Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil III

Die Duldung männlichens Gewaltverhaltens als kollektives Merkmal der Patriarchose

Die menschliche Gefahr für das Leben auf unserem Planeten ist männlich! Heute nennen wir es bereits toxische Männlichkeit, um einerseits auf die Gefährlichkeit hinzuweisen und andererseits um den Männern, die sich nicht an den Machtspielen beteiligen möchten, die Möglichkeit zu geben, sich von bestimmten Geschlechtsgenossen abzugrenzen, die dieses toxische Moment (bewusst) ausleben. Aber auch das kann trügerisch sein. Denn da metzelt mal wieder einer seine Frau nieder und hinterher wundern sich die Nachbarn, da er ja immer so freundlich grüßte.

Die patriarchale Gesellschaft, in der wir leben, hat ein durchgängiges Gewaltproblem. Die Gesellschaft stellt sich in verschiedenen Kulturmustern dar, aber alle tolerieren gewisse Formen von Gewalt bzw. finden tausende Regeln, was gerade noch geht oder eben für den sozialen Zusammenhalt nicht mehr zuträglich ist. Manche Einzeltäter werden zur Rechenschaft gezogen, andere finden Schlupflöcher, wieder andere haben überhaupt kein Unrechtsbewusstsein für ihre Gewaltbereitschaft, Denkweisen und Taten, da sie in dem androzentrierten Klima der verinnerlichten Patriarchose aufwuchsen. Frauen sind übrigens von dieser Prägung ebenfalls betroffen, obwohl sie ständig potentielle oder ganz konkrete Opfer sind. Es ist für eine Frau normaler Alltag einem möglichen (Einzel)Täter zu begegnen, mit ihm u.U. Bett und Tisch zu teilen oder von Kindheit an in ihrem Umfeld Über- oder Angriffe auf ihre körperliche und psychische Unversehrtheit erdulden zu müssen. Wir erleben, wie andere diskriminiert, misshandelt oder verletzt werden ohne wirklich eine Handhabe zu haben, einzuschreiten. Gewalttäter aller Art sitzen am längeren Hebel, das ist einer der absurden Marker des Patriarchats. Patriarchat ist Vaterherrschaft und uns wird heutzutage mehr denn je eingeredet, dass diese Vateridee den Prototypen eines Fürsorgers darstellt. Der (gottgleiche) Vater ist immer für die Seinen da. Wer die aber sind wurde eigentlich nie dezidiert geklärt. Der privilegierte Mann sucht sich nämlich die Seinen aus und da gibt es von Anfang an keine Fürsorgegarantie für einzelne Personen.

Der pater familias hält sich eine Hausgemeinschaft und es ist unerheblich, ob aktuelle Gesetzgebung ihn mehr oder weniger verbindlich auffordert, ein eingegangenes Bündnis wie eine Ehe, auch ernstzunehmen. Als Versorger und Halter von Frau und Kind schuf sich der patriarchale Mann zwar eine Art Basislager unter seiner Herrschaft, aber auch gewisse Zwänge, allerdings immer mit der Option, diese auch unterlaufen zu können. Es ist also nicht verwunderlich, dass der patriarchal privilegierte Mann bis heute die Kontrolle behalten möchte.

Der gesamte patriarchöse Kodex ist im wahrsten Sinn des Wortes widernatürlich gestaltet. Sämtliche patriarchale Sozialkonstrukte schaufeln wirtschaftliche Macht auf die männliche Seite und entziehen Müttern die Grundlagen wirtschaftlich selbstbestimmt und damit im matrifokalem Sinne ihren Nachwuchs aufzuziehen. Die Abhängigkeit von einem Familienoberhaupt/Vater in allen Bereichen, auch außerhalb des privaten, ist der Unstern unter dem Mütter und Kinder leben müssen.

Der Vater ist eine kulturelle Kunstfigur, die zwar durch sozial anmutende, aber herrschaftlich aufgestellte Regelwerke gesteuert (siehe die diversen Religionen), aber im patriarchalen Gesamtkontext lediglich als gut etabliertes Dogma verortet wurde. Ein Dogma, dass weder als human (menschenfreundlich), noch als naturgemäß (generell lebensfreundlich) daherkommt. Die dem Pater gewidmete Familie ist als sein Mini-Herrschaftsbereich, historisch gesehen als eine Art rechtsfreier Raum konzipiert und zwar es bis in unsere Zeit. Da durfte kein Täter in der häuslichen Idylle benannt werden, es sei in der Hierarchie stand/steht jemand über ihm, der seine Ansprüche geltend macht und eingreift. So wird auch heute noch von häuslicher Gewalt bzw. von Gewalt im sozialen Nahbereich gesprochen, statt die begangenen Gewalttaten samt Täter deutlich zu benennen. Was oft nur bei einer finalen Eskalation der Fall ist, vorher bestand idR kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung.

Wikipedia Stichwort Familie
Die Begriffe familia und die zugehörige soziale Zentralposition des pater familias waren Herrschaftsbezeichnungen, die Machtverhältnisse bzw. unterschiedliche Aspekte von Machtverhältnissen anzeigten.[8] Der biologische Erzeuger (Vater) hieß genitor, nicht Pater.[8] Bereits in den indogermanischen Sprachen stand Pater nicht für leibliche und materielle Aspekte einer Vaterschaft, sondern für „Schöpfungskraft“ und „übernatürliche Kräfte“ jenseits der reinen Fruchtbarkeit eines Mannes.

Im Patriarchat gibt es reichlich Differenzierungen, wenn es um Täterschaft geht und Gewalttaten sind immer an die Deutungshoheit einer Herrschaftsmacht geknüpft. Die Ideologie des Verbrechens ist der aktuellen Moral unterworfen. Treten Täter unter einem gemeinsamen Motto auf und begehen kollektiv sogenannte Straftaten (Gewalttaten gegen das Leben) kommen sie sogar u.U. leichter davon, als so manche Einzeltäter. Dazu kommt, dass Militärs, Polizei, Milizen, Rebellen, Umstürzler aller Art gern „gute Gründe“, also Argumente für ihre gewaltvolle Vorgehensweise haben. Für das Durchsetzen von Anordnungen, Befehlen oder (göttlichen) Geboten wird in der Regel die Vorstufe der Gewalt, die Drohung, angewendet. Da hatte/hat das einzelne Mitglied einer größeren Bruderschaft, besonders wenn sie als Exekutive gilt, schnell mal ein Ausrede für sein brutales oder gar sadistisches Vorgehen. In maskulinen eingeschworenen Gruppen (aller Art) werden aus potentiellen ruckzuck richtige Täter. Das Urverbrechen, das in der Patriarchose auch zu einer Art Erbsünde wurde, ist jedoch, noch vor dem Töten, die Geiselnahme! Der MannMensch eignete sich seinesgleichen und hier vor allem die Mensch (die Frau und Mutter), als verfügbares Objekt an. Die gesamte patriarchale History, die daraus hervor ging, wurde zum Selbstläufer mit permanent ausgeübter Gewalt als Motor.

Warum nimmt ein Mensch andere Menschen gewaltsam und skrupellos als Geiseln? Und müssen wir das als einen kriminellen Ausrutscher eines Einzelnen sehen oder ist dieses Gebaren eben doch die tradierte (gesellschaftlich anerkannte) Spielart der männlichen Gewaltäußerung? Warum läuft von Zeit zu Zeit (meist) männliches Verhalten, auf kriminelle Art aus dem Ruder? Weil der Mensch (Mann) von Natur aus so ist und nicht anders kann, als seinen Aggressionen manchmal freien Lauf zu lassen oder eben nur durch einen Gewaltausbruch seinen Affekten Ausdruck verleihen kann? Wieso ist uns als aufgeklärte Gesellschaft nicht bewusst, dass die Quelle dieser kriminellen und damit enthemmten Handlungen auf eine grundsätzlich patriarchöse Vorgabe – die Erlaubnis, als Mann gewalttätig sein zu dürfen – zurückzuführen ist? Dass es sich dabei immer um eine Dimension der Geiselnahme handelt, die der patriarchale Mann (ob okkult oder exzessiv) ausleben kann, auch oder vor allem, als Vater?

Der kulturhistorische Mann, der die Waffengewalt für sich entdeckte, der anderen Lebewesen seinen Willen aufzwang, der Ideologie-Religionen ersann und das Staatswesen erfand, der eroberte und Reiche gründete, um seine Macht und damit sein persönliches Überleben zu sichern; der den tödlichen Kampf ‚Mann gegen Mann‘ erfand und Frauen und ihre Kinder als Kriegsbeute fortführte; der also Kraft seiner selbst geschaffenen Privilegien das Weibliche als Geisel nahm; der (bis heute) die Frau als Mensch und als Mutter um ihre Fruchtbarkeit beneidete, ihre Sexualität zu seinem Pläsier ausnutzte und ihre Arbeitskraft ausbeutete, erfand den Vater und den Gott. Damit schwang er sich im Rahmen der nun nachhaltig installierten Vateridee zum Besitzer des Kindes und aller anderen Lebewesen auf.

Die größte Gefahr, die auf unserem Planeten vielseitig das Leben bedroht, geht von der patriarchösen Kulturversion der menschlichen Spezies aus. Die Gefärdung ist nicht der Mensch als solches und DIE Mensch, also die biologische weibliche Grundversion, schon mal gar nicht, sondern DER Mensch, der Mann, der aus Jagdwaffen Angriffswaffen entwickelte, der Erz grub, einschmolz und eine erste Waffenproduktion startete. Sich das Leben untertan zu machen, führte zur Abspaltung vom matrilokalem Sippengefüge und zu (s)einer sukzessiven Verrohung. Sich selbst einen rein maskulin bezogenen Kodex zu geben und diesen auch noch nach Gusto auslegen zu können, förderte jede Form von Gewaltverhalten und Hingabe an aggressive Affekte.

Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg 18.01.2020

 

Links zum Femizid:

https://www.nzz.ch/international/wie-europa-gegen-frauenmorde-kaempft-ld.1532633?fbclid=IwAR2cNEGMxBaY8HfcLr1OS-xVkv7UVkQLcrjqfngmpXoqAeEixzMgF0g12oU

https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/eine-frau-zu-sein-ist-gefaehrlicher-als-was-sie-ueber-gewalt-gegen-frauen-in-der-schweiz-wissen-muessen-ld.1171669?fbclid=IwAR38YfOH5M7chSrQqnqBvlfd7vkW2Ajlr8qAaJzGc1I3mdoRm_RxpBu82Gs

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Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*

„Zuerst war die Unterdrückung aller weiblichen Lebewesen da. Der Ur-Rassismus ist der Glaube, dass Frauen ihre Sexualität dem Dogma der Vaterschaft unterzuordnen haben. Und wir lernen daraus, dass es kein Patriarchat ohne Rassismus geben kann wie es auch kein Patriarchat ohne Gewalt gibt.“

Wahrscheinkontrolle

Das Interview von Felix Hütten von der Süddeutschen Zeitung Online „‚Wir waren alle mal schwarz'“ mit dem Untertitel „Der Zoologe Martin Fischer und der Paläogenetiker Johannes Krause erklären, wieso es keine menschlichen ‚Rassen‘ gibt – und warum die Angst vor einer ‚Überfremdung‘ falsch ist“ (vom 24.11.2019) war Anlass, mich in einem Sozialen Medium zu diesem brisanten Thema zu äußern. Erstaunlicherweise gab es keinen Shitstorm, keine negativen Reaktion oder nur Lach- oder Wut-Smilies, wie ich es sonst gewohnt bin. Es gab erst einmal gar keine Reaktionen, ich habe die Leute schlichtweg sprachlos gemacht. Das zeigt mir auch, dass dieses Thema ein grundsätzliches ist, an dem wir das Patriarchat am besten erklären können.
Erst nach einigen Tagen machte eine gewisse „Bibi Blocksberg“ ein Herzchen unter den Post, der damit nebenbei gesagt herzlich gedankt sei!

Ich schrieb: „Natürlich haben wir unterschiedliche Gene, die Afrikaner haben keinen Neanderthaler-Anteil, den Europäern fehlt das Denisova-Gen. Den…

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Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil II

Die Ehe – ein verinnerlichtes Stockholm-Syndrom

Wir heutigen Frauen sind die Nachfahrinnen der einst verschleppten Töchter, der entführten und versklavten Mütter der frühen andro-patriarchalen Machtsysteme …

Die amorphe anonyme Großgesellschaft, die als Patriarchat beschrieben wird, setzte sich, seit sie gebildet wurde, aus einer Machtclique, dem breiten Teil an zuarbeitenden Strebern (die dem Vorbild der Mächtigen folgen und deren Lebensstil anstreben) und den Kollateralen, den Geopferten, denen man als Individuum oder als Gruppe gleich von vorn herein oder durch Umstände, Freiheit und Selbstbestimmtheit verwehrt und die per Schicksal aus dem relativen Wohlleben herausfallen. Dabei ist es unerheblich welches der gesellschaftlich vorgeschriebenen Idealen gerade vorherrscht, das patriarchale System besteht aus den Privilegierten (nennen wir sie Patriarchen) und den Beherrschten und Unterdrückten (nennen wir sie Kollaterale). Von Zeit zu Zeit verschieben sich die Machtverhältnisse von unten nach oben, aber das sind in der Regel nur Variationen innerhalb der androzentrierten, patriarchösen Strukturen. Bei dieser meiner Beschreibung argumentiere ich im Rahmen der männlichen Machtspiele. Die Frau, die Mutter und ihre Kinder, wurden zu keiner Zeit einbezogen oder gleichwertig behandelt. Sie blieben die willkürlich benutzten Figuren im Strategiespiel der Mächtigen, selbst wenn die eine oder andere Frau im Ranking der Macht zufällig mal weit oben stand/steht.

Auch wenn es regierende Pharaoninnen, Königinnen, Kaiserinnen oder heute Politikerinnen gibt, die einen großen Einflussbereich und exekutive Macht besitzen, ist das auch nur auf Grund von Gewaltenbündelung in einer Hand möglich und somit eine Spielart des Patriarchalen Prinzips: andere Lebewesen (auch die eigene Spezies) werden beherrscht, diese haben eine beschränkte Selbstbestimmung und sind von Geburt an einer straffen Konditionierung und Kontrolle unterworfen.

Das Patriarchat hat uns Menschen mehr beschert, als nur die Herrschaft der Väter. Es erschütterte unsere uns eigene Natur in dem das Mutter-Kind-Kontinuum per se zerstört und als irrelevant erklärt wurde. In der Patriarchose überführte mann uns, die Mensch, weg vom Naturgeschehen der matrifokalen Lebensweise, in ein androzentriertes Kulturkonzept mit einem hierarchischen Aufbau und einem Machtgefälle, das nur ganz wenigen nützt und damit das Gros der Menschen zu Unterdrückten, sozusagen zu Dauer-Geiseln, machte.

Der Mann generierte sich selbst zu einem Hirtenkrieger – einem Einzelkämpfer mit der Option Verbündete für seine Ziele (Egotrips) zu gewinnen. Ein (unsozialer) Solitär, der nicht mehr als ein (biologisch gebundenes) Individuum von der Fürsorgegemeinschaft naturgemäß abhängig ist, sondern statt dessen eine Fürsorgegruppe, auf Grund seines Gewaltpotential von sich abhängig macht. Der Sündenfall schlechthin. Der Mann* ist nicht mehr Teil eines Matrifokals, sondern hält sich eine Familie.

Im kooperierendem, artgerechten Menschsein agierten Frau und Mann als Schwester und Bruder. Und zwar im Sinne des gemeinsamen Überlebens und zum Wohle der nächsten Generation. Im konkurrierendem Patriarchat gab es keine gemeinsame nächste Generation mehr. Der Mann führte Besitz und Eigentum ein und der Nachwuchs, das Menschenkind, war Teil dieser Konzeption. Die Schwester wurde zur Frau eines anderen Mannes. Die Ur-Geschwisterlichkeit ging im patriarchalen Kampf um die Ressource Frau verloren.

Da der Mann nur mit der zweifelhafter Sicherheit bzw. einer scheinbarer Gewissheit zum (besitzendem) Vater werden konnte, wenn er die sogenannte Fruchtbarkeit (Schwangersein können, Gebären und Nähren) (s)einer Frau unter Kontrolle bekam und diese Kontrolle auch behielt. Einmal als einzelner Mann mit der kreierten Bezeichnung eines Vaters und kollektiv als (politisch installiertes) Vater-Ideal. Der vom natürlichen Matrifokal abgespaltene Mann und nun patriarchaler Vater, strebte keine Rolle als zusätzlicher sozialer Fürsorger (wie einst als Mutterbruder) (s)eines Kindes an, sondern zelebrierte sich als dessen Eigentümer. Die Mutter des Kindes wurde der Ausübung ihrer natürlichen Bindungskompetenzen weitgehend beraubt und nur formal und strukturell blieb sie die sorgende Mutter, da es für eine Mutter keinen wirklichen Ersatz gab/gibt. Im sich mehr und mehr ausbreitendem Patriarchat erklärte mann das Muttersein zur temporären Rolle, die einer Frau verliehen wurde und die sie spielen durfte, wenn es dem Herrn und Vater gefiel. Dieses Level ist das Endergebnis des väterlichen (und damit maskulinem) Eingreifens, der Väterübergriffigkeit des Mannes* aus seiner Patriarchalität heraus. Das evolvierte Naturleben von Frau und Kind wurde unter dem Eindruck einer dauerhaften Gewaltkultur zu einem permanenten Geiselstatus.

Wikipedia: Für den heutigen Familienbegriff gab es im Lateinischen – genau wie im Griechischen – kein Wort: „In keiner ihrer Bedeutungen war familia also die Kernfamilie, bestehend aus Vater, Mutter, Kindern.“
Die Begriffe familia und die zugehörige soziale Zentralposition des pater familias waren Herrschaftsbezeichnungen, die Machtverhältnisse bzw. unterschiedliche Aspekte von Machtverhältnissen anzeigten.

In den skrupulos etablierten patriarchalen Strukturen verschwand für den Mann sukzessive die Frau als Sinnbild von Mutter und Schwester und tauchte als Sklavin, Magd und Ehefrau wieder auf. Die eigene Mutter war letztlich auch nur die (Ehe)Frau des Mannes, der als der eigene Vater zugeordnet galt. Im Sippengeschehen war sie, die Mutter, jede Mutter, eine fremde (möglichst nicht verwandte), eingeheiratete Frau, die dem patrilokalen Sammelsurium einer jeden Profandynastie hinzugefügt wurde. Unabhängig von tatsächlichen biologisch/genetischen Fakten, war der Mann, der als Vater galt, der Herr über Frau und Kind sowie über andere Angehörige und Gesinde unter seinem Dach und sei es noch so ärmlich (siehe der römische pater familias). Der Mann als Protagonist der Patriarchose wollte und brauchte die Frau als kooperierende Lebensgefährtin und geschwisterliche/mütterliche Vertraute nicht mehr im Alltag, sondern als Verfügungsobjekt für sein nun episodenreiches Dasein. Lebte doch der Mann als potentieller Anwärter der patriarchalen Macht immer mehr außerhalb seiner einstigen Fürsorgegruppe, konkret körperlich und geistig ideell.

Der zum Patriarchen mutierende Mann fing als Hirte an. Zwar gehörte er anfangs noch zur matrifokalen Angehörigengemeinschaft (Muttersippe), aber durch das Herumziehen mit seinen Herden gab es eine nomadische und ungebundene Entwicklung (irgendwann ohne permanenten Kontakt zu seinem Matrifokal). Eine Parallelkultur setzte ein, in der der Mann (als geschlechtliches Wesen) allmählich überrepräsentiert war und dabei mit seinesgleichen einen eigenen Verhaltenskanon (sehr gut zu sehen an den Zehn Geboten) entwickelte und das, die Frauen ausschließende, hierarchische Sozialgefälle installierte. Ab hier war der Schritt nicht weit, dass einige der Gruppierungen das entwickelten, was wir heute Kriminalität nennen und manch einer der als Outlaw begann und als Warlord oder gar Imperator endete (siehe Männer wie Dschingis Khan) trieb die Gewaltkultur in einem unvorstellbar grausamen Maße voran. Denn der, sich gewaltsam Privilegien aneignende Mann, musste unbedingt sein nun mehr ungeborgenes Leben kontrollieren können. Er schützte sich und seine Verbündeten durch weitere Gewalt. Er wurde Angreifer, Räuber und Krieger sowie Leid und Tod bringender Eroberer. Eine Lieblingsbeschäftigung, die bis heute für den Mann, für bestimmte Männer, nicht ihren Reiz verloren hat. Das Gewaltprinzip, entweder ich oder die anderen, wurde zum Selbstläufer.

Die Frau als Objekt maskuliner Begehrlichkeit und als Spenderin von Mutterenergie, wurde permanent zum potentiellem Opfer von Verbrechen (kurzfristige Übergriffe) und (Kriegs)Beute (langfristige bzw. lebenslange Gefangenschaft). Sie verlor als Person ihre Selbstbestimmung und verkam zum verfügbarem Objekt der Züchtungsexperimente der erstandenen Hirtenkultur und zum willfährigen Spielzeug von Männerlaunen und -begierden. Die Patriarchose wurde zum gut ausgebautem Gefängnis für die Frau. Und als Frau und Mutter ging sie nur deshalb nicht zugrunde (und damit die Spezies Mensch), da sie mit der unglaublichen Resilienz der Naturwesen ausgestattet ist, die sie bzw. uns in der Regel oft auch unter wahnwitzigsten und brutalen Bedingungen überleben lässt.

Der Mann als Erbauer des Patriarchats glaubt, seine machtvolle Erfindung befreie ihn von der Abhängigkeit, in die ein Natur-, ein Lebewesen eingebettet ist. Die gegenseitige Verantwortung und Fürsorge in sozialer Balance und Kooperation, die das menschliche bzw. mütterliche Angehörigen-Kontinuum ausmacht, übte wahrscheinlich auf den sich abgespaltenen Nomaden-Hirten immer weniger Reiz aus, da er sich das Beherrschen von Lebewesen und ihr willkürliches Benutzen aneignete. Der so entstehende Prototyp des Patriarchen wurde zum unsozialen und weiter verrohendem Täter.

Diesem vom Gemeinschaft- und Arterhalt abgekoppelten männlichen Selbsterhalt liegt ein aus Angst entstandener Kontrollwahn zugrunde und ist blanke Selbstsucht. Diese Fehlentwicklung initiierte und förderte dramatisch die Un-Geborgenheit des Individuums in den nun neu zu definierenden Sozialstrukturen. Wir können den Auftakt der Patriarchose als den Beginn einer permanenten Geiselnahme des Lebens definieren. Mit einer Geisel sendet der Geiselnehmer immer ein Signal – zum einen fungiert sie als eine Art Schutzschild für den Täter, der damit droht der Geisel das Leben zu nehmen, wenn man ihn nicht gewähren lässt. Zum anderen ist dieser Akt des Terrors eine Drohung in die Zukunft und ein Zeichen für alle, sich ihm nicht mehr in den Weg zu stellen und sich darüber hinaus ab jetzt nicht mehr in Sicherheit zu wissen. Auch ein Grundzug des Patriarchats, das auf dem sich isolierenden Überlebensbestrebens des Mannes als solitäre Person fußt. Der nun mehr so entstandene gewaltbereite Androkrat (Patriarch) mit Herrschaftsambitionen im ganz banalen Alltag ist männlich und hält bis heute die Welt in Atem.

Das heißt, wir haben es hier nicht, wie gern euphemistisch deklariert, mit dem neuen Mann zu tun, der eine Kulturgesellschaft erbaute – wissbegierig, experimentierfreudig und zukunftsorientiert, sondern mit den verlorenen Jungs, die das eigene Matrifokal zerstörten und leider ihre Stress bedingten und Testosteron gefluteten Aggressionen zur Grundlage einer Gesellschaftsordnung machten. Der Mann*, der verbrecherische Handlungen beging, der mit weitreichenden kollektiven Aktivitäten, wie Raubzügen und (Angriffs)Kriegen das friedfertige Leben des Kontinuum der Müttergemeinschaften zerstörte, der seine durchgeführten, rigorosen Unterwerfungen ideologisch untermauerte und das einst urtümliche, weiblich kreierte Brauchtum in maskulin geprägte Religionen deformierte, versklavte skrupellos die Leben hervorbringenden (weiblichen) Lebewesen, allen voran die menschliche Mutter und schuf sich so eine Basis für seinen selbstherrlichen (narzisstischen) Alleingang.

Diese Art der patriarchal konstituieren Geiselnahme betraf je nachdem das Individuum, sowie kollektiv die relativ friedfertige Urgemeinschaft und brachte nicht nur als ein Merkmal das typische Stockholmsyndrom hervor, sondern erwies sich auch bis heute als der ideale Nährboden für jede Art von psychopathologischen Störungen.

Die an Gewalt und rigider Kontrolle, Menschen- und Tierleid sowie an Tod und Zerstörung orientierte, denaturalisierte Entwicklung zog sich über einige Jahrtausende hin und ist bis heute nicht abgeschlossen. Die vor sieben- bis achttausend Jahren in Gang gesetzte Patriarchose expandiert immer noch. Von einem Postpatriarchat kann also noch lange keine Rede sein. In unseren Tagen begegnet mir immer wieder die idealisierte Vorstellung (gern auch unter Feministinnen), dass alles bereits gut ist oder sich doch zumindest auf einem guten Weg befindet. Im beschaulichen Mitteleuropa schien die Welt zwischenzeitlich auch fast in Ordnung und auch ich gab mich vor ein paar Jahren kurzzeitig der Illusion hin, wenn wir jetzt dranbleiben, kann sich das liberal gebende und fast schon Frauen-aufgeklärte Europa, die ersten wirksamen Grundlagen für kollektive Humanität schaffen und wieder ein matrifokales Sippengefüge wachsen lassen. Das BedingungsloseGrundEinkommen könnte da ein Starterpaket sein und eine grundsätzliche Stärkung der Mutterkompetenz im Leben von nun mehr selbstbestimmten Frauen. Was hat mich da nur geritten? Gerade hier schlug der patriarchöse Backslash zuerst zu. Nichts wuchs vor unser aller Augen schneller an, als die Vaterrechtsbewegung mit ihren neuen Mythen und Gesetzesanpassungen, welche die Mütter noch mehr einschränkten und sie fast rechtlos zurücklassen. Eine neue Form der Geiselnahme, die jedoch diesmal in erster Linie das Kind betrifft.

Nach wie vor ist das größte Geiseldrama der Patriarchose, die klassische bürgerliche Ehe und die idealisierte romantische ‚Liebe bis ans Ende alle Tage‘, unvermindert im Gange. Und niemand scheint es zu bemerken. Jede Frau geht in die Ehe mit dem guten Gefühl, das große Los gezogen oder doch zumindest alles richtig gemacht zu haben. Sie kann mit der (romantischen) Liebe ihres Lebens ihr eigenes (auch persönliches) Leben gestalten. Endlich frei von elterlicher (eigentlich väterlicher) Bevormundung und dem guten Gefühl eventuellen zukünftigen Kindern ein Zuhause und einen Vater bieten zu können. Denn ein moderner Mythos sagt: ein Kind braucht seinen Vater. In diesem Gedanken schließt sich der patriarchale Kreis. Geheiratet zu haben oder in einer Beziehung zu leben, mit Treueanspruch und dem Dauerversprechen alles gemeinsam durchzustehen, heißt immer noch, dass für die Frau (und zukünftige Mutter) scheinbar alles gut ist. Denn hier und heute darf sich auch eine Frau ihren Partner aussuchen und unterliegt keinem Zwang zur lebenslangen Ehe-Haft. Unsere Konditionierung zwingt uns auf gar keinen Fall die kulturelle Deadline(*) zu verpassen. Auch nicht die alleinerziehende Mutter. Alleinsorgende Mütter werden in der Gesellschaft auch deshalb nicht genug wahr- und ernstgenommen, weil sich immerhin ihr Alleinstand jederzeit ändern könnte. Das oberste Gebot unserer (patriarchalen) Kultur ist schließlich die Partnersuche. Auch als alleinerziehende Mutter möchte frau alles richtig machen und nicht immer ist es ein bewusster rebellischer Akt, ihre Kinder ohne Vater großzuziehen, manche sind einfach nur Opfer der Umstände und hätten so gern eine „richtige kleine Familie“.

Die selbstbestimmte Frau, die zudem auch noch ihrer Female Choice freien Lauf lässt, hat immer noch keinen wirklichen Platz zum Leben auf dem großen patriarchösen Spielplatz. Unsere auf dauerhaft romantisch angelegte Liebes-, Ehe-, Paarbeziehungs- und Partnerschaftsverquickungen unserer Sozial- und Gesellschaftskultur, wird nach wie vor und nahezu auf allen Ebenen und in allen Medien gehypt, in der Politik auf gar keinen Fall in Frage gestellt und konserviert und (oh Schande) von der Wissenschaft immer noch als naturgegeben dargestellt. Und alles geschieht, so scheint es, um die permanente Geiselnahme von Mutter und Kind vergessen zu lassen. Aber Mutter und Kind sind nicht der einzige dauerhafte Kollateralschaden. Der Mann schuf sich einst das Patriarchat, um nun bis ans Ende seiner Tage selbst innerhalb dieser Strukturen um sein Dasein zu kämpfen und damit auch ein Opfer der Umstände zu sein. Wieviele Männer wollen wohl als Geiselnehmer, als Täter im Alltag, wahrgenommen werden? Ich kenne keine!

Die anonyme Großgesellschaft, in der wir uns alle einrichten müssen, hat mit ihren Mechanismen einen Part übernommen, den sie für das Individuum gar nicht leisten kann. Entweder die/der Mensch überlebt im patriopatischen Alltag oder nicht, die Gesellschaft ist daran nur marginal interessiert. Und so wird kollektiv geduldet, dass schwere Verbrechen als Familientragödie oder Eifersuchtsdrama verharmlost werden und Frauen sich sogar noch schuldig fühlen, weil sie den/die Täter mit hrem Verhalten provozierten. Erst langsam wächst das Bewusstsein, dass die Schuld nicht bei den Opfern sondern bei den Tätern liegt. Die höchste Eskalationsform der Angriffe auf Frauen, der  Mord oder Totschlag einer Frau, wird heute wenigstens schon Femizid(**) genannt. Die Verbrechen jedoch wirksam zu verhindern gelingt unserer Gesellschaft immer noch nicht (und wird es im Patriarchat auch nie). Dazu stecken Politik, Gesetzeshüter und Mainstream selbst zu sehr in ihrer Variante des Stockholmsyndrom fest. Außerdem ist es Gang und Gäbe, dass kulturelle Traditionen und diverse Religionsvorschriften der Frau/Mutter ihre Selbstbestimmung verwehren und so manche der betroffenen Frauen sorgt in vorauseilendem Gehorsam, dass ihre Töchter auch die Guideline der Patriarchose einhalten. Stockholm-Syndrom eben!

Und der Mann? Von beiden Extremen betroffen, ist er auch immer wieder Täter und will es eigentlich nicht sein. Denn ihm wurde auch sein Patriarchentum in die Wiege gelegt und das schmeichelt – Privilegien sind immer gut! Aber, und das ist für jedes Kind im Manne lebenswichtig, er weiß schon längst nicht mehr, wo auch er die benötigte Geborgenheit im Hierarchiezirkus der Patriarchose herbekommen soll, welche Zu- bzw. Angehörigkeit ihm seine Identität gibt, mit der er wieder unbeschwert unter Geschwistern leben könnte, ohne zum Täter zu werden.

(*) …die Soziologin Denise Donnelly „…spricht von einer »kulturellen Deadline«, die die Betreffenden subjektiv verpassen.“

(**) Wikipedia: Femizid (‚Frauentötung‘; aus englisch femicide, analog zu englisch homicide ‚Tötung eines Menschen‘ in Anlehnung an lateinisch femina ‚Frau‘ und lateinisch caedere ‚töten‘) ist die Tötung von Menschen weiblichen Geschlechts.

 

Stephanie Ursula Gogolin, Oktober 2019
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Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I

Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose…

Stockholm-Syndrom – Wikipedia: Unter dem StockholmSyndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.“

Das sogenannte Stockholm-Syndrom ist von Anfang an eine der gruseligen Nebenwirkungen des Patriarchats und es gab dieses psychologische Phänomen schon sehr lange bevor es Banken gab, die überfallen werden konnten.

Genau genommen sind wir auch heute genauso Geiseln des Patriarchats, welche dessen Erfinder einst nahmen, um sich Vorteil zu verschaffen! Wir sind Geiseln – hört sich das dramatisch an? Es ist aber so! Und wie ein Geiselopfer in auswegloser Lage lieben wir früher oder später unsere Unterdrücker. Wir (die neuzeitlichen Generationen) können nicht ohne ihre Spielchen, die uns als Normalität verkauft werden und wir tun alles um nicht aufzufallen bzw. zu gefallen. Wir ziehen möglichst keinen Zorn auf uns und versuchen einfach die nächste Stunde zu überleben. Das System Geiselnahme oder (zeitlich begrenzte oder ungewisse) Gefangenschaft ist kein natürlicher Effekt des Lebens in der Natur, sondern ein akuter oder permanenter, künstlich (kulturell) herbeigeführter Ausnahmezustand. Wer sich nicht unterwirft, geht drauf, manchmal auch nur, wenn der Geiselnehmer einen schlechten Moment hat. Eine Geisel kann gar nicht per se alles richtigmachen und so garantiert heil davon kommen. Sie kann sich nur wegducken, in Unterwerfungspose still verhalten oder kooperieren. Sich quasi beliebt machen, um den Tag zu überleben (und das eigene Kind, dass blöderweise oder zufällig dabei ist, auch). Das Phänomen Stockholm-Syndrom passiert einem betroffenen Opfer in den seltensten Fälle aus einem Kalkül heraus, sondern entsteht ausgelöst durch das erlebte Trauma im Selbsterhaltungs(Überlebens)Programm.

Wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass im Erleidensfall einer gewaltsamen Geiselnahme, einer Entführung oder sonstigen Gefangenschaft bei der/den betroffenen Person(en) sofort eine ganze Menge an lebenserhaltenden Effekten freigeschaltet werden, um den Schock der Gefahrensituation, der plötzlichen Unfreiheit, das Ertragen der Fremdbestimmung und die Ungewissheit der Dauer der Zwangslage zu verarbeiten.

Der in uns angelegte, essentiell lebenswichtige Drang zur Zugehörigkeit, ist ein solcher Effekt, der bei hochgefährlichen Gefahrensituationen, wenn weder rechtzeitige Flucht noch Gegenwehr möglich ist, eine Unterwerfungshaltung auslöst und infolge zu einem, manchmal irrational erscheinenden Verhalten einer betroffenen Person führt. Unser überlebenswichtiger Zugehörigkeitsdrang (in den matrifokalen Fürsorgebindungen  evolviert) ist ein (Bio)Mechanismus, der uns allen als Überlebenseffekt eigen ist. Ich stelle ihn neben die Female Choice und die Mutter-Kind-Bindung.

Das besagtem Stockholm-Syndrom löst verschiedene ÜL-Effekte aus. Da wir Menschen, als naturabhängiges Lebewesen, immer den Drang verspüren eine, im Alltag notwendige Nähe von An- bzw. Zugehörigen unbedingt zu erhalten, gilt das auch, oder mehr denn je, in einer gefährlichen Lage bei Gleich- oder Wohlgesinnten Verständnis oder Schutz zu suchen. Die Absurdität dieses Syndroms besteht darin, dass die Geisel diese Zuflucht beim Täter sucht, dem vermeintlich stärksten Verbündeten in dieser unberechenbaren Situation. Wenn „alles gut geht“, ist irgendwann alles vorbei. Die Geiseln nehmen zwar das Trauma und den Schrecken mit, aber das grässliche Gefühl Opfer eines Verbrechens geworden zu sein, baut sich nur langsam ab und bleibt als Erfahrung gespeichert. Doch sie haben überlebt. Sie können in ihr Leben zurückkehren, auch wenn es nie mehr so ganz sein wird, wie es vorher war.

Der Super-GAU für jedes Individuum ist jedoch der vollkommen unnatürliche Zustand der Versklavung (eine Geiselnahme für immer) – die dauerhafte Unfreiheit, das Herausgerissensein aus einem geborgenen Leben bzw. die brutale Verhinderung jeder Selbstbestimmung. In so einem Fall wird einem Individuum (und hier sollten wir nicht nur an Menschen denken) jede natürliche, artgerechte Daseinsform versagt. Für die, aus ihrem LebensSoziotop gerissene, überlebende Mensch beginnt eine ausweglose, nicht mehr endende Trauma-Episode. Vertreter der patriarchalen Strukturen haben die Geiselnahme erfunden und zur Sklaverei perfektioniert.

Uns wird zwar in unserem Alltag in der Regel keine Pistole an den Kopf gehalten, damit wir Tag für Tag im moderat erscheinendem gesellschaftlichen Geiseldrama mitspielen und den Geiselnehmern gehorchen. Es geht normal und angepasst zu … denn die Waffen sind inzwischen in unseren Köpfen und längst „lieben“ wir die Täter.

Wir heutigen Frauen sind die Nachfahrinnen der verschleppten Töchter, der entführten und versklavten Mütter der frühen patriarchalen Machtsysteme (siehe auch in Teil II). Vor ein paar tausend Jahren (etwa zwischen acht und sieben, es ist schwer sich hier festzulegen) begann eine unheilvolle kulturelle Entwicklung, die bis heute andauert.

Der Mann* etablierte sich in seinem neuen Status als Besitzer anderer Lebewesen. Er unterwarf seine Herde seinem Willen, die ab jetzt auf seinem Land vor sich hin zu grasen hatte. Er nahm skrupellos Zugriff auf das Leben der Tiermütter und begann ihre Fortpflanzung (evolvierter Arterhalt) zu manipulieren. Und um seinen Besitz dauerhaft und wirksam zu verteidigen und hielt er es für erforderlich sich zu bewaffnen. Waffen zu tragen wurde zu einem Attribut privilegierter Männer und das wiederum befähigte ihn nicht nur weiterhin harmlosen Herdentieren die Freiheit zu nehmen, sondern auch seine Mitmenschen zu dominieren, zu unterdrücken und willkürlich zu vernichten. Der bewaffnete Mann wurde zum Gewalttäter und dieser Umstand brachte der bis dahin Naturgeprägten Welt eine grausame Menschen gemachte und dabei androzentrierte Gesellschaftsform – heute in der Regel Patriarchat genannt. Der Mann* und seine angeeigneten (gefährlichen) Privilegien sind bis heute ein Problem für alle. Die einst naturgemäßen menschenartgerechten Lebensverhältnisse begannen sich im Besonderen für die Frau gravierend zu verändern. Wir leben heute in einer anonymen Großgesellschaft, die der Frau* und Mutter das Leben mehr als nur schwer macht.

Wir sind zwar nach wie vor die Erbinnen der evo-biologischen Urmütter, die uns u.a. unsere Resilienz vermachten, aber im sich ausbreitendem Patriarchat ging uns nach und nach unser Naturbezogener Kontext verloren. Daher sind wir zwar als Mensch immer noch gut im Überleben, aber besonders die Frau ist auch aus dem gleichen Grund nicht wirklich in der Lage sich gegen das Patriarchat bzw. dessen Auswirkungen zur Wehr zu setzen. Ihr Selbsterhalt und der unbedingte Schutz ihrer Kinder kollidiert ständig mit den Bedrohungen, die in den patriarchösen Strukturen im einzelnen oder kollektiv über sie hereinbricht. Eine handfeste Gegenmaßnahme ist in der Regel unter den Umständen einer nicht natürlichen Gefahr – einem Mann mit einer Waffe in der Hand – keine gute Idee und das bedeutet für das Opfer sich der bestehenden Gefahr nicht nur auszuliefern, sondern weitere unabsehbare Gefährdungen in Kauf nehmen zu müssen.

Erstens: das Patriarchat ist ein Gewaltsystem und das bedeutet seine Vertreter sind (und heute mehr denn je) in der Lage ihre Interessen und Forderungen immer brachial durchzusetzen. Der privilegierte Mann in seiner Erscheinungsform als Vater gab dieser Gesellschaftsform den Namen. Wobei Vater eine kulturelle Konstruktion ist und als artgerechtes Fürsorgemitglied des menschlichen matrifokalem Kontinuum gar nicht natürlicherweise vorkam. Der männliche Angehörige in seinem Status als Mutterbruder bzw. Sohn einer Mutter war ein Fürsorgemitglied. Aber ausgehend von der Annahme, dass der Mann das Kind zeugt und damit die Frau schwängert, kürte sich der Mann zum Vater ... das Patriarchat nahm seinen Lauf.

Zweitens: Weibliche in der Natur, sind die Trägerin des Arterhalts und stets in die naturgemäße Verantwortung für die nächsten Generationen (ein)gebunden – ein natürlicher Effekt. Die Säugetierspezies gehen noch komplexer mit der Notwendigkeit um, sich und ihren ihrem Nachwuchs das Überleben sichern, indem sie als Mutter(tier) ihren Nachwuchs so gut wie möglich erhalten. Im Falle der Menschenfrau bedeutet das auch, ihre Kinder vor den Auswirkungen des Patriarchats zu schützen.

Die (evolutionär selektierte) menschliche Überlebensstrategie baute auf der matrilokalen Fürsorge der zugewandt agierenden, matrilinearen Säugetierspezies auf und entwickelte ein spezifisches – matrifokales – Sicherungssystem, in welchem die Mutter-Kind-Einheit den größtmöglichen Schutz genoss. Diese menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft – Das Matrifokal – agiert(e) geschwisterbasiert, generationsübergreifend und vor allem Mütterzentriert. Sie ist schlicht die Basis der Erfolgsgeschichte der Menschheit.

Dieser essentielle Drang zur Zugehörigkeit kann unter ungeborgenen Umständen bedeuten, dass sich das Individuum einem oder mehreren, als zugehörig eingestuften Mitmenschen, auch wenn diese nicht Ursprungsangehörige sind, anschließt. Der uns im Patriarchat antrainierte Hang eine dauerhafte und daher unrealistisch Paarbildung (Zweiergemeinschaft) anzustreben, gehört dazu. Wir sind auf alle auf der Suche nach unserer verschwundenen Fürsorgegemeinschaft (dem Matrifokal). Selbst wenn eine dieser zwangszugewiesenen oder erwählten Ingroups uns nicht wohl will, wird die in der anonymen Großgesellschaft vereinzelte und verlassene Mensch(*) sich nicht einfach abwenden können. Deutlich wird das auch bei Frauen die scheinbar gegen alle Vernunft in Gewaltbeziehungen ausharren. Ausgelöst durch eine ständige Bedrohung oder andauernde Gefährdung, welche zum Teil nur unterbewusst wahrgenommen wird. Unsere Verhaltensmuster und Affekte sind komplex und für das einzelne Individuum, über das eine Gefahr hereinbricht, nicht so einfach rational zu erfassen, da es sich in der Regel um einen (psychischen) Ausnahmezustand handelt und das erlittene Trauma und die weiterbestehende sowie Angst erzeugende Gefahr es weiterhin lähmt.

Wirklich wichtig für das Menschsein und das Fortbestehen der Menschheit ist einzig und allein die gesicherte Existenz von Müttern…

Seit Jahren benutze ich (so wie unzählige andere Frauen) schon den Begriff Stockholm-Syndrom um für all die, einer Gewaltsituation ausgelieferten Frauen und ihren Kindern, genau diesen Effekt des Überlebens zu beschreiben. Wenn frau umsichtig an so ein Thema herangeht, dann ist das viel mehr als eine gesellschaftspolitische Betrachtung, wie sie heutzutage üblich ist. Wie es überhaupt üblich ist, alles was uns im Alltag patriarchaler Gesellschaftsdoktrin passiert, bestenfalls nur gesellschaftskritisch zu betrachten, wird auch die vom Patriarchat als Geisel genommene Frau* dabei nicht ernstgenommen sowie alles, was uns Menschenfrauen betrifft und aus den Tiefen der lebendigen, sich weiterentwickelnden (organischen) Natur stammt, gern vernachlässigt wird.

Die frei gelebte Female Choice einer jeden Frau in unserer Gesellschaft, wird nach wie vor behindert und gebrochen, was weiterhin die patriarchale Struktur verdichtet, erhält und für das natürliches Leben unbrauchbar macht. Ähnlich wie der mit Leben durchdrungene Boden in einem forstwirtschaftliche Wald, der mit schwerem Gerät verdichtet wird. Dieser ruinierte Waldboden kann sich wahrscheinlich nur über sehr, sehr lange Zeiträume erholen und dass auch nur, wenn er ab sofort in Ruhe gelassen würde. Ebenso braucht die im Stockholmsyndrom erstarrte Frau dringend eine kulturelle Regenerierung, die ihr kollektive und persönlich die Besinnung auf ihr naturgemäßes Sein und ein Ausleben ihres weiblichen in der Natur verbundenen Lebens ermöglicht. Das bedeutet ein kontinuierlich mutterbezogenes Dasein mit ihren Kindern und Großmüttern und Schwestern, außerhalb der Geiselnahme durch den patriarchalen Mann.

Im Patriarchat sind wir, die Bewohner der Moderne, ständig auf der Suche nach unserer mutterlinearen Zugehörigkeit und müssen uns im ständigen Mangel- und Gefahrenfall mit insuffizienten Surrogaten zufriedengeben, um unseren Alltag zu ertragenoder in ihm zu überleben zu können. Da dürfen wir (als Individuum) zwischen all den angebotenen Ersatzkonstellationen wählen: wie fluktuierende Paarbeziehungen, Ehen und Kleinfamilie, Angehörigenferne Freundeskreise und das Aufgehen in Berufs- und Erwerbstätigkeit. All diese kulturell vorgegebenen, gesellschaftlichen Lebenskonzepte im Alltag sind uns alternativlos vorgegeben und daher von uns verinnerlicht. Diese sozialen fest installierten Gebilde, diese Ingroups, in denen wir unsere Lebenszeit verbringen, nehmen wir irrigerweise als eine naturgemäße Gemeinschaft wahr, obwohl dort keine umfassende, gegenseitige menschliche Fürsorge stattfindet. Was in der Regel immer dann besonders deutlich und nachteilig für die einzelne Frau spürbar wird, wenn sie Mutter ist.

Wir heutigen Frauen sind die Nachkomminnen der ersten Gewaltbetroffenen im patriarchalen System von Raub, Mord und jede Art von Gewaltverbrechen und wir tragen verschiedene epigenetische „Errungenschaften“ wie das patriarchal induzierte Stockholm-Syndrom bereits in unserer genetischen Ausstattung um sie arglos weiterzuvererben. Und wenn es uns nicht endlich gelingt diesen Effekt zu verdeutlichen und ihn bewusst zu verändern, werden weiter Situationen wie die verschiedenen Spielarten der täglichen Geiselnahme und andere (Gewalt)Verbrechen als normale Erscheinungen des gesellschaftlichen Alltag toleriert und je nach Einstellung des Betrachters sogar glorifiziert.

In den Unterhaltungsmedien ist der Heros/Held, der sogenannte Gute, immer auch irgendwie ein (Gewalt)Täter, bei dem es zudem als legitim angesehen wird, dass er sich über eskalierende Gefühlsausbrüche aller Art abreagiert. Geringe Impulskontrolle und eine niedrige Hemmschwelle seinem Willen mit Macht durchzusetzen, wird so lange allgemein geduldet oder sogar bewundert, bis er eine Blutspur oder Tote hinterlässt. Dann erst greift das Gesetz ein und das bedeutet nicht immer, dass nun alle anderen aufatmen können. Sich durch Formen des Stockholmsyndroms zu schützen, in dem frau/mann sich mit dem/den Täter(n) quasi verbündet, sind daher nach wie vor an der Tagesordnung im Umgang mit den „Helden“,  denn Der schlagkräftige und körperlich in jeder Hinsicht potente Mann wird uns nach wie vor über alle Medien als Ideal präsentiert.

* Gendersternchen
(*) Männer sind immer gern mitgemeint

Stephanie Ursula Gogolin, September 2019
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Aus einem Chat mit der Enkeltochter…

…wenn wir es genau nehmen, schwängert die Frau/das Weibliche in der belebten Natur, sich selbst. Sie bzw. ihre auf Lebensweitergabe gerichtete Körperfunktion verwendet das Spermium, dass ihr zusätzliche Geninhalte liefert (der größeren Diversität halber) um ihre teilungsbereite Eizelle zu aktivieren.

Der Moment der beginnenden Zellteilung der weiblichen Eizelle ist jedesmal der (große) Augenblick der Entstehung neuen Lebens und dieser evo-biologische Vorgang ist keiner willentlichen Steuerung (schon gar nicht durch ein maskulines Individuum) unterworfen…

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Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

…in einem Gespräch mit einer guten Freundin kamen wir argumentativ an den beliebten Punkt, wo die meisten Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln trennen. Dem Spirituellen wird dann eine Art Esoteriklabel aufgeklebt oder als Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich fragte jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch?

Beides sind Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und selbst wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur „gefühlten“ Spiritualität, wird doch oft einem von beiden eine höhere oder bessere Qualität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien, die typischen institutionalisierten Religionen oder auf die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht „spirituell“ zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass ‚er‘ oder ’sie‘ bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängte oder von Kindheit an so manipuliert wurde statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, als Menschenkind darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung wie der profanen Erziehung ) nicht dazu in der Lage sein, zu spüren, was das eigene geistige Innere ausmacht.

Hier wäre es hilfreich über Spiritualität im Allgemeinen nachzudenken, aber wir sollten immer davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unseren, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft.

Wobei, es heißt ja, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem innerkörperlichen Gefühlskomplex bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld).

Die uns eigene Spiritualität, also unsere personale innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung, deren Mittelpunkt wir selbst sind – das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen (und sonstigen Wesenheiten) um uns vernetzen.

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher oder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Andererseits, wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es in unserem heutigen Anspruch keine passende Bezeichnung für unsere gefühlte Situation. Für manches fehlen uns schlicht die die passenden Vokabeln.

Der moderne (patriarchal konditionierte) Mensch scheint sich erst zu gestatten etwas wahrzunehmen, wenn es durch auf dem aktuellen Stand befindliche Naturwissenschaft nachgewiesen wurde. Wenn Messungen und andere „Abhörtechniken“ beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine geistige (sprituelle) Leistung, ein Ausdruck der individuellen Spiritualität.

Die Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in Programmen wie Intuition, Spiritualität, Fantasie und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, evolutionierte Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers und um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen. Meines Erachtens sind sie auf keinen Fall identisch. In der Religiosität folgt man (den von anderen) vorgedachten Entwürfen  oder mensch wird gleich in eine Gesellschaft mit komplexer Ideologie hineingeboren und assimiliert anderer Leute spirituelle Vorstellungen … so oder so ist damit die eigene Entwicklung von Anfang an behindert. Und dann (miss)brauchen wir vielleicht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adaptieren und mit „Leben“ zu erfüllen. Die christliche Nonne wäre hier ein deutliches Beispiel, wie sehr das eigne spirituelle Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann. Nonnen bzw. Ordensschwestern dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. „Gutes“ für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit die körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit brachten. Hildegard von Bingen ist eine der wenigen (uns überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Jede Mensch ist in jedem Fall eine spirituelle Mensch, und zwar von Geburt an. Das spirituelle/innergeistige Sein gehört zu unserer menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instinktiven, also ‚genetisch‘ angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedener Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit (soweit vorhanden) anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln meist intuitiv und trotzdem handeln sie dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir als Mensch auch in unserer Mitte an – in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint).

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und aus unserer fantastischen Mitte heraus, erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, ‚Innenwelt‘ erzeugt… (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissensreichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie – aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung… sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Die Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist potentiell in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt – das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, unsere ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.

Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft. Das Vermögen durch Imagination innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht – durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen, ist eine evolutionierte Strategie der Lebensbewältigung. Im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir all das schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da. Wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammeln, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne.

Die hier entstehenden Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen, auch das ist Teil unserer intuitiven Überlebensstrategien.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen Frauen wieder über Freiräume uns gemeinschaftsorientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Verortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht unbedingt zum Standard gehörte. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erobern, ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen. Außerdem – die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“.

Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit ‚richtig‘ und ‚falsch‘ auseinander zu setzen (ist Teil unserer Anpassung) sowie unser empathisch-kooperierendes Empfinden (angeborener Drang zur Interaktion), nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität immer wieder ein.

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und dabei wenden wir die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer ererbten Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch: unsere (positiv geformten) Fantasie erhält uns „gesund“ und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, auch das ist ein evolutionärer Effekt im Rahmen des Selbsterhalt. Alles was die Menschen kann, sich als Spezies angeeignet hat entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie z.B. die Kraft der Spiritualität oder der Fantasie…

Stephanie Ursula Gogolin

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Das Matrifokal

Das Matrifokal ist die Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Mensch (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat*, welches von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für Mütter und ihren Nachwuchs fungierte.

Die Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppierungen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.

Das Matrifokal – ist meine Wortschöpfung für die naturgemäße (evo-biotische) Fürsorgegemeinschaft. Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten**.

Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren … in der unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologischer angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch (biologische) Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuum.

Stephanie Ursula Gogolin

 

(* Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

(** Zitat by Gabriele Uhlmann – „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

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