Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil II

Die Ehe – ein verinnerlichtes Stockholm-Syndrom

Wir heutigen Frauen sind die Nachfahrinnen der einst verschleppten Töchter, der entführten und versklavten Mütter der frühen patriarchalen Machtsysteme…

Die anonyme Großgesellschaft, die als Patriarchat beschrieben wird, setzte sich, seit sie gebildet wurde, aus einer Machtclique, dem breiten Teil an zuarbeitenden Strebern (die dem Vorbild der Mächtigen folgen und deren Lebensstil anstreben) und den Kollateralen, den Geopferten, denen man als Individuum oder als Gruppe gleich von vorn herein oder durch Umstände, Freiheit und Selbstbestimmtheit verwehrt und die per Schicksal aus dem relativen Wohlleben herausfallen. Dabei ist es unerheblich welches der gesellschaftlich vorgeschriebenen Idealen gerade vorherrscht, das patriarchale System besteht aus den Privilegierten (nennen wir sie Patriarchen) und den Beherrschten und Unterdrückten (nennen wir sie Kollateralen). Von Zeit zu Zeit verschieben sich auch die Machtverhältnisse von unten nach oben, aber das sind in der Regel nur Variationen innerhalb der androzentrierten, patriarchösen Strukturen. Bei dieser meiner Beschreibung denke ich im Rahmen der männlichen Machtspiele. Die Frau, die Mutter und ihre Kinder, wurden zu keiner Zeit einbezogen oder gleichwertig behandelt. Sie blieben die willkürlich benutzten Figuren im Strategiespiel der Mächtigen.

Auch wenn es regierende Pharaoninnen, Königinnen, Kaiserinnen oder heute Politikerinnen gibt, die einen großen Einflussbereich und exekutive Macht besitzen, ist das auch nur auf Grund von Gewaltenbündelung in einer Hand möglich und somit eine Spielart des Patriarchalen Prinzips: andere Lebewesen (auch die eigene Spezies) werden beherrscht, diese haben eine beschränkte Selbstbestimmung und sind von Geburt an einer straffen Konditionierung unterworfen.

Das Patriarchat hat uns Menschen mehr beschert, als nur die Herrschaft der Väter. Es erschütterte unsere uns eigene Natur in dem das Mutter-Kind-Kontinuum per se zerstört und als irrelevant erklärt wurde. In der Patriarchose überführte mann uns, die Mensch, weg vom Naturgeschehen der matrifokalem Lebensweise, in ein androzentriertes Kulturkonzept mit einem hierarchischen Aufbau und einem Machtgefälle, das nur ganz wenigen nützt und damit das Gros der Menschen zu Unterdrückten, sozusagen zu Dauer-Geiseln, machte.

Der Mann generierte sich selbst zu einem Hirtenkrieger – einem Einzelkämpfer mit der Option Verbündete für seine Ziele (Egotrips) zu gewinnen. Ein (unsozialer) Solitär, der nicht mehr als ein (biologisch gebundenes) Individuum von der Fürsorgegemeinschaft naturgemäß abhängig ist, sondern statt dessen eine Fürsorgegruppe, auf Grund seines Gewaltpotential von sich abhängig macht. Der Sündenfall schlechthin.

Im kooperierendem, artgerechten Menschsein agierten Frau und Mann als Bruder und Schwester. Und zwar im Sinne des gemeinsamen Überlebens und zum Wohle der nächsten Generation. Im konkurrierendem Patriarchat gab es keine gemeinsame nächste Generation mehr. Der Mann führte Besitz und Eigentum ein und der Nachwuchs, das Menschenkind, war Teil dieser Konzeption. Die Schwester wurde zur Frau eines anderen Mannes. Die Ur-Geschwisterlichkeit ging im patriarchalen Kampf um die Ressource Frau verloren.

Da der Mann nur mit einiger Sicherheit bzw. scheinbaren Gewissheit zum (besitzendem) Vater werden konnte, wenn er die sogenannte Fruchtbarkeit (Schwangersein können, Gebären und Nähren) (s)einer Frau unter Kontrolle bekam und diese Kontrolle auch behielt. Einmal als einzelner Mann mit der kreierten Bezeichnung Vater und kollektiv als (politisch installiertes) Vater-Ideal. Der vom natürlichen Matrifokal abgespaltene Mann und nun patriarchaler Vater, strebte keine Rolle als zusätzlicher sozialer Fürsorger (s)eines Kindes an, sondern zelebrierte sich als dessen Eigentümer. Die Mutter des Kindes wurde der Ausübung ihrer natürlichen Bindungskompetenzen weitgehend beraubt und nur formal und strukturell blieb sie die sorgende Mutter, da es für eine Mutter keinen Ersatz gibt. Im sich mehr und mehr ausbreitendem Patriarchat erklärte mann das Muttersein zur temporären Rolle, die einer Frau verliehen wurde und die sie spielen durfte, wenn es dem Herrn und Vater gefiel. Dieses Level ist das Endergebnis des väterlichen (und damit maskulinem) Eingreifens, der Väterübergriffigkeit des Mannes* aus seiner Patriarchalität heraus. Das evolvierte Naturleben von Frau und Kind wurde unter dem Eindruck einer dauerhaften Gewaltkultur zu einem permanenten Geiselstatus.

Wikipedia: Für den heutigen Familienbegriff gab es im Lateinischen – genau wie im Griechischen – kein Wort: „In keiner ihrer Bedeutungen war familia also die Kernfamilie, bestehend aus Vater, Mutter, Kindern.“
Die Begriffe familia und die zugehörige soziale Zentralposition des pater familias waren Herrschaftsbezeichnungen, die Machtverhältnisse bzw. unterschiedliche Aspekte von Machtverhältnissen anzeigten.

In den skrupulös etablierten patriarchalen Strukturen verschwand für den Mann sukzessive die Frau als Sinnbild von Mutter und Schwester und tauchte als Sklavin, Magd und Ehefrau wieder auf. Die eigene Mutter war letztlich auch nur die (Ehe)Frau des Mannes, der als der eigene Vater zugeordnet wurde. Im Sippengeschehen war sie eine fremd eingeheiratete Frau, die dem patrilokalen Sammelsurium hinzugefügt wurde. Unabhängig von tatsächlichen biologisch/genetischen Fakten, war der Mann, der als Vater galt, der Herr über Frau und Kind sowie über andere Angehörige und Gesinde unter seinem Dach und sei es noch so ärmlich (siehe der römische pater familias). Der Mann als Protagonist der Patriarchose wollte und brauchte die Frau nicht mehr als geschwisterliche Vertraute und kooperierende Lebensgefährtin im Alltag, sondern als Verfügungsobjekt für sein nun episodenreiches Dasein. Lebte doch der frühe Anwärter der patriarchalen Macht immer mehr außerhalb seiner einstigen Fürsorgegruppe, konkret körperlich und geistig ideell.

Der zum Patriarchen mutierende Mann fing als Hirte an. Zwar gehörte er anfangs noch zur matrifokalen Angehörigengemeinschaft (Muttersippe), aber durch das Herumziehen mit seinen Herden gab es eine nomadische und ungebundene Entwicklung (irgendwann ohne permanenten Kontakt zu seinem Matrifokal). Eine Parallelkultur setzte ein, in der der Mann (als geschlechtliches Wesen) allmählich überrepräsentiert war und dabei mit seinesgleichen einen eigenen Verhaltenskanon (sehr gut zu sehen an den Zehn Geboten) entwickelte und das, die Frauen ausschließende, hierarchische Sozialgefälle installierte. Ab hier war der Schritt nicht weit, dass einige der Gruppierungen das entwickelten, was wir heute Kriminalität nennen und manch einer als Outlaw begann und als Warlord oder gar Imperator endete (siehe Männer wie Dschingis Khan). Der sich gewaltsam Privilegien aneignende Mann, musste unbedingt sein ungeborgenes Leben kontrollieren können. Er schützte sich und seine Verbündeten durch weitere Gewalt. Er wurde Angreifer, Räuber und Krieger und Leid und Tod bringender Eroberer. Eine Lieblingsbeschäftigung, die bis heute für den Mann, für bestimmte Männer, nicht ihren Reiz verloren hat.

Die Frau als Objekt maskuliner Begehrlichkeit und als Spenderin von Mutterenergie, wurde permanent zum potentiellem Opfer von Verbrechen (kurzfristige Übergriffe) und (Kriegs)Beute (langfristige Gefangenschaft). Sie verlor als Person ihre Selbstbestimmung und verkam zum verfügbarem Objekt der Züchtungsexperimente der erstandenen Hirtenkultur und zum willfährigen Spielzeug von Männerlaunen und -begierden. Die Patriarchose wurde zum gut ausgebautem Gefängnis für die Frau. Und als Frau und Mutter ging sie nur deshalb nicht zugrunde (und damit die Spezies Mensch), da sie mit der unglaublichen Resilienz der Naturwesen ausgestattet ist, die sie bzw. uns in der Regel auch unter wahnwitzigsten und brutalen Bedingungen überleben lässt.

Der Mann als Erbauer des Patriarchats glaubt, seine machtvolle Erfindung befreie ihn von der Abhängigkeit, in die ein Naturwesen eingebettet ist. Die gegenseitige Verantwortung und Fürsorge in sozialer Balance und Kooperation, die das menschliche bzw. mütterliche Angehörigen-Kontinuum ausmacht, übte wahrscheinlich auf den sich abgespaltenen Nomaden-Hirten immer weniger Reiz aus, da er sich das Beherrschen von Lebewesen und ihr willkürliches Benutzen aneignete. Der so entstehende Prototyp des Patriarchen wurde zum unsozialen und weiter verrohendem Täter.

Diesem vom Gemeinschaft- und Arterhalt abgekoppelten männlichen Selbsterhalt liegt ein aus Angst entstandener Kontrollwahn zugrunde und ist blanke Selbstsucht. Diese Fehlentwicklung initiierte und förderte dramatisch die Un-Geborgenheit des Individuums in den nun neu zu definierenden Sozialstrukturen. Wir können den Auftakt der Patriarchose als den Beginn einer permanenten Geiselnahme des Lebens definieren. Mit einer Geisel sendet der Geiselnehmer immer ein Signal. Zum einen fungiert sie als eine Art Schutzschild für den Täter, der damit droht der Geisel das Leben zu nehmen, wenn man ihn nicht gewähren lässt. Zum anderen ist dieser Akt des Terrors eine Drohung in die Zukunft und ein Zeichen für alle, sich ab jetzt nicht mehr in Sicherheit zu wissen. Der nun mehr entstandene gewaltbereite Androkrat/Patriarch mit Herrschaftsambitionen im ganz banalen Alltag ist männlich und hält bis heute die Welt in Atem.

Das heißt, wir haben es hier nicht, wie gern euphemistisch deklariert, mit dem neuen Mann zu tun, der eine Kulturgesellschaft erbaute – wissbegierig, experimentierfreudig und zukunftsorientiert, sondern mit den verlorenen Jungs, die das eigene Matrifokal zerstörten und leider ihre Stress bedingten und Testosteron gefluteten Aggressionen zur Grundlage einer Gesellschaftsordnung machten. Der Mann*, der verbrecherische Handlungen beging, der mit weitreichenden kollektiven Aktivitäten, wie Raubzügen und (Angriffs)Kriegen das friedfertige Leben des Kontinuum der Müttergemeinschaften zerstörte, der seine durchgeführten, rigorosen Unterwerfungen ideologisch untermauerte und das einst urtümliche, weiblich kreierte Brauchtum in maskulin geprägte Religionen deformierte, versklavte skrupellos die Leben hervorbringende Lebewesen, allen voran die menschliche Mutter, und schuf sich so eine Basis für seinen selbstherrlichen (narzisstischen) Alleingang.

Diese Art der patriarchal konstituieren Geiselnahme betraf je nach dem das Individuum, sowie kollektiv die friedfertige Urgemeinschaft und brachte nicht nur als ein Merkmal das typische Stockholmsyndrom hervor, sondern erwies sich auch bis heute als der ideale Nährboden für jede Art von psychopathologischen Störungen.

Die an Gewalt und rigider Kontrolle, Menschen- und Tierleid sowie an Tod und Zerstörung orientierter, denaturalisierten Entwicklung zog sich über einige Jahrtausende hin und ist bis heute nicht abgeschlossen. Die vor sieben- bis achttausend Jahren in Gang gesetzte Patriarchose expandiert immer noch. Von einem Postpatriarchat kann also noch lange keine Rede sein. In unseren Tagen begegnet mir immer wieder die idealisierte Vorstellung (gern auch unter Feministinnen), dass alles bereits gut ist oder sich doch zumindest auf einem guten Weg befindet. Im beschaulichen Mitteleuropa schien die Welt zwischenzeitlich auch fast in Ordnung und auch ich gab mich vor ein paar Jahren kurzzeitig der Illusion hin, wenn wir jetzt dranbleiben, kann das sich liberal gebende und fast schon Frauen-aufgeklärte Europa, die ersten wirksamen Grundlagen für kollektive Humanität schaffen und wieder ein matrifokales Sippengefüge wachsen lassen. Das BedingungsloseGrundEinkommen könnte da ein Starterpaket sein und eine grundsätzliche Stärkung der Mutterkompetenz im Leben von nun mehr selbstbestimmten Frauen. Was hat mich da nur geritten? Gerade hier schlug der patriarchöse Backslash zuerst zu. Nichts wuchs vor unser aller Augen schneller an, als die Vaterrechtsbewegung mit ihren neuen Mythen und Gesetzesanpassungen, die Mütter noch mehr einschränkten und sie fast rechtlos zurücklassen. Eine neue Form der Geiselnahme, die jedoch diesmal in erster Linie das Kind betrifft.

Nach wie vor ist das größte Geiseldrama der Patriarchose, die klassische bürgerliche Ehe und die idealisierte romantische ‚Liebe bis ans Ende alle Tage‘, unvermindert im Gange. Und niemand scheint es zu bemerken. Jede Frau geht in die Ehe mit dem guten Gefühl, das große Los gezogen oder doch zumindest alles richtig gemacht zu haben. Sie kann mit der (romantischen) Liebe ihres Lebens ihr eigenes Leben leben. Endlich frei von elterlicher (eigentlich väterlicher) Bevormundung und dem guten Gefühl eventuellen zukünftigen Kindern ein Zuhause und einen Vater bieten zu können. Denn ein moderner Mythos sagt: ein Kind braucht seinen Vater. In diesem Gedanken schließt sich der patriarchale Kreis. Geheiratet zu haben oder in einer Beziehung mit Treueanspruch und Dauerversprechen zu leben, heißt immer noch, dass für die Frau (und zukünftige Mutter) alles gut ist. Denn hier und heute darf sich auch die Frau ihren Partner aussuchen und unterliegt keinem Zwang zur lebenslangen Ehe-Haft. Und niemand möchte die kulturelle Deadline(*) verpassen. Auch nicht die alleinerziehende Mutter. Alleinsorgende Mütter werden in der Gesellschaft auch deshalb nicht genug wahr- und ernstgenommen, weil sich immerhin ihr Alleinstand jederzeit ändern könnte. Das oberste Gebot unserer (patriarchalen Kultur) ist schließlich die Partnersuche. Auch als alleinerziehende Mutter möchte frau alles richtig machen und nicht immer ist es ein bewusster rebellischer Akt, ihre Kinder ohne Vater großzuziehen, manche sind einfach nur Opfer der Umstände.

Die selbstbestimmte Frau, die zudem auch noch ihrer Female Choice freien Lauf lässt, hat immer noch keinen wirklichen Platz zum Leben. Unsere auf dauerhaft romantisch angelegte Liebes-, Ehe-, Paarbeziehungs- und Partnerschaftsverquickungen unserer Sozial- und Gesellschaftskultur, wird nach wie vor und nahezu auf allen Ebenen und in allen Medien gehypt, in der Politik auf gar keinen Fall in Frage gestellt und konserviert und (oh Schande) von der Wissenschaft immer noch als naturgegeben dargestellt. Und alles, so scheint es, um die permanente Geiselnahme von Mutter und Kind vergessen zu lassen. Aber Mutter und Kind sind nicht der einzige dauerhafte Kollateralschaden. Der Mann schuf sich einst das Patriarchat, um nun bis ans Ende seiner Tage innerhalb dieser Strukturen um sein Dasein zu kämpfen. Wieviele Männer wollen wohl als Geiselnehmer, als Täter im Alltag, wahrgenommen werden. Ich kenne keine?

Aber die anonyme Großgesellschaft, in der wir uns alle einrichten müssen, hat ja auch mit ihren Mechanismen diesen Part übernommen. Und so wird kollektiv geduldet, dass schwere Verbrechen als Familientragödie oder Eifersuchtsdrama verharmlost werden und Frauen sich sogar noch schuldig fühlen weil sie „es“ nicht verhindert haben. Dieses ES in seiner höchsten Eskalationsform wird heute wenigstens schon Femizid(**) genannt. ES wirksam zu verhindern gelingt jedoch unserer Gesellschaft immer noch nicht (und wird es im Patriarchat auch nie). Dazu stecken Politik, Gesetzeshüter und Mainstream selbst zu sehr im Stockholmsyndrom fest. Außerdem ist es Gang und Gäbe, dass immer noch kulturelle Traditionen und diverse Religionsvorschriften der Frau/Mutter ihre Selbstbestimmung verwehren und so manche der betroffenen Frauen sorgt in vorauseilendem Gehorsam, dass ihre Töchter auch die Guideline der Patriarchose einhalten. Stockholm-Syndrom eben!

Und der Mann? Von beiden Extremen betroffen, ist er auch immer wieder Täter und will es eigentlich nicht sein. Denn er ist auch Patriarchat und das schmeichelt – Privilegien sind immer gut! Aber, und das ist für jedes Kind im Manne lebenswichtig, er weiß schon längst nicht mehr, wo auch er die benötigte Geborgenheit im Hierarchiezirkus der Patriarchose herbekommen soll, welche Zu- bzw. Angehörigkeit ihm seine Identität gibt, mit der er wieder unbeschwert unter Geschwistern leben könnte, ohne zum Täter zu werden.

(*) …die Soziologin Denise Donnelly „…spricht von einer »kulturellen Deadline«, die die Betreffenden subjektiv verpassen.“

(**) Wikipedia: Femizid (‚Frauentötung‘; aus englisch femicide, analog zu englisch homicide ‚Tötung eines Menschen‘ in Anlehnung an lateinisch femina ‚Frau‘ und lateinisch caedere ‚töten‘) ist die Tötung von Menschen weiblichen Geschlechts.

 

Stephanie Ursula Gogolin, Oktober 2019
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Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I

Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose…

Stockholm-Syndrom – Wikipedia: Unter dem StockholmSyndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.“

Das sogenannte Stockholm-Syndrom ist von Anfang an eine der gruseligen Nebenwirkungen des Patriarchats und es gab dieses psychologische Phänomen schon sehr lange bevor es Banken gab, die überfallen werden konnten.

Genau genommen sind wir auch heute noch alle Geiseln, welche die Erfinder des Patriarchats einst nahmen! Hört sich dramatisch an, ist aber so! Und wie ein Geiselopfer in auswegloser Lage begannen auch wir unsere Unterdrücker zu „lieben“. Wir (die neuzeitlichen Generationen) können nicht ohne ihre Spielchen, die uns als Normalität verkauft werden und wir tun alles um nicht aufzufallen bzw. zu gefallen. Wir ziehen möglichst keinen Zorn auf uns und versuchen einfach die nächste Stunde zu überleben. Das System Geiselnahme oder (zeitlich begrenzte oder ungewisse) Gefangenschaft ist kein natürlicher Effekt des Lebens in der Natur, sondern ein permanenter, kulturell herbeigeführter, Ausnahmezustand. Wer sich nicht unterwirft, geht drauf, manchmal auch nur, wenn der Geiselnehmer einen schlechten Moment hat. Eine Geisel kann gar nicht per se alles richtigmachen und so garantiert heil davon kommen. Sie kann sich nur wegducken, in Unterwerfungspose still verhalten oder kooperieren. Sich quasi beliebt machen, um den Tag zu überleben (und das eigene Kind, dass blöderweise oder zufällig dabei ist, auch). Das Phänomen Stockholm-Syndrom passiert einem betroffenen Opfer in den seltensten Fälle aus einem Kalkül heraus, sondern entsteht ausgelöst durch das erlebte Trauma im (Überlebens)Programm.

Wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass im Erleidensfall einer gewaltsamen Geiselnahme, einer Entführung oder sonstigen Gefangenschaft bei der/den betroffenen Person(en) sofort eine ganze Menge an lebenserhaltenden Effekten freigeschaltet werden, um den Schock der Gefahrensituation, der plötzlichen Unfreiheit, das Ertragen der Fremdbestimmung und die Ungewissheit der Dauer der Zwangslage zu verarbeiten.

Der in uns angelegte, essentiell lebenswichtige Drang zur Zugehörigkeit, ist ein solcher Effekt, der bei hochgefährlichen Gefahrensituationen, wenn weder rechtzeitige Flucht noch Gegenwehr möglich ist, eine Unterwerfungshaltung auslöst und infolge zu einem, manchmal irrational erscheinenden Verhalten einer betroffenen Person führt. Unser überlebenswichtiger Zugehörigkeitsdrang (in den matrifokalen Fürsorgebindungen  evolviert) ist ein (Bio)Mechanismus, der uns allen als Überlebenseffekt eigen ist. Ich stelle ihn neben die Female Choice und die Mutter-Kind-Bindung.

Das besagtem Stockholm-Syndrom löst verschiedene ÜL-Effekte aus. Da wir Menschen, als naturabhängiges Lebewesen, immer den Drang verspüren eine, im Alltag notwendige Nähe von An- bzw. Zugehörigen unbedingt zu erhalten, gilt das auch, oder mehr denn je, in einer gefährlichen Lage bei Gleich- oder Wohlgesinnten Verständnis oder Schutz zu suchen. Die Absurdität dieses Syndroms besteht darin, dass die Geisel diese Zuflucht beim Täter sucht, dem vermeintlich stärksten Verbündeten in dieser unberechenbaren Situation. Wenn „alles gut geht“, ist irgendwann alles vorbei. Die Geiseln nehmen zwar das Trauma und den Schrecken mit, aber das grässliche Gefühl Opfer eines Verbrechens geworden zu sein, baut sich nur langsam ab und bleibt als Erfahrung gespeichert. Doch sie haben überlebt. Sie können in ihr Leben zurückkehren, auch wenn es nie mehr so ganz sein wird, wie es vorher war.

Der Super-GAU für jedes Individuum ist jedoch der vollkommen unnatürliche Zustand der Versklavung (eine Geiselnahme für immer) – die dauerhafte Unfreiheit, das Herausgerissensein aus einem geborgenen Leben bzw. die brutale Verhinderung jeder Selbstbestimmung. In so einem Fall wird einem Individuum (und hier sollten wir nicht nur an Menschen denken) jede natürliche, menschenartgerechte Daseinsform versagt und für die, aus ihrem LebensSoziotop gerissene, überlebende Mensch beginnt eine ausweglose, nicht mehr endende Trauma-Episode. Die Vertreter der patriarchalen Strukturen haben die Geiselnahme erfunden und zur Sklaverei perfektioniert.

Uns wird zwar in unserem Alltag in der Regel keine Pistole an den Kopf gehalten, damit wir Tag für Tag im moderat erscheinendem gesellschaftlichen Geiseldrama mitspielen und den Geiselnehmern gehorchen. Es geht normal und angepasst zu … denn die Waffen sind inzwischen in unseren Köpfen und längst lieben wir die Täter.

Wir heutigen Frauen sind die Nachfahrinnen der verschleppten Töchter, der entführten und versklavten Mütter der frühen patriarchalen Machtsysteme (siehe auch in Teil II). Vor ein paar tausend Jahren (etwa zwischen acht und sieben, es ist schwer sich hier festzulegen) begann eine unheilvolle kulturelle Entwicklung, die bis heute andauert.

Der Mann* etablierte sich in seinem neuen Status als Besitzer anderer Lebewesen. Er unterwarf seine Herde seinem Willen, die ab jetzt auf seinem Land vor sich hin zu grasen hatte. Er nahm skrupellos Zugriff auf das Leben der Tiermütter und begann ihre Fortpflanzung (evolvierter Arterhalt) zu manipulieren. Und um seinen Besitz dauerhaft und wirksam zu verteidigen und hielt er es für erforderlich sich zu bewaffnen. Waffen zu tragen wurde zu einem Attribut privilegierter Männer und das wiederum befähigte ihn nicht nur weiterhin harmlosen Herdentieren die Freiheit zu nehmen, sondern auch seine Mitmenschen zu dominieren, zu unterdrücken und willkürlich zu vernichten. Der bewaffnete Mann wurde zum Gewalttäter und dieser Umstand brachte der bis dahin Naturgeprägten Welt eine grausame, eine androzentrierte Gesellschaftsform – heute in der Regel Patriarchat genannt. Der Mann* und seine angeeigneten (gefährlichen) Privilegien sind bis heute ein Problem für alle. Die bisherigen menschenartgerechten Lebensverhältnisse begannen sich im Besonderen für die Frau gravierend zu verändern. Wir leben heute in einer anonyme Großgesellschaft, die der Frau* und Mutter das Leben mehr als nur schwer macht.

Wir sind zwar nach wie vor die Erbinnen der evo-biologischen Urmütter, die uns u.a. unsere Resilienz vermachten, aber im sich ausbreitendem Patriarchat ging uns nach und nach unser Naturbezogener Kontext verloren. Daher sind wir zwar als Mensch immer noch gut im Überleben, aber besonders die Frau ist auch aus dem gleichen Grund nicht wirklich in der Lage sich gegen das Patriarchat bzw. dessen Auswirkungen zur Wehr zu setzen. Ihr Selbsterhalt und der unbedingte Schutz ihrer Kinder kollidiert ständig mit den Bedrohungen, die in patriarchösen Strukturen im einzelnen oder kollektiv über sie hereinbricht. Eine handfeste Gegenwehr ist in der Regel unter den Umständen einer nicht natürlichen Gefahr – einem Mann mit einer Waffe in der Hand – keine gute Idee und das bedeutet für das Opfer sich der bestehenden Gefahr nicht nur auszuliefern, sondern weitere unabsehbare Gefährdungen in Kauf zu nehmen.

Erstens: das Patriarchat ist ein Gewaltsystem und das bedeutet seine Vertreter sind (und heute mehr denn je) in der Lage ihre Interessen und Forderungen immer brachial durchzusetzen. Der privilegierte Mann in seiner Erscheinungsform als Vater gab dieser Gesellschaftsform den Namen. Wobei Vater eine kulturelle Konstruktion ist und als artgerechtes Fürsorgemitglied des menschlichen matrifokalem Kontinuum gar nicht natürlicherweise vorkam. Der männliche Angehörige in seinem Status als Mutterbruder bzw. Sohn einer Mutter war jedoch ein Fürsorgemitglied. Aber ausgehend von der Annahme, dass der Mann das Kind zeugt und damit die Frau schwängert, kürte sich der Mann zum Vater ... das Patriarchat nahm seinen Lauf.

Zweitens: Weibliche in der Natur, als Trägerin des Arterhalts stets in die naturgemäße Verantwortung für die nächsten Generationen (ein)gebunden und wird daher sich und ihren Nachwuchs das Überleben sichern, indem sie (als Mutter) versuchen wird ihr(e)  Kind(er) so gut wie möglich zu erhalten. Im Falle der Menschenfrau bedeutet das auch , sie vor den Auswirkungen des Patriarchats zu schützen. Die (evolutionär selektierte) menschliche Überlebensstrategie baute auf der matrilokalen Fürsorge der matrilinear agierenden Säugetierspezies auf und entwickelte ein spezifisches – matrifokales – Sicherungssystem, in dem die Mutter-Kind-Einheit den größtmöglichen Schutz genoss. Die artgerechte Fürsorgegemeinschaft – Das Matrifokal – agierte geschwisterbasiert, generationsübergreifend und vor allem Mütterzentriert. Sie ist schlicht die Basis der Erfolgsgeschichte der Menschheit.

Dieser essentielle Drang zur Zugehörigkeit kann unter ungeborgenen Umständen bedeuten, dass sich das Individuum einem oder mehreren, als zugehörig eingestuften Mitmenschen, auch wenn diese nicht Ursprungsangehörige sind, anschließt. Der uns im Patriarchat antrainierte Hang eine dauerhafte und daher unrealistisch Paarbildung (Zweiergemeinschaft) anzustreben, gehört dazu. Wir sind auf alle auf der Suche nach unserer verschwundenen Fürsorgegemeinschaft (dem Matrifokal). Selbst wenn eine dieser zwangszugewiesenen oder erwählten Ingroups uns nicht wohl will, wird die in der anonymen Großgesellschaft vereinzelte und verlassene Mensch(*) sich nicht einfach abwenden können. Deutlich wird das auch bei Frauen die scheinbar gegen alle Vernunft in Gewaltbeziehungen ausharren. Ausgelöst durch eine ständige Bedrohung oder andauernde Gefährdung, welche zum Teil nur unterbewusst wahrgenommen wird. Unsere Verhaltensmuster und Affekte sind komplex und für das einzelne Individuum, über das eine Gefahr hereinbricht, nicht so einfach rational zu erfassen, da es sich in der Regel um einen (psychischen) Ausnahmezustand handelt und das erlittene Trauma und die weiterbestehende sowie Angst erzeugende Gefahr es weiterhin lähmt.

Wirklich wichtig für das Menschsein und das Fortbestehen der Menschheit ist einzig und allein die gesicherte Existenz von Müttern…

Seit Jahren benutze ich (so wie unzählige andere Frauen) schon den Begriff Stockholm-Syndrom um für all die, einer Gewaltsituation ausgelieferten Frauen und ihren Kindern, genau diesen Effekt des Überlebens zu beschreiben. Wenn frau umsichtig an so ein Thema herangeht, dann ist das viel mehr als eine gesellschaftspolitische Betrachtung, wie sie heutzutage üblich ist. Wie es überhaupt üblich ist, alles was uns im Alltag patriarchaler Gesellschaftsdoktrin passiert, bestenfalls nur gesellschaftskritisch zu betrachten, wird auch die vom Patriarchat als Geisel genommene Frau* dabei nicht ernstgenommen sowie alles, was uns Menschenfrauen betrifft und aus den Tiefen der lebendigen, sich weiterentwickelnden (organischen) Natur stammt, gern vernachlässigt wird.

Die frei gelebte Female Choice einer jeden Frau in unserer Gesellschaft, wird nach wie vor behindert und gebrochen, was weiterhin die patriarchale Struktur verdichtet, erhält und für das natürliches Leben unbrauchbar macht. Ähnlich wie der mit Leben durchdrungene Boden in einem forstwirtschaftliche Wald, der mit schwerem Gerät verdichtet wird. Dieser ruinierte Waldboden kann sich wahrscheinlich nur über sehr, sehr lange Zeiträume erholen und dass auch nur, wenn er ab sofort in Ruhe gelassen würde. Ebenso braucht die im Stockholmsyndrom erstarrte Frau dringend eine kulturelle Regenerierung, die ihr kollektive und persönlich die Besinnung auf ihr naturgemäßes Sein und ein Ausleben ihres weiblichen in der Natur verbundenen Lebens ermöglicht. Das bedeutet ein kontinuierlich mutterbezogenes Dasein mit ihren Kindern und Großmüttern und Schwestern, außerhalb der Geiselnahme durch den patriarchalen Mann.

Im Patriarchat sind wir, die Bewohner der Moderne, ständig auf der Suche nach unserer mutterlinearen Zugehörigkeit und müssen uns im ständigen Mangel- und Gefahrenfall mit insuffizienten Surrogaten zufriedengeben, um unseren Alltag zu ertragenoder in ihm zu überleben zu können. Da dürfen wir dann zwischen den Ersatzkonstellationen wählen: wie fluktuierende Paarbeziehungen, Ehen und Kleinfamilie, Angehörigenferne Freundeskreise und das Aufgehen in Berufs- und Erwerbstätigkeit. All diese kulturell vorgegebenen, gesellschaftlichen Lebenskonzepte im Alltag sind uns alternativlos vorgegeben und daher von uns verinnerlicht. Diese sozialen fest installierten Gebilde, diese Ingroups, in denen wir unsere Lebenszeit verbringen, nehmen wir irrigerweise als eine naturgemäße Gemeinschaft wahr, obwohl dort keine umfassende, gegenseitige menschliche Fürsorge stattfindet. Was in der Regel immer dann besonders deutlich und nachteilig für die einzelne Frau spürbar wird, wenn sie Mutter ist.

Wir heutigen Frauen sind die Nachkomminnen der ersten Gewaltbetroffenen im patriarchalen System von Raub, Mord und jede Art von Gewaltverbrechen und wir tragen verschiedene epigenetische „Errungenschaften“ wie das patriarchal induzierte Stockholm-Syndrom bereits in unserer genetischen Ausstattung um sie arglos weiterzuvererben. Und wenn es uns nicht endlich gelingt diesen Effekt zu verdeutlichen und ihn bewusst zu verändern, werden weiter Situationen wie die verschiedenen Spielarten der täglichen Geiselnahme und andere (Gewalt)Verbrechen als normale Erscheinungen des gesellschaftlichen Alltag toleriert und je nach Einstellung des Betrachters sogar glorifiziert.

In den Unterhaltungsmedien ist der Heros/Held, der sogenannte Gute, immer auch irgendwie ein (Gewalt)Täter, bei dem es zudem als legitim angesehen wird, dass er sich über eskalierende Gefühlsausbrüche aller Art abreagiert. Geringe Impulskontrolle und eine niedrige Hemmschwelle seinem Willen mit Macht durchzusetzen, wird so lange allgemein geduldet oder sogar bewundert, bis er eine Blutspur oder Tote hinterlässt. Dann erst greift das Gesetz ein und das bedeutet nicht immer, dass nun alle anderen aufatmen können. Sich durch Formen des Stockholmsyndroms zu schützen, in dem frau/mann sich mit dem/den Täter(n) quasi verbündet, sind daher nach wie vor an der Tagesordnung im Umgang mit den „Helden“,  denn Der schlagkräftige und körperlich in jeder Hinsicht potente Mann wird uns nach wie vor über alle Medien als Ideal präsentiert.

* Gendersternchen
(*) Männer sind immer gern mitgemeint

Stephanie Ursula Gogolin, September 2019
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Aus einem Chat mit der Enkeltochter…

…wenn wir es genau nehmen, schwängert die Frau/das Weibliche in der belebten Natur, sich selbst. Sie bzw. ihre auf Lebensweitergabe gerichtete Körperfunktion verwendet das Spermium, dass ihr zusätzliche Geninhalte liefert (der größeren Diversität halber) um ihre teilungsbereite Eizelle zu aktivieren.

Der Moment der beginnenden Zellteilung der weiblichen Eizelle ist jedesmal der (große) Augenblick der Entstehung neuen Lebens und dieser evo-biologische Vorgang ist keiner willentlichen Steuerung (schon gar nicht durch ein maskulines Individuum) unterworfen…

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Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

…in einem Gespräch mit einer guten Freundin kamen wir argumentativ an den beliebten Punkt, wo die meisten Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln trennen. Dem Spirituellen wird dann eine Art Esoteriklabel aufgeklebt oder als Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich fragte jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch?

Beides sind Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und selbst wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur „gefühlten“ Spiritualität, wird doch oft einem von beiden eine höhere oder bessere Qualität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien, die typischen institutionalisierten Religionen oder die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht „spirituell“ zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass ‚er‘ oder ’sie‘ bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängt hat oder von Kindheit an so manipuliert wurde, dass statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung) nicht dazu der Lage zu sein zu spüren, was das eigene geistige Innere ausmacht.

Es kann hilfreich sein über Spiritualität im Allgemeinen nachzudenken, wir sollten aber davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unseren, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft. Wobei es ja heißt, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem Gefühlskomplex oder -zentrum bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld).

Die uns eigene Spiritualität, also unsere personale innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung, deren Mittelpunkt wir selbst sind – das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen (und sonstigen Wesenheiten) um uns vernetzen.

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher oder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Andererseits, wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es in unserem heutigen Anspruch keine passende Bezeichnung für unsere gefühlte Situation.

Der moderne (patriarchal konditionierte) Mensch scheint sich erst zu gestatten etwas wahrzunehmen, wenn es durch Naturwissenschaft nachgewiesen wurde. Wenn Messungen und andere „Abhörtechniken“ beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine geistige (sprituelle) Leistung, ein Ausdruck der individuellen Spiritualität.

Die Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in den Programmen: Intuition, Spiritualität, Fantasie und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, evolutionierte Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers und um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen. Meines Erachtens sind sie nicht identisch. In der Religiosität folgt man (den von anderen) vorgedachten Entwürfen  oder mensch wird gleich in eine Gesellschaft mit komplexer Ideologie hineingeboren … so oder so ist die eigene Entwicklung von Anfang an behindert. Dann (miss)brauchen wir vielleicht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adaptieren und mit „Leben“ zu erfüllen. Die christliche Nonne wäre hier ein deutliches Beispiel, wie sehr das eigne spirituelle Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann. Nonnen bzw. Ordensschwestern dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. „Gutes“ für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit die körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit brachten. Hildegard von Bingen ist eine der (wenigen überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Jede Mensch ist in jedem Fall eine spirituelle Mensch, und zwar von Geburt an. Das spirituelle Sein gehört zu unserer menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instinktiven, also ‚genetisch‘ angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedener Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit (soweit vorhanden) anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln meist intuitiv und trotzdem handeln sie dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir als Mensch auch in unserer Mitte an – in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint).

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und aus unserer fantastischen Mitte heraus, erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, ‚Innenwelt‘ erzeugt… (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissensreichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie – aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung… sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Der Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt – das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, unsere ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.

Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft. Das Vermögen durch Imagination innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht – durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen, ist eine Strategie der Lebensbewältigung. Im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir all das schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da. Wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammeln, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne. Die hier entstehenden Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen, auch das ist Teil unserer Überlebensstrategien.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen Frauen wieder über Freiräume uns gemeinschaftsorientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Verortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht unbedingt zum Standard gehörte. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erobern, ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen. Außerdem – die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“.

Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit ‚richtig‘ und ‚falsch‘ auseinander zu setzen sowie unser empathisches Empfinden, nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität ein.

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und wir wenden die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer ererbten Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch: unsere (positiv geformten) Fantasie erhält uns „gesund“ und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, es ist ein evolutionärer Effekt des Selbsterhalt. Alles was wir als Menschen können, uns als Spezies angeeignet haben, entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie die Kraft der Spiritualität oder eben auch der Fantasie…

Stephanie Ursula Gogolin

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Das Matrifokal

Das Matrifokal ist die Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Mensch (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat*, welches von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für Mütter und ihren Nachwuchs fungierte.

Die Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppierungen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.

Das Matrifokal – ist meine Wortschöpfung für die naturgemäße (evo-biotische) Fürsorgegemeinschaft. Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten**.

Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren … in der unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologischer angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch (biologische) Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuum.

Stephanie Ursula Gogolin

 

(* Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

(** Zitat by Gabriele Uhlmann – „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

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Vom Postpatriarchat zur matrifokalen Gemeinschaft?

Der Begriff Postpatriarchat ist derzeit recht gebräuchlich und deutet an, wenn ich es richtig verstehe, dass die unmittelbare Zeit nach dem Patriarchat bereits angebrochen ist. Uns wird mit diesem Begriff suggeriert, dass bereits ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat bzw. in Gange gesetzt wurde. Dergleichen kann ich nicht feststellen. Zudem hat für mich der Ausdruck Postpatriarchat so ein Flair von postapokalyptisch.

Dieser Begriff bezeichnet auch keine konkrete Gesellschaftsform, sondern bringt nur die Hoffnung zum Ausdruck: das Ende des Patriarchat ist nah. Und einige tun so als hätte sie bereits begonnen, die erleichternde Zeit danach – nach der Patriarchose, nach der fatalen Väterherrschaft, nach den gewaltverbrämten Androzentrismus. Dass wir also mit einem Bein bereits in einer, allerdings noch nicht definierten hoffungsvollen Zukunft unserer globalen Gesellschaft stünden.

Wir sollten uns eingestehen – derzeit ist (noch) gar nichts „post“. Und weder der Beginn noch das Gefüge, des zu erwartenden gesellschaftlichen Öko- und Wertesystems einer zukünftigen Weltgesellschaft, ist bisher umrissen. Was folgt also nach dem Patriarchat und wie könnten sich tatsächlich die ernsthaften Schritte des Übergangs gestalten? Welche Art eines Gesellschaftsgefüges wird sich aus der immer noch waltenden, für alle so erdrückenden, Patriarchose entwickeln und wie schnell wird es gehen? Und was, wenn die Nutznießer der derzeitigen patriarchalen Hochkultur ihre Macht doch nicht einfach aus den Händen geben wollen?

Ich weiß, dass hier Hoffen und Wunschdenken eine Vision entstehen ließ: Mann und Frau als autarke, also vollkommen unabhängige (auch wirtschaftlich) Individuen, welche sich aus Liebe und nach Bedarf zusammen tun und innerhalb gewisser, biologisch vorgegebenen Lebensabschnitte für einen Fortbestand der Art sorgen, ohne auch nur den Anflug eines (Mutter)Sippengefüges aufkommen zu lassen. Die reine Form einer Zweier-Partnerschaft (auf Augenhöhe), eine Art Fortführung des Eheideals auf höchstem Niveau (ohne das strenge Reglement des christlichen Ehegedankens) und gleichzeitig unter Vernachlässigung der relevanten elementaren Kindheitsphase und möglichst ohne Wahrnehmung des biologischen Alterungsprozesses.
Der immer noch und nahezu naiv vorgegebene, gesellschaftliche LeitSinn zielt auf das (unnatürliche) Ideal eines mehr oder weniger dauerhaften Zweier-Bündnis, welches in temporären Elternphasen Nachwuchs produziert, jedoch nicht verpflichtet ist eine individuelle (aber kollektiv relevante) Altersabsicherung zu gewähren.

Ich kenne noch zu gut diese futuristischen Trugbilder aus der Zeit meiner Jugend, die ich im DDR eigenen, sozialistischen Sozio-Top der staatlichen Indoktrination und dem dazu passendem Schulsystem erlebte. Utopien sprudelten nur so und nichts davon hat bis heute je wirklich funktioniert. Und wird es auch nie, nicht solange von den Brüdern die Schwester im gesellschaftlichen Alltag vergessen, missachtet und unterdrückt wird. Daher fällt es mir auch außerordentlich schwer, mir das Postpatriarchat als eine funktionierende Partnerschaftsgesellschaft (ohne menschenartgerechte, ursprüngliche Sippenbindung) vorzustellen. Das ist für mich genauso unrealistisch, wie einst die kommunistischen Gesellschaftsmodelle einer marxistisch – leninistischen Ära, die ähnliche utopische Ideen pflegten, dabei auf jede Art von technischem Fortschritt setzten und in den sozialen Bereichen diffus eine allgemeine Verbrüderung als tragendes Element annahmen. Und wie im Patriarchat üblich wurden nicht nur die Schwestern verdrängt, noch wurde der Mütter und Töchter gedacht.

Der Mann als Träger des Postpatriarchats?
Wie wird sich also, wenn es soweit ist, die postpatriarchale Gesellschaft entwickeln? Aus welchen, heute bereits wirksamen Impulsen geht denn das neue Paradigma hervor?

Wird der Mann, die ihm bisher (durch göttliche Fügung) beigegebene Gehilfin „Frau“, zu seiner gleichberechtigten Nenn-Partnerin machen und auf jede Form weiblicher Ausbeutung und Diskriminierung verzichten?

Oder strampelt sich der Großteil der Frauen frei? Findet nach langem vergeblichem, individuellen jetzt ein kollektives Bemühen der Frauen statt, den Mann überhaupt erst grundsätzlich menschenfreundlich und partnerschaftstauglich auszubilden um damit für jede/n ein ersprießliches, Nähe garantierendes, Zusammenleben zu gewährleisten?

Findet im Postpatriarchat nach der Sozialisierung des MachoManns dann weiterhin eine Art permanenter Singlebörse als einziger Sinn der Lebensgestaltung neben der Erwerbstätigkeit statt? Und wo finden wir den Ort der Sozialisierung, um einen postpatriarchaltauglichen Mann zu kreieren? In der tradierten Kleinfamilie wohl nicht, das hat bisher auch nicht geklappt! Oder durch all die alleinerziehenden Mütter bzw. Väter? Oder gar in dem Gewirr der modernen Patchworkfamilien-Landschaft oder in einem, der matrifokalen Sippe nachgebildeten, Wahlclan, in dem aber nach wie vor die Mutter-Tochter-Bindung fraglich bleibt?

Um weiterhin weit weg von mütterlichen oder blutsverwandten Verbandelungen, das erwachsene, bindungsarme, autarke Individuums zu formen und auf die Suche nach einzelnen Partnern zu schicken, die ebenso unter den Defiziten leiden, die so eine moderne Vereinzelung mit sich bringt? Denn der Dreh- und Angelpunkt scheint für den Mainstream auch in der Zukunft immer noch in einer differenzierten Neuordnung des Geschlechterverhältnis außerhalb einer naturgemäßen Bindungsgemeinschaft zu liegen.

Es wird ihn (hoffentlich) nicht geben, den Gender-Norm-Menschen der Zukunft – für den prinzipiell keine Geborgenheit in einer (menschenartgerechten) fürsorgenden Herkunftsgemeinschaft vorgesehen ist und der durch den postapokalyptischen Mainstream zum beziehungsbereiten, doch bindungsarmen, flexiblen Partner für jedefrau bzw. jedermann geformt wird. Woher kommt er also dann, der gewaltfreie, partnerschaftliche, sozial eingestellte und fürsorgende Mann?

Unsere (biologische) Natur können wir nicht abschütteln und so wird der Mensch auch weiterhin als ein von mütterlicher, menschlicher Fürsorge abhängiges Wesen zur Welt kommen. Da unsere moderne Gesellschaft in allen ihren patriarchösen Ausprägungen leider bereits vorhanden ist und gefühlt aus nur fertigen erwachsenen Menschen im besten Erwachsenalter besteht (alle anderen werden weitgehend outgesourct) gibt es keinen Ort für menschliche Sozalisation.

Diese festgelegte erwachsene Welt kreist als Ego-Karussell durch unser Leben. In dieser Welt haben es all die kleinen hineingeborenen Menschlein nicht einfach, das zu bekommen, was sie eigentlich für ihren Start ins Leben brauchen und um auch später ihre individuellen Lebensaufgaben zu erfüllen. Das per Erbanlage erwartete Matrifokal ist jedenfalls schon mal nicht in unserem Alltag präsent. Wir kommen auf die Welt und müssen als Individuen erst einmal lernen im jeweiligen (patri)kulturellen Kontext zu interagieren und uns nach und nach die Anforderungen des späteren erwachsenen Lebens erarbeiten. Die urzeitlichen Menschen (deren Muster bei uns noch wirksam sind) wuchsen (über Jahrtausende) unmittelbar in einem Sippengefüge unter Geschwistern und direkten Angehörigen auf und verblieben in der Regel bis ans Ende ihrer Tage in diesen Gemeinschaften. So erlebte die/der Mensch permanent jede menschliche Alters- und Entwicklungsphase bei den Anderen mit und an sich selbst. Die natürlich aufgewachsene Frau wird auch daher ohne weiteres den weiblichen Gesamtzyklus verinnerlicht haben.

Die eigenen ineinander fließenden Lebensabschnitte waren (sind) komplex mit denen der Nähemenschen (Sippenangehörige und Alltagsgefährten) verwoben. Das menschliche Dasein fand/findet in unmittelbaren Bindungsfeldern statt, die zyklisch und generativ verschränkt sind bzw. sein sollten. Dass ihre Lebensabläufe heutzutage von vielen Mitfrauen oft wie eine Einbahnstraße gelebt werden, ist der männlichen Dominanz geschuldet, welche alle unsere Alters- und Lebensphasen beherrscht. Die Frau lebt von Natur aus eigentlich einen anderen Rhythmus als der Mann und würde es jederzeit wieder tun, sobald sie ihrer Female Choice und ihrem matrifokalem Erbe folgen kann.

Das Patriarchat baut sich vor allem auf die vitale (und damit aggressive) Lebensperiode des Mannes auf. In dieser Phase eines Männerlebens wurden die heute noch wirksamen hierarchischen Machtpotentiale geschaffen. Hier ist der Mann kein von der Mutter abhängiges Kind mehr und (noch) kein von der Sozial-Gemeinschaft abhängiger alter Mann, sondern scheinbar immer der starke (je nach Sub-Kultur auch gewaltbereite) und im Kreis seiner Verbündeten lebende, Mann mittleren Alters.

Der wettbewerbende Mann im mittleren Alter ist der Taktgeber in unserer patriarchösen und androzentrierten Gesellschaftsstruktur. Ein Postpatriarchat würde erst einmal weiterhin unter der Dominanz des Mannes stehen, da das weiterhin wirksame Ideal des Vaters vermutlich nicht relativiert würde. Der individuelle Vater ist ein kulturelles Konstrukt, das parallel mit der gewaltsam eingeführten Herrschaftshierarchie platziert wurde. Das ursprünglichen Gefüge unserer artgerechten matrifokalen Gemeinschaft wurde dadurch nach und nach fast vollständig global zerstört.

Der Vater und das Postpatriarchat
Die Berufung auf die Wichtigkeit der Vaterschaft halte ich für die wirksame männliche  Kampftaktik schlechthin und weniger als die Vorstellung, dass der Mann einst seine Bedeutung bei der Entstehung des Nachwuchses erkannte und bereit war in diesem Sinne Verantwortung zu übernehmen. Der Sohn hatte für den Vater im beginnenden Patriarchat einen bedeutenden Stellenwert, als wahrscheinlich verlässlicher Verbündeter und als sein Erbe, als eine Verlängerung der eigenen Person über den Tod hinaus.

Dass die Vater-Sohn-Konstellation auch immer wieder Konflikte barg und heute noch problematisch ein kann, ist allerdings auch zu bekannt. Heute hat der Sohn im Sinne von Status für den in der westlichen Kultur lebenden Mann keine so mächtige Bedeutung mehr, wie zu Zeiten der beginnenden patriarchalen Androkratien. Da heißt es eher: mein Haus, mein Auto, meine Yacht – aber weniger mein Sohn oder gar meine Tochter. Auch wenn es den Anschein hat ich tue hier einer Menge Männer unrecht, läuft, wenn wir genau hinsehen und uns nicht von den neuen Idealen blenden lassen, das volle Patriopathieprogramm immer und überall im Hintergrund mit. ‚Pater‘ bedeutet nun mal, wie wir eigentlich wissen sollten, nicht Vater (im biologischen Sinn), sondern Herr. Sehr schön ist hier in dem Zusammenhang das Beispiel des Papstes, der ja nun im heutigen Verständnis so gar kein (sorgender) Vater ist, jedoch von seinen Millionen Gläubigen und auch von der atheistischen Welt als (Heiliger) Vater bezeichnet wird.

Nichts finde ich derzeit schwieriger einzuordnen als den Vaterbegriff, obwohl er allen mit dem allergrößten Selbstverständnis über die Lippen geht. Egal ob leiblich, sozial oder im übertragenen Sinne, Vater ist der Begriff, welcher mit dem Patriarchat unmittelbar verknüpft ist und ihn nicht nur sprachlich prägte. Ich persönlich kann mir die Zeit nach dem Patriarchat eigentlich nur als mütterlich-egalitäre Gesellschaft, als eine matrifokal-basierte Welt vorstellen. Eine Welt in der die Geschwisterlichkeit wieder ihren Platz hat und das generationsübergreifende Selbstverständnis zu unserem Bewusstsein gehört.

Der heutige populäre Partnerschaftsgedanke – alle, auch einander fremde, Männer und Frauen sind sich menschlich zugetan und spüren immer und überall ein partnerschaftliches Verständnis – wird sich bei aller Anstrengung höchstens als eine Art Übergangslösung entpuppen, da diese Art Partnerschaft auf (anonymer) Nichtverwandtschaft basiert und ein rein ideologisches (bzw. politisches) Konstrukt ist. Und daher sage ich es gern immer wieder: es wird nicht funktionieren. Denn dem Individuum, gleich welchem Geschlechts, wird weiterhin bei dem Gesellschaftsmodell der Partnerschaft, also dem Paarkonzept ohne Angehörigenbindung, die erforderliche Geborgenheit und kollektive Fürsorge und Nähe entzogen.

Als unser menschenartgerechtes Sein sollten wir endlich die geschwisterliche und durch allgegenwärtige Mütterlichkeit geprägte Gemeinschaft anerkennen, denn hier wird, wahrscheinlich schon immer, in angemessener Form den Geschlechtern (egal wie vielen) Gerechtigkeit zuteil.

Nun ist ja Patriarchatsrecht nicht automatisch Männerrecht. Es gibt reichlich Anzeichen dafür, besonders im Hinblick auf das Wirtschaftssystem, dass die uns umgebende Patriarchose hin zu einer maligen Phallokratie fortschreitet. Nicht der, ohnehin fragwürdige, väterliche Anspruch konditioniert die Gesellschaft, sondern ungezügelte, männliche Hybris der wenigen Privilegierten, die sich wie Geiselnehmer der Gesellschaft verhalten oder sich wie Drahtzieher im Hintergrund halten. Auch das Patriarchat war und ist bisher kein Maßanzug für JederMann. Immer wieder müssen wir Frauen mitansehen, dass die wahren Privilegien im Patriarchat auch den Männern nicht in den Schoß fallen und nicht ein jeder automatisch ein Gewinner ist. Um zu einem Gewinner aufzusteigen, gilt es erst einmal sich dem allgemeinen Wettbewerb zu stellen und diverse reale und virtuelle Kämpfe auszutragen. In den Anfängen des Patriarchats war das wörtlich zu verstehen. Eine entsprechende Herkunft hat zwar schon immer diese Form des Anerkennungskampfes erleichtert, aber am Ende sind Triumphzüge trotzdem selten genug. So mancher Knabe fängt zwar bereits durch „patrilinear“ verstandene Geburt recht weit oben auf der Hierarchieleiter an, doch das ist keine Garantie am Ende zu den Gewinnern der Patri-Gesellschaft zu gehören. Das Zeitalter der Väter war/ist geprägt durch die Macht gewohnten Patriarchen und das schließt so manchen Machtwechsel mit ein, die manchemal den Eindruck erwecken, dass sich tatsächlich Veränderungen anbahnen. Gewisse egalitäre Tendenzen, die aber dann doch nicht so weit gehen gleichberechtigt Müttern (Frauen) ihren Platz in der Gesellschaft einzuräumen. Bei allem humanem und aufklärendem Fortschritt, der nächste Backlash kommt bestimmt und gerade eben trifft bereits wieder einer in der Gegenwart auf und wie Gabriele Uhlmann sagt, haben wir jetzt das Patriarchat 3.0 …

Die Frau und das Postpatriarchat
Dieser Tage sind die patriarchalen Strukturen immer noch eine Art Konfektion für den Mann mittleren Alters (bevorzugter Typus: Einsamer Jäger). ein Maßanzug, der natürlich nicht jedem passt. Da sich derzeit die ethisch/ideologische Kleiderordnung von ausschließlich ‚Mann‘ auch hin zu ‚Mensch‘ erweiterte, dürfen auch Frauen mehr denn je in diese Kostümierung schlüpfen. Unter bestimmten Umständen können sie sich zeitweise auch gut darin bewegen, doch vom Grundansatz her ist es immer noch eine maskuline Uniform.

Wirkliches weibliches Sein und weibliche Werte finden nur schwer Einlass in die patriarchalen Männerbünde (und ehrlich gesagt, haben sie auch dort nichts zu suchen). Der Kampf, manchmal um jeden Preis, der auf die Niederlage der Gegner und den eigenen Sieg zielt, ist auch nicht wirklich ein Frauen- und Mütter-Ding. Obwohl auch da unser Schulsystem so früh wie möglich Mädchen und Jungen in einen ungesunden Wettbewerb zwingt und Konsens, Miteinander und jegliche Kooperation vergessen lässt. Dass Frauen immer noch nicht die Chefetagen stürmen, liegt nicht nur an der sogenannten gläsernen Decke, sondern auch daran, dass Frauen dem System hilflos (…was soll das Ganze?), kritisch (…wozu soll das Gerangel nützen?) oder unwillig (…ach nee lass mal, ich will das nicht!) gegenüberstehen. Sich im Wettbewerb unter Einhaltung der Hierarchieregeln nach oben zu kämpfen ist für so manche Frau einfach keine Option, sondern nur eine verdammte Zeitverschwendung. Denn als Mütter haben wir eigentlich doch was anderes, etwas Besseres, zu tun.

Bleibt also nach wie vor die Frage: können wir das Patriarchat überwinden und uns als Gesellschaft heilen? Werden wir statt der Patriarchose und deren postumen Erscheinungen eine (globale) Gesellschaft schaffen, die nahtlos an das naturgemäße Konzept der matrifokalen Urgemeinschaft anknüpft?

Bisher wollen ja die meisten auf keinen Fall zurück in die Steinzeit. Und selbst wenn sich auch gerade an der Stelle neue Einsichten bilden, hat trotzdem fast eine Jede Angst die bequeme Moderne zu verlieren. Übersehen wird dabei ständig, dass wir nicht das steinzeitliche Know-how zurückholen wollen, sondern die (menschen)artgerechten, sozialen und damit matrilokalen Bedingungen unter denen unsere Ahninnen lebten. Dass wir den Geist des Kontinuum wieder entstehen lassen, in dem einst die Mensch die Grundlage zum humanen Menschen legte. Wir sind das Ergebnis unseres naturgemäßen und artgerechten (biologischen) Seins. Diese Basis wieder als Alltagssituation zu küren und einzuführen wäre schon allen Kindern zuliebe wünschenswert.

Hier begegnet mir leider immer wieder eine sehr geringe Vorstellungskraft, die gerade unter Frauen in den bangen Fragen gipfelt: „Wie soll das denn gehen?“ oder „Wo bleiben da die Männer?“. Und die Feststellung, dass wir ja ‚vieles nicht wissen können‘, weil niemand von uns in der Vergangenheit dabei war, ist ebenfalls sehr beliebt.

Da die (anerkannten) Wissenschaft, wie die bisherige Archäologie, oder ähnliche Disziplinen manches so darstellt, als hätte es die patriarchösen Strukturen schon immer gegeben, traut frau zu selten ihrer eigenen Vorstellungskraft, die doch eigentlich unsere kollektive Erinnerung ist. Ich bin der Meinung, dass wir menschliche Individuen viel mehr wissen, als nur die von Schulweisheit sparsam servierten Faktenhäppchen, die uns in männlich/ patriarchaler Manier auch noch vor-interpretiert werden. Frauen sollten endlich damit beginnen die Welt zu erklären. Und vergessen wir nicht: Kommunikation ist weiblich!

Die Mutter und die artgerechte Fürsorgegemeinschaft – die postpatriarchale Alternative!

Als soziales Lebewesen haben wir uns als frühe Menschenform Regeln des Zusammenlebens geschaffen. Der grundlegende Automatismus war und ist die matrifokale Nähegemeinschaft bestehend aus konsanguinen* Angehörigen (in matrilinearer Bindung in matrilokalem Zusammenhalt). Damit ist die optimale Sicherung des Lebenserhaltes des Nachwuchs unserer Spezies als Individuum in einem dynamischen Habitat garantiert.

Vergessen wir die angebliche Bedeutung von Unterrichtsstunden oder Lehrbüchern, sie sind nur ein (kleiner) aufgesetzter Teil der gesamten Lernerfahrung unseres Daseins. Entscheidend ist dagegen immer die innige, die intensive und wohlwollende Nähe der Fürsorgegemeinschaft, in die einst das Menschenkind hineingeboren wurden und auch heute noch wird. Die aus (bevorzugt konsanguinen*) Angehörigen bestehende Fürsorgegemeinschaft ist der Lebensschlüssel unseres Menschseins seit der Zeit, da sich die Spezies Mensch zu formen begann.

(*konsanguin – durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie)

Was ist die Nähe-Gemeinschaft, der unmittelbare Nähekreis? Was können wir uns darunter vorstellen. Die klassische (Klein)Familie ist es nicht und nur bedingt opportun für ein Kind. Denn was ist schon für ein Kreis der lediglich aus zwei (erwachsenen) Personen besteht: Vater und Mutter? Noch dazu wenn das Kind sie oft über mehrere Stunden am Tag kaum zu Gesicht bekommt. Selbst wenn zusätzlich Geschwister da sind, bleibt dem Kind in der Regel die Erfahrung verwehrt, von verschiedenen angehörigen Nähepersonen betreut zu werden, ihnen am Tag immer wieder zu begegnen bzw. mit ihnen nach Bedarf zu interagieren.

Trotzdem ist der Kern eines jeden Menschenbeginns die Mutter-Kind-Einheit und das was ich als Nähekreis bezeichne, die matrifokale Fürsorgemeinschaft, ein Umkreis von nahestehenden und vor allem (konsanguin) verwandten Menschen im Alltag, die permanent zu uns gehören und in dem die Einbettung der Mütter und ihre Kinder als Selbstverständnis daher kommt.

Leider ist es heute, besonders in der westlichen Kultur, mit einer beständigen, fürsorgenden Nähegemeinschaft nicht weit her. Die Kleinfamilie (bzw. zunehmend das alleinerziehende Elternteil) ist ein mangelhaftes Surrogat. Dieser Nähekreis, der aus einem maximal zwei erwachsenen Menschen zusammensetzt ist und nur dauerhaft funktionieren kann, weil er unterstützt wird durch ein Heer anonymer Dienstleister, die zum Teil als fragwürdige Miterzieher der Kinder fungieren. Konsanguine und weitere Verwandte sind eine Mangelerscheinung, während jedwede Fremdbetreuung zum Standard gehört.

Sollten wir als Gesellschaft die Vernunft aufbringen und (wieder) anfangen von der Mutter her zu denken und damit an das natürliche soziale Gefüge unserer Ahninnen – die Matrifokalität – anzuknüpfen, bliebe auf alle Fälle unseren Kindern die immer dramatischer werdende Vereinzelung für den Rest ihres Lebens erspart.

Die Mütter und ihre Schwestern und Brüder, die ab jetzt das Postpatriarchat aufräumen werden, müssen sich auf eine Menge Arbeit gefasst machen. Eine gründliche Trennung von all den patriarchösen und somit schädlichen Konditionierungen und hin zu den naturgemäßen und somit humanen Werte, dürfte für eine Jede(n) eine Lebensaufgabe werden.

Stephanie Ursula Gogolin

 

dieser Text entstand aus verschiedenen meiner Kommentare und Statements nachbearbeitet: Oktober 2019

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Gibt es den matrifokalen Vater?

Wahrscheinkontrolle

Von den seltenen Fällen einer Kindsvertauschung in der Klinik abgesehen, ist sich eine Mutter sicher, dass ihr Kind wirklich von ihr abstammt. Ein Vater kann das nicht behaupten, denn er ist an der Schwangerschaft nicht beteiligt. Wenn eine Mutter ihr Kind stillt, wird ihr Körper mit Oxytocin geflutet und es bildet sich das heraus, was wir als Mutterinstinkt bezeichnen (Blaffer Hrdy 2010). Davon zu unterscheiden ist die Mutterliebe, die sich auch herausbildet, wenn sie nicht stillt. So oder so, schon in der Schwangerschaft knüpfen Mutter und Kind ein fast schon magisches zu bezeichnendes Band, durch das sich beide wortlos verstehen und das lebenslang hält. Ein Kind kennt seine Mutter von Beginn an und durchlebt mit ihr alle Gefühle, was in der Stillzeit noch hormonell bedingt ist und später noch lange nachwirkt, weil der wachsende Verstand diese Gefühle auch einzuordnen lernt.

In unserer Welt leben die meisten Väter mit ihren leiblichen…

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