Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

…in einem Gespräch mit einer guten Freundin kamen wir argumentativ an den beliebten Punkt, wo die meisten Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln trennen. Dem Spirituellen wird dann ein Esoteriklabel aufgeklebt oder als Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich fragte jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch?

Beides sind Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und auch wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur „gefühlten“ Spiritualität, wird doch meist einem von beiden eine höhere und damit bessere Qualität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien, die typischen institutionalisierten Religionen oder die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht „spirituell“ zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass ‚er‘ oder ’sie‘ bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängt hat oder von Kindheit an so manipuliert wurde, dass statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung) nicht dazu der Lage zu sein zu spüren, was das eigene geistige Innere ausmacht.

Es kann hilfreich sein über Spiritualität im Allgemeinen nachzudenken, wir sollten aber davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unseren, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft. Wobei es ja heißt, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem Gefühlskomplex oder -zentrum bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld).

Die uns eigene Spiritualität, also unsere personale innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung, deren Mittelpunkt wir selbst sind – das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen (und sonstigen Wesenheiten) um uns vernetzen.

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher oder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Andererseits, wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es in unserem heutigen Anspruch keine passende Bezeichnung für unsere gefühlte Situation.

Der moderne (patriarchal konditionierte) Mensch scheint sich erst zu gestatten etwas wahrzunehmen, wenn es durch Naturwissenschaft nachgewiesen wurde. Wenn Messungen und andere „Abhörtechniken“ beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine geistige (sprituelle) Leistung, ein Ausdruck der individuellen Spiritualität.

Die Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in den Programmen: Intuition, Spiritualität, Fantasie und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, evolutionierte Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers und um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen. Meines Erachtens sind sie nicht identisch. In der Religiosität folgt man (den von anderen) vorgedachten Entwürfen und wird man gleich in eine Gesellschaft mit komplexer Ideologie hineingeboren, ist die eigene Entwicklung von Anfang an behindert. Dann (miss)brauchen wir vielleicht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adaptieren und mit „Leben“ zu erfüllen. Die christliche Nonne wäre hier ein deutliches Beispiel, wie sehr das eigne spirituelle Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann. Nonnen bzw. Ordensschwestern dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. „Gutes“ für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit die körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit brachten. Hildegard von Bingen ist eine der (wenigen überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Jede Mensch ist in jedem Fall eine spirituelle Mensch, aber nicht weil sie es sich erarbeitet, sondern weil sie von Geburt an war. Das spirituelle Sein gehört zu unserer menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instinktiven, also ‚genetisch‘ angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedener Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit (soweit vorhanden) anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln meist intuitiv und trotzdem handeln sie dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir in unserer Mitte an – in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint).

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und aus unserer fantastischen Mitte heraus, erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, ‚Innenwelt‘ erzeugt… (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissensreichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie – aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung… sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Der Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt – das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, unsere ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.

Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft. Das Vermögen durch Imagination innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht – durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen, ist eine Strategie der Lebensbewältigung. Im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir all das schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da. Wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammeln, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne. Die hier entstehenden Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen, auch das ist Teil unserer Überlebensstrategien.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen Frauen wieder über Freiräume uns gemeinschaftsorientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Verortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht unbedingt zum Standard gehörte. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erobern, ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen. Außerdem – die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“.

Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit ‚richtig‘ und ‚falsch‘ auseinander zu setzen sowie unser empathisches Empfinden, nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität ein.

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und wir wenden die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer ererbten Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch: unsere (positiv geformten) Fantasie erhält uns „gesund“ und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, es ist ein evolutionärer Effekt des Selbsterhalt. Alles was wir als Menschen können, uns als Spezies angeeignet haben, entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie die Kraft der Spiritualität oder eben auch der Fantasie…

Stephanie Ursula Gogolin

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Das Matrifokal

Das Matrifokal ist die Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Mensch (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat*, welches von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für Mütter und ihren Nachwuchs fungierte.

Die Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppierungen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.

Das Matrifokal – ist meine Wortschöpfung für die naturgemäße (evo-biotische) Fürsorgegemeinschaft. Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten**.

Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren … in der unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologischer angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch (biologische) Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuum.

Stephanie Ursula Gogolin

 

(* Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

(** Zitat by Gabriele Uhlmann – „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

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… vom Postpatriarchat zur matrifokalen Gemeinschaft?

Das Postpatriarchat
Das Postpatriarchat ist die unmittelbare Zeit nach dem Patriarchat. Und uns wird mit diesem Begriff suggeriert, dass bereits eine Art Paradigmenwechsel stattgefunden hat bzw. sichtbar im Gange ist. Ich kann dergleichen nicht feststellen. Zudem hat für mich der Ausdruck Postpatriarchat ein Flair von postapokalyptisch. Dieser Begriff bezeichnet auch keine konkrete Gesellschaftsform, sondern bringt nur die Hoffnung zum Ausdruck: das Ende des Patriarchat ist gekommen.
Einige tun so als hätte sie bereits begonnen, die Zeit danach – das Postpatriarchat – die noch nicht definierte Zukunft unserer globalen Gesellschaft. Meiner Meinung nach ist derzeit gar nichts „post“. Und weder der Beginn noch das Gefüge, des zu erwartenden gesellschaftlichen Öko- und Wertesystems einer zukünftigen Weltgesellschaft, ist bisher umrissen. Was folgt also nach dem Patriarchat und wie könnten sich tatsächlich die ernsthaften Schritte des Übergangs gestalten? Welche Art eines Gesellschaftsgefüges wird sich aus der jetzigen, für alle so drückenden Patriarchose entwickeln und was, wenn die Nutznießer der derzeitigen Kultur ihre Macht einfach nicht aus den Händen geben wollen?
Ich weiß, dass da eine gern zitierte Vision im Raum steht: Mann und Frau als autarke, also vollkommen unabhängige (auch wirtschaftlich), Individuen, welche sich aus Liebe und nach Bedarf zusammen tun und innerhalb gewisser, biologisch vorgegebenen, Lebensabschnitte für einen Fortbestand der Art sorgen, ohne ein Sippengefüge aufkommen zu lassen. Die reine Form einer Patrnerschaft, die Fortführung des Eheideals auf höchstem Niveau, jedoch ohne das strenge Reglement des (christlichen) Ehegedanken und gleichzeitig unter Vernachlässigung der relevanten elementaren Kindheitsphase und möglichst ohne Wahrnehmung des biologischen Alterungsprozesses. Der naiv vorgegebene, gesellschaftlich Leitsinn zielt auf das (unnatürliche) Ideal eines mehr oder weniger dauerhaften Zweier-Bündnis, welche jedoch nicht verpflichtet ist eine (kollektiv relevante) Altersabsicherung zu gewähren.
Ich kenne solche futuristischen Trugbilder noch aus der Zeit meiner Jugend, die ich im DDR eigenen, sozialistischen Utotop der staatlichen Indoktrination und dem dazu passendem Schulsystem erlebte. Daher fällt es mir auch außerordentlich schwer, mir das Postpatriarchat als eine funktionierende Partnerschaftsgesellschaft (ohne die ursprüngliche Sippenbindung) vorzustellen. Das ist für mich genauso unrealistisch, wie einst die kommunistischen Gesellschaftsmodelle einer marxistisch – leninistischen Ära, die ähnliche utopistische Ideen pflegten, dabei auf jede Art von technischem Fortschritt setzten und in den sozialen Bereichen diffus eine allgemeine Verbrüderung als tragendes Element annahmen. Auch hier wurde weder der Schwestern, noch der Mütter und Töchter gedacht.

Der Mann als Träger des Postpatriarchats?
Wie wird sich also, wenn es soweit ist, die postpatriarchalische Gesellschaft entwickeln? Aus welchen, heute bereits wirksamen Impulsen geht das neue Paradigma hervor? Wird der Mann, die ihm bisher (durch göttliche Fügung) beigegebene Gehilfin „Frau“, zu seiner Nenn-Partnerin machen und ab sofort auf jede weibliche Ausbeutung und Diskriminierung verzichten?
Oder strampelt sich der Großteil der Frauen frei? Findet nach dem langem vergeblichem individuellen jetzt ein kollektives Bemühen der Frauen statt, den Mann überhaupt erst grundsätzlich menschenfreundlich und partnerschaftstauglich auszubilden, damit für jede/n ein ersprießliches und Nähe garantierendes Zusammenleben gewährleistet werden kann?
Findet im Postpatriarchat nach der Sozialisierung des Machoman dann weiterhin eine Art permanenter Singlebörse als einziger Sinn der Lebensgestaltung statt? Und wo finden wir den Ort der Sozialisierung, um einen postpatriarchaltauglichen Mann zu kreieren? In der tradierten Kleinfamilie wohl nicht, das hat bisher kaum geklappt? Oder durch all die alleinerziehende Mütter bzw. Väter? Oder gar in dem Gewirr der modernen Patchworkfamilien-Landschaft oder in einem der matrifokalen Sippe nachgebildeten Wahlclan? Um weiterhin weit weg von mütterlichen oder blutsverwandten Verbandelungen, das erwachsene, bindungsarme, autarke Individuums zu formen und auf die Suche nach einzelnen Partnern zu schicken, die ebenso unter den Defiziten leiden, die die moderne Vereinzelung mit sich bringt? Der Dreh- und Angelpunkt scheint für den Mainstream auch in der Zukunft immer noch in einer differenzierten Neuordnung des Geschlechterverhältnis innerhalb und außerhalb einer naturgemäßen Bindungsgemeinschaft zu liegen.
Es wird ihn (hoffentlich) nicht geben, den Gender-Norm-Menschen der Zukunft – für den prinzipiell keine Geborgenheit in einer artgerechten menschlichen Herkunftsgemeinschaft vorgesehen ist und der durch den postapokalyptischen Mainstream zum beziehungsbereiten doch bindungsarmen, flexiblen Partner für jedefrau bzw. jedermann geformt zu wird.
Doch unsere (biologische) Natur können wir nicht abschütteln und so wird der Mensch auch weiterhin als ein von mütterlicher, menschlicher Fürsorge abhängiges Wesen zur Welt kommen. Leider ist unsere moderne Welt bekanntlich bereits in allen ihren Ausprägungen vorhanden und gefühlt besteht sie nur aus fertigen erwachsenen Menschen im besten Erwachsenalter (alle anderen werden weitgehend outgesourct).

Diese festgelegte erwachsene Welt kreist als Ego-Karussell durch unser Leben. In dieser Welt haben es all die kleinen hineingeborenen Menschlein nicht einfach, das zu bekommen, was sie eigentlich für ihren Start ins Leben brauchen und um später ihre individuellen Lebensaufgabe zu erfüllen. Das per Erbanlage erwartete Matrifokal ist jedenfalls schon mal nicht vorhanden.
Wir kommen auf die Welt und müssen als Individuen erst einmal lernen im jeweiligen kulturellen Kontext zu interagieren und uns nach und nach die Anforderungen des späteren erwachsenen Lebens erarbeiten. Die urzeitlichen Menschen (deren Muster bei uns noch wirksam sind) wuchsen (über Jahrtausende) unmittelbar in einem Sippengefüge unter Geschwistern und direkten Angehörigen auf und verblieben in der Regel bis ans Ende ihrer Tage in diesen Gemeinschaften. So erlebte die/der Mensch permanent jede menschliche Alters- und Entwicklungsphase bei den Anderen mit und an sich selbst. Die natürlich aufgewachsene Frau wird auch daher ohne weiteres den weiblichen Gesamtzyklus verinnerlicht haben.
Die eigenen ineinander fließenden Lebensabschnitte waren (sind) komplex mit denen der Nähemenschen (Sippenangehörige und Alltagsgefährten) verwoben. Das menschliche Dasein fand/findet eigentlich in unmittelbaren Bindungsfeldern statt, die zyklisch und generativ verschränkt waren und immer noch sein sollten. Dass ihre Lebensabläufe heutzutage von vielen Mitfrauen oft wie eine Einbahnstraße gelebt werden, ist der männlichen Dominanz geschuldet, welche alle unsere Alters- und Lebensphasen beherrscht. Die Frau lebt von Natur aus eigentlich einen anderen Rhythmus als der Mann und würde es jederzeit wieder tun, sobald sie wieder ihrem Takt und ihrer Female Choice folgen kann.
Das Patriarchat baut sich vor allem auf die vitale (und damit aggressive) Lebensperiode des Mannes auf. In dieser Phase eines Männerlebens wurden die heute noch wirksamen hierarchischen Machtpotentiale geschaffen. Hier ist der Mann kein von der Mutter abhängiges Kind mehr und kein von der Sozial-Gemeinschaft abhängiger alter Mann, sondern scheinbar immer der starke (je nach Sub-Kultur auch gewaltbereite) und im Kreis seiner Verbündeten lebende, Mann mittleren Alters.
Der wettbewerbende Mann im mittleren Alter ist der Taktgeber in unserer patriarchösen und androzentrierten Gesellschaftsstruktur. Ein Postpatriarchat würde erst einmal weiterhin unter der Dominanz des Mannes stehen, da das weiterhin wirksame Ideal des Vaters vermutlich nicht relativiert würde. Der individuelle Vater ist ein kulturelles Konstrukt, dass parallel mit der gewaltsam eingeführten Herrschaftshierarchie platziert wurde. Das ursprünglichen Gefüge unserer artgerechten matrifokalen Gemeinschaft wurde nach und nach fast vollständig global zerstört.

Der Vater und das Postpatriarchat
Die Berufung auf die Wichtigkeit der Vaterschaft halte ich eher für eine Kampftaktik und weniger als die Vorstellung, dass der Mann einst seine Bedeutung bei der Entstehung des Nachwuchses erkannte und bereit war in diesem Sinne Verantwortung zu übernehmen. Gewiss, der Sohn hatte für den Vater im beginnenden Patriarchat einen bedeutenden Stellenwert, als hoffentlich verlässlicher Verbündeter, als sein Erbe, als Verlängerung der eigenen Person über den Tod hinaus.
Dass die Vater-Sohn-Konstellation auch immer wieder Konflikte barg, ist allerdings auch zu bekannt.
Heute hat das Kind – der Sohn im Sinne von Status – für den in der westlichen Kultur lebenden Mann fast keine Bedeutung mehr. Da heißt es eher: mein Haus, mein Auto, meine Yacht – aber weniger mein Sohn oder gar meine Tochter. Auch wenn es den Anschein hat ich tue hier einer Menge Männer unrecht, läuft, wenn wir genau hinsehen und uns nicht von den neuen Idealen blenden lassen, das volle Patripatopieprogramm immer und überall im Hintergrund mit. ‚Pater‘ bedeutet nun mal nicht, wie wir eigentlich wissen sollten, (leiblicher, biologischer) ‚Vater‘ sondern ‚Herr‘. Sehr schön ist hier in dem Zusammenhang das Beispiel des Papstes, der ja nun im heutigen Verständnis so gar kein (sorgender) Vater ist, jedoch von seinen Millionen Gläubigen und auch von der atheistischen Welt als (Heiliger) ‚Vater‘ bezeichnet wird.
Nichts finde ich derzeit schwieriger einzuordnen als den Vaterbegriff, obwohl er allen mit dem allergrößten Selbstverständnis über die Lippen geht. Egal ob leiblich, sozial oder im übertragenen Sinne, ‚Vater‘ ist der Begriff, welcher mit dem Patriarchat unmittelbar verknüpft ist und ihn nicht nur sprachlich geprägt hat.
Ich persönlich kann mir die Zeit nach dem Patriarchat eigentlich nur als mütterlich-egalitäre Gesellschaft, als eine matrifokal-basierte Welt vorstellen. Eine Welt in der wieder die Geschwisterlichkeit ihren Platz hat und das generationsübergreifende Selbstverständnis zu unserem Bewusstsein gehört. Der heutige populäre Partnerschaftsgedanke (alle einander fremden Männer und Frauen sind sich menschlich zugetan und spüren immer und überall ein partnerschaftliches Verständnis) wird sich bei aller Anstrengung höchstens als eine Art Übergangslösung entpuppen, da diese Art Partnerschaft auf (anonymer) Nichtverwandtschaft basiert und ein rein ideologisches (bzw. politisches) Konstrukt ist. Und daher sage ich es gern immer wieder: es wird nicht funktionieren. Denn dem Individuum wird weiterhin bei einem Gesellschaftsmodell der Partnerschaft, also dem Paarkonzept ohne Angehörigenbindung, die erforderliche Geborgenheit und kollektive Fürsorge und Nähe entzogen. Als unser artgerechtes Sein sollten wir endlich die geschwisterliche und durch allgegenwärtige Mütterlichkeit geprägte Gemeinschaft anerkennen, denn hier wird, wahrscheinlich schon immer, in angemessener Form den Geschlechtern (egal wie vielen) Gerechtigkeit zuteil.
Nun ist ja Patriarchatsrecht nicht automatisch Männerrecht. Es gibt reichlich Anzeichen dafür, besonders im Hinblick auf das Wirtschaftssystem, dass die uns umgebende Patriarchose hin zu einer maligen Phallokratie fortschreitet. Nicht der, ohnehin fragwürdige, väterliche Anspruch konditioniert die Gesellschaft, sondern ungezügelte, männliche Hybris weniger Privilegierter, die sich wie Geiselnehmer der Gesellschaft verhalten oder sich wie Drahtzieher im Hintergrund halten. Auch das Patriarchat war und ist bisher kein Maßanzug für JederMann. Immer wieder müssen wir Frauen mitansehen, dass die wahren Privilegien im Patriarchat auch den Männer nicht in den Schoß fallen und nicht ein jeder automatisch ein Gewinner ist. Um zu einem Gewinner aufzusteigen, gilt es erst einmal sich dem allgemeinen Wettbewerb zu stellen und diverse reale und virtuelle  Kämpfe auszutragen. In den Anfängen des Patriarchats war das wörtlich zu verstehen. Eine entsprechende Herkunft hat auch schon immer diese Form des Anerkennungskampfes erleichtert. Aber am Ende sind Triumphzüge trotzdem selten genug. So mancher Knabe fängt zwar bereits durch „patrilinear verstandene“ Geburt recht weit oben auf der Hierarchieleiter an, doch das ist keine Garantie am Ende zu den Gewinner der Patri-Gesellschaft zu gehören. Das Zeitalter der Väter, der Macht gewohnten Patriarchen, scheint sich zwar ab und zu aufzulösen, aber nicht etwa um den nun gleichberechtigten Müttern (Frauen) Platz zu machen. Der nächste Backslash kommt bestimmt und gerade eben trifft bereits wieder einer in der Gegenwart auf und wie Gabriele Uhlmann sagt, haben wir jetzt das Patriarchat 3.0 …

Die Frau und das Postpatriarchat
Dieser Tage sind also die patriarchalen Strukturen immer noch eine Art Konfektion für den Mann mittleren Alters (bevorzugter Typus: Einsamer Jäger), ein Anzug, der natürlich trotzdem nicht jedem passt. Da sich derzeit die ethisch/ideologische Kleiderordnung von ausschließlich ‚Mann‘ auch hin zu ‚Mensch‘ erweitert hat, dürfen auch Frauen mehr denn je in diese Kostümierung schlüpfen. Unter bestimmten Umständen können sie sich zeitweise auch gut darin bewegen, doch vom Grundansatz her ist es immer noch ein maskuline Uniform.
Wirkliches weibliches Sein und weibliche Werte finden nur schwer Einlass in die patriarchalen Männerbünde. Der Kampf, manchmal um jeden Preis, der auf die Niederlage der Gegner und den eigenen Sieg zielt, ist nicht wirklich ein Frauending. Obwohl auch da unser Schulsystem so früh wie möglich Mädchen und Jungen in einen ungesunden Wettbewerb zwingt und Konsens und Miteinander vergessen lässt. Dass Frauen immer noch nicht die Chefetagen stürmen, liegt nicht nur an der sogenannten gläsernen Decke, sondern auch daran, dass Frauen dem System hilflos (…was soll das Ganze?), kritisch (…wozu soll das Gerangel nützen?) oder unwillig (…ach nee lass mal, ich will das nicht!) gegenüber stehen.

Sich im Wettbewerb unter Einhaltung der Hierarchieregeln nach oben zu kämpfen ist für so manche Frau keine Option sondern manchmal nur eine verdammte Zeitverschwendung. Und als Mütter haben wir doch eigentlich sowieso was anderes, etwas Besseres, zu tun.
Bleibt also nach wie vor die Frage: können wir das Patriarchat überwinden und uns als Gesellschaft heilen? Werden wir statt der Patriarchose und deren postumen Erscheinungen eine Gesellschaft schaffen, die nahtlos an das Konzept der matrifokalen Urgemeinschaft anknüpft? Bisher wollen ja die meisten nicht in die Steinzeit zurück. Und selbst wenn sich auch gerade an der Stelle neue Einsichten bilden, hat trotzdem fast eine Jede Angst die bequeme Moderne zu verlieren. Übersehen wird dabei ständig, dass wir nicht das steinzeitliche Know-how zurückholen wollen, sondern die artgerechten sozialen Bedingungen unter denen unsere Ahninnen lebten und damit die Grundlage des humanen Menschen legten. Wir sind das Ergebnis unseres naturgemäßen und artgerechten Seins. Diese Basis wieder als Alltagssituation zu küren und einzuführen wäre schon allen Kindern zuliebe wünschenswert.
Hier begegnet mir leider immer wieder eine sehr geringe Vorstellungskraft, die gerade unter Frauen in der bangen Frage gipfelt: „Wie soll das denn gehen?“ oder „Wo bleiben da die Männer?“ oder in der Feststellung, dass wir ja ‚vieles nicht wissen können‘, weil ja niemand von uns in der Vergangenheit dabei war. Da die (anerkannten) Wissenschaftler der Archäologie oder ähnlichen Disziplinen so manches völlig anders darstellen, traut frau oft nicht ihrer Vorstellungskraft, die doch eigentlich unsere kollektive Erinnerung ist. Ich bin eh der Meinung, dass wir, als aufmerksames Individuum, so viel mehr wissen, als nur die von Schulweisheit sparsam servierten Faktenhäppchen, die uns in männlich/ patriarchaler Manier auch noch vor-interpretiert werden. Frauen sollten wirklich endlich damit beginnen die Welt zu erklären

Dazu ein kurzer Auszug aus meinem betrachtenden Essay „Das weibliche Wissen“…:
Unser Wissenserwerb geschieht von Anbeginn über unser sinnliches Sein und wird bewahrt durch die aktive menschliche Erinnerung, die immer eine kollektive Komponente war und ist.
Unsere Ahninnen, heißt es, kamen viel herum … sie waren als Wildbeuterinnen unterwegs. Allerdings sind sie nicht etwa nur irgendwie ziellos in der Welt herumgestreift und haben „Beute gemacht“. Sondern sie erkundeten vermutlich systematisch die Landschaftsgebiete, in denen sie lebten und die die Nahrung für die Sippe sicherstellten, oft über viele viele Genrationen hindurch und das Wissen, das frau daraus zog, wurde nicht nur von einer Person verinnerlicht, sondern als aktive kollektive Erfahrung abgespeichert (ein Effekt der Epigenetik). Sie brachten Kunde davon zurück in ihre Gruppe, zu denen, die noch nicht oder nicht mehr mithalten konnten und sie legten diese in den persönlichen und vor allem in den kollektiven Erinnerungsspeichern ab – in den Hirnen aller Gemeinschaftsangehörigen. (und vergessen wir nicht: Kommunikation ist weiblich!)
Alles, was sie unterwegs gesehen, geschmeckt, gerochen, gehört und gefühlt hatten gaben sie weiter. Nie kann Eine je alles allein erfahren und trotzdem verfügen wir als Individuum oft über ein sehr umfangreiches Wissen. Schon weil sich das Individuum nie selbst an alle Plätze dieser Welt begeben und wenn, dann dort andere eigene Erfahrungen macht und weil wir immer viel mehr sind als ein Einzelwesen … der Mensch als Gruppenwesen tritt (als Person) mit einem umfassenden Anlagepool in die Welt und dieser Erbteil unserer Ahninnen ermöglicht(e) uns unser lebenslanges Lernen und Erinnern, das wiederum jedem Einzelwesen und der Bindungsgemeinschaft zu Gute kommt. Menschen nehmen, wie alle andere Lebewesen auch, das Wissen der sie umgebenden Umwelt osmotisch auf und zwar vom Anbeginn ihrer personellen Existenz. Unsere Sinne sind unsere Verbindung nach außen und zwar jeden Moment des Lebens, auch wenn einem das im Alter nicht mehr so vorkommt. In der Natur (aber auch in der von Menschenhand und -hirn geschaffenen Kultur) sind daher alle unsere Sinne von immenser Bedeutung. Das ist unsere Natur. Selbst wenn Unmassen von Ideologien, Theologien oder Patrireligionen uns weismachen wollen, dass der Mensch als eine Art beseelte Schöpfung kreiert wurde bzw. eine (natur-) unabhängige Seele hat.
Wenn wir allerdings auf eine Art Beseelung bestehen, dann wäre das für mich der Kollektivgeist den wir in uns tragen. Die gespeicherten Erfahrungswerte unserer Vorfahren, zu denen auch all unsere Vorgängerarten gehören. Unser erstaunliches und scheinbar autarkes Wissen ist keine Einzelleistung des Individuums, auch wenn das manche gern hätten. Es gibt imho kein Wissen und keine Erleuchtung oder große Vision deren Grundlagen nicht ohnehin ständig kollektiv neu angelegt, vervollkommnte und individuell variiert wird … wir mixen nur aus allem, was wir in uns tragen (was bereits durch die langen Verkettungungen zwischen dem Potiential unserer Vorfahrinnen grundgelegt wurde) und dem was wir im Laufe unseres Lebens dazu erworben haben ein ständig neues Bild von der Welt und ihren Möglichkeiten und zwar seit dem Moment, in dem wir eine winzige Anlage zur Eizelle waren. Unser persönliches Wissen um die Welt, in die wir hineingeboren wurden, gipfelt darin ein einzigartiges Individuum einer bestimmten Spezies zu sein – aber ohne alle Anderen vor uns und diejenigen, die bis heute unsere Nähegemeinschaft bilden, wären wir nur der vergängliche Flügelschlag eines Schmetterling im Fluss der Zeit.

Die Mutter als Zentrum der artgerechte Fürsorgegemeinschaft (im Postpatriarchat?)
Als soziales Wesen haben wir uns auch Regeln des Zusammenlebens geschaffen. Der grundlegende Automatismus war und ist: das Wohl der Nähe-Gemeinschaft und somit des Individuums, denn das wiederum garantierte den, über den Selbsterhalt hinausgehenden Arterhalt.
Vergessen wir die angebliche Bedeutung von Unterrichtsstunden oder Lehrbüchern, sie sind nur ein (kleiner) aufgesetzter Teil der gesamten Lernerfahrung unseres Daseins. Entscheidend ist dagegen immer die innige, die intensive und wohlwollende Nähe der Fürsorgegemeinschaft in die einst das Menschenkind hineingeboren wurden und auch heute noch wird. Die aus (bevorzugt konsanguinen*) Angehörigen bestehende Fürsorgegemeinschaft ist der Lebensschlüssel unseres Menschseins seit der Zeit, da sich die Spezies Mensch zu formen begann.
Was ist die Nähe-Gemeinschaft, der unmittelbare Nähekreis? Was können wir uns darunter vorstellen. Die klassische (Klein)Familie ist es nicht oder nur bedingt, besonders für ein Kind. Denn was ist schon für ein Kreis der lediglich aus aus zwei (erwachsenen) Personen besteht: Vater und Mutter? Noch dazu wenn das Kind sie oft über mehrere Stunden am Tag kaum zu Gesicht bekommt. Selbst wenn zusätzlich Geschwister da sind, bleibt dem Kind in der Regel die Erfahrung verwehrt von verschiedenen angehörigen Nähepersonen betreut zu werden, ihnen am Tag immer wieder zu begegnen bzw. mit ihnen nach Bedarf zu interagieren.
Trotzdem ist der Kern eines jeden Menschenbeginns die Mutter-Kind-Einheit und das was ich als Nähekreis bezeichne, ist etwas, was wir quasi nicht mehr kennen – ein Umkreis von nahestehenden und vor allem (konsanguin) verwandten Menschen die im Alltag permanent zu uns gehören und in dem die Einbettung der Mütter und ihre Kinder als Selbstverständnis daher kommt.
Leider ist es heute in der westlichen Kultur mit einer fürsorgenden Nähegemeinschaft nicht weit her. Die Kleinfamilie (bzw. das alleinerziehende Elternteil) ist lediglich ein mangelhaftes Surrogat, das aus einem maximal zwei erwachsenen Menschen zusammensetzt ist und nur dauerhaft funktioniert, weil es unterstützt wird durch ein Heer anonymer Dienstleister, die zum Teil als fragwürdige Miterzieher fungieren.
Sollten wir als Gesellschaft die Vernunft aufbringen und wieder anfangen ‚von der Mutter her‘ zu denken und daher an das natürliche soziale Gefüge unserer Ahninnen – die Matrifokalität – anknüpfen, bliebe auf alle Fälle unseren Kindern die immer dramatischer werdende Vereinzelung erspart. Die Mütter, die dann das Postpatriarchat aufräumen werden, müssen sich auf Menge Arbeit gefasst machen. Eine gründliche Trennung von all den patriarchösen und somit schädlichen Konditionierungen und deren Umwandlung zurück zu humanen Werten ist dafür die dringendste Voraussetzung…

*konsanguin – durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie

… dieser Text entstand aus verschiedenen meiner Kommentaren und Statements …

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Gibt es den matrifokalen Vater?

Wahrscheinkontrolle

Von den seltenen Fällen einer Kindsvertauschung in der Klinik abgesehen, ist sich eine Mutter sicher, dass ihr Kind wirklich von ihr abstammt. Ein Vater kann das nicht behaupten, denn er ist an der Schwangerschaft nicht beteiligt. Wenn eine Mutter ihr Kind stillt, wird ihr Körper mit Oxytocin geflutet und es bildet sich das heraus, was wir als Mutterinstinkt bezeichnen (Blaffer Hrdy 2010). Davon zu unterscheiden ist die Mutterliebe, die sich auch herausbildet, wenn sie nicht stillt. So oder so, schon in der Schwangerschaft knüpfen Mutter und Kind ein fast schon magisches zu bezeichnendes Band, durch das sich beide wortlos verstehen und das lebenslang hält. Ein Kind kennt seine Mutter von Beginn an und durchlebt mit ihr alle Gefühle, was in der Stillzeit noch hormonell bedingt ist und später noch lange nachwirkt, weil der wachsende Verstand diese Gefühle auch einzuordnen lernt.

In unserer Welt leben die meisten Väter mit ihren leiblichen…

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Die natürliche Matrifokalität – Besonderheit der menschlichen Spezies

Eine Betrachtung und eine These von Stephanie Ursula Gogolin

wir übergehen hier an dieser Stelle den immer noch beliebten Begriff ‚Matriarchat‘ und kommen gleich zum evolutionären Kontext der Muttergeborenen Lebewesen.

Die Mensch ist eine Spezies der Säugetiere und damit ist die Mutter und die Mütter-Gemeinschaft der wesentliche Überlebensfaktor. Das Leben wird in der Mutterlinie weitergegeben. Jede Großmutter trägt mit ihrer ungeborenen Tochter bereits die Eizellen ihrer zukünftigen Enkelkinder in sich. Matrilinearität ist ein Effekt unserer Evolution.

Als Menschen, als Säugetierspezies, haben wir in einer Ur-Matrifokalität überlebt. Sie ist die selektierte Überlebensstrategie unseres menschlichen Seins – wirksam in unserem menschlichen Kontinuum, dem organisch gewachsenen Gemeinwesen. Matrifokalität ist auch für sehr viele andere Spezies die naturgemäße Ordnung, wie Elefanten (und schon die Mammuts) oder Delfine, auch die meisten in Herden lebenden Tiere besitzen diese naturgemäße Strukturen; Mütterzentriert und Nachwuchsorientiert .

Die menschliche Matrifokalität beruht auf Matrilinearität, gelebt in Matrilokalität – eine ganz natürliche Lebensart, welche die Mensch später kulturell verschiedentlich ausformte. Wir finden die im Naturgeschehen gelebten Grundkulturen auch heute noch in manchen indigenen Gemeinschaften als überlieferte Lebensweise. Dass heißt: Das überaus durchsetzungsfähige Phänomen Leben, das sich mit allen Bedingungen des Planeten Erde immer wieder arrangiert und eine gigantische Vielfalt an Lebewesen hervorbringt, hat eine Spezies selektiert, die sich selbst als Mensch bezeichnet. Die Spezies Mensch, deren Individuen einzeln und besonders in ihrerm Jugendstadium, relativ hilflos sind, entwickelte sich über viele Jahrtausende zu einem der anpassungsfähigsten Teilnehmer der verschiedenen Varianten des Ökosystems Erde. Die speziellen Fähigkeiten sind vor allem geschickte Überlebensstrategien mit denen sich unsere Spezies an alle Klimazonen dieser Welt anpasste. Überall gelang es Menschen in ihren Fürsorgegemeinschaften ihre Kinder aufzuziehen.

Die besondere Langzeit-Pflege des menschlichen Nachwuchses wurde einzigartig mit der Grundform einer spezifischen Alltagskultur verknüpft. Wir können davon ausgehen, dass ursprünglich jede Kulturtätigkeit der Menschenfrau ein Nebeneffekt des Arterhalts ist und sich in gegenseitiger Fürsorgearbeit niederschlug. Dass heißt, jede Erfindung einer neuen Kulturtätigkeit sowie deren Weiterentwicklung (optimierte kollektive Nahrungsbeschaffung bzw. -konservierung, vielfältige Bearbeitung von Naturmaterialien, Heilwissen oder die erste Kunst), die zu einer Verbesserung der Alltagsbedingungen führten, kam vor allem dem Nachwuchs und der gesamten Angehörigengruppe zu Gute.

Die vor etwa neuntausend Jahren auftretenden patriarchösen bzw. androzentrierten Strukturen, haben dagegen nicht das geringste mit einer natürlichen oder „besseren“ Entwicklung zu tun. An dieser Stelle könnten wir jetzt polemisch fragen: Wenn all die patriarchalen (Vater bezogenen) und damit androzentrierten Verhältnisse, welche nach wie vor fast weltweit die menschliche Kultur beherrschen, ein evolutionärer Effekt wären, müssten da nicht andere Säugetierarten oder sonstige Spezies auch schon längst nachgezogen und ihre speziellen, bisher gut funktionierenden Überlebenstechniken einer ‚maskulinen Anleitung‘ unterworfen haben? Sollten wir denn überhaupt arteigene Überlebensstrategien und Anpassungsfähigkeit an eine bestehende Umwelt einer Spezies in eine Bewertungsskala von ‚besser‘ bis ’schlechter‘ einordnen? Sind sie doch evolutionär betrachtet das gerade bestehende Optimum.

Die leider stabil etablierte Gesellschaftsform der Patriopathie steht unermüdlich gegen das Naturgeschehen der urtümlichen Matrifokalität. Mag auch Das Patriarchat mehr als nur eine Ursache haben, letztendlich sind die Grundlagen dieser Gesellschaftsform vor allem durch Waffengewalt und mit zunehmender Verrohung des Menschenmannes installiert worden. Die einst gewaltsam durch Herrschermacht eingeführte und durchgesetzte (scheinbar omnipotente) Vaterdominanz, per Inanspruchnahme von Privilegien und exekutiv erzwungener Gesetzestreue weniger Männer, ist keine naturgemäße Entwicklung, sondern ein grausames Kulturprodukt.

Den artgerechten Urzustand unserer Spezies finden wir in der matrifokalen Gemeinschaftsform – der (konsanguinen*) Fürsogegemeinschaft – dem Matrifokal!

Die matrilinearen Basisgruppierungen lebten matrilokal – als Bindungsgemeinschaften in mütterlicher Linie – also in matrilinearen Sippen, selbstverständlich auch in ihrer weniger sesshaften Zeit als Wildbeuterinnen. Selbstverständlich bestanden die Gruppen aus Kindern, Frauen und Männer und zwar als Geschwisterbasierte Alltagsgemeinschaft. Diese bildete die Schutzsphäre für die Mutter-Kind-Einheit(en). Sie stellte ein Optimum an Überlebenschancen sicher und lieferte die alltägliche Geborgenheit eines jeden Individuums im generationsübergreifenden Fürsorge-Habitat.

Diese Theorie wirft auch heutzutage immer noch die Frage nach dem Liebes- bzw. Elternpaar auf. Wir können getrost davon aus gehen, dass es die Konstellation ‚Elternpaar‘ und „Ehepaar“ nicht gab, also nicht im heutigen Verständnis. Weder im ursprünglichen Naturgeschehen und langen Zeit nicht im anfänglichen Kulturgeschehen. Die jeweiligen Liebespartner der Erwachsen gehörten nicht wirklich zu dem alltäglichen gemeinschaftlichen Nähe- und Wirtschaftsablauf eines Matrifokals, sondern kamen nur im persönlichen Bezugsfeld einer Frau vor. Die naturgemäßen Female Choice der Frau sicherte über Jahrtausende das menschliche Leben in den geschwisterbasierten Fürsorgegemeinschaften. An stattfindene erotischen Begegnungen waren wohl kaum Bedingungen geknüpft, die das sonstige persönliche Leben von Frau und Mann nachdrücklich verändert hätte (wie es leider bei uns immer noch Usus ist). Auch jedwede Art Beziehungen außerhalb der Heterosexualität würde ich als selbstverständlich annehmen.

Auf Grund einer erotisch/sexuellen (Hetero)Beziehung wurden daher logischerweise in den Sippen keine neuen Wirtschaftskonstellationen bzw. -koalitionen geschaffen und in der Regel verließ das Individuum auch sicher nicht dauerhaft die Herkunftsbindungen. Kinder wuchsen naturgemäß in ihren Matrifokalen und Muttersippen auf, in welche sie hineingeboren wurden. Der Mann, repräsentiert durchseinen Status als Sohn und Bruder, trat als männliche Bezugsperson auf und übete eine Fürsorgefunktion als Mutterbruder in einem generationsübergreifenden Selbstverständnis aus. Das bedeutete für den Mann in der Regel von der Geburt bis zum Tod Teil der mütterlichen Bindungs- und Fürsorgegruppe zu sein.

Wir sind heute in unseren patriarchös zersetzten Kulturen an andere Formen des Zusammenlebens gewöhnt worden. Der Standard ist derzeit die Paarungs(Klein)Familie, die sich den (literarisch und medial gestützten) Mythen der romantischen Liebe unterwirft. Unter dem (patriarchös induzierten) gängigen Label Liebe findet sich Begehren, gegenseitiges Wohlwollen und innige Zuneigung ebenso wie unerträgliche Tyrannei und Gewalt. Zu unserer konditionierten kulturell-ethischen Haltung gehört auch, dass sich niemand wirklich wundert, wenn aus sogenannter Liebe sogar Morde begangen werden. Das heutige (in der Regel von seinen Herkunftsangehörigen separierte) Paar vertritt den allgemein geforderten dauerhaften (möglichst lebenslangen) Treueanspruch (was in der Regel höchst selten funktioniert) und praktiziert eine gemeinsame Mini-Wirtschaftsgemeinschaft, die Kleinfamilie (in der immer noch erwartet wird, dass der Mann/Vater die Rolle des Ernährers inne hat).

Diese Art der zwei-getakteten Lebensgestaltung baut auf dem Irrtum der traditionell verbreiteten Idee auf, dass das Paar, bestehend aus zwei fremden (nicht verwandten) Menschen, dauerhaft Lebenszeit mit einander verbringt und diese Konstellation ein Urkonzept der menschlichen Spezies sei. Die geforderte lebenslange ‚romantische‘, sich gegenseitig treu ergebene, und auf Sexualität gerichtete Liebe ist jedoch tatsächlich ein Konstrukt der jüngeren (patriarchalen) Geschichte. Patriarchale Strukturen, wie sie uns heute geläufig sind, wurden von herrschaftausübenden Männern um die, von ihnen kreierte Idee der Vaterdominanz herum gebaut.

Eine völlige Gewissheit der Vaterschaft ist kein natürlicher (biologischer) Effekt und nur durch totale Kontrolle der weiblichen Sexualität zu erreichen – also dem Konzept des gesellschaftlichen Ausschluss der Frau, ihrer Unfreiheit und ihrer Unterdrückung. Das Ausüben einer solchen mütter- und lebensfeindlichen Kontrolle durch den Mann (und den angenommenen Vater der Kinder) ist kein naturgemäßes Prozedere.

Die aus ihrer Unfreiheit entstehende Verfügbarkeit der Frau und die hochstilisierte Fruchtbarkeitsfixierung (durch patriarchöse Ideologie), haben für die rechtlose Frau durch die letzten Jahrtausende einen tragischen Verlauf genommen. Bis in unsere Zeit ist die Idee den Vater als Ausgangspunkt allen Seins zu erklären, in ungezählten grausam erlittenen Frauenschicksalen wirksam. Ob es um die heute noch stattfindende genitale Beschneidung kleiner Mädchen geht oder das scheinbar immer beliebter werdende Töten weiblicher Föten oder „nur“ um die Abwertung der Mutterarbeit und die rechtliche (finanzielle) „Bestrafung“ eines alleinerziehenden Elternteils durch unsere Gesetzeslage. Die einst eingeführte ‚väterliche Gewalt‘ beherrscht inzwischen immer noch das Handeln und damit auch das Denken und Fühlen der meisten Patri-Kultur-Gesellschaften unserer Welt.

Die inzwischen (fast) weltweit etablierte Praxis einer grundsätzlichen Separierung aller jungen Erwachsenen zum Zwecke der flexiblen Eingliederung in einen anonymen Wirtschaftskreislauf schreitet derzeit weiter munter voran. Da „der Mensch“ aus zwei Gründen nicht komplett auf eine totale Separierung konditioniert werden kann, wird ihm das Paargebilde als selbstverständliche Lebenshaltung angeboten (allerdings weniger um Frau und Kinder abzusichern, sondern um die Rundum-Versorgung des Mannes sicherzustellen). Die heute als Kleinfamilie bekannte kleinst mögliche Einheit einer menschlichen Gemeinschaft ging aus dem Ehekonzept und der patrilokalen Familie hervor. Während der Entstehung des Patriarchats wurden die naturgemäßen matrifokalen Basisgemeinschaften zurückgedrängt und aufgerieben und dafür die pseudo-patrilineare Dynastie- und Familienstruktur der privlegierten Männer als Surrogat für die verlorene Mutter-Sippe installiert und allmählich für Jeder-Mann nutzbar in die anonyme Großgesellschaft gestellt.

Die ‚Paarbeziehung in serieller Monogamie‘ ist heute im westlichen Kulturkreis fast ein Selbstläufer und setzt den bislang tradierten Wert der ‚Familie‘ außer Kraft. Um die Illusion der ‚klassischen Familie‘, bestehend aus Vater-Mutter-Kinder, am Leben zu erhalten, bürgerte sich der Begriff der sogenannte Patchwork-Familie ein. Darunter verstehen wir ein u.U. weitverzweigtes Gebilde aus verschiedenen Versatzstücken fluktuierender Beziehungen ehemaliger Paare, deren Bindeglieder die betroffenen Kinder sind – solange sie Kinder sind. Diese Kinder fungieren als Angelpunkte, welche die Illusion der Zugehörigkeit (zu einer Mutter-Sippe) gerade für Männer erhält. Leider wachsen unsere Kinder mit reichlich Falschinterpretationen von Verwandtschaft auf. Die aktuellen Partnerschaften ihrer Eltern sind eigentlich nur Wahlverwandtschaften, denn Zugehörigkeit von Mann und Frau wird nur über ein ideelles Bündnis geknüpft, dass keine Bindung darstellt. Das (Lippen)Bekenntnis zweier bis dato fremden, also nicht verwandten Menschen, zur gegenseitigen Verbundenheit (am liebsten lebenslang) ist keine natürliche Verwandtschaft.

Aber die naturgemäße (konsanguine) Verwandtschaft, als die geborgende Zugehörigkeit zu einer Fürsorgegemeinschaft, bedeutet auch dem modernen Menschen durchaus noch etwas. Nach der Trennung eines Elternpaares bleibt (für beide) nur die bestehende („Bluts“)Verwandtschaft zum Kind (die neuerdings als fünfzig zu fünfzig Prozent-Regel durchgesetzt werden muss). Da Vater und Mutter nur durch Heirat verwandt waren, sind diese nach der Trennung rein rechtlich nun wieder „Fremde“ – also nicht mehr miteinander verwandt. Niemand (nicht einmal die Bedürftigkeit des Kind) kann und darf sie zwingen diese Beziehung wieder gegen ihren Willen aufleben zu lassen. Allerdings gilt es in der Regel als zivilisiertes Verhalten solche getrennten Verbindungen nicht völlig unter den Tisch fallen zu lassen; die moderne Gesetzeslage verpflichtet beide Elternteile zur Sorge am „gemeinsamen“ Kind. Was ein weiterer unerschöpflicher Quell für noch mehr Probleme ist. Trennungen gehen in der Regel bereits aus internen Konflikten hervor und führen damit das zum Dogma aufgestiegene moderne Paarideal immer wieder ad absurdum.

Zitat aus http://www.stephanieursula.blogspot.de/2014/02/das-warum-und-das-wie.html : „Der modere patriarchale Mensch verhält sich wie eine Art Patient 0, bei dem alles beginnt und der seine Zugehörigkeit nur über seine Person und seine Nachkommen definiert. Und auch Frauen fällt es schwer, sich in eine Ahninnenreihe zu stellen bzw. sich als Teil der pragmatischen Evolution zu sehen.

Was sind nun die beiden Gründe, die dagegen stehen, dass der moderne Mensch solitär durch die Welt wandelt?
Die Mensch ist erstens von Natur aus ein Bezugs- und Bindungswesen in ihrer angehörigen Bindungsgruppe und zweitens prägt der evolvierte angeborene Drang zur Zugehörigkeit (eine Überlebensstrategie) unsere Identität als Persönlichkeit.
Das gegenseitige interaktive und unbedingt generationsübergreifende Fürsorgebedürfnis, kann daher nur in alltäglicher, unmittelbarer Nähe von vertrauten Bindungspersonen stattfinden. Das bedeutet: naturgemäß wurde/wird die Mensch in ihre (Mutter)Sippe hineingeboren und somit könnte sie auch heute noch in einer solchen verbleiben oder sich wenigsten und artgerechterweise bis zu ihrem Tod zugehörig fühlen.

Die natürliche Matrifokalität stellt die Besonderheit der menschlichen Spezies dar.

In der menschlichen (Ur)Gruppe sind in der Praxis des Alltags die permanent tragenden Elemente, das interaktive, empathische und kooperative Verhalten der konsanguinen* Angehörigen und das heißt, beide Geschlechter sind selbstverständlich lebenslang in die geschwisterbasierte, generationsübergreifende Fürsorgegemeinschaft einbezogen.

Die menschenartgerechte (überschaubare) Fürsorgegruppe, von mir Matrifokal genannt, bildeten die Schutzsphäre für den lange erst einmal recht hilflosen Nachwuchs unserer Spezies. Die Mensch ist als Individuum relativ gefährdet und schützte sich daher durch die verlässliche (Angehörigen)Gruppe. Überlebt hat (aus evolutionärer Sicht) in der Regel wohl der Sippenverband, in dem alle matrilinearen Angehörigen für einander einstanden.

In diesen Bindungsgemeinschaften wurde ein Jedes gebraucht, um dem Nachwuchs ein gesichertes Aufwachsen zu ermöglichen. Die matrilineare Gruppe (bestehend aus den durch Geburt verwandten Angehörigen), war ein bewährter Entwicklungsraum und die effektivste Schutzsphäre für den menschlichen Nachwuchs.

Nun existieren reine Strukturen einer matrilinearen Sippe unter den uns umgebenden patriarchalen Gesellschaftsverhältnissen schon längst nicht mehr. Das für Menschen typische, angeborene Bedürfnis sich in vertrauten sozialen Zusammenhängen aufzuhalten und mit ihren Bindungsangehörigen permanent in einen wohltuenden interaktiven Austausch zu treten, verschwindet ja nicht einfach, nur weil unsere Gesellschaftskultur ein System hervorgebracht hat, dass die Menschen aus ihren Herkunftsbindungen herauslöst und sie quasi zwingt gegen ihre Natur zu leben.

Wie vielleicht schon bemerkt, schreibe ich fast ausschließlich die Mensch‘ … was jedoch nicht bedeutet, dass der Mann als solches außen vor war/ist, denn erstens ist er immer herzlich mitgemeint und zweitens war/ist er als Sohn und Bruder ein unverzichtbarer Teil der matrifokalen Fürsorgegemeinschaft. Die Mensch ist meine Bezeichnung für unsere Spezies.

Das Problem des überwiegend fremdbestimmte Dasein der Frau in der Patriarchose ist auch für den Mann ein größeres Fiasko. Sein Status als Sohn oder Bruder einer Mutter besitzt kaum noch eine gesellschaftliche Wertigkeit. Der patriarchale Mann distanziert sich von allem Weiblichen und definiert sich fast ausschließlich über die ihm in Aussicht gestellte Vaterrolle, sein Konkurrenzgebaren und seine Sexualität.

Schon längst sind alle „zivilisiert“ lebenden Menschen permanent in die patriarchalen Muster verstrickt, auch wenn sie ursächlich immer nur durch den privilegierten Teil der Alphamännern initiiert und erhalten werden. Nun schaffen diese Machtmänner das nicht etwa, weil sie so eine überlegene humane Kompetenz oder ein umfassendes (logisches sowie emotionales) Wissen besitzen, wie immer gern verbreitet wird, sondern weil ein immer noch stetig steigendes Potential an sichtbarer und nicht immer offensichtlicher (Waffen)Gewalt die Welt im Griff hält und schon längst als stete unaufhörliche Bedrohung in unser aller Unterbewusstsein eingesickert ist.

Hemmungslose Skrupellosigkeit gegenüber Mensch und Tier und dem gesamten Ökosystem der Erde, hat zu einer Situation geführt, die mit einer Geiselnahme vergleichbar ist. Viele Millionen Menschen  (inzwischen Milliarden) waren/sind davon beeinträchtigt. Und damit stecken wir auch alle, ähnlich wie Geiseln, in einer Art (kollektiven) Stockholmsyndrom. Die allgegenwärtige patriarchale Gehirnwäsche verlangt, dass wir nicht nur eine vorauseilende Gehorsamshaltung einnehmen, sondern darüber hinaus die Täter lieben und ihnen vertrauen.

Daher nehmen wir die latenten Gewaltsituationen, die unsere Gesellschaftskultur prägt und steuert, oft nur noch dort wahr wo sie gerade wieder in einem Krieg oder einer politischen Krise offen tobt. In der ideologischen Verquickung der patriarchalen Lehren mit der androzentrierten Alltagskultur lernen wir die patriarchale gesellschaftliche Geiselnahme als gottgegebene Fügung oder gar als „Naturerscheinung“ hin zu nehmen. Dass die „erfolgreiche“ menschliche Spezies trotz der verschärften Bedingung der patriarchösen Annektion, nicht unterging, bedeutet nicht, dass das patriarchale System das evolutionär fortschrittlichere ist.

Eigentlich beweist es uns nur, dass die noch vorhandenen kläglichen Reste der einstigen praktizierenden Müttergemeinschaften und selbst die vereinzelte Mutter unter mangelhaften und inhuman grausamen Bedingungen fähig sind, die menschliche Art zu erhalten. Denn das Matrifokal respektive die Matrifokalität steckt in unseren „Genen“ und ist immer noch die aktuelle evolutionäre Stufe des Menschseins!

Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg 12.12.18

 

* konsanguin – verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie

… das Original dieses Textes (10.05.2014) steht in meinem Blog Alltag und wurde hier von mir überarbeitet … siehe: (http://stephanieursula.blogspot.de/) unter dem Titel „Möge der Bessere gewinnen…

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Steinzeit. Nein, Brigitte Röder, so war sie eben auch nicht!

Wahrscheinkontrolle

Dies ist meine Antwort auf den Artikel „Die Steinzeit war gar nicht so. Männer jagten, Frauen kochten? Die Urgeschichte dient oft dazu, Geschlechterrollen zu begründen. Bloss: Es stimmt nicht.“ von Hubert Filser im Tagesanzeiger.ch vom 27.03.2018, https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/die-steinzeit-war-gar-nicht-so/story/23918288.

Schon der Untertitel dieses Artikels kam mir bekannt vor, er stammt von der Archäologin Linda Owen, die einst im Katalog zur Stuttgarter Ausstellung „Eiszeit – Kunst und Kultur“ 2009 einen Artikel schrieb, der den Titel „Männer jagen, Frauen kochen? Die Geschlechterrollen im Jungpaläolithikum“ trägt. Einen darin befindlichen Satz musste ich bereits kritisieren, ist er doch beispielhaft für die Kopfstände der Gender Studies. Ich schrieb:

„‚Obwohl bei Sammler-Jäger-Gruppen die Männer kochen konnten und sich auf Reisen selbstversorgt haben, waren es die Frauen, die für die Familie gekocht haben.‘ (Owen 1998, S. 175). Diese überraschende Aussage korreliert nicht mit der Negation von Geschlechterrollen in der Altsteinzeit und zeichnet zudem das Bild der patriarchalen Kleinfamilie…

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Matriklan oder Matrifokal

Von der Idee die Muttersippe wieder aufleben zu lassen
ein Kommentar von Stephanie Ursula Gogolin (vom 30.04.2013, überarbeitet)

… vor einigen Monaten dümpelte im Netz die Testpedition: Gesetzliche Einführung eines alternativen Familienmodells zur Ehe (wahlweise)* vor sich hin. Die Petition blieb bei 52 Stimmen stecken, was mich zu diesem Kommentar inspirierte, denn seit Jahren ist das mein Thema. Ich fasse also dazu hier meine Gedanken zusammen:

Im Gegensatz zu herkömmlichen, mir begegneden Meinungen, gibt es imho keine alternativen Familienmodelle, sondern nur verschiedene Spielarten des Klassikers „Familie“. Die Grundlage der Familie ist immer das Paarkonstrukt auf der Grundlage von Sexualität und (romantischer) Liebe und, heute mehr denn je, unter Ausschluss der Herkunftsangehörigen – sprich unseren Blutsverwandten. Zwischen der Intention einer Familie und der wie neu daher kommenden Idee eines sogenannten Matriclan, der auf der konsanguinen**, der natürlichen Müttergemeinschaft fußt, liegen daher Welten.
Denken wir doch bitte daran, was die „Familie“ einst eigentlich war – der Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Mag sich auch in unserer derzeitigen Kultur inzwischen diese Bedeutung verwischt haben und der modern daher kommende Trend hin zum partnerschaftlichen Paar gehen, es bleibt doch ein bestimmter Effekt bestehend: Zwei Fremde (Nicht-Verwandte) verbinden sich per Bereitschaftserklärung zu einem Paar mit der Absicht ab sofort in allen Bereichen ein gemeinsames Leben führen zu wollen.
Das muss heutzutage nicht mehr unbedingt in einer bindenden Eheschließung enden, denn die unverbindlich-verbindliche Beziehung ist schon länger gesellschaftsfähig. Manche probieren dabei ihr ganzes Leben lang aus, ob der jeweils Andere der „Richtige“ ist und manchmal ist es ein ständiges Kommen und Gehen. Die meisten der Paare leben dabei in einer seriellen Monogamie und betreiben eine Kleinfamilie. Unsere Gesellschaft ist daher heute zunehmend von der Familienspielart „Patchworkfamilie“ durchsetzt, in der die Kinder bereits die, von ihnen zukünftig erwartete, Flexibilität üben können, die das Wirtschaftsleben ausmacht.
Die Beinahe-Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft lässt uns immer wieder gern übersehen, dass die bestehende Gesetzeslage vor allem die eheliche Verbindung, sprich das heteronormative Paar, schützt und fördert. Das Ehepaar gilt als klassische Grundlage der Familie und unsere etablierte Kleinfamilie schließt inzwischen außer den Kindern, alle anderen Mitglieder beider Herkunftsfamilien direkt oder latent aus. Ein Gemeinschaftsleben im matrilinear-matrilokalen Verständnis ist derzeit weder im Mainstream noch in den Gesetzen des Staates vorgesehen. Das gilt es zu ändern.
Der hier als Alternative aufgezeigte Matriclan hat als Grundlage die Struktur einer Muttersippe, matrilinear und matrilokal, also so wie sich ursprünglich die Basis des menschlichen Zusammenlebens gestaltete. Dass eine matrifokale Lebensmeinschaft, bestehnd aus konsanguinen Angehörigen, nicht nur eine wirkliche Alternative zur etablierten Kleinfamilie wäre, sondern bestimmt die bessere Variante, wurde in dem avaaz – Vorschlag klar benannt. Natürlich ist dieses Projekt noch lange nicht zu Ende gedacht. Vielleicht ist es in manchen Punkten noch zu futuristisch, aber es besitzt das Potential zur Bewegung anzuwachsen – ähnlich der nicht mehr tot zu kriegenden Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen. Zudem bin ich überzeugt, dass die beiden Ideen vielleicht sogar einander bedingen und eines Tages in der Praxis zusammenwachsen werden.
Es geht bei dem Gedanken die Muttersippe rechtlich zu konstituieren, auch nicht um eine Erlaubnis für Frauen matrilinear leben dürfen, wie bereits vermutet wurde, sondern um die Forderung nach kollektiver Anerkennung und der selbstverständlichen Unterstützung dieser Lebensweise durch die Gesellschaft, auch in Form einer gesetzlichen Absicherung, wie bei der Ehe.
Ein matrilineares Gemeinschaftsleben kommt gegenwärtig jedenfalls sehr wenigen Frauen in den Sinn und wird eher als gestriges Gebaren angesehen. Das derzeitige Familienverständnis endet bei Vater-Mutter-Kind und die frühzeitig abgenabelten Teile der Herkunftsfamilien werden nur noch latent zum eigenen Leben dazugerechnet. In der klassischen (Klein)Familie erfolgt im Erwachsenenalter nicht nur eine körperliche Distanzierung von den Angehörigen, sondern es entsteht dabei auch eine, manchmal irreversible, Trennung im Geiste. Das ist der bestehende entscheidende Unterschied zu einer konsanguinen, fürsorgenden Matrigemeinschaft, die sich auf die dauerhafte Zugehörigkeit zu den konsanguinen Verwandten stützt.
Die ohnehin vom patriarchösen System nicht gern gesehene Mutter-Kind-Bindung löst sich also unter dem modernem Abnablungsdogma auf und hinterlässt bei Tochter und Sohn ein diffus vermerktes Vakuum, das Sehnen nach Geborgenheit, das im modernen Mainstream als nicht gerechtfertigt gebrandmarkt wird.

Um die uns umgebende soziale Leere mit Geborgenheit und Verbindlichkeit aufzufüllen, wird uns in unserer Kultur lediglich die Paarbeziehung mit einem, uns bis dahin unbekannten, Menschen empfohlen.
Wenn wir die Idee einer ‚Lebensgemeinschaft in Mütterlicher Linie‘ etablieren wollen, ist die gesellschaftliche Anerkennung auch innerhalb der Gesetzgebung eine zwingende Voraussetzung. Die Grundlage bisheriger Gemeinschaften und Gesellschaften sind und waren immer die natürlichen, die innigen und tragenden, Bindungsgeflechte der konsanguinen Angehörigen. Diese evolutionäre Strategie des Menschen in einer natürlichen (biologisch terminierten), mutterbezogenen Ordnung zu leben, wird seit Jahrhunderten durch das patriarchöse System gründlich ausgehebelt.
Einer der entscheidenden Eckpunkte des angedachten Matriclans ist, dass keine sexuell bezogenen Verhältnisse den Zusammenhalt einer solchen Lebensgemeinschaft bestimmen.
Dem gegenüber ist heute mehr denn je das erotische (sexualisierte) Liebesverhältnis sowohl für die Ehe (und für andere Paarbeziehungen) eine selbstverständliche, ja zwingende Voraussetzung. Diese Ausgangsposition würde im Matriclan bzw. der Muttersippe entfallen. Die natürliche, matrilineare Verwandtschaft zwischen Angehörigen bildet die einzige Grundlage dieser neu zu etablierenden Lebens-, Fürsorge- und Wirtschaftsgemeinschaft, welche gesetzlich zu schützen wäre.
Wenn ich also z.B. mit meiner Tochter und ihren Kindern eine solche Sippenstruktur praktizieren möchte, steht doch erst ein mal folgendes fest: (genetisch) verwandt sind wir bereits, also noch mehr an Zugehörigkeit geht gar nicht. Hier findet tatsächlich eine Bindungsgemeinschaft statt. In unserem derzeitigen Verständnis jedoch sind Erwachsene autonom und werden solange als ungebunden angesehen, bis sie sich zu einem (nichtverwandten) Partner zugehörig erklären. Diese Art Partnerschaft ist derzeit die einzige legitime und als förderungswürdig angesehene Lebensgemeinschaft – wobei der Ehe immer noch die höchsten Weihen zugesprochen werden. Auch eine eingetragene Lebenspartnerschaft reicht rechtlich noch nicht völlig an den (von den Kirchen geheiligten) Ehestatus heran. (Inzwischen haben wir die Ehe für alle…)
Die Muttersippe würde also im persönlichen Zusammenleben und der gemeinsamen Haushaltsführung genauso anerkannt sein wie ein Ehe/Familie. Es wäre weder der Segen einer Kirche noch die Trauung vor einem Standesbeamten erforderlich, um die Angehörigen der Muttersippe für zusammengehörig zu erklären, denn das sind sie ja bereits von Geburt an. Wenn diese konsanguine** Lebensgemeinschaft arriviert und eingeführt wird, würde daher lediglich der Urzustand des (evolutionär selektierten) menschlichen Zusammenlebens wieder hergestellt und damit die generationsübergreifende Fürsorge für alle Angehörige ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Bisher hat die tradierte patriarchale Praxis verhindert, dass starke Weiber- und Mutterbande erhalten blieben. Trotzdem gab es, wir können es zwischen den Zeilen der Märchen oder in den eigenen Herzen lesen, einen Ort, den die Menschen in ihrer Seele, als Haus der Mutter abspeichern – es ist der natürliche, aber derzeit unterdrückte Drang nach der Rückbindung an das mütterliche Energiefeld und somit an die Herkunftssippe. Die stete Suche nach der verlorenen Geborgenheit ist eine Grundstimmung in unserer Gesellschaftskultur. Ich bin überzeugt dass bei vielen, wenn auch vielleicht nur diffus, diese dauernde Sehnsucht vorhanden ist.
Da sich Töchter schon lange nicht mehr im natürlich-mütterlichen Geist bewegen und sie auf eine (lebenslange) PseudoBindung zu einem Mann geprägt werden, wird versucht diese latente Sehnsucht in der romantisch verbrämten Liebe auf Lebenszeit zu stillen.
Die weiblichen Energiefelder einer mütterlichen Sippenstruktur sind als Kraftquell längst vergessen. Inzwischen gelten maskuline Werte und eine Herkunftsbindung wird im patriarchalen Verständnis, über die (ungewisse) Vaterlinie festgeschrieben – die Bedeutung der Mutter verblasste immer mehr.
Es geht hier also nicht um einen sogenannten Wahlclan oder um eine „Ehe“ unter Frauen oder um die Erweiterung der Eingetragenen Lebensgemeinschaften zwischen Fremden, sondern um nichts weniger als die Legalisierung der Sippenzugehörigkeit in der mütterlicher Linie. Also um die Akzeptanz der urtümlichen, natürlichen und artgerechten Lebensgemeinschaft, bestehend aus weiblichen Blutsverwandten als Gründerinnen sowie den angehörigen Söhnen und Brüdern. Noch mehr verwandt als Mutter – Tochter / Sohn – Tochterskinder ist nicht möglich.
Das erotische Begehren bzw. eine sexuelle, auf einen Partner gerichtete, Betätigung fände außerhalb bzw. im Privaten dieser matrifokalen Lebensgemeinschaft statt. Daher wäre es auch angesagt, die nun mehr veralteten Inzestgesetze zu reformieren.
Die klassische Ehe, als patriarchal verordnete Institution, wurde im christlich geprägten Abendland, als einziger Ort der legitimierten Sexualität bestimmt und die Ehe wiederum gilt immer noch als die Basis der (Klein)Familie. Der Geist der Institution Familie besteht nach wie vor darin den Mann als den Herr des Hauses vorauszusetzen, selbst wenn er nicht anwesend ist. Wenn beispielsweise drei erwachsene und konsanguin** mit einander verwandte Frauen eine Lebensgemeinschaft bilden, gelten sie trotzdem vor dem Gesetz als alleinstehend, da sie keinen Mann (nichtverwandten Partner) haben und ihr Zusammenleben bekommt in den Augen der Öffentlichkeit eine Art WG-Charakter.
Es gilt also eine echte Alternative zur Ehe/Familie anzustreben und die bereits bestehenden konsanguinen Verwandtschaftsverhältnisse offiziell (gesetzlich) als Lebensgemeinschaft anzuerkennen. Und diese müssten in unserer Gesellschaft genauso gefördert werden, wie die klassische Ehe mit Familienstatus, da hier vor allem auch die Kinder aufgezogen würden und sich die unangemessene Bezeichnung „Alleinerziehend“ damit auch erledigt.
Der Hauptaspekt, der hier angedachten Lebensgemeinschaft Matriclan bzw. Muttersippe oder auch Matrifokal, ist der generationsübergreifende und geschwisterliche Effekt des Zusammenlebens und somit Voraussetzung für das geborgene Eingebettetsein der Kinder in eine verlässliche Sippengemeinschaft.
Bisher läuft es im gesellschaftlichen Verständnis und in der Gesetzeslage so ab – wenn ein älteres Ehepaar oder auch nur eine Mutter oder ein Vater mit seinen bereits erwachsenen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt oder unter einen Dach zusammenlebt, so ist das zwar möglich, wird jedoch bei aller natürlichen Bindung nicht als Lebensgemeinschaft offiziell anerkannt. Jeder Erwachsene, außer den Eheleuten zählt einzeln (und wird auch entsprechend versteuert). Auch wenn (kleine) Kinder zu einer Person gehören, bilden sie mit ihrer derzeit ungebunden Mutter (oder auch Vater) eine eigene Lebensgemeinschaft und diese fallen dann unter den modernen Begriff der Alleinerziehenden, was wiederum auch nur eine Spielart der (Mangel)Familie ist. Wie gesagt, ich empfinde es als absurd, dass sowohl vor dem Gesetz sowie durch den Mainstream jeder Erwachsene grundsätzlich ab der Volljährigkeit als autonome „Lebensgemeinschaft“ gehandelt wird und erst eine erfolgte Paarbildung mit einem Nichtverwandten gilt als legitim – es ist der ordentliche Schritt zur Familiengründung – man heiratet oder tut sich in einer Beziehung zusammen. Damit beginnt auch die gegenseitige Fürsorgepflicht (in guten wie in schlechten Tagen usw.), die der (modernen) Paarbeziehung zugeordnet wird.
Alle anderen (nach wie vor bestehenden) Verwandtschaftsbeziehungen rücken endgültig in die zweite Reihe. Demnach ist in unserem modernen Verständnis die sogenannte Blutsverwandtschaft nur im Kindesalter wirklich relevant. Natürlich bleibt eine gewisse moralische (und bedingt gesetzliche) Pflicht sich bspw. um pflegebedürftige Eltern zu kümmern, schließlich bleibt das Verwandtschaftsverhältnis bestehen, aber wie bekannt genießt der (amtierende bzw. angeheiratete) Partner immer die Vorrangstellung.
Der noch vor Jahrzehnten in der patriarchalen Familienstruktur beschworene Zusammenhalt hat sich in den heutigen Tagen sehr gelockert. Die zu einem Berufsalltag gehörende Verhinderung von Nähe stört auch ein kontinuierliches Festigen der Familienbande. Daher ist Fürsorge und Pflege innerhalb der Herkunftsfamilien zwar immer noch durchaus üblich, gesellschaftlich gesehen jedoch weder eine anerkannte noch geschätzte Arbeit. Diese Zuwendung wird im Alltag neben der Familienarbeit und der honorierten Erwerbstätigkeiten irgendwie verquetscht. In der Regel betrifft diese dreifache Belastung dann die Frau – die Familienmutter.
Ich bin daher sehr wohl dafür, den „Matriclan“ – Vorschlag mit aller Kraft zu unterstützen, denn seine Ziele erscheinen mir förderungswürdig, obwohl der letzte Punkt mir noch sehr als Zukunftsmusik erscheint:

  • Verstärkter Schutz von Müttern und Kindern
  • Lückenlose Betreuung von Kindern, Alten und Pflegebedürftigen
  • Gewaltfreies Zusammenleben in einem intakten sozialen Verbund
  • Perspektivisch ökologischer Landbau und Subsistenzwirtschaft als Lebensgrundlage

(* https://secure.avaaz.org/de/petition/Gesetzliche_Einfuhrung_eines_alternativen_Familienmodells_zur_Ehe_wahlweise

(** verwandt durch Geburt in mütterlichen Linie

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