Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I

Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose…

Stockholm-Syndrom – Wikipedia: Unter dem StockholmSyndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.“

Das sogenannte Stockholm-Syndrom ist von Anfang an eine der gruseligen Nebenwirkungen des Patriarchats und es gab dieses psychologische Phänomen schon sehr lange bevor es Banken gab, die überfallen werden konnten.

Genau genommen sind wir auch heute noch alle Geiseln, welche die Erfinder des Patriarchats einst nahmen! Hört sich dramatisch an, ist aber so! Und wie ein Geiselopfer in auswegloser Lage begannen auch wir unsere Unterdrücker zu „lieben“. Wir (die neuzeitlichen Generationen) können nicht ohne ihre Spielchen, die uns als Normalität verkauft werden und wir tun alles um nicht aufzufallen bzw. zu gefallen. Wir ziehen möglichst keinen Zorn auf uns und versuchen einfach die nächste Stunde zu überleben. Das System Geiselnahme oder (zeitlich begrenzte oder ungewisse) Gefangenschaft ist kein natürlicher Effekt des Lebens in der Natur, sondern ein permanenter, kulturell herbeigeführter, Ausnahmezustand. Wer sich nicht unterwirft, geht drauf, manchmal auch nur, wenn der Geiselnehmer einen schlechten Moment hat. Eine Geisel kann gar nicht per se alles richtigmachen und so garantiert heil davon kommen. Sie kann sich nur wegducken, in Unterwerfungspose still verhalten oder kooperieren. Sich quasi beliebt machen, um den Tag zu überleben (und das eigene Kind, dass blöderweise oder zufällig dabei ist, auch). Das Phänomen Stockholm-Syndrom passiert einem betroffenen Opfer in den seltensten Fälle aus einem Kalkül heraus, sondern entsteht einfach, durch das erlebte Trauma ausgelöst im (Überlebens)Programm.

Wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass im Erleidensfall einer gewaltsamen Geiselnahme, einer Entführung oder sonstigen Gefangenschaft bei der/den betroffenen Person(en) sofort eine ganze Menge an lebenserhaltenden Effekten freigeschaltet werden, um den Schock der Gefahrensituation, der plötzlichen Unfreiheit, das Ertragen der Fremdbestimmung und die Ungewissheit der Dauer der Zwangslage zu verarbeiten.

Der in uns angelegte, essentiell lebenswichtige Drang zur Zugehörigkeit, ist ein solcher Effekt, der bei hochgefährlichen Gefahrensituationen, wenn weder rechtzeitige Flucht noch Gegenwehr möglich ist, eine Unterwerfungshaltung auslöst und infolge zu einem, manchmal irrational erscheinenden Verhalten einer betroffenen Person führt. Unser überlebenswichtiger Zugehörigkeitsdrang (entwickelt in den matrifokalen Fürsorgebindungen) ist ein (Bio)Mechanismus, der uns allen als Überlebenseffekt eigen ist. Ich stelle ihn neben die Female Choice und die Mutter-Kind-Bindung.

Das besagtem Stockholm-Syndrom löst verschiedene Effekte aus. Da wir Menschen, als Naturabhängiges Lebewesen, immer den Drang verspüren eine, im Alltag notwendige Nähe von An- bzw. Zugehörigen unbedingt zu erhalten, gilt das auch, oder mehr denn je, in einer gefährlichen Lage bei Gleich- oder Wohlgesinnten Verständnis oder Schutz zu suchen. Die Absurdität dieses Syndroms besteht darin, dass die Geisel diese Zuflucht beim Täter sucht, dem vermeintlich stärksten Verbündeten in dieser unberechenbaren Situation. Wenn „alles gut geht“, ist irgendwann alles vorbei. Die Geiseln nehmen zwar das Trauma mit und den Schrecken, der sich auch nur langsam abbaut und das gräsliche Gefühl Opfer eines Verbrechens geworden zu sein, aber sie haben überlebt. Sie können in ihr Leben zurückkehren, auch wenn es nie mehr so ganz ist was es vorher war.

Der Super-GAU für jedes Individuum ist jedoch die Versklavung (eine Geiselnahme für immer) – die dauerhafte Unfreiheit, das Herausgerissensein aus einem geborgene Leben bzw. die brutale Verhinderung jeder Selbstbestimmung. In so einem Fall wird dem Individuum jede natürliche, menschenartgerechte Daseinsform versagt und für die, aus ihrem LebensSoziotop gerissenen, überlebende Mensch beginnt eine ausweglose, nicht mehr endende Trauma-Episode. Die Vertreter der patriarchalen Strukturen haben die Geiselnahme erfunden und hin zur Sklaverei perfektioniert.

Uns wird zwar in unserem Alltag in der Regel keine Pistole an den Kopf gehalten, damit wir Tag für Tag im gesellschaftlichen Geiseldrama mitspielen und den Geiselnehmern gehorchen, nein es geht normal und angepasst zu … denn die Waffen sind inzwischen in unseren Köpfen und längst lieben wir die Täter.

Wir heutigen Frauen sind die Nachfahrinnen der verschleppten Töchter, der entführten und versklavten Mütter der frühen patriarchalen Machtsysteme (siehe auch in Teil II). Vor ein paar tausend Jahren (etwa zwischen acht und sieben, es ist schwer sich hier festzulegen) begann eine unheilvolle kulturelle Entwicklung, die bis heute andauert.

Der Mann etablierte sich in seinem neuen Status als Besitzender anderer Lebewesen. Er unterwarf seine Herde seinem Willen, die ab jetzt auf seinem Land vor sich hin zu grasen hatte. Er nahm Zugriff auf das Leben der Tiermütter und begann ihre Fortpflanzung zu manipulieren. Und um seinen Besitz dauerhaft und wirksam zu verteidigen und hielt er es für erforderlich sich zu bewaffnen. Waffen zu tragen wurde zu einem Attribut privilegierter Männer und das wiederum befähigte ihn nicht nur weiterhin harmlosen Herdentieren die Freiheit zu nehmen, sondern auch seine Mitmenschen zu dominieren, zu unterdrücken und willkürlich zu vernichten. Der bewaffnete Mann wurde zum Gewalttäter und dieser Umstand brachte der bis dahin Naturgeprägten Welt  eine grausame, eine androzentrierte Gesellschaftsform – heute Patriarchat genannt. Der Mann und seine angeeigneten (gefährlichen) Privilegien sind bis heute ein Problem für alle. Die bisherigen menschenartgerechten Lebensverhältnisse begannen sich im Besonderen für die Frau gravierend zu verändern. Wir leben heute in einer anonyme Großgesellschaft, die der Frau und Mutter das Leben mehr als nur schwer macht.

Wir sind zwar nach wie vor die Erbinnen der evo-biologischen Urmütter, die uns unsere Resilienz vermachten, aber im Patriarchat ging uns auch nach und nach der Naturbezogene Kontext verloren. Daher sind wir zwar als Mensch immer noch gut im Überleben, aber besonders die Frau ist auch aus dem gleichen Grund nicht wirklich in der Lage sich gegen das Patriarchat bzw. dessen Auswirkungen zur Wehr zu setzen. Ihr Selbsterhalt und der unbedingte Schutz ihrer Kinder kollidiert ständig mit den Bedrohungen, die in patriarchösen Strukturen im einzelnen oder kollektiv über sie hereinbricht. Eine handfeste Gegenwehr ist in der Regel unter den Umständen einer nicht natürlichen Gefahr, einem Mann mit einer Waffe in der Hand, keine gute Idee und es bedeutet auch sich der bestehenden Gefahr nicht nur auszuliefern, sondern weitere unabsehbare Gefährdungen in Kauf zu nehmen.

Erstens: das Patriarchat ist ein Gewaltsystem und das bedeutet seine Vertreter sind (und heute mehr denn je) in der Lage ihre Interessen und Wünsche immer brachial durchzusetzen. Der privilegierte Mann in seiner Erscheinungsform als Vater gab dieser Gesellschaftsform den Namen. Wobei der Vater eine kulturelle Konstruktion ist und nicht natürlicherweise als ein artgerechtes Fürsorgemitglied des menschlichen matrifokalem Kontinuum vorkam. Sein Status ist der Mutterbruder bzw. Sohn einer Mutter. Aber ausgehend von der Annahme, dass der Mann das Kind zeugt, kürte sich der Mann zum Vater ... das Patriarchat nahm seinen Lauf.

Zweitens ist die Frau, wie alles Weibliche in der Natur, als Trägerin des Arterhalts stets in die naturgemäße Verantwortung für die nächsten Generationen (ein)gebunden und wird daher sich und ihren Nachwuchs das Überleben sichern, indem sie als Mutter ihr Kind so gut wie möglich vor den Auswirkungen des Patriarchats schützt. Diese (evolutionär selektierte) menschliche Überlebensstrategie baute auf der matrilokalen Fürsorge der matrilinear agierenden Säugetierspezies auf und entwickelte ein eigenes, matrifokales Sicherungssystem in dem die Mutter-Kind-Einheit den größtmöglichen Schutz genoss. Diese artgerechte Fürsorgegemeinschaft – Das Matrifokal – agierte Generationsübergreifend, Geschwisterbasiert und vor allem Mütterzentriert. Sie ist schlicht die Basis der Erfolgsgeschichte der Menschheit.

Und dass kann bedeuten, sich einem oder mehreren, als zugehörig eingestuften Mitmenschen, auch wenn diese nicht Ursprungsangehörige sind, anzuschließen. Der uns antrainierte, unrealistische Hang zur dauerhaften Paarbildung (Zweiergemeinschaften) gehört dazu. Selbst wenn eine dieser zwangszugewiesenen oder erwählten Ingroups uns nicht wohl will, wird die in der anonymen Großgesellschaft vereinzelte und verlassene Mensch* sich nicht einfach abwenden können. Deutlich wird das auch bei Frauen die scheinbar gegen alle Vernunft in Gewaltbeziehungen ausharren. Ausgelöst durch eine ständige Bedrohung oder andauernde Gefährdung, welche zum Teil nur unterbewusst wahrgenommen wird. Unsere Verhaltensmuster und Affekte sind komplex und für das einzelne Individuum, über das eine Gefahr hereinbricht, nicht so einfach rational zu erfassen, da es sich in der Regel um einen Ausnahmezustand handelt und das erlittene Trauma und die weiterbestehende, Angst erzeugende Gefahr es weiterhin lähmt.

Wirklich wichtig für das Menschsein und das Fortbestehen der Menschheit ist einzig und allein die gesicherte Existenz von Müttern…

Seit Jahren benutze ich (so wie unzählige andere Frauen) schon den Begriff „Stockholm-Syndrom“ um für all die, einer Gewaltsituation ausgelieferten Frauen und ihren Kindern, genau diesen Effekt des Überlebens zu beschreiben. Wenn frau umsichtig an so ein Thema herangeht, dann ist das viel mehr als eine gesellschaftspolitische Betrachtung, wie es heutzutage üblich ist. Wie es überhaupt üblich ist, alles was uns im Alltag patriarchaler Gesellschaftsdoktrin passiert, bestenfalls nur gesellschaftskritisch zu betrachten. Das alles, was uns Menschenfrauen betrifft, aus den Tiefen der lebendigen, sich weiterentwickelnden (organischen) Natur stammt, wird dabei leider gern vernachlässigt.

Die frei gelebte Female Choice einer jeden Frau in unserer Gesellschaft, wird nach wie vor behindert und gebrochen, was weiterhin das Patriarchat verdichtet und für das natürliches Leben unbrauchbar macht. So wie der Boden in einem forstwirtschaftliche Wald, der mit schwerem Gerät so verdichtet wird, dass er sich wahrscheinlich nur über sehr, sehr lange Zeiträume erholen könnte und auch nur wenn er ab sofort in Ruhe gelassen würde. Das gleiche wäre, die im Stockholmsyndrom erstarrte Frau bräuchte dringend eine kulturelle Regenerierung, die ihr kollektive und persönlich die Besinnung auf ihr naturgemäßes Sein und ein Ausleben ihres weiblich verbundenen Lebens ermöglicht. Das bedeutet ein kontinuierlich mutterbezogenes Dasein mit ihren Kindern, außerhalb der Geiselnahme durch den patriarchalen Mann.

Im Patriarchat sind wir ständig auf der Suche nach unserer mutterlinearen Zugehörigkeit und geben uns im Mangel- und Gefahrenfall mit insuffizienten Surrogaten zufrieden – nur um unseren Alltag ertragen zu können oder in ihm zu überleben. Das sind diese Ersatzkonstellationen: wie fluktuierende Paarbeziehungen, Ehen und Kleinfamilie, Angehörigenferne Freundeskreise und das Aufgehen in Berufs- und Erwerbstätigkeit. All das sind sowieso schon die von uns verinnerlichten Fremdgebilde. Ingroups, die wir als naturgemäße Gemeinschaft wahrnehmen (sollen), obwohl dort keine umfassende, gegenseitige menschliche Fürsorge stattfindet. Was in der Regel besonders für die einzelne Frau deutlich wird, wenn sie Mutter wird.

Wir heutigen Frauen sind die Nachkomminnen der ersten Gewaltbetroffenen im patriarchalen System von Raub, Mord und jede Art von Gewaltverbrechen und wir tragen wahrscheinlich verschiedene epigenetische „Errungenschaft“ wie das patriarchal induzierte Stockholm-Syndrom bereits in unserer genetischen Ausstattung um sie arglos weiterzuvererben. Und wenn es uns nicht endlich gelingt diesen Effekt zu verdeutlichen und ihn bewusst zu verändern, werden weiter Situationen toleriert, die Geiselnahmen (und andere Verbrechen) tolerieren und in den Unterhaltungsmedien sogar glorifizieren. Was bedeutet, dass es mehr denn je notwendig ist, als Mütter (bzw. jede Frau), den Mann (in seiner Eigenschaft als Sohn und Bruder) in humanem Miteinander zu sozialisieren…

 

(* Männer sind immer gern mitgemeint

 

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Aus einem Chat mit der Enkeltochter…

…wenn wir es genau nehmen, schwängert die Frau/das Weibliche in der belebten Natur, sich selbst. Sie bzw. ihre auf Lebensweitergabe gerichtete Körperfunktion verwendet das Spermium, dass ihr zusätzliche Geninhalte liefert (der größeren Diversität halber) um ihre teilungsbereite Eizelle zu aktivieren.

Der Moment der beginnenden Zellteilung der weiblichen Eizelle ist jedesmal der (große) Augenblick der Entstehung neuen Lebens und dieser evo-biologische Vorgang ist keiner willentlichen Steuerung (schon gar nicht durch ein maskulines Individuum) unterworfen…

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Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

…in einem Gespräch mit einer guten Freundin kamen wir argumentativ an den beliebten Punkt, wo die meisten Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln trennen. Dem Spirituellen wird dann ein Esoteriklabel aufgeklebt oder als Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich fragte jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch?

Beides sind Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und auch wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur „gefühlten“ Spiritualität, wird doch meist einem von beiden eine höhere und damit bessere Qualität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien, die typischen institutionalisierten Religionen oder die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht „spirituell“ zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass ‚er‘ oder ’sie‘ bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängt hat oder von Kindheit an so manipuliert wurde, dass statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung) nicht dazu der Lage zu sein zu spüren, was das eigene geistige Innere ausmacht.

Es kann hilfreich sein über Spiritualität im Allgemeinen nachzudenken, wir sollten aber davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unseren, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft. Wobei es ja heißt, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem Gefühlskomplex oder -zentrum bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld).

Die uns eigene Spiritualität, also unsere personale innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung, deren Mittelpunkt wir selbst sind – das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen (und sonstigen Wesenheiten) um uns vernetzen.

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher oder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Andererseits, wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es in unserem heutigen Anspruch keine passende Bezeichnung für unsere gefühlte Situation.

Der moderne (patriarchal konditionierte) Mensch scheint sich erst zu gestatten etwas wahrzunehmen, wenn es durch Naturwissenschaft nachgewiesen wurde. Wenn Messungen und andere „Abhörtechniken“ beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine geistige (sprituelle) Leistung, ein Ausdruck der individuellen Spiritualität.

Die Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in den Programmen: Intuition, Spiritualität, Fantasie und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, evolutionierte Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers und um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen. Meines Erachtens sind sie nicht identisch. In der Religiosität folgt man (den von anderen) vorgedachten Entwürfen  oder mensch wird gleich in eine Gesellschaft mit komplexer Ideologie hineingeboren … so oder so ist die eigene Entwicklung von Anfang an behindert. Dann (miss)brauchen wir vielleicht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adaptieren und mit „Leben“ zu erfüllen. Die christliche Nonne wäre hier ein deutliches Beispiel, wie sehr das eigne spirituelle Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann. Nonnen bzw. Ordensschwestern dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. „Gutes“ für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit die körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit brachten. Hildegard von Bingen ist eine der (wenigen überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Jede Mensch ist in jedem Fall eine spirituelle Mensch, aber nicht weil sie es sich erarbeitet, sondern weil sie von Geburt an war. Das spirituelle Sein gehört zu unserer menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instinktiven, also ‚genetisch‘ angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedener Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit (soweit vorhanden) anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln meist intuitiv und trotzdem handeln sie dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir in unserer Mitte an – in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint).

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und aus unserer fantastischen Mitte heraus, erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, ‚Innenwelt‘ erzeugt… (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissensreichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie – aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung… sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Der Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt – das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, unsere ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.

Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft. Das Vermögen durch Imagination innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht – durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen, ist eine Strategie der Lebensbewältigung. Im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir all das schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da. Wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammeln, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne. Die hier entstehenden Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen, auch das ist Teil unserer Überlebensstrategien.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen Frauen wieder über Freiräume uns gemeinschaftsorientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Verortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht unbedingt zum Standard gehörte. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erobern, ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen. Außerdem – die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“.

Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit ‚richtig‘ und ‚falsch‘ auseinander zu setzen sowie unser empathisches Empfinden, nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität ein.

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und wir wenden die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer ererbten Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch: unsere (positiv geformten) Fantasie erhält uns „gesund“ und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, es ist ein evolutionärer Effekt des Selbsterhalt. Alles was wir als Menschen können, uns als Spezies angeeignet haben, entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie die Kraft der Spiritualität oder eben auch der Fantasie…

Stephanie Ursula Gogolin

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Das Matrifokal

Das Matrifokal ist die Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Mensch (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat*, welches von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für Mütter und ihren Nachwuchs fungierte.

Die Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppierungen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.

Das Matrifokal – ist meine Wortschöpfung für die naturgemäße (evo-biotische) Fürsorgegemeinschaft. Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten**.

Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren … in der unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologischer angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch (biologische) Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuum.

Stephanie Ursula Gogolin

 

(* Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

(** Zitat by Gabriele Uhlmann – „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

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Vom Postpatriarchat zur matrifokalen Gemeinschaft?

Der Begriff Postpatriarchat ist derzeit und verschiedendtlich recht gebräuchlich und deutet an, wenn ich es richtig verstehe, dass die unmittelbare Zeit nach dem Patriarchat bereits angebrochen ist. Uns wird mit diesem Begriff suggeriert, dass bereits eine Art Paradigmenwechsel stattgefunden hat bzw. in Gange gesetzt wurde. Dergleichen kann ich nicht feststellen. Zudem hat für mich der Ausdruck Postpatriarchat so ein Flair von postapokalyptisch.

Dieser Begriff bezeichnet auch keine konkrete Gesellschaftsform, sondern bringt nur die Hoffnung zum Ausdruck: das Ende des Patriarchat ist nah. Und einige tun so als hätte sie bereits begonnen, die erleichternde Zeit danach – nach der Patriarchose, nach der fatalen Väterherrschaft. Dass wir also mit einem Bein bereits in der noch nicht definierten Zukunft unserer globalen Gesellschaft stünden.

Meiner Meinung nach ist allerdings derzeit gar nichts „post“. Und weder der Beginn noch das Gefüge, des zu erwartenden gesellschaftlichen Öko- und Wertesystems einer zukünftigen Weltgesellschaft, ist bisher umrissen. Was folgt also nach dem Patriarchat und wie könnten sich tatsächlich die ernsthaften Schritte des Übergangs gestalten? Welche Art eines Gesellschaftsgefüges wird sich aus der jetzigen, für alle so erdrückenden Patriarchose entwickeln und was, wenn die Nutznießer der derzeitigen Kultur ihre Macht doch nicht einfach aus den Händen geben wollen?

Ich weiß, dass da eine gern zitierte Vision im Raum steht: Mann und Frau als autarke, also vollkommen unabhängige (auch wirtschaftlich), Individuen, welche sich aus Liebe und nach Bedarf zusammen tun und innerhalb gewisser, biologisch vorgegebenen, Lebensabschnitte für einen Fortbestand der Art sorgen, ohne ein (Mutter)Sippengefüge aufkommen zu lassen. Die reine Form einer Partnerschaft auf Augenhöhe, eine Art Fortführung des Eheideals auf höchstem Niveau, jedoch ohne das strenge Reglement des (christlichen) Ehegedanken und gleichzeitig unter Vernachlässigung der relevanten elementaren Kindheitsphase und möglichst ohne Wahrnehmung des biologischen Alterungsprozesses. Der immer noch und nahezu naiv vorgegebene, gesellschaftliche LeitSinn zielt auf das (unnatürliche) Ideal eines mehr oder weniger dauerhaften Zweier-Bündnis, welche Nachwuchs produzieren soll, jedoch nicht verpflichtet ist eine (kollektiv relevante) Altersabsicherung zu gewähren.

Ich kenne noch zu gut diese futuristischen Trugbilder aus der Zeit meiner Jugend, die ich im DDR eigenen sozialistischen UtopieTop der staatlichen Indoktrination und dem dazu passendem Schulsystem erlebte. Nichts davon hat je wirklich funktioniert und wird es auch nicht. Daher fällt es mir auch außerordentlich schwer, mir das Postpatriarchat als eine funktionierende Partnerschaftsgesellschaft (ohne die ursprüngliche Sippenbindung) vorzustellen. Das ist für mich genauso unrealistisch, wie einst die kommunistischen Gesellschaftsmodelle einer marxistisch – leninistischen Ära, die ähnliche utopische Ideen pflegten, dabei auf jede Art von technischem Fortschritt setzten und in den sozialen Bereichen diffus eine allgemeine Verbrüderung als tragendes Element annahmen. Und wie im Patriarchat üblich wurden nicht nur die Schwestern vergessen, noch wurde der Mütter und Töchter gedacht.

Der Mann als Träger des Postpatriarchats?
Wie wird sich also, wenn es soweit ist, die postpatriarchale Gesellschaft entwickeln? Aus welchen, heute bereits wirksamen Impulsen geht denn das neue Paradigma hervor?

Wird der Mann, die ihm bisher (durch göttliche Fügung) beigegebene Gehilfin „Frau“, zu seiner gleichberechtigten Nenn-Partnerin machen und auf jede Form weiblicher Ausbeutung und Diskriminierung verzichten?

Oder strampelt sich der Großteil der Frauen frei? Findet nach dem langem vergeblichem individuellen, jetzt ein kollektives Bemühen der Frauen statt, den Mann überhaupt erst grundsätzlich menschenfreundlich und partnerschaftstauglich auszubilden um damit für jede/n ein ersprießliches, Nähe garantierendes, Zusammenleben zu gewährleisten?

Findet im Postpatriarchat nach der Sozialisierung des Machoman dann weiterhin eine Art permanenter Singlebörse als einziger Sinn der Lebensgestaltung statt? Und wo finden wir den Ort der Sozialisierung, um einen postpatriarchaltauglichen Mann zu kreieren? In der tradierten Kleinfamilie wohl nicht, dass hat bisher auch nicht geklappt! Oder durch all die alleinerziehenden Mütter bzw. Väter? Oder gar in dem Gewirr der modernen Patchworkfamilien-Landschaft oder in einem, der matrifokalen Sippe nachgebildeten, Wahlclan, in dem aber nach wie vor die Mutter-Tochter-Bindung fraglich bleibt?

Um weiterhin weit weg von mütterlichen oder blutsverwandten Verbandelungen, das erwachsene, bindungsarme, autarke Individuums zu formen und auf die Suche nach einzelnen Partnern zu schicken, die ebenso unter den Defiziten leiden, die so eine moderne Vereinzelung mit sich bringt? Denn der Dreh- und Angelpunkt scheint für den Mainstream auch in der Zukunft immer noch in einer differenzierten Neuordnung des Geschlechterverhältnis außerhalb einer naturgemäßen Bindungsgemeinschaft zu liegen.

Es wird ihn (hoffentlich) nicht geben, den Gender-Norm-Menschen der Zukunft – für den prinzipiell keine Geborgenheit in einer (menschenartgerechten) fürsorgenden Herkunftsgemeinschaft vorgesehen ist und der durch den postapokalyptischen Mainstream zum beziehungsbereiten, doch bindungsarmen, flexiblen Partner für jedefrau bzw. jedermann geformt wird. Woher kommt er also dann, der gewaltfreie, partnerschaftliche, sozial eingestellte und fürsorgende Mann?

Unsere (biologische) Natur können wir nicht abschütteln und so wird der Mensch auch weiterhin als ein von mütterlicher, menschlicher Fürsorge abhängiges Wesen zur Welt kommen. Da unsere moderne Gesellschaft in allen ihren patriarchösen Ausprägungen leider bereits vorhanden ist und gefühlt aus nur fertigen erwachsenen Menschen im besten Erwachsenalter besteht (alle anderen werden weitgehend outgesourct) gibt es keinen Ort für menschliche Sozalisation.

Diese festgelegte erwachsene Welt kreist als Ego-Karussell durch unser Leben. In dieser Welt haben es all die kleinen hineingeborenen Menschlein nicht einfach, das zu bekommen, was sie eigentlich für ihren Start ins Leben brauchen und um auch später ihre individuellen Lebensaufgabe zu erfüllen. Das per Erbanlage erwartete Matrifokal ist jedenfalls schon mal nicht in unserem Alltag präsent. Wir kommen auf die Welt und müssen als Individuen erst einmal lernen im jeweiligen (patri)kulturellen Kontext zu interagieren und uns nach und nach die Anforderungen des späteren erwachsenen Lebens erarbeiten. Die urzeitlichen Menschen (deren Muster bei uns noch wirksam sind) wuchsen (über Jahrtausende) unmittelbar in einem Sippengefüge unter Geschwistern und direkten Angehörigen auf und verblieben in der Regel bis ans Ende ihrer Tage in diesen Gemeinschaften. So erlebte die/der Mensch permanent jede menschliche Alters- und Entwicklungsphase bei den Anderen mit und an sich selbst. Die natürlich aufgewachsene Frau wird auch daher ohne weiteres den weiblichen Gesamtzyklus verinnerlicht haben.

Die eigenen ineinander fließenden Lebensabschnitte waren (sind) komplex mit denen der Nähemenschen (Sippenangehörige und Alltagsgefährten) verwoben. Das menschliche Dasein fand/findet in unmittelbaren Bindungsfeldern statt, die zyklisch und generativ verschränkt waren und immer noch sein sollten. Dass ihre Lebensabläufe heutzutage von vielen Mitfrauen oft wie eine Einbahnstraße gelebt werden, ist der männlichen Dominanz geschuldet, welche alle unsere Alters- und Lebensphasen beherrscht. Die Frau lebt von Natur aus eigentlich einen anderen Rhythmus als der Mann und würde es jederzeit wieder tun, sobald sie wieder ihrer Female Choice und ihrem matrifokalem Erbe folgen kann.

Das Patriarchat baut sich vor allem auf die vitale (und damit aggressive) Lebensperiode des Mannes auf. In dieser Phase eines Männerlebens wurden die heute noch wirksamen hierarchischen Machtpotentiale geschaffen. Hier ist der Mann kein von der Mutter abhängiges Kind mehr und (noch) kein von der Sozial-Gemeinschaft abhängiger alter Mann, sondern scheinbar immer der starke (je nach Sub-Kultur auch gewaltbereite) und im Kreis seiner Verbündeten lebende, Mann mittleren Alters.

Der wettbewerbende Mann im mittleren Alter ist der Taktgeber in unserer patriarchösen und androzentrierten Gesellschaftsstruktur. Ein Postpatriarchat würde erst einmal weiterhin unter der Dominanz des Mannes stehen, da das weiterhin wirksame Ideal des Vaters vermutlich nicht relativiert würde. Der individuelle Vater ist ein kulturelles Konstrukt, dass parallel mit der gewaltsam eingeführten Herrschaftshierarchie platziert wurde. Das ursprünglichen Gefüge unserer artgerechten matrifokalen Gemeinschaft wurde dadurch nach und nach fast vollständig global zerstört.

Der Vater und das Postpatriarchat
Die Berufung auf die Wichtigkeit der Vaterschaft halte ich für eine männliche Kampftaktik und weniger als die Vorstellung, dass der Mann einst seine Bedeutung bei der Entstehung des Nachwuchses erkannte und bereit war in diesem Sinne Verantwortung zu übernehmen. Der Sohn hatte für den Vater im beginnenden Patriarchat einen bedeutenden Stellenwert, als verlässlicher Verbündeter, als sein Erbe, als Verlängerung der eigenen Person über den Tod hinaus.

Dass die Vater-Sohn-Konstellation auch immer wieder Konflikte barg und heute noch problematisch ein kann, ist allerdings auch zu bekannt. Heute hat der Sohn im Sinne von Status, für den in der westlichen Kultur lebenden Mann keine so mächtige Bedeutung mehr, wie zu Zeiten der beginnenden patriarchalen Androkratien. Da heißt es eher: mein Haus, mein Auto, meine Yacht – aber weniger mein Sohn oder gar meine Tochter. Auch wenn es den Anschein hat ich tue hier einer Menge Männer unrecht, läuft, wenn wir genau hinsehen und uns nicht von den neuen Idealen blenden lassen, das volle Patriopathieprogramm immer und überall im Hintergrund mit. ‚Pater‘ bedeutet nun mal, wie wir eigentlich wissen sollten, nicht Vater (im biologischen Sinn), sondern Herr. Sehr schön ist hier in dem Zusammenhang das Beispiel des Papstes, der ja nun im heutigen Verständnis so gar kein (sorgender) Vater ist, jedoch von seinen Millionen Gläubigen und auch von der atheistischen Welt als (Heiliger) Vater bezeichnet wird.

Nichts finde ich derzeit schwieriger einzuordnen als den Vaterbegriff, obwohl er allen mit dem allergrößten Selbstverständnis über die Lippen geht. Egal ob leiblich, sozial oder im übertragenen Sinne, Vater ist der Begriff, welcher mit dem Patriarchat unmittelbar verknüpft ist und ihn nicht nur sprachlich geprägte. Ich persönlich kann mir die Zeit nach dem Patriarchat eigentlich nur als mütterlich-egalitäre Gesellschaft, als eine matrifokal-basierte Welt vorstellen. Eine Welt in der die Geschwisterlichkeit wieder ihren Platz hat und das generationsübergreifende Selbstverständnis zu unserem Bewusstsein gehört. Der heutige populäre Partnerschaftsgedanke alle, auch einander fremde, Männer und Frauen sind sich menschlich zugetan und spüren immer und überall ein partnerschaftliches Verständnis, wird sich bei aller Anstrengung höchstens als eine Art Übergangslösung entpuppen, da diese Art Partnerschaft auf (anonymer) Nichtverwandtschaft basiert und ein rein ideologisches (bzw. politisches) Konstrukt ist. Und daher sage ich es gern immer wieder: es wird nicht funktionieren. Denn dem Individuum, gleich welchem Geschlechts, wird weiterhin bei dem Gesellschaftsmodell der Partnerschaft, also dem Paarkonzept ohne Angehörigenbindung, die erforderliche Geborgenheit und kollektive Fürsorge und Nähe entzogen. Als unser artgerechtes Sein sollten wir endlich die geschwisterliche und durch allgegenwärtige Mütterlichkeit geprägte Gemeinschaft anerkennen, denn hier wird, wahrscheinlich schon immer, in angemessener Form den Geschlechtern (egal wie vielen) Gerechtigkeit zuteil.
Nun ist ja Patriarchatsrecht nicht automatisch Männerrecht. Es gibt reichlich Anzeichen dafür, besonders im Hinblick auf das Wirtschaftssystem, dass die uns umgebende Patriarchose hin zu einer maligen Phallokratie fortschreitet. Nicht der, ohnehin fragwürdige, väterliche Anspruch konditioniert die Gesellschaft, sondern ungezügelte, männliche Hybris weniger Privilegierter, die sich wie Geiselnehmer der Gesellschaft verhalten oder sich wie Drahtzieher im Hintergrund halten. Auch das Patriarchat war und ist bisher kein Maßanzug für JederMann. Immer wieder müssen wir Frauen mitansehen, dass die wahren Privilegien im Patriarchat auch den Männer nicht in den Schoß fallen und nicht ein jeder automatisch ein Gewinner ist. Um zu einem Gewinner aufzusteigen, gilt es erst einmal sich dem allgemeinen Wettbewerb zu stellen und diverse reale und virtuelle Kämpfe auszutragen. In den Anfängen des Patriarchats war das wörtlich zu verstehen. Eine entsprechende Herkunft hat zwar schon immer diese Form des Anerkennungskampfes erleichtert, aber am Ende sind Triumphzüge trotzdem selten genug. So mancher Knabe fängt zwar bereits durch „patrilinear verstandene“ Geburt recht weit oben auf der Hierarchieleiter an, doch das ist keine Garantie am Ende zu den Gewinner der Patri-Gesellschaft zu gehören. Das Zeitalter der Väter, der Macht gewohnten Patriarchen, scheint sich zwar ab und zu aufzulösen, aber nicht etwa um den nun gleichberechtigten Müttern (Frauen) Platz zu machen. Der nächste Backslash kommt bestimmt und gerade eben trifft bereits wieder einer in der Gegenwart auf und wie Gabriele Uhlmann sagt, haben wir jetzt das Patriarchat 3.0 …

Die Frau und das Postpatriarchat
Dieser Tage sind die patriarchalen Strukturen immer noch eine Art Konfektion für den Mann mittleren Alters (bevorzugter Typus: Einsamer Jäger), ein Anzug, der natürlich trotzdem nicht jedem passt. Da sich derzeit die ethisch/ideologische Kleiderordnung von ausschließlich ‚Mann‘ auch hin zu ‚Mensch‘ erweitert hat, dürfen auch Frauen mehr denn je in diese Kostümierung schlüpfen. Unter bestimmten Umständen können sie sich zeitweise auch gut darin bewegen, doch vom Grundansatz her ist es immer noch ein maskuline Uniform.

Wirkliches weibliches Sein und weibliche Werte finden nur schwer Einlass in die patriarchalen Männerbünde (und ehrlich gesagt, haben sie auch dort nichts zu suchen). Der Kampf, manchmal um jeden Preis, der auf die Niederlage der Gegner und den eigenen Sieg zielt, ist auch nicht wirklich ein Frauen- und Mütter-Ding. Obwohl auch da unser Schulsystem so früh wie möglich Mädchen und Jungen in einen ungesunden Wettbewerb zwingt und Konsens, Miteinander und jegliche Kooperation vergessen lässt. Dass Frauen immer noch nicht die Chefetagen stürmen, liegt nicht nur an der sogenannten gläsernen Decke, sondern auch daran, dass Frauen dem System hilflos (…was soll das Ganze?), kritisch (…wozu soll das Gerangel nützen?) oder unwillig (…ach nee lass mal, ich will das nicht!) gegenüberstehen. Sich im Wettbewerb unter Einhaltung der Hierarchieregeln nach oben zu kämpfen ist für so manch eine Frau keine Option, sondern nur eine verdammte Zeitverschwendung. Denn als Mütter haben wir eigentlich doch was anderes, etwas Besseres, zu tun.

Bleibt also nach wie vor die Frage: können wir das Patriarchat überwinden und uns als Gesellschaft heilen? Werden wir statt der Patriarchose und deren postumen Erscheinungen eine Gesellschaft schaffen, die nahtlos an das Konzept der matrifokalen Urgemeinschaft anknüpft?

Bisher wollen ja die meisten nicht in die Steinzeit zurück. Und selbst wenn sich auch gerade an der Stelle neue Einsichten bilden, hat trotzdem fast eine Jede Angst die bequeme Moderne zu verlieren. Übersehen wird dabei ständig, dass wir nicht das steinzeitliche Know-how zurückholen wollen, sondern die (menschen)artgerechten, sozialen und damit matrilokalen Bedingungen unter denen unsere Ahninnen lebten. Dass wir des Geist des Kontinuum wieder entstehen lassen, in dem einst die Mensch die Grundlage zum humanen Menschen gelegte. Wir sind das Ergebnis unseres naturgemäßen und artgerechten Seins. Diese Basis wieder als Alltagssituation zu küren und einzuführen wäre schon allen Kindern zuliebe wünschenswert.

Hier begegnet mir leider immer wieder eine sehr geringe Vorstellungskraft, die gerade unter Frauen in den bangen Fragen gipfelt: „Wie soll das denn gehen?“ oder „Wo bleiben da die Männer?“. Und die Feststellung, dass wir ja ‚vieles nicht wissen können‘, weil niemand von uns in der Vergangenheit dabei war, ist ebenfalls sehr beliebt.

Da die (anerkannten) Wissenschaftler der Archäologie oder ähnlichen Disziplinen so manches völlig anders darstellen, traut frau oft nicht ihrer Vorstellungskraft, die doch eigentlich unsere kollektive Erinnerung ist. Ich bin eh der Meinung, dass wir, als aufmerksames Individuum, so viel mehr wissen, als nur die von Schulweisheit sparsam servierten Faktenhäppchen, die uns in männlich/ patriarchaler Manier auch noch vor-interpretiert werden. Frauen sollten wirklich endlich damit beginnen die Welt zu erklären.

Dazu ein kurzer Auszug aus meinem betrachtenden Essay „Das weibliche Wissen“…:
Unser Wissenserwerb geschieht von Anbeginn über unser sinnliches Sein und wird bewahrt durch die aktive menschliche Erinnerung, die immer eine kollektive Komponente war und ist. Unsere Ahninnen, heißt es, kamen viel herum … sie waren als Wildbeuterinnen unterwegs. Allerdings sind sie nicht etwa nur irgendwie ziellos in der Welt herumgestreift und haben „Beute gemacht“. Sondern sie erkundeten systematisch die Landschaftsgebiete, in denen sie lebten und die die Nahrung für die Sippe sicherstellten. Oft über viele viele Genrationen hindurch und das Wissen, das frau daraus zog, wurde nicht nur von einer Person verinnerlicht, sondern als aktive kollektive Erfahrung abgespeichert (ein Effekt der Epigenetik). Sie brachten Kunde davon in ihre Gruppe, zu denen, die noch nicht oder nicht mehr mithalten konnten und sie legten diese in den persönlichen und vor allem in den kollektiven Erinnerungsspeichern ab und zwar in den Hirnen aller Gemeinschaftsangehörigen. Vergessen wir nicht: Kommunikation ist weiblich!

Alles, was sie unterwegs gesehen, geschmeckt, gerochen, gehört und gefühlt hatten gaben sie weiter. Nie kann Eine je alles allein erfahren und trotzdem verfügen wir als Individuum oft über ein sehr umfangreiches Wissen. Schon weil sich das Individuum nie selbst an alle Plätze dieser Welt begeben und wenn, dann dort andere eigene Erfahrungen macht und weil wir immer viel mehr sind als ein Einzelwesen … der Mensch als Gruppenwesen tritt (als Person) mit einem umfassenden Anlagepool in die Welt und dieser Erbteil unserer Ahninnen ermöglicht(e) uns unser lebenslanges Lernen und Erinnern, das wiederum jedem Einzelwesen und der Bindungsgemeinschaft zu Gute kommt. Menschen nehmen, wie alle andere Lebewesen auch, das Wissen der sie umgebenden Umwelt osmotisch auf und zwar vom Anbeginn ihrer personellen Existenz. Unsere Sinne sind unsere Verbindung nach außen und zwar jeden Moment des Lebens, auch wenn einem das im Alter nicht mehr so vorkommt. In der Natur (aber auch in der von Menschenhand und -hirn geschaffenen Kultur) sind daher alle unsere Sinne von immenser Bedeutung. Das ist unsere Natur. Selbst wenn Unmassen von Ideologien, Theologien oder Patrireligionen uns weismachen wollen, dass der Mensch als eine Art beseelte Schöpfung kreiert wurde bzw. eine (natur-) unabhängige Seele hat.

Wenn wir allerdings auf eine Art Beseelung bestehen, dann wäre das für mich der Kollektivgeist den wir in uns tragen. Die gespeicherten Erfahrungswerte unserer Vorfahren, zu denen auch all unsere Vorgängerarten gehören. Unser erstaunliches und scheinbar autarkes Wissen ist nie eine Einzelleistung des Individuums, auch wenn das manche gern hätten. Es gibt imho kein Wissen und keine Erleuchtung oder große Vision deren Grundlagen nicht ohnehin ständig kollektiv neu angelegt, vervollkommnte und individuell variiert wird. Wir mixen nur aus allem, was wir in uns tragen (was bereits durch die langen Verkettungungen zwischen dem Potential unserer Vorfahrinnen grundgelegt wurde) und dem was wir im Laufe unseres Lebens dazu erworben haben ein ständig neues Bild von der Welt und ihren Möglichkeiten und zwar seit dem Moment, in dem wir eine winzige Eizelle waren. Unser persönliches Wissen um die Welt, in die wir hineingeboren wurden, gipfelt darin ein einzigartiges Individuum einer bestimmten Spezies zu sein – aber ohne alle Anderen vor uns und diejenigen, die bis heute unsere Nähegemeinschaft bilden, wären wir nur der vergängliche Flügelschlag eines Schmetterling im Fluss der Zeit.

Die Mutter und die artgerechte Fürsorgegemeinschaft – die postpatriarchale Alternative! Als soziales Lebewesen haben wir uns auch Regeln des Zusammenlebens geschaffen. Der grundlegende Automatismus war und ist: das Wohl der Nähe-Gemeinschaft und somit des Individuums, denn das wiederum garantierte den, über den Selbsterhalt hinausgehenden Arterhalt, der weitere Lebenserhalt im Nachwuchs der Spezies.

Vergessen wir die angebliche Bedeutung von Unterrichtsstunden oder Lehrbüchern, sie sind nur ein (kleiner) aufgesetzter Teil der gesamten Lernerfahrung unseres Daseins. Entscheidend ist dagegen immer die innige, die intensive und wohlwollende Nähe der Fürsorgegemeinschaft in die einst das Menschenkind hineingeboren wurden und auch heute noch wird. Die aus (bevorzugt konsanguinen*) Angehörigen bestehende Fürsorgegemeinschaft ist der Lebensschlüssel unseres Menschseins seit der Zeit, da sich die Spezies Mensch zu formen begann.

Was ist die Nähe-Gemeinschaft, der unmittelbare Nähekreis? Was können wir uns darunter vorstellen. Die klassische (Klein)Familie ist es nicht und nur bedingt opportun für ein Kind. Denn was ist schon für ein Kreis der lediglich aus aus zwei (erwachsenen) Personen besteht: Vater und Mutter? Noch dazu wenn das Kind sie oft über mehrere Stunden am Tag kaum zu Gesicht bekommt. Selbst wenn zusätzlich Geschwister da sind, bleibt dem Kind in der Regel die Erfahrung verwehrt von verschiedenen angehörigen Nähepersonen betreut zu werden, ihnen am Tag immer wieder zu begegnen bzw. mit ihnen nach Bedarf zu interagieren.

Trotzdem ist der Kern eines jeden Menschenbeginns die Mutter-Kind-Einheit und das was ich als Nähekreis bezeichne, die matrifokale Fürsorgemeinschaft, ein Umkreis von nahestehenden und vor allem (konsanguin) verwandten Menschen im Alltag, die permanent zu uns gehören und in dem die Einbettung der Mütter und ihre Kinder als Selbstverständnis daher kommt.

Leider ist es heute, besonders in der westlichen Kultur, mit einer beständigen, fürsorgenden Nähegemeinschaft nicht weit her. Die Kleinfamilie (bzw. zunehmend das alleinerziehende Elternteil) ist ein mangelhaftes Surrogat. Dieser Nähekreis, der aus einem maximal zwei erwachsenen Menschen zusammensetzt ist und nur dauerhaft funktionieren kann, weil er unterstützt wird durch ein Heer anonymer Dienstleister, die zum Teil als fragwürdige Miterzieher der Kinder fungieren. Konsanguine und weitere Verwandte sind eine Mangelerscheinung, während jedwede Fremdbetreuung zum Standard gehört.

Sollten wir als Gesellschaft die Vernunft aufbringen und wieder anfangen ‚von der Mutter her‘ zu denken und an das natürliche soziale Gefüge unserer Ahninnen – die Matrifokalität – anknüpfen, bliebe auf alle Fälle unseren Kindern die immer dramatischer werdende Vereinzelung für den Rest ihres Lebens erspart. Die Mütter, ihre Schwestern und Brüder, die ab jetzt das Postpatriarchat aufräumen werden, müssen sich auf Menge Arbeit gefasst machen. Eine gründliche Trennung von all den patriarchösen und somit schädlichen, Konditionierungen und hin zu den naturgemäßen und somit humanen Werte, dürfte für eine Jede(n) eine Lebensaufgabe werden.

*konsanguin – durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie

… dieser Text entstand aus verschiedenen meiner Kommentare und Statements …
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Gibt es den matrifokalen Vater?

Wahrscheinkontrolle

Von den seltenen Fällen einer Kindsvertauschung in der Klinik abgesehen, ist sich eine Mutter sicher, dass ihr Kind wirklich von ihr abstammt. Ein Vater kann das nicht behaupten, denn er ist an der Schwangerschaft nicht beteiligt. Wenn eine Mutter ihr Kind stillt, wird ihr Körper mit Oxytocin geflutet und es bildet sich das heraus, was wir als Mutterinstinkt bezeichnen (Blaffer Hrdy 2010). Davon zu unterscheiden ist die Mutterliebe, die sich auch herausbildet, wenn sie nicht stillt. So oder so, schon in der Schwangerschaft knüpfen Mutter und Kind ein fast schon magisches zu bezeichnendes Band, durch das sich beide wortlos verstehen und das lebenslang hält. Ein Kind kennt seine Mutter von Beginn an und durchlebt mit ihr alle Gefühle, was in der Stillzeit noch hormonell bedingt ist und später noch lange nachwirkt, weil der wachsende Verstand diese Gefühle auch einzuordnen lernt.

In unserer Welt leben die meisten Väter mit ihren leiblichen…

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Die natürliche Matrifokalität – Besonderheit der menschlichen Spezies

Eine Betrachtung und eine These von Stephanie Ursula Gogolin

wir übergehen hier an dieser Stelle den immer noch beliebten Begriff ‚Matriarchat‘ und kommen gleich zum evolutionären Kontext der Muttergeborenen Lebewesen.

Die Mensch ist eine Spezies der Säugetiere und damit ist die Mutter und die Mütter-Gemeinschaft der wesentliche Überlebensfaktor. Das Leben wird in der Mutterlinie weitergegeben. Jede Großmutter trägt mit ihrer ungeborenen Tochter bereits die Eizellen ihrer zukünftigen Enkelkinder in sich. Matrilinearität ist ein Effekt unserer Evolution.

Als Menschen, als Säugetierspezies, haben wir in einer Ur-Matrifokalität überlebt. Sie ist die selektierte Überlebensstrategie unseres menschlichen Seins – wirksam in unserem menschlichen Kontinuum, dem organisch gewachsenen Gemeinwesen. Matrifokalität ist auch für sehr viele andere Spezies die naturgemäße Ordnung, wie Elefanten (und schon die Mammuts) oder Delfine, auch die meisten in Herden lebenden Tiere besitzen diese naturgemäße Strukturen; Mütterzentriert und Nachwuchsorientiert .

Die menschliche Matrifokalität beruht auf Matrilinearität, gelebt in Matrilokalität – eine ganz natürliche Lebensart, welche die Mensch später kulturell verschiedentlich ausformte. Wir finden die im Naturgeschehen gelebten Grundkulturen auch heute noch in manchen indigenen Gemeinschaften als überlieferte Lebensweise. Dass heißt: Das überaus durchsetzungsfähige Phänomen Leben, das sich mit allen Bedingungen des Planeten Erde immer wieder arrangiert und eine gigantische Vielfalt an Lebewesen hervorbringt, hat eine Spezies selektiert, die sich selbst als Mensch bezeichnet. Die Spezies Mensch, deren Individuen einzeln und besonders in ihrerm Jugendstadium, relativ hilflos sind, entwickelte sich über viele Jahrtausende zu einem der anpassungsfähigsten Teilnehmer der verschiedenen Varianten des Ökosystems Erde. Die speziellen Fähigkeiten sind vor allem geschickte Überlebensstrategien mit denen sich unsere Spezies an alle Klimazonen dieser Welt anpasste. Überall gelang es Menschen in ihren Fürsorgegemeinschaften ihre Kinder aufzuziehen.

Die besondere Langzeit-Pflege des menschlichen Nachwuchses wurde einzigartig mit der Grundform einer spezifischen Alltagskultur verknüpft. Wir können davon ausgehen, dass ursprünglich jede Kulturtätigkeit der Menschenfrau ein Nebeneffekt des Arterhalts ist und sich in gegenseitiger Fürsorgearbeit niederschlug. Dass heißt, jede Erfindung einer neuen Kulturtätigkeit sowie deren Weiterentwicklung (optimierte kollektive Nahrungsbeschaffung bzw. -konservierung, vielfältige Bearbeitung von Naturmaterialien, Heilwissen oder die erste Kunst), die zu einer Verbesserung der Alltagsbedingungen führten, kam vor allem dem Nachwuchs und der gesamten Angehörigengruppe zu Gute.

Die vor etwa neuntausend Jahren auftretenden patriarchösen bzw. androzentrierten Strukturen, haben dagegen nicht das geringste mit einer natürlichen oder „besseren“ Entwicklung zu tun. An dieser Stelle könnten wir jetzt polemisch fragen: Wenn all die patriarchalen (Vater bezogenen) und damit androzentrierten Verhältnisse, welche nach wie vor fast weltweit die menschliche Kultur beherrschen, ein evolutionärer Effekt wären, müssten da nicht andere Säugetierarten oder sonstige Spezies auch schon längst nachgezogen und ihre speziellen, bisher gut funktionierenden Überlebenstechniken einer ‚maskulinen Anleitung‘ unterworfen haben? Sollten wir denn überhaupt arteigene Überlebensstrategien und Anpassungsfähigkeit an eine bestehende Umwelt einer Spezies in eine Bewertungsskala von ‚besser‘ bis ’schlechter‘ einordnen? Sind sie doch evolutionär betrachtet das gerade bestehende Optimum.

Die leider stabil etablierte Gesellschaftsform der Patriopathie steht unermüdlich gegen das Naturgeschehen der urtümlichen Matrifokalität. Mag auch Das Patriarchat mehr als nur eine Ursache haben, letztendlich sind die Grundlagen dieser Gesellschaftsform vor allem durch Waffengewalt und mit zunehmender Verrohung des Menschenmannes installiert worden. Die einst gewaltsam durch Herrschermacht eingeführte und durchgesetzte (scheinbar omnipotente) Vaterdominanz, per Inanspruchnahme von Privilegien und exekutiv erzwungener Gesetzestreue weniger Männer, ist keine naturgemäße Entwicklung, sondern ein grausames Kulturprodukt.

Den artgerechten Urzustand unserer Spezies finden wir in der matrifokalen Gemeinschaftsform – der (konsanguinen*) Fürsogegemeinschaft – dem Matrifokal!

Die matrilinearen Basisgruppierungen lebten matrilokal – als Bindungsgemeinschaften in mütterlicher Linie – also in matrilinearen Sippen, selbstverständlich auch in ihrer weniger sesshaften Zeit als Wildbeuterinnen. Selbstverständlich bestanden die Gruppen aus Kindern, Frauen und Männer und zwar als Geschwisterbasierte Alltagsgemeinschaft. Diese bildete die Schutzsphäre für die Mutter-Kind-Einheit(en). Sie stellte ein Optimum an Überlebenschancen sicher und lieferte die alltägliche Geborgenheit eines jeden Individuums im generationsübergreifenden Fürsorge-Habitat.

Diese Theorie wirft auch heutzutage immer noch die Frage nach dem Liebes- bzw. Elternpaar auf. Wir können getrost davon aus gehen, dass es die Konstellation ‚Elternpaar‘ und „Ehepaar“ nicht gab, also nicht im heutigen Verständnis. Weder im ursprünglichen Naturgeschehen und langen Zeit nicht im anfänglichen Kulturgeschehen. Die jeweiligen Liebespartner der Erwachsen gehörten nicht wirklich zu dem alltäglichen gemeinschaftlichen Nähe- und Wirtschaftsablauf eines Matrifokals, sondern kamen nur im persönlichen Bezugsfeld einer Frau vor. Die naturgemäßen Female Choice der Frau sicherte über Jahrtausende das menschliche Leben in den geschwisterbasierten Fürsorgegemeinschaften. An stattfindene erotischen Begegnungen waren wohl kaum Bedingungen geknüpft, die das sonstige persönliche Leben von Frau und Mann nachdrücklich verändert hätte (wie es leider bei uns immer noch Usus ist). Auch jedwede Art Beziehungen außerhalb der Heterosexualität würde ich als selbstverständlich annehmen.

Auf Grund einer erotisch/sexuellen (Hetero)Beziehung wurden daher logischerweise in den Sippen keine neuen Wirtschaftskonstellationen bzw. -koalitionen geschaffen und in der Regel verließ das Individuum auch sicher nicht dauerhaft die Herkunftsbindungen. Kinder wuchsen naturgemäß in ihren Matrifokalen und Muttersippen auf, in welche sie hineingeboren wurden. Der Mann, repräsentiert durchseinen Status als Sohn und Bruder, trat als männliche Bezugsperson auf und übete eine Fürsorgefunktion als Mutterbruder in einem generationsübergreifenden Selbstverständnis aus. Das bedeutete für den Mann in der Regel von der Geburt bis zum Tod Teil der mütterlichen Bindungs- und Fürsorgegruppe zu sein.

Wir sind heute in unseren patriarchös zersetzten Kulturen an andere Formen des Zusammenlebens gewöhnt worden. Der Standard ist derzeit die Paarungs(Klein)Familie, die sich den (literarisch und medial gestützten) Mythen der romantischen Liebe unterwirft. Unter dem (patriarchös induzierten) gängigen Label Liebe findet sich Begehren, gegenseitiges Wohlwollen und innige Zuneigung ebenso wie unerträgliche Tyrannei und Gewalt. Zu unserer konditionierten kulturell-ethischen Haltung gehört auch, dass sich niemand wirklich wundert, wenn aus sogenannter Liebe sogar Morde begangen werden. Das heutige (in der Regel von seinen Herkunftsangehörigen separierte) Paar vertritt den allgemein geforderten dauerhaften (möglichst lebenslangen) Treueanspruch (was in der Regel höchst selten funktioniert) und praktiziert eine gemeinsame Mini-Wirtschaftsgemeinschaft, die Kleinfamilie (in der immer noch erwartet wird, dass der Mann/Vater die Rolle des Ernährers inne hat).

Diese Art der zwei-getakteten Lebensgestaltung baut auf dem Irrtum der traditionell verbreiteten Idee auf, dass das Paar, bestehend aus zwei fremden (nicht verwandten) Menschen, dauerhaft Lebenszeit mit einander verbringt und diese Konstellation ein Urkonzept der menschlichen Spezies sei. Die geforderte lebenslange ‚romantische‘, sich gegenseitig treu ergebene, und auf Sexualität gerichtete Liebe ist jedoch tatsächlich ein Konstrukt der jüngeren (patriarchalen) Geschichte. Patriarchale Strukturen, wie sie uns heute geläufig sind, wurden von herrschaftausübenden Männern um die, von ihnen kreierte Idee der Vaterdominanz herum gebaut.

Eine völlige Gewissheit der Vaterschaft ist kein natürlicher (biologischer) Effekt und nur durch totale Kontrolle der weiblichen Sexualität zu erreichen – also dem Konzept des gesellschaftlichen Ausschluss der Frau, ihrer Unfreiheit und ihrer Unterdrückung. Das Ausüben einer solchen mütter- und lebensfeindlichen Kontrolle durch den Mann (und den angenommenen Vater der Kinder) ist kein naturgemäßes Prozedere.

Die aus ihrer Unfreiheit entstehende Verfügbarkeit der Frau und die hochstilisierte Fruchtbarkeitsfixierung (durch patriarchöse Ideologie), haben für die rechtlose Frau durch die letzten Jahrtausende einen tragischen Verlauf genommen. Bis in unsere Zeit ist die Idee den Vater als Ausgangspunkt allen Seins zu erklären, in ungezählten grausam erlittenen Frauenschicksalen wirksam. Ob es um die heute noch stattfindende genitale Beschneidung kleiner Mädchen geht oder das scheinbar immer beliebter werdende Töten weiblicher Föten oder „nur“ um die Abwertung der Mutterarbeit und die rechtliche (finanzielle) „Bestrafung“ eines alleinerziehenden Elternteils durch unsere Gesetzeslage. Die einst eingeführte ‚väterliche Gewalt‘ beherrscht inzwischen immer noch das Handeln und damit auch das Denken und Fühlen der meisten Patri-Kultur-Gesellschaften unserer Welt.

Die inzwischen (fast) weltweit etablierte Praxis einer grundsätzlichen Separierung aller jungen Erwachsenen zum Zwecke der flexiblen Eingliederung in einen anonymen Wirtschaftskreislauf schreitet derzeit weiter munter voran. Da „der Mensch“ aus zwei Gründen nicht komplett auf eine totale Separierung konditioniert werden kann, wird ihm das Paargebilde als selbstverständliche Lebenshaltung angeboten (allerdings weniger um Frau und Kinder abzusichern, sondern um die Rundum-Versorgung des Mannes sicherzustellen). Die heute als Kleinfamilie bekannte kleinst mögliche Einheit einer menschlichen Gemeinschaft ging aus dem Ehekonzept und der patrilokalen Familie hervor. Während der Entstehung des Patriarchats wurden die naturgemäßen matrifokalen Basisgemeinschaften zurückgedrängt und aufgerieben und dafür die pseudo-patrilineare Dynastie- und Familienstruktur der privlegierten Männer als Surrogat für die verlorene Mutter-Sippe installiert und allmählich für Jeder-Mann nutzbar in die anonyme Großgesellschaft gestellt.

Die ‚Paarbeziehung in serieller Monogamie‘ ist heute im westlichen Kulturkreis fast ein Selbstläufer und setzt den bislang tradierten Wert der ‚Familie‘ außer Kraft. Um die Illusion der ‚klassischen Familie‘, bestehend aus Vater-Mutter-Kinder, am Leben zu erhalten, bürgerte sich der Begriff der sogenannte Patchwork-Familie ein. Darunter verstehen wir ein u.U. weitverzweigtes Gebilde aus verschiedenen Versatzstücken fluktuierender Beziehungen ehemaliger Paare, deren Bindeglieder die betroffenen Kinder sind – solange sie Kinder sind. Diese Kinder fungieren als Angelpunkte, welche die Illusion der Zugehörigkeit (zu einer Mutter-Sippe) gerade für Männer erhält. Leider wachsen unsere Kinder mit reichlich Falschinterpretationen von Verwandtschaft auf. Die aktuellen Partnerschaften ihrer Eltern sind eigentlich nur Wahlverwandtschaften, denn Zugehörigkeit von Mann und Frau wird nur über ein ideelles Bündnis geknüpft, dass keine Bindung darstellt. Das (Lippen)Bekenntnis zweier bis dato fremden, also nicht verwandten Menschen, zur gegenseitigen Verbundenheit (am liebsten lebenslang) ist keine natürliche Verwandtschaft.

Aber die naturgemäße (konsanguine) Verwandtschaft, als die geborgende Zugehörigkeit zu einer Fürsorgegemeinschaft, bedeutet auch dem modernen Menschen durchaus noch etwas. Nach der Trennung eines Elternpaares bleibt (für beide) nur die bestehende („Bluts“)Verwandtschaft zum Kind (die neuerdings als fünfzig zu fünfzig Prozent-Regel durchgesetzt werden muss). Da Vater und Mutter nur durch Heirat verwandt waren, sind diese nach der Trennung rein rechtlich nun wieder „Fremde“ – also nicht mehr miteinander verwandt. Niemand (nicht einmal die Bedürftigkeit des Kind) kann und darf sie zwingen diese Beziehung wieder gegen ihren Willen aufleben zu lassen. Allerdings gilt es in der Regel als zivilisiertes Verhalten solche getrennten Verbindungen nicht völlig unter den Tisch fallen zu lassen; die moderne Gesetzeslage verpflichtet beide Elternteile zur Sorge am „gemeinsamen“ Kind. Was ein weiterer unerschöpflicher Quell für noch mehr Probleme ist. Trennungen gehen in der Regel bereits aus internen Konflikten hervor und führen damit das zum Dogma aufgestiegene moderne Paarideal immer wieder ad absurdum.

Zitat aus http://www.stephanieursula.blogspot.de/2014/02/das-warum-und-das-wie.html : „Der modere patriarchale Mensch verhält sich wie eine Art Patient 0, bei dem alles beginnt und der seine Zugehörigkeit nur über seine Person und seine Nachkommen definiert. Und auch Frauen fällt es schwer, sich in eine Ahninnenreihe zu stellen bzw. sich als Teil der pragmatischen Evolution zu sehen.

Was sind nun die beiden Gründe, die dagegen stehen, dass der moderne Mensch solitär durch die Welt wandelt?
Die Mensch ist erstens von Natur aus ein Bezugs- und Bindungswesen in ihrer angehörigen Bindungsgruppe und zweitens prägt der evolvierte angeborene Drang zur Zugehörigkeit (eine Überlebensstrategie) unsere Identität als Persönlichkeit.
Das gegenseitige interaktive und unbedingt generationsübergreifende Fürsorgebedürfnis, kann daher nur in alltäglicher, unmittelbarer Nähe von vertrauten Bindungspersonen stattfinden. Das bedeutet: naturgemäß wurde/wird die Mensch in ihre (Mutter)Sippe hineingeboren und somit könnte sie auch heute noch in einer solchen verbleiben oder sich wenigsten und artgerechterweise bis zu ihrem Tod zugehörig fühlen.

Die natürliche Matrifokalität stellt die Besonderheit der menschlichen Spezies dar.

In der menschlichen (Ur)Gruppe sind in der Praxis des Alltags die permanent tragenden Elemente, das interaktive, empathische und kooperative Verhalten der konsanguinen* Angehörigen und das heißt, beide Geschlechter sind selbstverständlich lebenslang in die geschwisterbasierte, generationsübergreifende Fürsorgegemeinschaft einbezogen.

Die menschenartgerechte (überschaubare) Fürsorgegruppe, von mir Matrifokal genannt, bildeten die Schutzsphäre für den lange erst einmal recht hilflosen Nachwuchs unserer Spezies. Die Mensch ist als Individuum relativ gefährdet und schützte sich daher durch die verlässliche (Angehörigen)Gruppe. Überlebt hat (aus evolutionärer Sicht) in der Regel wohl der Sippenverband, in dem alle matrilinearen Angehörigen für einander einstanden.

In diesen Bindungsgemeinschaften wurde ein Jedes gebraucht, um dem Nachwuchs ein gesichertes Aufwachsen zu ermöglichen. Die matrilineare Gruppe (bestehend aus den durch Geburt verwandten Angehörigen), war ein bewährter Entwicklungsraum und die effektivste Schutzsphäre für den menschlichen Nachwuchs.

Nun existieren reine Strukturen einer matrilinearen Sippe unter den uns umgebenden patriarchalen Gesellschaftsverhältnissen schon längst nicht mehr. Das für Menschen typische, angeborene Bedürfnis sich in vertrauten sozialen Zusammenhängen aufzuhalten und mit ihren Bindungsangehörigen permanent in einen wohltuenden interaktiven Austausch zu treten, verschwindet ja nicht einfach, nur weil unsere Gesellschaftskultur ein System hervorgebracht hat, dass die Menschen aus ihren Herkunftsbindungen herauslöst und sie quasi zwingt gegen ihre Natur zu leben.

Wie vielleicht schon bemerkt, schreibe ich fast ausschließlich die Mensch‘ … was jedoch nicht bedeutet, dass der Mann als solches außen vor war/ist, denn erstens ist er immer herzlich mitgemeint und zweitens war/ist er als Sohn und Bruder ein unverzichtbarer Teil der matrifokalen Fürsorgegemeinschaft. Die Mensch ist meine Bezeichnung für unsere Spezies.

Das Problem des überwiegend fremdbestimmte Dasein der Frau in der Patriarchose ist auch für den Mann ein größeres Fiasko. Sein Status als Sohn oder Bruder einer Mutter besitzt kaum noch eine gesellschaftliche Wertigkeit. Der patriarchale Mann distanziert sich von allem Weiblichen und definiert sich fast ausschließlich über die ihm in Aussicht gestellte Vaterrolle, sein Konkurrenzgebaren und seine Sexualität.

Schon längst sind alle „zivilisiert“ lebenden Menschen permanent in die patriarchalen Muster verstrickt, auch wenn sie ursächlich immer nur durch den privilegierten Teil der Alphamännern initiiert und erhalten werden. Nun schaffen diese Machtmänner das nicht etwa, weil sie so eine überlegene humane Kompetenz oder ein umfassendes (logisches sowie emotionales) Wissen besitzen, wie immer gern verbreitet wird, sondern weil ein immer noch stetig steigendes Potential an sichtbarer und nicht immer offensichtlicher (Waffen)Gewalt die Welt im Griff hält und schon längst als stete unaufhörliche Bedrohung in unser aller Unterbewusstsein eingesickert ist.

Hemmungslose Skrupellosigkeit gegenüber Mensch und Tier und dem gesamten Ökosystem der Erde, hat zu einer Situation geführt, die mit einer Geiselnahme vergleichbar ist. Viele Millionen Menschen  (inzwischen Milliarden) waren/sind davon beeinträchtigt. Und damit stecken wir auch alle, ähnlich wie Geiseln, in einer Art (kollektiven) Stockholmsyndrom. Die allgegenwärtige patriarchale Gehirnwäsche verlangt, dass wir nicht nur eine vorauseilende Gehorsamshaltung einnehmen, sondern darüber hinaus die Täter lieben und ihnen vertrauen.

Daher nehmen wir die latenten Gewaltsituationen, die unsere Gesellschaftskultur prägt und steuert, oft nur noch dort wahr wo sie gerade wieder in einem Krieg oder einer politischen Krise offen tobt. In der ideologischen Verquickung der patriarchalen Lehren mit der androzentrierten Alltagskultur lernen wir die patriarchale gesellschaftliche Geiselnahme als gottgegebene Fügung oder gar als „Naturerscheinung“ hin zu nehmen. Dass die „erfolgreiche“ menschliche Spezies trotz der verschärften Bedingung der patriarchösen Annektion, nicht unterging, bedeutet nicht, dass das patriarchale System das evolutionär fortschrittlichere ist.

Eigentlich beweist es uns nur, dass die noch vorhandenen kläglichen Reste der einstigen praktizierenden Müttergemeinschaften und selbst die vereinzelte Mutter unter mangelhaften und inhuman grausamen Bedingungen fähig sind, die menschliche Art zu erhalten. Denn das Matrifokal respektive die Matrifokalität steckt in unseren „Genen“ und ist immer noch die aktuelle evolutionäre Stufe des Menschseins!

Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg 12.12.18

 

* konsanguin – verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie

… das Original dieses Textes (10.05.2014) steht in meinem Blog Alltag und wurde hier von mir überarbeitet … siehe: (http://stephanieursula.blogspot.de/) unter dem Titel „Möge der Bessere gewinnen…

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