung, dass es zu einer anerkannten Umgangsart wurde, Lebewesen zu besitzen und zu benutzen, einschließlich anderer Menschen. Des weiteren schufen Besitzende durch Zweckbündnisse, bei denen die Mitglieder am Besitz partizipieren oder selbst einen Anteil davon erwerben konnten, die ersten stabilen Wirtschaftssysteme außerhalb der bisherigen egalitär genutzten Subsistenz. Das so willkürlich geschaffene soziale Gefälle baut sich auf der Unterwerfung und der nun systemimmanenten Unfreiheit und grundsätzlichen Ausbeutung der Frau sowie der Gruppe der unterdrückten, unterprivilegierten Männer, den Sklaven und Besitzlosen auf. Das alles bildete bereits vor Jahrtausenden die Steilvorlage für unseren heutigen Kapitalismus und Imperialismus.

 

Das Patriarchat, oder auch Patriarchose, ist die Gesellschaftsform in der wir uns derzeit fast weltweit bewegen…

Wenn wir es genau nehmen, ist es sogar die einzige Gesellschaftsform, die es bisher gab und die den existierenden Menschengemeinschaften als übergeordnetes Zugehörigkeitsmuster übergestülpt wurde. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass im Verständnissinn von Patriarchat kein Matriarchat existierte und wir für die vorpatriarchale Phase eine andere Bezeichnung finden müssten. Selbst mit kulturellen Anteilen können wir immer noch von einem naturgemäßen Agieren der Spezies Mensch ausgehen.Das vorpatriarchale Leben der Menschin, das den überwiegenden Teil des Menschseins ausmachte, können wir im Sinne des Lebenserhalts als ein ‚sich selbstregulierendes Naturgeschehen‚ ansehen. In den menschlichen Gruppierungen wirkten zwar gewisse innere Regelungen des Miteinander (unsere menschenspezifische Strategie des Art- und Selbsterhalt) und diese Gepflogenheiten verbreiteten sich, quasi osmotisch, nach außen in die nahen Angehörigengruppen und flossen wieder zurück.

Es gab zu der Zeit jedoch bestimmt keine durch eine festgelegte Leitkultur gesteuerte Überorganisation. War das frühe Menschsein wie gesagt einfach ein Naturgeschehen, das in seinen anfänglichen und später bereits bestehenden Kulturformen bis noch weit ins Neolithikum reichte, begann mit dem Gewaltzuwachs einiger Androkraten der Siegeszug eines verhängnisvollen Gedankens, dem des alles bestimmenden Vaters, der per se als Heros geehrt und als Gott verehrt wurde. Der Vater „als Beginn allen Lebens“ war jedoch nicht etwa die gute Nachricht, die sich auf Grund ihres Wahrheitsgehaltes verbreitete und etablierte, sondern eine erschreckend gewaltsam durchgesetzte Idee, die sich zu einem Jahrtausende lang wirkendem Schlüssel der männlichen Macht erwies.

Das reine Wissen um die Vaterschaft reichte längst nicht aus, um eine Vormachtstellung über Frauen und Kinder einzunehmen. Warum sollte ich als Frau, die in ihrer Muttersippe geborgen und gut aufgehoben lebt, mich den Vorgaben eines Mannes unterwerfen, nur weil er der Mitzeugende meines Kindes ist? Warum sollte ich ihn suchen und fragen, wie ich mit dem Kind umgehen darf? Warum sollte er überhaupt in einem Kulturgeschehen, dass noch seiner natürlichen Matrix folgt, „seinen“ (ungewissen) Nachwuchs für sich beanspruchen, wo doch die (durch Geburt verwandten) Kinder seiner Schwestern neben ihm in dem gemeinsamen Matrifokal naturgemäß aufwuchsen?

Zwar ist die Zeugung eines Lebewesen ein evolutionäres Konzept, dass sich (bereits lange vor den Menschen) im Sinne des Arterhalts als eine Hetero-Kombination bewährte, also selektiert wurde, der Reflex jedoch, der die Geschlechter zwecks Arterhalt zusammenführt, ist keine permanente willentliche Entscheidung, auch nicht beim Männchen der Menschenarten. Das biologische Geschehen hat für den (Menschen)Mann kein Bewusstsein für seinen Nachwuchs, an dessen Zeugung er beteiligt war, vorgesehen. Denn wie wir wissen: weder denkt ‚die Evolution‘ noch handelt sie bewusst!

Ein Mann, der nicht ahnt, dass durch die Ausübung seiner Sexualität ein Kind entstanden ist, weiß einfach nicht um seine Vaterschaft. Und Millionen Jahre bis heute ist der männliche Part bei der Zeugung kein willentlicher Akt eines männlichen Individuum, sondern ein unwillkürlich biologischer und auch wenn der Mensch diesen inzwischen manipulieren kann, bleibt es ein natürlicher Prozess. Der Vater, wie wir ihn inzwischen verstehen, weil sozial festgelegt (abgesprochen), ist ein kulturelles Konzept.

Das artgerechteste Moment im menschlichen Dasein ist das fürsorgende Aufziehen des Nachwuchses…

Als die Cluster matrifokaler Gemeinschaften durch das Gewaltkonzept des beginnenden Patriarchat zerstört wurde, blieben selbstverständlich alle biologischen Voraussetzungen nach wie vor erhalten. Noch immer wirkt die angehörige Nähebindung als tragendes Moment im menschlichen Arterhalt – sie ist das spezifische Überlebenskonzept der Spezies Mensch.

Mit der Ausbreitung des patriarchalen Gedanken gesellten sich nun die ideologischen Regelwerke (Meme – hier auch gewaltsam installiert und durch Furcht gespeist) in dem Maße hinzu, wie die patriarchalen Strukturen zu wachsen begannen. Die Furcht vor der Gewalt musste von den frühen Menschen erst verinnerlicht werden und für Männer ergab sich die Option auf der Seite der Sieger zu agieren oder zu den Unterworfenen zu gehören. Für Frauen galten ab der Vaterherrschaft nie die gleichen Bedingungen wie per se für den Mann. Der maskuline Terror war neu und überschrieb nach und nach die natürlichen Überlieferungen im Bewusstsein und Handeln der (weiblichen) Menschen .

Die gesellschaftsideologisch immer ausgefeilteren Herrschaftssysteme verdrängten mehr und mehr das naturgemäße menschliche Kontinuum. Das größte Desaster, dass die Patriarchose anzettelte, war daher das Verändern des Kontinuums „Naturgeschehen“ in welchem bisher die Menschen lebten, in eine, durch Vater-Herrschaftsmacht kontrollierte, ideologisch geschaffene Zivilisation.

Durch das (gewaltsame) Herauslösen der Töchter, also der zukünftigen Mütter und weiblichen Überlebensgarantinnen, aus ihren artgerechtem Matrifokalen, bluteten diese aus, im wahrsten Sinn des Wortes. Diese Metapher des Ausblutens macht deutlich, dass es sich hier um einen grausamen Eingriff und einen Akt der Gewalt handelte und keine natürliche (Langzeit)Entwicklung darstellt. Die freie Tochter der Muttersippe wurde durch männliche Gewalt geraubt, versklavt bzw. verheiratet und zur Vatertochter umetikettiert. Dabei verlor sie und ihre zukünftigen Töchter als Unterworfene des Mannes die Ausübung ihres naturgemäßen weiblichen Geburtsrecht: die Female Choice.

Wenn ich mir diese nachhaltigen Eingriffe der martialischen und zivilisierenden Männermacht und ihre Auswirkung auf das Naturgeschehen vor Augen führe, muss ich immer an eine Sequenz in dem Film „Jurassikpark“ denken. Während der Vorführung eines Werbefilms für den Park, wird erklärt, wie die fehlerhaften Gensequenzen aus den Saurierrelikten durch Frosch-DNA ergänzt wurden um ein Saurierbaby zu erschaffen. Was im Film gelang – die gezielte Manipulation von Lebewesen – nahm seinen Ursprung vor langer Zeit, als aus der unbewussten Zeugungsbeteiligung des Männlichen sich der Menschenmann eine gezielte Züchtungsabsicht und -kontrolle erschloss. Die nunmehr im beginnenden Patriarchat eingeführte Male Choice war eine Art anlaufendes Zuchtprogramm auf Menschenbasis. Der xbeliebige Mann sucht sich nach persönlichen egoistischen, Kriterien eine  Sexualpartnerin (oder mehrere), die durch die oft radikale Abtrennung von ihrer matrifokalen Herkunft in eine tragische Abhängigkeit von diesem einen Mann (und seiner Patri-Family) geriet. Hier liegt die Ursache eines ganzen Bündels noch heutiger Probleme.
Der Vater Heros – Gott – Kult kürte also ein männliches Idol als Mittelpunkt des Alltagsgeschehens. Und bis heute wurde daraus als Prototyp eine Art Selfmademan, welcher der menschlich-mütterlichen Bindungsgemeinschaft scheinbar nicht bedarf. Natürlich trügt auch hier der Schein … denn nach wie vor bedarf der Mann eines gut funktionierenden Background, der ihm möglichst weiterhin bis ans Ende seiner Tage reichende Fürsorge angedeihen lässt. Wenn es sich dabei auch nicht mehr um fürsorgende Bindungsangehörige handelt, sorgten doch die privilegierten Männer-Cliquen dafür, dass für sie und ihren Anhang ein flächendeckendes Versorgungspotential zur Verfügung stand/steht, das in seiner Ausweitung die „Gesellschaft“ bildete – anonym und weitgehend bindungslos. Heute überlebt ein Individuum (fast problemlos) in der anonymen Gesellschaft, darauf konditioniert mit einem Minimum an Nähe und dem permanenten Mangel an Geborgenheit zurecht zukomme.

„Der Mann ist im Grunde das Verlangen Gott zu sein“ (J.P. Sartre)

Mann und Gott – ist die unheilige Allianz, mit der das Männliche um seiner selbst willen alle Gipfel besteigt, alle Lande erobert, alles Leben unterwirft.
Fortsetzung folgt…
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Der Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre

Betrachtung von Stephanie Ursula Gogolin zum Androzentrismus im Patriarchat…

Der Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre ist wie ein Aggregatzustand, in dem wir uns bewegen, ohne die anderen Möglichkeiten zu kennen und als wäre er das einzige lebenserhaltende Elixier…

Der allgegenwärtige Androzentrismus trägt eine jede Frau im patriarchalen Taufkleidchen zu den ersten Weihen der Gesellschaft und begleitet sie durch jede Station ihrer gesellschaftlichen Existenz bis hin zu ihrem einsamen Sterben – einsam im Sinne einer im Alltag nicht präsenten Weiblichkeit.

Wir Frauen sind so auf maskuline Werte geprägt, dass es fast nicht möglich ist, das eigene Frausein tatsächlich, wie es normal wäre, stets zu fühlen oder als schwesterliche Präsenz um uns wahrzunehmen. Bei vielen blitzt wahrscheinlich nur gelegentlich die Ahnung auf, dass wir um das weibliche Miteinander betrogen werden. Die weibliche Seele der Menschenwelt in ihrer mütterlichen Offenbarung ist weder individuell noch im kollektiven Kontext spürbar. Jede psychische, soziale und kulturelle oder auch körperliche Prägung* formt inzwischen ein jedes weibliche Wesen zu eine Art Android. Ein lebendes Kunstwesen, das mit einer maskulinen Programmierung versehen, die Welt der Androzyten erhalten soll. Der innere und äußerliche Kodex dieser unanimen Prägung wird seit Jahrtausenden angewandt und ist nur auf ein Ziel gerichtet: die Hingabe einer jeden Frau an den Mann.

Die vom Mann geschaffene komplexe Idee der Versklavung (vor allem weiblicher Menschen) ließ u.a. eine abstrus einseitige Weltidee entstehen, die es schaffte, dass bis heute beide Geschlechter des denkenden Durchschnittsbürgers jede ihrer Wahrnehmung durch androzentrierte Filter fließen lassen.

Erst in jüngerer Zeit greift auch noch die wahrhaft absurde Spielart um sich, als heranwachsende Frau einem Ideal nachzueifern, in dessen Mittelpunkt der privilegierte Mann steht. Alles was Männer können und machen, können und machen heutzutage Frauen auch. Sie sind motiviert zu beweisen, dass sie „es“ auch können. Dabei wird geflissendlich übersehen, dass sie es vor allem können, weil ihnen, vielleicht zu ersten Mal in der patriarchalen Konstellation, der Freiraum dazu gestattet wird ihre ohnehin vorhandenen Anlagen und Begabungen auszuleben. Denn der Punkt dabei ist, dass die Frau, das konkrete Weibliche, die Matrix dazu beiden, schon immer sowohl der Tochter wie auch dem Sohn, bereitstellte. Das heißt, alles was Männer können, zu dem sie fähig sind, wurde ihnen von ihren Müttern vererbt bzw. wurde ihnen mitgegeben.

Solange (artgerechte) Mütter- und Geschwistergemeinschaften die Vorlage des sozialen Miteinander für einen jeden Mann war (ist), gab es (vermutlich) auch keine nennenswerten Probleme mit dem Zusammenleben. Der erforderliche Einsatz für ein ausgewogenes Miteinander war lediglich der Einsatz der individuellen (besonderen) Fähigkeiten aller Gruppenmitglieder. Es ist also gar keine Frage, ob die Durchschnittsfrau zu gleichen Leistungen fähig ist wie ein Durchschnittsmann, sondern die Fragestellung sollte vielmehr genau anders herum lauten.

Die punktuellen Ausnahmeleistungen** die der Mann in seiner für ihn gestalteten Kultur- und Technikwelt zelebrierte und die als Argument für seine intellektuelle Überlegenheit dient, sind überwiegend Leistungen, die wahrscheinlich die meisten Frauen kaum als erstrebenswert ansehen. Ein Hinweis darauf, dass Frauen bis heute, obwohl es für die Durchschnittsfrau von ihren physischen und intellektuellen Voraussetzungen durchaus möglich wäre, all die Vorgaben und Karriereziele erreichen können, die Ideale der Männerwelt eben nicht die ihren sind. Eigentlich haben sie Besseres zu tun. Ihre Kinder aufziehen beispielsweise oder im menschlichen Fürsorgekontinuum sich gegenseitig erhalten. Dem Druck nachzugeben als Frau dem (patriarchalen) Mann nachzueifern, ist nur ein Ableger davon, sich selbst und ihre Kinder wirtschaftlich erhalten zu müssen. Als moderne Frau sind wird auch hier dem androzentrierten Gesellschaftskatalog unterworfen.

Trotzdem herrscht vor der Kulisse des Selbstverständnisses, die Welt habe eine männliche zu sein, die seltsame Furcht vor der ‚übermächtigen Frau‘. Dieser Popanz wird uns ständig medial gespiegelt. Alle sollen die ebenfalls gewaltbereite und darüber hinaus intrigante Frau, die skrupellos die Welt erobern und sich untertan machen will, fürchten. Diese Phobie ist und bleibt eine Männerphantasie und immer noch die Lieblingsausrede für das Ausbremsen der Frau auf allen Gebieten. Eine im patriarchalen Sinne ‚mächtige Frau‘ ist eben auch nur eine patriarchal sozialisierte Frau.

Der patriarchale Mann ist über die naturgemäße evolutionäre Selektion hinaus so was wie sein eigenes Züchtungsprodukt. So entstand die stets abrufbare Kampfmaschine – der verfügbare Krieger, der gehorsame Soldat oder der opferbereite Held. Seit durch Generationen von diversen Machthaber die „freiwillige“ Wettbewerbs- und Kampfbereitschaft beim (Durchschnitts)Mann gefordert, gefördert und erzwungen wurde, erwies sich der hierarchisch integrierte Untertan zum Selbstläufer. Dabei griff als wesentliche Zutat des Über-Vater-Konzepts jede Form von patriarchaler Ideologie und die auf reinen Androzentrismus umgestellten Religionen.

Ein Menschenmann ist per se nicht gewalttätig, sondern dieser Effekt wurde m.E. gezielt selektiert. Heute ist in unserer derzeitigen abendländischen bzw. europäischen Kultur der gewalttätige Mann, obwohl es ihn auch gibt, eigentlich keine Alltagserscheinung. Aber er ist prinzipiell als geduldete Option vorhanden. Der schlagkräftige und körperlich in jeder Hinsicht potente Mann wird uns nach wie vor über alle Medien als Ideal präsentiert. Wir können davon ausgehen, dass viele Generationen die Erfahrung traumatischer Sinneseindrücke und körperlich erlebter Gewalterfahrung (epigenetisch) weitergaben. Zum Überleben in und mit der Natur kam die kulturell geschaffene Notwendigkeit eines Überlebens innerhalb der eigenen Spezies.

Aber es setzten sich im menschlichen Mutationsuniversum auch andere Attribute durch. Die nerdige ‚Züchtungsvariante Mann‘ ist ein besonders schönes Beispiel, wie sehr epigenetische Effekte immer wieder neue Spielarten ‚Mann‘ hervorbringen. Und so können wir uns hier fragen: ist der heutige Nerd ein reines Kulturprodukt oder eine unter dem Eindruck von Kultur passierte evolvierte Selektion? Wie oft gab es einen steinzeitlichen Nerd, mit dem typisch autistischen Couleur? Oder ist der sozialphobische Nerd eine reine Kreation der Neuzeit? Und wieviel Nerd steckt in den Müttern dieser Kinder? Oder wie sehr ist auch die Frau grundsätzlich „degeneriert“ worden? Ich meine damit, wie sehr hat der inzwischen dramatische Mangel an artgerechtem Naturbezug der menschlichen Weiblichkeit geschadet?

Die Androzentierung unserer Welt ist ja nicht eben mal so passiert weil grundsätzlich alle Männer eines Tages so viel empathischer, klüger, vorausschauender, weiser oder humaner als die Frauen wurden, sondern weil sich durch einige Initialzündungen soziopathischer (oder psychopathischer) Art im männlichen Kollektivkörper Eigenschaften wie unsoziales Verhalten, Gier nach Besitz und Macht, Hartherzigkeit, Skrupellosigkeit und eine nicht enden wollende Affinität zur Gewalt potenzierten. Der Androzentrismus ist das Fundament und der Motor der patriarchalen Gesellschaft (Patriarchose).

 

* die schlimmsten sind Verstümmelungen aller Art, aber auch das derzeitige Schlankheitsideal fällt in diese Kategorie
** wie Eroberungsbestreben, strategische Kriegsführung, (unnötige) pyramidale Bauwerke, technische Erfindungen, Forschungsarbeit zur Profitmaximierung, als Fortschritt deklarierter Raubbau an Ressourcen usw. …
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Der Begriff ‚Familie‘ – eine dringende Korrektur

…neulich stolperte ich wieder einmal über das Wort „matriarchale Großfamilie“. Das ist für mich nun doch der Anlass auf das, fast schon gedankelose Selbstverständnis hinzuweisen, mit dem leider allerorten mit dem Begriff „Familie“ umgegangen wird. ‚Familie‘ ist nicht nur das patriarchöse Verständnis von patrilinearen und patrilokalem Zusammenleben, es ist darüber hinaus ein aktiv gelebtes Bekenntnis gegen den naturgemäßen matrifokalen Sippenzusammenhang.
(siehe unten: ‚Das Matrifokal… mehr als nur eine Theorie‘)

Das hochgehaltene Familienideal ist ein Denkgebot bzw. Glaubenssatz im Patriarchat. Auch wenn es manch einer schwer fällt zu akzeptieren, aber „Familie“ (und „Ehe“) gab es nun mal von Anfang an nicht im sozialen Miteinander der Spezies Mensch. Die Familie ist eine patriarchale „Errungenschaft“ und diese ist, wie alle patriarchösen Meriten, keine natürliche Entwicklung. Schauen wir also was Familie ist bzw. wo die Bezeichnung herkommt. Semantisch leitet sich das Wort ‚Familie‚ von lat. ‚familia‘ – der römischen Hausgemeinschaft und hier von ‚famulus‘ – dem Haussklaven, ab.  

Familie bezeichnet(e) den Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Zu diesem Herrschafts- und Einflussbereich gehör(t)en Frau(en) und deren Kinder aber auch die damals reichlich vorhandenen Sklaven, Gesinde sowie „Bluts“- oder andere Verwandte, die mit unter dem Dach des ‚pater familias‘ lebten (siehe auch Wikipedia). Dieser männliche Herrschaftsaspekt, der dem Familienbegriff immanent ist, ist global betrachtet bis in unsere Zeit hochwirksam, auch wenn das heutzutage in unserer relativ freiheitlichen westlichen Kultur nicht mehr ganz so offensichtlich ist.

In den matrifokal (manchmal wird es ungenau als matriarchal bezeichnet) lebenden Gemeinschaften wirken Sippen-Strukturen. Das sind menschenartgerechte, natürlich gewachsene Bindungsgemeinschaften, die sich in der Regel aus den konsanguinen Angehörigen zusammensetzen. Als ‚konsanguin‘ bezeichnen wir Angehörige, die durch Geburt in mütterlicher Linie miteinander verwandt sind.

Eine Familie ist dagegen ein künstliches Konstrukt. Das heutige Verständnis von Familie basiert auf dem anerkannten Phänomen der Paarbildung als Voraussetzung, die wiederum vor allem auf der sexuellen Komponente der Beziehung beruht (wobei wir inzwischen nicht mehr nur auf das Hetero-Paar bestehen). Hier können wir nicht von Bindung sprechen, da es sich um ein ideelles Bündnis handelt, dass je weiter wir in die Vergangenheit der Patriarchose zurückgehen immer seltener für die Frau eine freiwillige Option gewesen sein dürfte. Die (direkte oder subtile) gewaltsame weibliche Unterwerfung fand ursächlich in der Sklaverei und in dem auf vielfältiger Unfreiheit der Frau beruhenden Familiensystem statt.

Es ist daher zu bedenken, ob wir die Lebenskonstellation indigen/matrifokal lebender Gemeinschaften als „Großfamilie“ bezeichnen sollten. Auch wenn mit „Groß…“ der generationsübergreifende Charakter beschrieben werden soll, sind Matrifokale doch keine ‚Familien‘.

Derzeit finden wir unter dem Begriff der ‚Familie‘ verschiedene Auffassungen und Ableitungen (auch hier siehe z.B. Wikipedia). So ist es üblich die Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilie als Kernfamilie zu bezeichnen. ‚Die Familie‘ ist inzwischen ein eher fiktives Gebilde, da ihr ein schwammiges Verständnis von Verwandtschaft zugrunde liegt. Jede Variante möglicher Lebensgestaltung wird heute als Familie bezeichnet – zusammenlebende Freunde fühlen sich ebenso als Familie wie der Klassiker Kleinfamilie auf der Grundlage des gesetzlich verheirateten Ehepaares. Aber auch ein kinderloses Paar oder die alleinerziehende Mutter mit Kindern gilt hier und heute als ‚Familie‘.
Eine andere Spielart der anerkannten Familienidee ist die sogenannte „Bonusfamilie“ bestehend aus den fluktuierenden Fragmenten moderner Patchwork-Familien. Wir haben hier verschränkte Gebilde verschiedener Paar-Gemeinschaften, deren Bindeglieder die Kinder sind.

Die (patrilineare und patrilokale) Großfamilie von früher (in den Jahrtausenden der Patriarchose) besaß noch eine gewisse generationsübergreifende Qualität, wie wir sie von der Muttersippe her kennen (sollten).
Der heutige Gebrauch des Ausdrucks ‚Großfamilie‘ bezieht sich eher auf das patriarchale Elternpaar und eine erkleckliche Anzahl Kinder, welche also in der Regel mit auch nur zwei Erwachsenen (unter)versorgt sind. Im (ursprünglichen) ‚Mutterland‘ gibt es keine „Familie“, die als Gründungsmitglieder zwei Fremde, also Nicht-Verwandte, zusammenbringt, welche sich per (freiwilliger) Bereitschaftserklärung zu einer gemeinsamen Lebensführung verpflichten und in der es nahezu ein Dogma ist, die eigenen Herkunftszusammenhänge dabei hinter sich zu lassen. Eine Paargemeinschaft einzugehen, die aus Überzeugung auf einer moderne Partnerschaft beruht und/oder eine „eigene kleine Familie“ zu gründen, ist heute der gesellschaftlich anerkannte Lebenssinn.

Die uneingeschränkte Freiwilligkeit, die uns hierbei suggeriert wird und die in unserer Kultur die Beziehung exklusiv stellt, ist allerdings weltweit immer noch nicht selbstverständlich (zum Teil noch nicht einmal in unserem Land).

Statt also im matriorientierten Denken mit Begriffen wie Großfamilie zu operieren wäre ein Begriff wie ‚Das Matrifokal‘ angebracht. Das Matrifokal war und ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend, matrilinear und matrilokal lebenden Menschengruppierungen. Was bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge-Gruppen, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.
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Der ‚Vater‘ braucht das Kind!

Unsere „Urnatur“ kommt immer dann zum Vorschein, wenn die Repression der patriarchal-ideologischen und konkret gewaltsamen Zwangsverordnungen an Wucht und Bedeutung in einer Gesellschaft verliert.

„… erkennen wir unsere wahre Natur. In unserer etwas freieren westlichen Welt kommt sie langsam wieder an die Oberfläche.“ schreibt Gabriele Uhlmann.

Danke, liebe Gabriele, dass du auf diese entscheidenden Punkt hingewiesen hast.

Die Female Choice hatte sich, wie du schon nachgewiesen hast, ohnehin nie völlig unterdrücken lassen (da sie ein evolutionärer Effekt ist). Das rigide Patriarchat wurde daher einerseits immer wieder unterlaufen, da weder Frau noch Mann ständig gegen ihre „Natur“ leben konnten und wollten, andererseits kostete es auch unendlichen vielen Frauen (und auch Kindern) das Leben, denn bis heute wird unkontrollierbare weibliche Sexualität immer noch als die Sünde wider dem Vatersystes gewertet. Das geht seit dem Beginn der patriarchalen Strukturen bis in unsere Tage mit der allgegenwärtigen Androzentriertheit Hand in Hand und schlägt sich nach wie vor in der Gesetzgebung, der Denkungsart des Mainstreams und den kulturell sowie religiösen Dogmen und Tabus unserer anonymen Großgesellschaft nieder. Dazu gehört auch die sich hartnäckig haltende Behauptung „ein Kind braucht seinen Vater“.

Hier setze ich stets an und behaupte, dass es in innerhalb der patriarchalen Strukturen schon immer (und nicht nur heutzutage) umgekehrt ist: Der ‚Vater‘ braucht das Kind! Schließlich ist so ein kleines Menschenwesen (inzwischen) oft genug seine einzige Anbindung in puncto Zugehörigkeit und Identifikation mit verwandten Angehörigen.

Auch Väter sind letztlich verlorene Kinder der nicht mehr existierenden Mutter-Sippenzugehörigkeit. Es ist zwar ein hausgemachtes Problem der patriarchalen Strukturen, aber das Kind zu besitzen ist ein Schlüsselmoment des Patriarchats.

Der moderne kinderliebe und fürsorgende Vater agiert in der Beziehung zu „seinen Kindern“ einen (evolutionär berechtigten) immanenten Drang zur Teilhabe an der Geborgenheit einer Bindungsgemeinschaft aus. Heute steht ihm dazu nur eine (auch ihm wohlwollende) Klein-Gemeinschaft zur Verfügung. Das Patriarchat bietet nun mal seinen Männern neben den privilegierten Machtoption für wenige (Alpha)Männer, nur noch das Kerngeschäft der Paarungsfamilie.

(siehe auch: http://stephanieursula.blogspot.de/2015/11/das-in-die-pflicht-genommene-elternpaar.html

Nicht nur in diversen Diskussionen auch in der Forschung oder in populärwissenschaftlicher Betrachtung wird sich meiner Meinung nach zu sehr auf Vererbung und den (männlichen) Gen-Anteil kapriziert. Die patriarchale Denke zwingt uns ein unwürdiges Geschacher um das Kind auf. Dabei ist ein jedes unserer Kinder einfach nur ein berechtigtes Mitglied der Menschengemeinschaft, sowohl als eben geborener Winzling wie auch ein paar Jahre später als Erwachsene.

Das Gerangel wer den größten (pseudo-)berechtigten Anteil an einem Kind und damit (Verfügungs)Rechte über das Kind hat, sind Relikte der Patriarchose. Es sind nur ein paar Jahrzehnte her, da die Zeit zu Ende ging in der dem Vater per Gesetz das ganze Kind „gehörte“ oder er es bei Nichtgefallen einfach nicht anerkannte bzw. aus Angst um seine individuelle Freiheit ignorierte. Im Patriarchat ging es nie darum dem Kinde durch den Vater (aktive) Fürsorge angedeihen zu lassen. Das ist ein sehr neuer, moderner Anspruch, der jedem Vater nach seiner Entthronung als ‚Herr der Familie‘ von der Gesellschaft sozusagen als Ausgleich angeboten wird.

Die patriarchal determinierte Vaterschaft wurde/wird als eine Art Verursacherprinzip angesetzt, dem zu Grunde lag/ liegt, aus „dem Schwängern einer Frau“ das Recht abzuleiten über diese beiden Menschen, Mutter und Kind, verfügen zu können – auch das ist eine der Säulen des Patriarchats. Der ‚Vater‘, also der an der Zeugung per Spermium beteiligte Mann, sah einst einen Vorteil für sich darin sein Kind und hier vor allem die Söhne, für seinen Clan, seinen Einflussbereich und bei entsprechendem politischen Rang für seine Wehrhaftigkeit zu rekrutieren. Das setzte voraus, dass die Frau und ihre Sexualität und Gebärfähigkeit, unter eine rigide Kontrolle gebracht werden musste, da derlei Maßnahmen(bis heute) die einzige Möglichkeit war, der „eigenen“ Söhne (und Töchter) einigermaßen gewiss zu sein. Der dabei entstandene Ehrbegriff mit dem heute noch kleine Jungs aufgezogen werden, wurde daher überall geltend gemacht und die unbedingt zu erhaltende Jungfräulichkeit der Tochter und die Verpflichtung zur lebenslange Treue und Keuschheit der Ehefrau, auch über die innere Privatheit hinaus, wurde zum grundsätzlichen Politikum erhoben. Nicht der prinzipielle (evo-biologische) Wert eines einzigartigen Lebewesens, wie auch das des menschlichen Kindes, ist im patriarchalen Ideen-Universum von Bedeutung, sondern die bloße quantitative Anwesenheit, seine Kampfkraft, seine Arbeitskraft oder sonstige Nutzbarkeit …

Leben ist ein unwillkürliches, sich selbst erhaltendes System und nur weil wir Menschen ein paar der möglichen Mechanismen erkannten oder glaubten durchschaut zu haben, stellen wir immer wieder Theorien auf, die direkt oder latent den Menschen in den Mittelpunkt der Evolution stellen. Als wäre „der“ Mensch tatsächlich die so gern zitierte Krone der „Schöpfung“. Es wird auf hohem ideellen Niveau philosophiert und leicht dabei vergessen, dass wir als Teil des Natursystems ein abhängiges Individuum sind, das im Falle ‚Mensch‘ einer sozial eingestellten, also fürsorgenden Gemeinschaft bedarf.

Das (menschliche) Individuum wurde einst in seine Bindungsgruppe hineingeboren und verblieb in der Regel in diesen Lebenszusammenhängen bis zu seinem Tod. Diese Grundeinheit einer naturgemäßen und damit artgerechten Fürsorgegemeinschaft ist eine Spezialität der Spezies Mensch und seines Lebenskontinuums … ich nenne diese essentielle Fürsorgegruppe ‚Das Matrifokal‘ …

Das Grundmuster des menschlichen Arterhaltes (in dem der notwendige Selbsterhalt integriert ist) finden wir nun mal in der Matrifokalität, welche auf einem Naturgeschehen, der Female Choice beruht. Matrifokalität bedeutet Matrilinearität und Matrilokalität als Basis vereint und diese beiden Begriffe sind hier nicht gesellschaftstheoretisch zu verstehen, sondern als Ausdruck des konkreten evolutionsbiologischen Daseins. Wir können es noch in den wenigen (indigenen) matrifokal lebenden Gemeinschaften finden, die salopp „Matriarchate“ genannt werden. Das sind aber keine politisch konzipierten Kleingesellschaften (so sie wie heute klassifiziert werden), sondern sie gingen aus den artgemäß homogen gewachsene Bindungs- und Fürsorgegemeinschaften hervor – mit einem Wort, es sind Muttersippen. Hier gab es keine Väter, sondern (nur) Söhne und Brüder.

 

Anhang: Die heutige flüchtige Art mit Theorien umzugehen veranlasst mich noch zu einem Nachtrag – ich denke, wir sollten uns abgewöhnen „Mutter Natur“ Absichten und Ziele zu unterstellen oder in unseren Formulierung ‚die Evolution‘ wie ein handelndes und denkendes Phänomen zu postulieren, das womöglich noch eigene Interessen verfolgt.

Als ‚Evolution‘ bezeichnen wir u.a. die unwillkürliche Entwicklung des sich selbsterhaltenden Systems organischen ‚Lebens‘, das zwischen den vorhandenen energetischen, chemischen und physikalischen (anorganischen) Parameter (die ebenfalls als Natur bezeichnet werden), stattfindet und sich ununterbrochen im planeteneigenen Lebewesen-Universum unserer Welt gegenseitig beeinflusst. Das Prinzip der Evolution ist das der verwobenen Komplexität in der sich ständig das Gesamtsystem graduell abwandelt und auf die Bedingungen abstimmt, also anpasst und sich somit in einer ständigen durch nichts zu kontrollierenden, absichtslosen Veränderung befindet.

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